Filmtipp des Monats Juli

Die Sonne scheint, der Sommer ist da – Zeit fürs Fahrrad! Passend dazu der Filmtipp „Premium rush„.

Wilee ist Fahrradkurier in New York City – einer der gefährlichsten Jobs der Welt, auch wenn man nicht gerade von einem gewaltbereiten Verfolger gejagt wird. Wilee findet Bremsen tödlich, deshalb hat er keine an seinem Rad; auf eine Gangschaltung verzichtet er ebenfalls. Kurz vor Feierabend bekommt er den Auftrag, einen Umschlag quer durch die Stadt zu liefern. Ein Eilauftrag (ein sogenannter „premium rush“), alles ganz gewöhnlich … die Auftraggeberin scheint jedoch überdurchschnittlich nervös zu sein. Dass der Umschlag es in sich hat, zeigt sich schnell: Plötzlich hat Wilee einen Verfolger am Hinterrad kleben – im Auto! Eine wagemutige Fahrt durch den Gegenverkehr ist nur der Beginn einer lebensgefährlichen Hetzjagd, in die bald noch weitere Beteiligte verwickelt werden. Gebremst wird nicht! Und noch immer rätselt auch der Zuschauer: Was hat es bloß mit diesem mysteriösen Umschlag auf sich?

Steigende Spannung bis zum Schluss, todesmutige Schauspieler, die bei Tempo 50 mitten zwischen Autos im typischen New Yorker Stadtverkehr in ihren Rollen aufgehen (allen voran Joseph Gordon-Levitt als Wilee), rasant geschnittene Fahrradszenen und Stunts, die man absolut niemals und unter gar keinen Umständen im echten Leben nachmachen sollte – die 87 Filmminuten vergehen wie im Flug. Filmische Tricks wie das Zurückdrehen der Uhr, um die Beweggründe und vorherigen Handlungen der Beteiligten zu zeigen, sorgen für mehrere Aha-Erlebnisse und lassen den Zuschauer die Geschichte wie ein raffiniertes Puzzle zusammensetzen. Per Zeitlupe und Computereinsatz verdeutlichen die Filmemacher auch die blitzschnellen Gedankengänge des Kurierfahrers, die ihm eine sichere Fahrt durch das dichte Gewusel von Autos und Fußgängern ermöglichen.

Filme, die legendär gewordene Auto-Verfolgungsjagden zeigen, gibt es zuhauf. Das Fahrrad ist dagegen für einen Actionthriller ein eher ungewöhnliches Fortbewegungsmittel. Erhellend dazu ist das Bonusmaterial auf der DVD, wenn z.B. Regisseur David Koepp darüber philosophiert, dass er gern einen modernen Western drehen wollte – und was in dieser Hinsicht der Fahrradkurier mit dem Cowboy gemeinsam hat.

Also, langer Rede kurzer Sinn: „Premium rush“ sehen und nie wieder ohne Helm aufs Fahrrad steigen!

Andrea Sondermann

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Lesetipp des Monats Juli – Roman

Ursula Krechel: Landgericht.

Jung und Jung, Salzburg 2012.

"Landgericht" von Ursula Krechel

„Landgericht“ von Ursula Krechel

Ursula Krechel erzählt die Geschichte des jüdischen Richters Richard Kornitzer, der 1947 aus dem Exil zurückkehrt, um seine Frau Claire wieder zu sehen. Sie blieb in Deutschland zurück, ihre gemeinsamen Kinder konnten sie in Sicherheit nach England bringen. Bereits die Ankunft und das Wiedersehen auf dem Bahnhof lassen erahnen, wie groß die Entfremdung nach zehn Jahren Abwesenheit sein wird.

Kornitzer will Gerechtigkeit und Wiedergutmachung, stößt aber auf Abwehr. Im Nachkriegs-Deutschland wird die Nazi-Vergangenheit verdrängt. Er erhält eine Anstellung, ist aber in seinem Kampf mit den Behörden ein zweites Mal bürokratischen Demütigungen ausgesetzt. Auch familiär bleibt die Fremdheit. Zwar findet Claire die beiden Kinder in England wieder, doch diese fühlen sich ihrer neuen englischen Familie zugehörig. Gegen ihren Willen wird die Tochter zu ihren Eltern gebracht, reist aber bald zurück nach England.

Ursula Krechel ist bei Recherchen für einen anderen Roman („Shanghai fern von wo“, erschienen 2008) auf die Akten eines vertriebenen Juristen gestoßen und hat seine tragische Geschichte in „Landgericht“ verarbeitet. In ihrer Darstellung gehen dokumentarische Quellen und Fiktives ineinander über. Sie zeichnet das Bild der frühen BRD genau wieder: von der Architektur des Bahnhofs bis zur Atmosphäre und den Lebensverhältnissen zur Zeit der Gründung unseres Staates. Dem angemessen ist ihr kühler und distanzierter Erzählstil. „Landgericht“ wurde mit dem „Deutschen Buchpreis“ ausgezeichnet

Auguste Carstensen-Lenz

Halbzeit im FerienLeseClub (FLC)

Noch dreieinhalb Wochen Zeit für den FerienLeseClub in der Stadtbibliothek Husum!

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Alle Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse können am FLC teilnehmen und sich auch jetzt noch anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos.

Bis zum 10. August wird weiter kräftig gelesen für Urkunden in Bronze, Silber oder Gold. Die Preise für möglichst viele Stempel im Leselogbuch gibt es im Kino Center Husum am 16. August zur Abschlussveranstaltung.

Der Titel des Films wird jetzt natürlich noch nicht verraten!

