Filmtipp des Monats September

Einmal hinter die Kulissen schauen, in die Gedankenwelt des Regisseurs eintauchen und hautnah miterleben, wie ein Film gemacht wird – auch in Zeiten von YouTube und Co. ist die Magie des Kinos ungebrochen. Mit Sir Anthony Hopkins in der Titelrolle erzählt „Hitchcock“ die Entstehungsgeschichte von „Psycho“ – dem erfolgreichsten Film des legendären Regisseurs.

Basierend auf dem Buch „Hitchcock und die Geschichte von Psycho“ von Stephen Rebello zeichnet der Film in Schlaglichtern von der ersten Idee bis zur triumphalen Premiere Hitchcocks Ringen um und mit „Psycho“ nach. Nächtliche Heißhunger-Attacken vor dem offenen Kühlschrank, die Obsession des Regisseurs für blonde Hauptdarstellerinnen und bizarre Serienmörder-Phantasien inbegriffen.

Einen besonderen Fokus legt der Film jedoch auch auf Alma (gespielt von Helen Mirren), die Frau an Hitchcocks Seite, die seine Faszination für die Buchvorlage „Psycho“ von Robert Bloch zwar nicht unbedingt teilt, aber letztlich zur treibenden Kraft wird, die „Hitchs“ Werk zum Erfolg führt.

Regisseur Sacha Gervasi und die durchweg gelungene Besetzung wissen den Zuschauer zu fesseln und zu erstaunen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Besonders entzückende kleine Szenen, wenn zum Beispiel Anthony Perkins beim Vorstellungsgespräch von der Beziehung zu seiner Mutter erzählt und währenddessen ein kleines feines Lächeln über Hitchcocks Gesicht huscht, weil er gerade die Idealbesetzung für die Hauptrolle gefunden hat, sorgen dafür, dass man dem spitzbübischen Charme des Films verfällt. Und nicht zuletzt macht „Hitchcock“ richtig Lust darauf, nicht nur „Psycho“ sondern auch Hitchcocks andere Filme (erwähnt werden unter anderem „Der unsichtbare Dritte“, „Vertigo“ und „Eine Dame verschwindet“) unbedingt wieder einmal anzusehen.

Hitchcock“ entstand 2012 und ist frisch auf DVD erschienen. Laufzeit: 94 Minuten. Ab 12 Jahren freigegeben.

Andrea Sondermann

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Führung durch die Ausstellung von Susanne Reupke

Die Künstlerin treffen und Fragen zu ihren Werken stellen? Dazu ist morgen die Gelegenheit:

Am 26. September führt Susanne Reupke um 17.00 Uhr durch ihre Ausstellung „Ein Augenblick in Farbe – Expressive Malerei und Grafik„.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Lesetipp des Monats September – Roman

Jaume Cabré: Das Schweigen des Sammlers. Aus dem Katalanischen übersetzt von Kirsten Brandt und Petra Zickmann.

Insel-Verlag, Berlin 2011.

"Das Schweigen des Sammlers" von Jaume Cabré

„Das Schweigen des Sammlers“ von Jaume Cabré

Der vielschichtige, sehr detailreiche Roman des katalonischen Autors Cabré spielt in der Nachkriegszeit des spanischen Bürgerkriegs in Barcelona und erzählt aus der Perspektive des Sohnes eines Antiquitätenhändlers, der unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt, die Geschichte einer antiken Geige aus dem 18. Jahrhundert.

Als Erwachsener – inzwischen ist Adriá selbst Sammler und Gelehrter – versucht er, das Rätsel um die Herkunft der Geige zu lösen und den damit verbundenen Mord an seinen Vater aufzuklären. Dabei versteht es Cabré in hervorragend literarischer Manier oftmals mitten im Absatz in andere historische Epochen einzutauchen, starke und interessante Charaktere einzuführen und den Leser in die Entstehungsgeschichte der Geige von der Suche nach dem geeigneten Holz für das Musikinstrument bis zum virtuosen Spiel auf der Geige mitzunehmen. Ob zu Zeiten der Inquisition, des Nationalsozialismus oder der Gegenwart des Erzählers Adriá nimmt die jeweilige Erzählung um Liebe, Schuld und Intrige gefangen und zeigt intensiv die Verflechtung von historischen Zusammenhängen. Spannend, anrührend, aber auch anspruchsvoll durch die ständigen Zeitsprünge nicht nur für historisch interessierte Leser sehr gerne empfohlen!

Susanne Luther-Feddersen

Der Verlag hat für dieses Buch und seinen Autor sogar eine eigene Internetseite erstellt, auf der es noch weitere Informationen und auch ein Interview mit Jaume Cabré gibt.

Lesetipp des Monats September – Krimi

Volker Kutscher: Der nasse Fisch. Gereon Raths erster Fall.

Kiepenheuer & Witsch, Köln 2007.

