Filmtipp des Monats November – Serie

Die Serie „Once upon a time“ („Es war einmal“) beginnt so, wie andere Märchen enden: Mit dem Happy-End. Prince Charming erlöst seine Snow White mit einem Kuss wahrer Liebe vom Fluch der bösen Königin. Eine Märchenhochzeit steht an. Aber damit ist das Happy-End auch schon Geschichte, denn zur Feier erscheint ebenjene böse Königin und verflucht das ganze Märchenland. Gibt es einen Weg, den Fluch abzuwenden? Der undurchschaubare (Oberschurke?) Rumpelstilzchen prophezeit, dass nur die ungeborene Tochter von Charming und Snow die Märchenwesen eines Tages (in 28 Jahren) retten könnte. Doch dafür muss sie zunächst in Sicherheit gebracht werden – in ein Land ohne Magie.

28 Jahre später wünscht sich die einsame, durch ihre lieblose Kindheit im Waisenhaus traumatisierte Emma Swan zu ihrem Geburtstag nichts sehnlicher als eine Familie. Prompt steht Henry vor ihrer Tür – ihr Sohn, den sie als 18-jährige zur Adoption freigegeben hatte. Emma will ihn zu seiner Adoptivmutter Regina in den kleinen, beschaulichen Ort Storybrooke zurückbringen und glaubt ihm kein Wort, als er ihr erzählt, alle Einwohner dort seien in Wahrheit Märchenfiguren, für die seit 28 Jahren die Zeit stillsteht. Dank des Fluchs haben sie ihr Gedächtnis verloren und wissen auch nicht, dass ihre Bürgermeisterin Regina die böse Königin höchstpersönlich ist. Aber mit Emmas Ankunft beginnen sich die Zeiger der Turmuhr wieder zu bewegen …

Once upon a time“ folgt chronologisch Emmas „Mission“ in Storybrooke und erzählt in Rückblenden die Vorgeschichten einzelner Charaktere aus der „Märchenwelt“ (die sich stark an bekannten Disney-Zeichentrickfilmen orientiert, daher tauchen auch Charaktere wie z.B. Pinocchio und der verrückte Hutmacher auf). Besonders diese Rückblenden verstehen es in jeder Folge aufs Neue, den Zuschauer zu verblüffen, da sie oft hinterhältige Wendungen nehmen und die klassischen Märchenelemente zum Teil völlig auf den Kopf stellen. So geht beispielsweise keine namenlose Müllerstochter einen Handel mit Rumpelstilzchen ein sondern Aschenputtel, Snow raubt Charming bei ihrer ersten Begegnung aus und Belle gewinnt in der Folge „Das Biest und die Schöne“ nicht etwa das Herz eines beliebigen Ungeheuers sondern das von unser aller Lieblingsbösewicht … Rumpelstilzchen!

Die Frage, wer „gut“ und wer „böse“ ist, lässt sich übrigens weitaus schwerer beantworten, als man am Anfang glauben mag, denn: Wie wurde Regina zur bösen Königin, woher kommt ihr unbändiger Hass auf Snow – und welche Pläne verfolgt Rumpelstilzchen alias Mr. Gold? All das wird erst nach und nach enthüllt, und der Zuschauer erhält mit jeder Folge ein paar Puzzleteile mehr, um sich die Vorgeschichte zusammensetzen zu können. Nicht umsonst erinnert die Erzählweise von „Once upon a time“ an die bahnbrechende Serie „Lost“ – einige Autoren waren bei beiden Serien am Werk.

Bald scheint nur noch eines sicher zu sein: Wenn sich für eine der Figuren ein zaghaftes Happy-End anbahnt, kommt (fast) immer etwas dazwischen. Ob Emma diesen Fluch am Ende der ersten Staffel brechen kann, wird hier natürlich noch nicht verraten.