Lesetipp des Monats Juli – „Seelen“

Stephenie Meyer: Seelen.

Aus dem Englischen übersetzt von Katharina Diestelmeier. Carlsen, Hamburg 2008.

Anlässlich des Kinostarts der gleichnamigen Literaturverfilmung habe ich „Seelen“ wieder einmal zur Hand genommen und von Anfang bis Ende verschlungen … dieses Buch verdient eindeutig eine Empfehlung:

"Seelen" von Stephenie Meyer

„Seelen“ von Stephenie Meyer

Irgendwann in naher Zukunft leben Außerirdische, die sogenannten „Seelen“, auf der Erde – ein passender Name, denn sie suchen sich menschliche Körper als „Wirte“ und übernehmen sie (erkennbar am leuchtenden Ring um die Pupille). Einige wenige Menschen haben sich vor der „Invasion“ versteckt und sind untergetaucht. Zu ihnen gehört Melanie, doch dann wird sie von „Suchern“ gestellt. Die Seele „Wanderer“ wird in Mels Körper gepflanzt, um aus ihren Erinnerungen wichtige Informationen herauszufischen. Doch Melanies Geist wohnt ebenfalls noch in ihrem Körper und wehrt sich dagegen, ihre Familie und Freunde zu verraten. „Wanderer“, fasziniert und überwältigt von Melanies Gefühlswelt, beginnt ebenfalls Zuneigung zu Mels Bruder Jamie und ihrem Geliebten Jared zu empfinden. Bald sind sie sich darin einig, die geliebten Menschen unbedingt beschützen und wiederfinden zu wollen, und mitten in der Wüste finden sie tatsächlich eine Spur. Doch wird „Wanderer“ das Vertrauen der Menschen gewinnen können? Und wird Melanie jemals ihren Körper zurückbekommen?

Für die ersten ungefähr hundert Seiten ist man damit beschäftigt, sich in diese seltsam vertraute und gleichermaßen fremde Welt einzulesen. Sobald aber Mel und „Wanderer“, die sich bald „Wanda“ nennt, auf Mels verschrobenen Onkel und seine Gruppe von misstrauischen, untergetauchten Menschen treffen und dort auch Jared und Jamie finden, steigt die Spannung rasant. Die Geschichte unterhält bestens mit unvorhergesehenen Wendungen und aufkeimender Romantik. Die Extremsituation, der die Versteckten ausgesetzt sind, bringt sowohl das Beste als auch das Schlechteste in den Menschen zum Vorschein und stürzt die sanftmütige Wanda in ein heftiges, unerwartetes Gefühlschaos.

Wanda erzählt in der Ich-Form, so dass der Leser von Anfang an in ihre Gefühle und Weltsicht eintaucht. An wenigen Stellen sind Mels Erinnerungen in anderer Schriftart eingeschoben. Spannend ist auch der Buchtitel: Der englische Originaltitel „The host“ stellt eindeutig Melanie in den Vordergrund, obwohl Wanda die Erzählerin ist. Mit dem deutschen Titel „Seelen“ liegt der Fokus genau auf der „Gegenseite“.

"Seelen - das offizielle Buch zum Film" von Mark Cotta Vaz

„Seelen – das offizielle Buch zum Film“ von Mark Cotta Vaz

Es gibt Geschichten, die hält man als Leser für unverfilmbar, und „Seelen“ gehört mit Sicherheit dazu. Wie sollen die gut lesbaren Zwiegespräche zwischen Mel und Wanda denn auf der Leinwand umgesetzt werden – schließlich teilen sie sich dabei denselben Körper? Für ein solches Unterfangen braucht es zweifelsohne eine besonders mutige und enthusiastische Crew und insbesondere eine überragende Hauptdarstellerin. Die Macher des Films und ihre Ideen, das Casting, die Darsteller und, und, und … werden ausführlich mit zahlreichen Filmfotos in „Seelen – das offizielle Buch zum Film“ (von Mark Cotta Vaz, 2013, ebenfalls aus dem Carlsen-Verlag) präsentiert und machen neugierig. Ob das Wagnis Literaturverfilmung „Seelen“ geglückt ist, können wir nun alle im Kino selbst herausfinden.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Juli – Biografie

Peter Ames Carlin: Bruce.

Edel, Hamburg 2013.

"Bruce" von Peter Ames Carlin

„Bruce“ von Peter Ames Carlin

Hier liegt die erste autorisierte Biografie über den US-amerikanischen Rockmusiker Bruce Springsteen vor, der auch in diesem Jahr wieder in Deutschland auf Konzerttournee war und die Stadien mit begeisterten Fans füllte.

Vielleicht muss man als Leser dieser immerhin über 600 Seiten umfassenden Biografie tatsächlich Fan von „The Boss“ und seiner „E-Street-Band“ sein, die es seit den 70er Jahren gibt. Zumindest sollte man seine Musik kennen.

Doch es darf getrost auch mal der eine oder andere Abschnitt überblättert werden.

Es gibt interessante Rückblicke auf Kindheit, Jugend und die Entwicklung zum Musiker des nun mittlerweile 63-Jährigen Superstars, der vielfacher „Grammy“-Preisträger ist. Gelungen sind auch die Geschichten zur Entstehung vieler Songs und Texte, sowie die Schilderung der großartigen Bühnenpräsenz von Bruce Springsteen. Natürlich gehören ein Fotoblock und ein Register zur Abrundung dazu.

Gerne empfohlen – am besten mit seiner Musik im Hintergrund!

Susanne Luther-Feddersen