Auf Wiedersehen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

zum 25.05. schließen wir unseren Blog.

Die für einen Weiterbetrieb notwendigen technischen Anpassungen sind uns leider nicht möglich.

Vielen Dank an alle, die uns die Treue gehalten haben!

Lesetipps gibt es von uns natürlich weiterhin – vorerst ganz klassisch in Papierform als Aushang vor Ort, aber ab dem Start unserer neuen Homepage (voraussichtlich im Lauf des Jahres 2019) dann auch wieder im Netz.

Wir sehen uns in der Stadtbibliothek!

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Lesetipp des Monats Mai – Roman

Jochen Missfeldt: Solsbüll. Roman.

Rowohlt (https://www.rowohlt.de/), Reinbek bei Hamburg 2017.

Es ist ein norddeutscher Roman (wieder) zu entdecken, der das Potential zum Klassiker hat.

Den ehemaligen Luftwaffenpiloten, Journalisten und Schriftsteller Jochen Missfeldt kennt man in Husum auf jeden Fall als Autor einer sehr lesenswerten Storm-Biographie („Du graue Stadt am Meer : Theodor Storm in seinem Jahrhundert“, Hanser Verlag, 2013). 2017 veröffentlichte er im renommierten Rowohlt-Verlag den Roman „Sturm und Stille“, der die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Theodor Storm und seiner zweiten Frau Doris Jensen erzählt. Glücklicherweise entschloss sich der Verlag, sozusagen „im Gefolge“ von Missfeldts neuestem Buch, auch ein „altes“ wieder aufzulegen, das erstmals 1989 erschienen war.

Deshalb kam ich in den Genuss, eine literarische Reise nach „Solsbüll“ zu unternehmen. In diesem fiktiven Ort, irgendwo bei uns im Norden, steht das „Hebammenhaus“. Dort leben und arbeiten die beiden Hebammen des Dorfes, Mutter und Tochter. Anne und Gret Hasse kennen natürlich jede einzelne Familie, auch deren ansonsten oft nur allzu gut gehütete Geheimnisse, genauso wie der Arzt des Dorfes, Doktor Meggersee. Die Männer der Familie Hasse heißen alle Gustav, doch erst dem dritten Gustav ist es vergönnt, mehr aus seinem Leben machen zu können, als für sein Land in den Krieg ziehen zu müssen, während die Frauen im Dorf den Alltag am Laufen halten.

„Solsbüll“ ist ein breit angelegter, wunderbarer Roman, der, immer an der „großen“ Zeitgeschichte der vergangenen rund hundert Jahre entlang, voller kleiner Geschichten und ebenso genau wie liebevoll gezeichneter Figuren steckt. Ein großes norddeutsches Panorama.

Was ich bei anderen Romanen schon oft schmerzlich vermisst habe, ist bei diesem Buch übrigens perfekt gemacht: Es gibt im Anhang ein ausführliches Personenregister, das beim Lesen sehr hilfreich war und mir die zahlreichen Haupt- und Nebenfiguren auf seine Weise auch noch näher gebracht hat.

Ein großer Lesegenuss!

Hedda Jensen

Lesetipp des Monats Mai – Jugendbuch

Brigid Kemmerer: Der Himmel in deinen Worten. Roman. Aus dem Amerikanischen von Henriette Zeltner.

HarperCollins (https://www.harpercollins.de/), Hamburg 2017.

Seit dem tragischen Tod seiner jüngeren Schwester Kerry vor vier Jahren scheint sich das Leben des siebzehnjährigen Declan Murphy in einer unaufhaltsamen Abwärtsspirale zu bewegen: Probleme zu Hause, vorbestraft, an der Schule als Unruhestifter verschrien. Im Rahmen seiner Sozialstunden, die er auf dem Friedhof ableisten muss, findet er eines Tages einen auf einem Grab abgelegten Brief, der ihn so sehr bewegt, dass er etwas dazuschreiben muss.

Juliet trauert um ihre Mutter, die vor einigen Monaten bei einem Autounfall starb, und hält auch nach deren Tod noch an ihrer langjährigen Gewohnheit fest, ihr Briefe zu schreiben. Umso größer ihre Empörung, als sie die Worte eines Fremden unter ihren Zeilen entdeckt – sie hinterlässt ihm auf dem Grab eine wütende Nachricht, die er beantwortet.

Trotz dieses denkbar unglücklichen Beginns entwickelt sich der Gedankenaustausch zwischen Declan und Juliet zu einer echten Brieffreundschaft, die bald über anonyme Mailaccounts („The Dark“ und „Cemetary Girl“) fortgesetzt wird und sie gegenseitig dazu ermuntert, sich Schritt für Schritt wieder zurück ins Leben zu wagen. Beide haben mittlerweile herausgefunden, dass sie im selben Alter sind und vermutlich sogar auf die selbe Schule gehen, aber die Anonymität gefällt ihnen und sie wollen sie weiter bewahren. Als Declan nach dem Schulball doch Juliets Identität erfährt, ist er zunächst furchtbar enttäuscht und davon überzeugt, dass sie ihm sicher nie wieder schreiben würde, wenn sie wüsste, wer er wirklich ist. Wird er sich ihr dennoch zu erkennen geben?