Zusätzlich zum puren Seriengenuss bietet die DVD-Fassung nette Extras wie einige Schlüsselfolgen mit Audiokommentar, einen kurzen Überblick über klassische Märchen“wurzeln“ der Serie (wobei die dabei erwähnte kleine Meerjungfrau in der ersten Staffel gar keinen Auftritt hat) und den Mitschnitt eines Interviews mit den Hauptdarstellern (dort bedankt sich unter anderem eine Großmutter bei „Prince Charming“-Darsteller Josh Dallas dafür, dass ihre Enkelin nun für ihn statt Justin Bieber schwärmt).

Once upon a time – die komplette erste Staffel. USA 2013. Darsteller: Jennifer Morrison (Emma), Ginnifer Goodwin (Snow), Robert Carlyle (Rumpelstilzchen), Lana Parilla (Regina), Josh Dallas (Charming), Jared S. Gilmore (Henry) … 6 DVDs (902 Minuten).

Andrea Sondermann

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Literaturgruppe

Am Montag, 25. November 2013, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek den Roman „Apostoloff“ von Sibylle Lewitscharoff.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Apostoloff" von Sibylle Lewitscharoff

„Apostoloff“ von Sibylle Lewitscharoff

Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff.

Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009.

Der Verlag sagt über den Inhalt: „Zwei Schwestern, unterwegs im heutigen Bulgarien. Auf der ersten Hälfte ihrer Reise waren sie Teil eines prächtigen Limousinenkonvois, der die Leichen von 19 Exilbulgaren – in den Vierzigern von Sofia nach Stuttgart ausgewandert – in ihre alte Heimat überführte. Darunter der frühverstorbene Vater der Schwestern. Jetzt sind sie Touristinnen, chauffiert vom langmütigen Rumen Apostoloff. Er möchte den beiden die Schätze seines Landes zeigen, aber für seine Vermittlungsversuche zwischen Sofia und Stuttgart zeigen die Schwestern wenig Sinn.

Zwei Schwestern, ein Fahrer: Ihre Reise durch Bulgarien wird zur rabenschwarzen, erzkomischen Abrechnung mit dem Vater und seinem Land.“

Der Roman erhielt 2009 den Preis der Leipziger Buchmesse.

Teneriffa … auf den zweiten Blick

Fotoausstellung von Achim Lessing

Plakat Muster 7Bereits von Mai bis Juli 2012 begeisterte Achim Lessing die Besucher der Stadtbibliothek mit seiner vorherigen Fotoausstellung „Spiegelungen – Nordfriesland steht Kopf“, zu der inzwischen ein Kalender erschienen ist: Seit Jahren ist der 1949 in Berlin geborene und seit 1984 in Nordfriesland lebende Fotograf fasziniert von der sich im Wasser oder Anderem spiegelnden Welt, die die Realität nicht nur spiegelbildlich wiedergibt, sondern diese auch verfremdet, entfremdet darstellt und das Augenmerk manchmal auf Strukturen, Einzelnes, Besonderes, Farbigkeiten oder auch Abstraktionen lenkt. Manche Sehgewohnheiten werden so auf den Kopf gestellt und der Blick für Schönheiten im Detail geschärft. Die Verwirrung, die mitunter bei der Betrachtung einzelner Fotos entsteht, ist dabei durchaus gewollt.

(c) Achim Lessing

(c) Achim Lessing

Weit weg auf die Kanareninsel Teneriffa führt seine neue Fotoausstellung: „Er kann aber auch anders, wie die Fotos von Teneriffa beweisen. Mit seinem säulenartigen bröckelnden Geländer und dem abblätternden blauen Putz hebt sich ein verwaistes Schwimmbecken jäh gegen den dämmrigen Himmel über Teneriffa ab. Und in der Mitte einer grünen Bananenstaude schimmert ein ‚krummer Jung‘ bereits in frühreifem Gelb.“ (Husumer Nachrichten, 04.11.2013)

Es sind die Details, auf die Achim Lessing den Fokus setzt. Menschen und Orte abseits von touristischen Pfaden.

