Filmtipp des Monats April

Nachdem in seinem Leben gerade so ziemlich alles schiefläuft, fasst der just arbeitslos gewordene Jimmy Logan einen verzweifelten Plan: An einem Renn-Wochenende die Tageseinnahmen aus dem Safe der nächstgelegenen NASCAR-Rennstrecke rauben! Jimmys jüngerer Bruder Clyde ist skeptisch, da die Familie Logan bereits seit Generationen von einer notorischen Pechsträhne gebeutelt wird, macht aber trotzdem mit. Möglicherweise könnte ein gelungener Bruch ja das sprichwörtliche Pech der Logans in Glück verwandeln – irgendwoher muss immerhin der Filmtitel „Logan Lucky“ kommen. Auch Schwester Mellie ist mit an Bord und für das Fluchtfahrzeug zuständig. Schnell zeigt sich, dass die Logans verbrechenstechnisch durchaus nicht unbegabt sind: Terminprobleme, weil der Raub nur während bald abgeschlossener unterirdischer Bauarbeiten durchgeführt werden kann und der einzige in Frage kommende Safeknacker Joe Bang noch für 5 Monate hinter Gittern sitzt? Nö. Denn natürlich haben Jimmy und Clyde einen Plan: Sie wollen Bang für einige Stunden aus dem Gefängnis schmuggeln und nach getaner Arbeit wieder zurückbringen, ohne dass sein Verschwinden auffällt. So hätte er auch gleich ein perfektes Alibi …

Was folgt, ist wohl einer der irrwitzigsten Coups der Filmgeschichte – einschließlich des Einsatzes von unterschiedlich eingefärbten Kakerlaken (ja, das gehört tatsächlich zum Plan und ist dann bei weitem nicht so verrückt, wie es sich jetzt anhört) und eines improvisierten Sprengsatzes, der zum Teil aus Gummibärchen besteht. Außerdem wird – genial mitgedacht – eine Verteilerstelle gecrasht, damit am Rennstreckengelände sämtliche Kreditkartenlesegeräte streiken und die Verkaufsstände nur noch Bargeld akzeptieren – schließlich soll der Safe auch gut gefüllt sein.

Logan Lucky“ setzt gelungen die Tradition gleichzeitig spannender und amüsanter Gaunerfilme alter Schule fort, punktet mit stimmigen Details und Nebenhandlungen wie z.B. über Jimmys bezaubernde kleine Tochter, die den Sieg beim Kinder-Schönheitswettbewerb „Miss West Virginia“ am Ende nicht durch das Gekünstelte, sondern durch das Echte davonträgt.

Meine Lieblingsszene: Um im Gefängnis für Chaos zu sorgen, damit Joe Bangs Abwesenheit nicht bemerkt wird, fingieren die anderen Häftlinge einen Aufstand. Ihre wichtigste Forderung an den Direktor: Neuer Lesestoff für die Gefängnisbibliothek! Leider ist aber Autor George R. R. Martin mit der Fortsetzung von „Game of Thrones“ in Verzug, so dass nicht alle Buchwünsche erfüllt werden können …

Logan Lucky. USA, 2017. Regie: Steven Soderbergh. Darsteller: Channing Tatum (Jimmy), Adam Driver (Clyde), Daniel Craig (Joe Bang) … 1 DVD (114 Min.) Ab 12 Jahren freigegeben.

Andrea Sondermann

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Lesetipp des Monats April – Thriller

Ruth Ware: Woman in cabin 10. Deutsch von Stefanie Ochel.

dtv (https://www.dtv.de/), München 2017.

Wahn oder Wirklichkeit?

Lo Blackwood hat einen beneidenswerten Job: Sie wird bezahlt für etwas, was andere teuer bezahlen müssen: das Reisen in alle Welt. Sie arbeitet für ein Reisemagazin als Journalistin und darf an der Jungfernfahrt einer kleinen, ebenso exklusiven wie luxuriösen Kreuzfahrtyacht teilnehmen, um darüber zu berichten.