Autorin Brigid Kemmerer lässt Declan und Juliet gleichberechtigt aus wechselnden Perspektiven ihre Geschichte erzählen. Auch ihre „Nebenfiguren“, besonders Declans bester (und einziger) Freund Rev, überzeugen mit all ihren Stärken und Schwächen und wachsen einem beim Lesen zunehmend ans Herz. Wie schön, dass bereits ein Buch mit Rev in der Hauptrolle angekündigt ist!

Schade: der Originaltitel „Letters to the lost“ war so viel aussagekräftiger und vielschichtiger als die deutsche Variante „Der Himmel in deinen Worten“ … aber das ist auch das einzige Manko. Und da schließlich der Inhalt viel mehr zählt als der Titel: Lesen lohnt sich!

Andrea Sondermann

Zwei Welten

Am Dienstag, 08.05.2018, wird unter dem Motto „Zwei Welten“ eine Ausstellung mit Werken von Ulla Schmitt und Jens Paulsen in der Husumer Stadtbibliothek um 19.00 Uhr eröffnet.

Die digitalen Bilder von Ulla Schmitt stehen in Motiv, Technik und Stil in starkem Gegensatz zu den Bildern von Jens Paulsen in Collagetechnik, Malerei und Monotypie.

Ulla Schmitt, Diplom-Grafikdesignerin, experimentiert mit den technischen Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung. In ihren Arbeiten verfolgt sie zwei Ziele. In den Fotocollagen montiert sie Fotografien mit „Oblaten (Lackbildern)“ zu kleinen Szenen einer künstlichen Welt. Sie arbeitet mit verschiedenen Ebenen, die später zu einem Bild „verschmelzen“ und an die Surrealisten erinnern, die sie als Grafik-Design-Studentin so faszinierten. In ihren Fotoverfremdungen werden Fotos am Computer mit einem Fotobearbeitungsprogramm in zahlreichen Bearbeitungsschritten spielerisch so verändert, dass sie fast schon wie gezeichnet auf den Betrachter wirken. Dies erreicht Ulla Schmitt mit verschiedenen Filtern – es ist die Komposition der Arbeitsschritte, aus der ihre Fotos zu „Bildern“ werden. „Ein Foto ist ein Foto – ist kein Foto“, lautet ihr Motto.

Jens Paulsen, Kunsterzieher an der Gemeinschaftsschule Husum Nord, hat einen sehr charakteristischen Stil. Er benutzt häufig unebene Oberflächen, aus denen Gesichter, Köpfe, Figuren herauswachsen wie aus einem mysteriösen Nebel. Hierbei bedient er sich malerischer Techniken, die er mit grafischen und plastischen Elementen verbindet. In letzter Zeit hat Paulsen sich aber auch der Monotypie zugewandt. Dabei werden Motive auf Glasplatten gemalt oder gezeichnet und in einem einmaligen Druckvorgang abgenommen. Auch hier steht der Mensch im Mittelpunkt seines künstlerischen Interesses. Verspielte Leichtigkeit paart sich mit einem poetischen Hauch Melancholie, was den besonderen Reiz seiner Bilder ausmacht.

Zu sehen sind die Bilder anschließend noch bis zum 31. Juli zu den bekannten Öffnungszeiten in der Stadtbibliothek Husum.

Filmtipp des Monats April

Nachdem in seinem Leben gerade so ziemlich alles schiefläuft, fasst der just arbeitslos gewordene Jimmy Logan einen verzweifelten Plan: An einem Renn-Wochenende die Tageseinnahmen aus dem Safe der nächstgelegenen NASCAR-Rennstrecke rauben! Jimmys jüngerer Bruder Clyde ist skeptisch, da die Familie Logan bereits seit Generationen von einer notorischen Pechsträhne gebeutelt wird, macht aber trotzdem mit. Möglicherweise könnte ein gelungener Bruch ja das sprichwörtliche Pech der Logans in Glück verwandeln – irgendwoher muss immerhin der Filmtitel „Logan Lucky“ kommen. Auch Schwester Mellie ist mit an Bord und für das Fluchtfahrzeug zuständig. Schnell zeigt sich, dass die Logans verbrechenstechnisch durchaus nicht unbegabt sind: Terminprobleme, weil der Raub nur während bald abgeschlossener unterirdischer Bauarbeiten durchgeführt werden kann und der einzige in Frage kommende Safeknacker Joe Bang noch für 5 Monate hinter Gittern sitzt? Nö. Denn natürlich haben Jimmy und Clyde einen Plan: Sie wollen Bang für einige Stunden aus dem Gefängnis schmuggeln und nach getaner Arbeit wieder zurückbringen, ohne dass sein Verschwinden auffällt. So hätte er auch gleich ein perfektes Alibi …

Was folgt, ist wohl einer der irrwitzigsten Coups der Filmgeschichte – einschließlich des Einsatzes von unterschiedlich eingefärbten Kakerlaken (ja, das gehört tatsächlich zum Plan und ist dann bei weitem nicht so verrückt, wie es sich jetzt anhört) und eines improvisierten Sprengsatzes, der zum Teil aus Gummibärchen besteht. Außerdem wird – genial mitgedacht – eine Verteilerstelle gecrasht, damit am Rennstreckengelände sämtliche Kreditkartenlesegeräte streiken und die Verkaufsstände nur noch Bargeld akzeptieren – schließlich soll der Safe auch gut gefüllt sein.