"Der nasse Fisch" von Volker Kutscher

„Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher

Berlin im Jahr 1929: eine Weltstadt im Rausch und voller sozialer und politischer Spannungen. Wegen eines tödlichen Zwischenfalls in seiner Heimatstadt Köln kommt der Kriminalkommissar Gereon Rath in die Reichshauptstadt und wird zunächst dem Sittendezernat zugeteilt. Nach dem Fund einer unidentifizierten Leiche schaltet sich der junge ehrgeizige Kommissar ungefragt in die stagnierenden Ermittlungen der Mordkommission ein. Diese soll dem unter politischem Druck stehenden sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Ergebnisse liefern.

Bei seinen Recherchen entdeckt er eine Verbindung zu einem Kreis von Exilrussen, die mit geschmuggeltem Gold Waffen kaufen wollen, um gegen die kommunistische Regierung ihres Landes zu kämpfen. Auch weitere Gruppierungen wollen das Geld und die Waffen, so dass Gereon Rath es schnell mit dem organisierten Verbrechen zu tun bekommt. Seinen eigenen Auftrag würde er am liebsten zu den „nassen Fischen“ legen; so bezeichnet die Mordkommission die ungelösten Fälle. Zu sehr ist er selbst darin verstrickt.

Die Reichshauptstadt in den „Wilden Zwanzigern“ bietet den perfekten Hintergrund für die Handlung. Ausführlich werden die politischen Ereignisse in der Weimarer Republik geschildert: Die Kommunisten halten mit Straßenunruhen die Politische Partei auf Trab. Ehemalige Soldaten des Ersten Weltkrieges, die in diversen Frontkämpferverbänden organisiert sind, streiten für ihre Interessen. Dazwischen agieren Einzelkämpfer aus dem Verbrechermillieu. Regierungsstellen und die Polizei stehen außerdem im Visier einer unerbittlichen Presse, die es auf den Polizeipräsidenten abgesehen hat.

Die detaillierten Recherchen des Autors lassen die kriminalpolizeilichen Ermittlungen des Kommissars authentisch erscheinen. Fiktion und historische Tatsachen fügen sich gut ineinander. Die Atmosphäre und die aufgeheizte Stimmung der damaligen Zeit sind lebendig wiedergegeben. Als historische Kriminalromane (bisher sind drei weitere Titel in der Gereon-Rath-Reihe erschienen) werden sie auch die geschichtlich interessierten Leser begeistern.

Volker Kutscher, geboren 1962, arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte zunächst als Tageszeitungsredakteur. Nebenher schrieb er Regionalkrimis, die im Bergischen Land angesiedelt sind. 2007 erschien der erste Band „Der nasse Fisch“ in der bisher vier Titel umfassenden Reihe von Kriminalromanen, die alle in Berlin um 1930 spielen. Der zweite Band „Der stumme Tod“ erschien 2009, der dritte Band „Goldstein“ 2010 und der vierte 2012 unter dem Titel „Die Akte Vaterland“. Die Gereon-Rath-Reihe wurde mit dem „Reinickendorfer Krimifuchs“ ausgezeichnet. Für den zweiten Band erhielt der Autor den „Burgdorfer Krimipreis“.

Volker Kutscher lebt als freier Autor in Köln.

Am Freitag, dem 20. September 2013, liest Volker Kutscher um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek Husum.

Weiteres zur Lesungsreihe in dänischen und deutschen Bibliotheken hier im Blog und unter „litteraturfest.nu„.

Auguste Carstensen-Lenz

FerienLeseClub 2013 erfolgreich beendet

Trotz Sonne und Sommerferien war die Stadtbibliothek Husum während des acht Wochen dauernden FerienLeseClubs stets gut besucht: der FLC 2013 war wieder ein voller Erfolg!

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Die 243 angemeldeten Schülerinnen und Schüler liehen 1777 FLC-Bücher aus und sammelten dafür Massen von Stempeln in ihren Leselogbüchern – die sieben FLC-Teilnehmer mit den dicksten Logbüchern kamen gemeinsam auf insgesamt 261 Stempel! Ihnen überreichte Diplom-Bibliothekarin Andrea Sondermann bei der FLC-Abschlussveranstaltung limitierte Lesezeichen der NORDMETALL-Stiftung, „damit sie bei so vielen Büchern immer die Übersicht behalten“.

21 Urkunden in Bronze, 34 in Silber und 70 in Gold verdienten sich die FLC-Teilnehmer mit ihren abgegebenen Logbüchern. Darin hatten sie auch viele, viele Bewertungen für ihre gelesenen FLC-Bücher eingetragen und so bei der Abstimmung zu den beliebtesten Büchern 2013 mitgemacht. Das mit Spannung erwartete Ergebnis wurde erst bei der FLC-Abschlussveranstaltung verraten: 10 Bücher teilen sich mit der Note „1+“ den ersten Platz. Die Liste dieser „Top 10“ und der weiteren Platzierungen liegt in der Stadtbibliothek aus und kann auch hier im Bibliotheksblog  nachgelesen werden. Darunter sind alte Bekannte wie die „drei ???“ und die „drei !!!“ ebenso wie FLC-Neulinge (z.B. „Plötzlich Dschinni“ von Meredith Badger und „Der Torwächter“ von Markus Stromiedel). Ebenfalls aufs Podium geschafft hat es „Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums“ – daraus hatte Autor Salah Naoura während der letzten Kinder- und Jugendbuchwochen höchstpersönlich in der Stadtbibliothek vorgelesen.