(c) Achim Lessing

(c) Achim Lessing

Besonderen Wert legt der Fotograf auf die Feststellung, dass die ausgestellten Bilder durch keinerlei Fotobearbeitungen am PC oder mit Fotobearbeitungsprogrammen bearbeitet oder verändert wurden. Diese Art der durchaus kreativen Bildbearbeitung lehnt er für sich und sein Verständnis von Fotografie ab. Zu sehen ist jeweils der unverfälschte Moment der Aufnahme.

(c) Achim Lessing

(c) Achim Lessing

Seit dem 11. November schmückt Achim Lessings neue Ausstellung die Wände der Stadtbibliothek und besticht auf den ersten Blick besonders durch ihre leuchtenden Farben. Bis zum 25. Januar 2014 können Interessierte während der Öffnungszeiten einen zweiten Blick riskieren und in seinem anderen, unbekannten Teneriffa auf Entdeckungsreise gehen.

(c) Achim Lessing

(c) Achim Lessing

Lesetipp des Monats November – Thriller

Andreas Eschbach: Todesengel. Thriller.

Lübbe, Köln 2013.

"Todesengel" von Andreas Eschbach

„Todesengel“ von Andreas Eschbach

Der neue Thriller von Eschbach bietet viel Diskussionsstoff zur Frage von Selbstverteidigung und Selbstjustiz in unserer Gesellschaft.

Der bislang eher erfolglose Journalist Ingo Praise ist fasziniert von dem urplötzlichen Auftauchen eines „Rächers“, der Opfer von Gewaltübergriffen in Gestalt eines leuchtenden Engels rettet und die brutalen Täter erschießt.

Aufgrund seiner Berichterstattung erhält der Journalist die Chance in einer eigenen TV-Show zum Thema als Moderator zu glänzen. Er provoziert, polarisiert und zieht populistisch die Begeisterung der Zuschauer auf den „Todesengel“, wie der Rächer selbst bei der eingesetzten SOKO der Polizei genannt wird. Während weitere brutale Übergriffe unmittelbar vom unbekannten „Todesengel“ gerächt werden, ermittelt Kommissar Ambick mit seinen Kollegen fieberhaft weiter. Sowohl Polizei als auch Justiz werden angeprangert, Opfer nicht schützen zu können und zu vernachlässigen und Täter mit Samthandschuhen anzufassen und zu milde zu bestrafen.

Nach und nach offenbart sich, dass vor 15 Jahren vier Schüler, die brutalen Taschengelderpressern hilflos gegenüberstanden, von einem Mann gerettet wurden, der daraufhin von den Tätern skrupellos zu Tode getreten wurde. Auch so viele Jahre nach dem traumatischen Vorfall leiden die vier Opfer von damals in unterschiedlichster Weise an dem Geschehenen.

Die Stärke des überaus spannenden Thrillers liegt in der über allem liegenden gesellschaftspolitischen Frage, wie weit ein Mensch gehen darf, um sich oder andere zu verteidigen.

Ein echter „Pageturner“!

Susanne Luther-Feddersen

Lesungen mit Antonia Michaelis

Im Rahmen der

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verzaubert heute, am 14. November 2013,

Antonia Michaelis

Schulklassen mit ihren „sousrealistischen“ Büchern.

Zum Beispiel:

"Die Nacht der gefangenen Träume" von Antonia Michaelis

„Die Nacht der gefangenen Träume“ von Antonia Michaelis

Die Nacht der gefangenen Träume.

Oetinger, Hamburg 2008.

In Frederics neuer Schule scheint es nur Musterschüler zu geben, ideen- und fantasielos. Und ist der Schatten des Schulleiters Bruhns nicht etwas zu dunkel für einen gewöhnlichen Schatten? Doch niemand außer dem Mädchen Änna scheint Frederic zu verstehen. Gemeinsam machen die beiden eine unglaubliche Entdeckung: Bruhns stiehlt den Kindern ihre Träume und hält diese in einer alten Fabrik gefangen. Frederic und Änna bleiben nur noch wenige Tage, um seinen schrecklichen Plan zu durchkreuzen: die Vernichtung aller Träume. Dazu müssen die beiden jedoch tief in den Schacht der Albträume hinabsteigen …

"Wenn der Windmann kommt" von Antonia Michaelis

„Wenn der Windmann kommt“ von Antonia Michaelis

Wenn der Windmann kommt.

erschien bei Kerle bei Herder; als Taschenbuch bei Fischer KJB.