Es geht Richtung Nordkap durch die norwegischen Fjorde. An Bord der Yacht, die auch gechartert werden kann, befindet sich, neben einigen weiteren Journalisten und Fotografen, vor allem der elitäre Freundeskreis des Schiffeigners.

Noch in der ersten Nacht wird Lo durch auffällige Geräusche in der Nachbarkabine geweckt. Kampfgeräusche. Lo ist sich sicher, dass jemand über Bord geworfen wird, sofort alarmiert sie den Schiffsoffizier. Wer fehlt aus der kleinen Gruppe von Reisenden? Doch es stellt sich heraus, dass niemand außer ihr selbst die junge Frau zu vermissen scheint, mit der Lo sich am Abend noch unterhalten hat, und die die jetzt jedoch völlig unberührte Kabine mit der Nummer 10 bezogen hatte.

„Woman in cabin 10“ ist ein Thriller, der langsam Fahrt aufnimmt und uns dann mit unvorhergesehenen Wendungen verblüfft und bis zur letzten Seite blendend unterhält.

Die ideale Lektüre für Ihre nächste (Schiffs-?)Reise, oder vielleicht noch besser, für die lange Wartezeit vor dem nächsten Urlaub.

Hedda Jensen

Der dtv-Verlag hat zu „Woman in cabin 10“ ein Buchspecial veröffentlicht: https://www.dtv.de/special-ruth-ware-woman-in-cabin-10/start/c-1661.

Spontaner Filmtipp (fiel mir beim Lesen der Inhaltsangabe sofort ein): Ähnliche Ausgangslage, aber mit Zug statt Schiff: Sehen Sie sich doch bei Gelegenheit mal den Schwarzweiß-Klassiker „Eine Dame verschwindet“ von Regisseur Alfred Hitchcock an. Spannend!

Andrea Sondermann

Literaturgruppe

Am Montag, 7. Mai 2018, bespricht die Literaturgruppe ab 16.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Ein untadeliger Mann“ von Jane Gardam.

Interessierte sind herzlich willkommen.

Jane Gardam: Ein untadeliger Mann. Roman. Aus dem Englischen von Isabel Bogdan.

dtv (https://www.dtv.de/), München 2017.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Es ist nie zu spät für das Abenteuer des eigenen Lebens
Edward Feathers, einst Kronanwalt in Hongkong, vollendeter Gentleman, und selbst mit achtzig noch ein schöner Mann, scheint ein mühelos erfolgreiches Leben gehabt zu haben, doch wer kannte ihn schon wirklich? Nicht einmal seiner Frau Betty hat er je erzählt, woher das Stottern kommt, das ihn in Augenblicken großer Aufregung noch immer überwältigt. Als Betty stirbt, bewahrt Feathers wie gewohnt Contenance. Doch eines Morgens setzt er sich ans Steuer seines Wagens und fährt los, das eigene Leben zu erkunden.“

125 Jahre Stadtbibliothek

125 Jahre Stadtbibliothek – ein Grund zum Feiern!

(c) Zauberer Tutti

Seit dem 5. November 1892 gibt es in Husum eine öffentliche Bibliothek: Die „Volksbibliothek“ wurde vom „Verein für Volkswohl“ mit 200 Bänden für eine kostenpflichtige Ausleihe sonnabends von 20 – 21 Uhr gegründet. Über verschiedene Standorte – in der Warteschule (heute: Altenbegegnungsstätte), im Alten Rathaus, im Nissenhaus und von 1953 bis 2006 in der Kreisberufsschule als „Zentralbücherei Westküste“ – entwickelte sich die Husumer Bibliothek kontinuierlich weiter.

Seit dem Umzug in den Erweiterungsbau des Nissenhauses in der Herzog-Adolf-Straße 25 können die Besucherinnen und Besucher in hellen, modernen Räumlichkeiten ihre Medien ausleihen.