Logan Lucky“ setzt gelungen die Tradition gleichzeitig spannender und amüsanter Gaunerfilme alter Schule fort, punktet mit stimmigen Details und Nebenhandlungen wie z.B. über Jimmys bezaubernde kleine Tochter, die den Sieg beim Kinder-Schönheitswettbewerb „Miss West Virginia“ am Ende nicht durch das Gekünstelte, sondern durch das Echte davonträgt.

Meine Lieblingsszene: Um im Gefängnis für Chaos zu sorgen, damit Joe Bangs Abwesenheit nicht bemerkt wird, fingieren die anderen Häftlinge einen Aufstand. Ihre wichtigste Forderung an den Direktor: Neuer Lesestoff für die Gefängnisbibliothek! Leider ist aber Autor George R. R. Martin mit der Fortsetzung von „Game of Thrones“ in Verzug, so dass nicht alle Buchwünsche erfüllt werden können …

Logan Lucky. USA, 2017. Regie: Steven Soderbergh. Darsteller: Channing Tatum (Jimmy), Adam Driver (Clyde), Daniel Craig (Joe Bang) … 1 DVD (114 Min.) Ab 12 Jahren freigegeben.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats April – Thriller

Ruth Ware: Woman in cabin 10. Deutsch von Stefanie Ochel.

dtv (https://www.dtv.de/), München 2017.

Wahn oder Wirklichkeit?

Lo Blackwood hat einen beneidenswerten Job: Sie wird bezahlt für etwas, was andere teuer bezahlen müssen: das Reisen in alle Welt. Sie arbeitet für ein Reisemagazin als Journalistin und darf an der Jungfernfahrt einer kleinen, ebenso exklusiven wie luxuriösen Kreuzfahrtyacht teilnehmen, um darüber zu berichten.

Es geht Richtung Nordkap durch die norwegischen Fjorde. An Bord der Yacht, die auch gechartert werden kann, befindet sich, neben einigen weiteren Journalisten und Fotografen, vor allem der elitäre Freundeskreis des Schiffeigners.

Noch in der ersten Nacht wird Lo durch auffällige Geräusche in der Nachbarkabine geweckt. Kampfgeräusche. Lo ist sich sicher, dass jemand über Bord geworfen wird, sofort alarmiert sie den Schiffsoffizier. Wer fehlt aus der kleinen Gruppe von Reisenden? Doch es stellt sich heraus, dass niemand außer ihr selbst die junge Frau zu vermissen scheint, mit der Lo sich am Abend noch unterhalten hat, und die die jetzt jedoch völlig unberührte Kabine mit der Nummer 10 bezogen hatte.

„Woman in cabin 10“ ist ein Thriller, der langsam Fahrt aufnimmt und uns dann mit unvorhergesehenen Wendungen verblüfft und bis zur letzten Seite blendend unterhält.

Die ideale Lektüre für Ihre nächste (Schiffs-?)Reise, oder vielleicht noch besser, für die lange Wartezeit vor dem nächsten Urlaub.

Hedda Jensen

Der dtv-Verlag hat zu „Woman in cabin 10“ ein Buchspecial veröffentlicht: https://www.dtv.de/special-ruth-ware-woman-in-cabin-10/start/c-1661.

Spontaner Filmtipp (fiel mir beim Lesen der Inhaltsangabe sofort ein): Ähnliche Ausgangslage, aber mit Zug statt Schiff: Sehen Sie sich doch bei Gelegenheit mal den Schwarzweiß-Klassiker „Eine Dame verschwindet“ von Regisseur Alfred Hitchcock an. Spannend!

Andrea Sondermann

Literaturgruppe

Am Montag, 7. Mai 2018, bespricht die Literaturgruppe ab 16.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Ein untadeliger Mann“ von Jane Gardam.

Interessierte sind herzlich willkommen.

Jane Gardam: Ein untadeliger Mann. Roman. Aus dem Englischen von Isabel Bogdan.

dtv (https://www.dtv.de/), München 2017.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Es ist nie zu spät für das Abenteuer des eigenen Lebens
Edward Feathers, einst Kronanwalt in Hongkong, vollendeter Gentleman, und selbst mit achtzig noch ein schöner Mann, scheint ein mühelos erfolgreiches Leben gehabt zu haben, doch wer kannte ihn schon wirklich? Nicht einmal seiner Frau Betty hat er je erzählt, woher das Stottern kommt, das ihn in Augenblicken großer Aufregung noch immer überwältigt. Als Betty stirbt, bewahrt Feathers wie gewohnt Contenance. Doch eines Morgens setzt er sich ans Steuer seines Wagens und fährt los, das eigene Leben zu erkunden.“