Zur Abschlussveranstaltung im Kino Center Husum kamen rund drei Viertel der FLC-Teilnehmer, um ihre Urkunden und Preise in Empfang zu nehmen und den FerienLeseClub 2013 mit dem Film „Das Haus der Krokodile“ ausklingen zu lassen. Die gleichnamige Buchvorlage von Helmut Ballot gehörte zur diesjährigen FLC-Auswahl (siehe Lese- und Filmtipp hier im Blog). Am Ende des Films gab es langanhaltenden Applaus – und die Frage: „Welchen Film sehen wir denn nächstes Jahr?“ Aber das, liebe Teilnehmer, bleibt natürlich noch ein Geheimnis.

Der FerienLeseClub ist ein landesweites Projekt zur Leseförderung. Langjährige Partner dieses Projektes sind die Büchereizentrale Schleswig-Holstein und die NORDMETALL-Stiftung; 2013 kam auch der Arena-Verlag hinzu. Weitere Informationen unter http://www.ferienleseclub.de

In Husum wurde der FerienLeseClub außerdem vom Lions-Club und dem Förderverein der Stadtbibliothek unterstützt, so dass sieben Schülerinnen einen Ferienjob für die FLC-Buchabfrage bekamen.

Lesetipp des Monats September – Jugendroman

C. J. Skuse: Rockoholic. Aus dem Englischen übersetzt von Michaela Kolodziejcok.

Chicken House, Hamburg 2013.

"Rockoholic" von C. J. Skuse

„Rockoholic“ von C. J. Skuse

Wie konnte das nur passieren? Jody hat ihren Lieblingssänger Jackson entführt – aus Versehen natürlich. Jetzt wird sie ihn nicht wieder los! Ihr bester Freund Mac ist fassungslos, steht Jody aber trotzdem zur Seite. Das kann doch nur echte Liebe sein, oder?

Von Anfang an: Jodys Großvater war der coolste Opa der Welt. Jetzt ist er tot, und Jodys Mutter besteht auf einer totalen Spießerbeerdigung. Das kann Jody natürlich nicht hinnehmen … aber mit der „grausamen“ Strafe ihrer Mutter hat sie nicht gerechnet: Sie zerreißt Jodys Ticket für das Konzert ihrer Lieblingsband!! Jody ist am Boden zerstört, aber Freund Mac lässt sie nicht im Stich und schenkt ihr seine Eintrittskarte. Mac gehört in Jodys Leben sozusagen zum Inventar. Ob sie ihn mag? Nie darüber nachgedacht. Sie hält ihn für schwul, weil Einkaufen zu seinen Hobbys gehört.

Beim ersehnten Konzert der „Regulators“ läuft für Jody dann alles völlig aus dem Ruder: Es haben doch tatsächlich Fans vor der Konzerthalle übernachtet, so dass sie nicht die erste in der Schlange ist, obwohl sie extra vierzehn Stunden vorher anreist! Im Gedränge vor der Bühne verliert sie Opas Mondstein und wird fast von der Security erdrückt. Und dann dieses Missverständnis im Krankenzimmer – dabei wollte sie Jackson eigentlich nur einen „Curly Wurly“ zum Essen anbieten … Zu allem Überfluss entpuppt sich der heißverehrte Jackson als das krasse Gegenteil ihrer Träume: Er ist ein Junkie auf Entzug, der in ihrer Garage randaliert. Aber als sie ihn zu seiner Band zurückschicken will, weigert er sich zu gehen! Ohne Mac wäre Jody jetzt echt verloren.

Derweil ist die Fangemeinde außer sich und die Nachricht von Jacksons Verschwinden geht um die Welt. Was nun? (Und das ist nur ungefähr das erste Drittel des Buches!) Mit welchen völlig verrückten Manövern Jody versucht, die verfahrene Situation wieder geradezubiegen, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

„Rockoholic“ ist ein komplett wahnsinniges, witziges, trauriges Buch, dass den Leser tief in die Seele eines Fans blicken lässt. Wie Jody ihren Alltag nach den angeblichen Vorlieben ihres Idols einrichtet und z.B. seinetwegen Vegetarierin wird, um später festzustellen, dass das meiste einfach nur gelogen war, können wohl alle schmerzlich nachempfinden, die jemals für einen „Star“ geschwärmt haben. Jody und Mac sind außergewöhnliche Persönlichkeiten, die man beim Lesen trotz all ihrer Macken schnell ins Herz schließt. C. J. Skuse schreibt so lebendig, dass man ihr jedes Wort abkauft, egal, wie abgedreht die Geschichte gerade ist, und wirft dabei einen kritischen Blick hinter die Mechanismen des Musik-Business und der Vermarktung. Ihr Buch öffnet einem in vielerlei Hinsicht die Augen. Unbedingt lesenswert!

Andrea Sondermann