Die Stadtbibliothek Husum, die seit 2014 vollständig zur Stadt Husum gehört, ist ein beliebter Ort der Begegnung, an dem die Besucherinnen und Besucher gerne länger verweilen, Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften lesen, die digitalen Angebote sowie das Internet und (seit 2016) auch freies W-LAN nutzen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche vielseitige Veranstaltungsangebote für Kinder (wie z.B. den Ferienleseclub, Autorenlesungen, Vorlesenachmittage) und für Erwachsene (wie z.B. die Kulturnacht, Autorenlesungen und Vorträge, Kunstausstellungen oder die Literaturgruppe).

(c) In2Parts

Anlässlich des 125jährigen Bestehens bietet die Stadtbibliothek am Freitag, 09.03.2018, ab 14.30 Uhr ein buntes Nachmittagsprogramm zum Mitfeiern.

Um 15.00 Uhr wird gemeinsam mit dem Bürgermeister Herrn Schmitz die Geburtstagstorte angeschnitten. Für Kinder gibt es eine Schminkecke und Zauberer Tutti zaubert in der Kinderbibliothek. Eine Kreativecke lädt zum Basteln ein und literarische Figuren flanieren durch das Haus.

(c) Nino Moritz

Ab 16.00 Uhr trägt Nino Moritz im Lesecafé im Dachgeschoss Texte rund um Bücher und das Lesen vor. Dazu musizieren Julia und Louisa Mohr als Duo „In2Parts“.

Für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Lesetipp des Monats März – Jugendroman

Tommy Wallach: This love has no end. Aus dem Amerikanischen von Henriette Zeltner.

cbj (Verlagsprogramm unter https://www.randomhouse.de), München 2017.

„This Love has no End“ von Tommy Wallach
(c) cbj

Für seine College-Bewerbung muss der 17-jährige Parker einen Aufsatz über ein besonders wichtiges Erlebnis einreichen und schreibt eine nahezu unglaubliche Geschichte: Als er in einem Luxushotel aus der Handtasche eines silberhaarigen Mädchens ein dickes Bündel Banknoten mitgehen lässt, vergisst er dabei sein Notizbuch – sein wichtigstes Kommunikationsmittel, seit er nach dem Tod seines Vaters aufgehört hat zu sprechen. Außerdem hatte er direkt vor dem Diebstahl einen aus seiner Sicht sehr peinlichen Text über die Silberhaarige hineingeschrieben … den sie prompt bereits liest, als er sein Notizbuch zurückholen will.

Da Zelda ohnehin vorhatte, ihr gesamtes Geld an den Nächstbesten zu verschenken, ist Parker nun ihr Auserwählter. Seine Lebenseinstellung findet sie allerdings nicht sehr überzeugend, also will sie das Geld stattdessen mit ihm gemeinsam ausgeben und verlangt von ihm, sich im Gegenzug fürs College zu bewerben. Zelda selbst wartet nur noch auf einen Anruf und plant, sich von der Golden Gate Bridge zu stürzen, sobald das Geld aufgebraucht ist. Angeblich ist sie nämlich unsterblich und sieht bereits seit über 200 Jahren aus wie 18. Der Sprung von der Brücke soll ihrem langen Leben ein Ende setzen.

Ob der faszinierte (und verliebte) Parker sie davon überzeugen kann, sich nicht umzubringen – und vielleicht sogar ein neues Leben mit ihm anzufangen?

Ein faszinierendes und gut geschriebenes Gedankenspiel.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Februar – Bilderbuch

Poppy Bishop ; Alison Edgson: Gemeinsam Lesen macht Spaß. Aus dem Englischen von Christina Pfeiffer.

Tigerstern (mehr Infos gibt es auf der Facebook-Seite des 360 Grad Verlags: https://de-de.facebook.com/360GradVerlag/), Schriesheim 2017.

Die Freunde Maus, Igel, Fuchs und Hase wohnen zusammen, lieben Geschichten über alles und lesen jeden Abend in ihrem Lieblingsbuch (das dementsprechend mitgenommen aussieht). Leider ist ihr Lieblingsbuch aber gleichzeitig ihr einziges Buch. Mal eine neue Geschichte wäre wirklich toll, doch dafür müsste ein neues Buch her – wie um alles in der Welt sollen sie das denn bekommen? Und woher kommen Bücher überhaupt? „Bücher“, glaubt der Hase, „fallen vom Himmel wie Sternschnuppen.“ Prima, dann sollte ja irgendwo in der Welt etwas zum Lesen herumliegen und nur darauf warten, gefunden zu werden. Also machen sich die Freunde eines Morgens auf die Suche, und tatsächlich: mitten im Gebüsch finden sie ein Drachenbuch. Doch nachdem sie es begeistert durchgelesen haben und sich einig sind, dass dies auf jeden Fall ihre neue Lieblingsgeschichte ist, entdecken sie einen Eintrag ganz vorne im Buch, der ihnen zuvor entgangen war: „Finger weg!“ – das Buch gehört schon jemand anderem, nämlich dem Bären. Enttäuscht bringen sie das Buch zu seiner Adresse, aber der Bär ist nicht zu Hause, und einen Briefkasten, in den das Buch hineinpassen könnte, finden sie auch nicht. Allerdings passt das Buch durchs offene Fenster und die Freunde gleich mit. Im Haus des Bären gehen ihnen die Augen über – so viele Bücher! Prompt können sie ihre Lesebegeisterung nicht länger im Zaum halten und mampfen gleichzeitig ihren Proviant. Das gibt natürlich gewaltigen Ärger, als der Bär zurückkommt – einzubrechen und fremde Bücher mit Marmeladenfingern anzutatschen geht ja wohl gar nicht!!! Doch dass die Freunde nur ein einziges Buch haben findet der Bär dann auch nicht in Ordnung… also dürfen sie weiterlesen – vorausgesetzt, sie waschen sich vorher die Pfoten. Und der Bär stellt fest, dass gemeinsam Lesen viel mehr Spaß macht als alleine.

Freundlich gezeichnetes Bilderbuch mit vielen herzigen Details für Bücherliebhaber – unter anderem, dass eine der wichtigsten Regeln, die der Bär für seine neu gegründete Bibliothek aufstellt, „Marmeladenbrote bleiben draußen!“ lautet. Damit auch alle noch ganz lange etwas von seinen vielen tollen Büchern haben.

Klare Empfehlung für dieses Bilderbuch: Lesen! Am besten natürlich gemeinsam.

Andrea Sondermann

 

Lesetipp des Monats Februar – Roman

Nell Leyshon: Die Farbe von Milch. Roman. Aus dem Englischen von Wibke Kuhn.

Eisele (http://eisele-verlag.de/), München 2017.

„Mein Name ist Mary. Mein Haar hat die Farbe von Milch. Und dies ist meine Geschichte.“

So beginnt dieses bewegende Buch, das von Mary zunehmend sicherer und selbstbewusster, in ihren eigenen Worten, erzählt wird. Sie wächst als jüngste von vier Bauerntöchtern im ländlichen England auf. Schon als kleines Kind hat sie gelernt, hart zu arbeiten. Sie ist fleißig und zugleich nicht um eine  schnelle Antwort verlegen. Als sie 15 Jahre alt ist, wird sie im Frühjahr des Jahres 1831 ins örtliche Pfarrhaus geschickt, dort soll sie sich als zweites Dienstmädchen um die kranke Hausherrin kümmern. Für Mary öffnet sich eine neue Welt: Sie bekommt in diesem gebildeten und wohlgeordneten Haushalt nicht nur gut zu essen, sondern das intelligente Mädchen erhält die ungewöhnliche Chance, lesen und schreiben zu lernen. Als die Pfarrersfrau stirbt, kommt es jedoch zu dramatischen Veränderungen…

Dieser außergewöhnlich erzählte Roman , der den Zeitraum eines einzigen Jahres umfasst, hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die Aussage des Buches, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielt, ist zeitlos und erschreckend aktuell, wie die momentan in allen Medien laufenden Debatten um Abhängigkeitsverhältnisse und sexuelle Übergriffe beispielsweise in der Filmwelt zeigen.

Hedda Jensen