Patrick ist alles andere als begeistert, als er mit seinen Eltern aufs Land zieht. Doch in seiner neuen Klasse gibt es ein Mädchen, das nicht nur einen seltsamen Namen trägt, sondern auch ganz anders ist als alle anderen: Pareidolie ist ein Mathe-As, hat ein Supergedächtnis und klettert auf die höchsten Bäume. Trotzdem machen alle Mitschüler einen Bogen um sie. Liegt es daran, dass sie ihre roten Haare immer unter einer Mütze versteckt? Oder daran, dass sie jeden Morgen ein komisches Zeichen in die Tafelecke malt? Patrick geht ihr nach und findet heraus, dass Pareidolie mit ihrer Mutter alleine in einem Haus im Wald wohnt – zusammen mit einer zahmen Krähe. Die beiden verstecken sich seit Pareidolies Geburt vor dem Windmann. Doch welches Geheimnis rankt sich um diesen Windmann, und welches um Pareidolies Mutter? Patrick beginnt nachzuforschen und gerät in ein großes Abenteuer voller Abgründe.

Filmtipp des Monats November – Dokumentarfilm

Sounds of Heimat: Deutschland singt. Ein Film von Arne Birkenstock und Jan Tengeler.

RFF-Real Fiction Filmverleih, Köln 2013. 1 DVD (Good!movies): Laufzeit 90 Min.

„Dieselben Menschen, die feuchte Augen bekommen, wenn ein alter Indio in den Anden zum tausendsten Male „El Condor Pasa“ in seine Panflöte bläst, kriegen Pickel, wenn man sie auf die Melodien ihrer Heimat anspricht“, sagt Hayden Chisholm. Warum singen Deutsche lieber fremde als eigene Lieder? Mit dieser Frage bereist der neuseeländische Musiker Deutschland, um eine Bestandsaufnahme deutschen Kulturguts zu machen. Als Musiker findet er schnell Kontakt und als „Fremder“ nimmt er mit offenen Ohren das gespaltene Verhältnis der Deutschen zu ihren Heimatklängen wahr. Er singt und spielt mit dem Gewandhauschor in Leipzig, mit Kölner Kultgruppen, mit einer Jodellehrerin im Allgäu und einem Bandoneonspieler im Erzgebirge. Junge Bands probieren altes Liedgut zum Hip Hop, ältere Musiker führen ihre „exotischen“ Instrumente vor. Auf einer Segeltour in Flensburg berichtet Rainer Prüß, wie die Gruppe „Liederjan“ entstand und davon, dass Einheimische in irischen Pubs keine Probleme mit vielen Strophen haben.

Die beiden Regisseure Arne Birkenstock und Jan Tengeler sind Kölner Musiker. Für die Erkundungstour quer durch die Republik haben sie den Neuseeländer Hayden Chisholm engagiert, weil er als Nichtdeutscher unbelastet ist. In den unterschiedlichsten Kulturen der Welt, z.B. in der Mongolei oder in Südamerika, hatte er die Volksmusik schon kennen gelernt.

Sounds of Heimat“ ist ein außergewöhnlicher Dokumentarfilm, der nicht belehrend wirkt. Vielmehr könnte er Laune machen, sich abseits vom „Musikantenstadl“ und dem volkstümlichen Schlager auf die eigenen musikalischen Wurzeln einzulassen.

Auguste Carstensen-Lenz

Lesungen mit Corinna Harder

Im Rahmen der

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präsentiert heute, am 11. November 2013,

Corinna Harder

für Schulklassen das „TKKG“-Abenteuer:

"TKKG - Das Biest aus den Alpen" von Stefan Wolf (Corinna Harder)

„TKKG – Das Biest aus den Alpen“ von Stefan Wolf (Corinna Harder)

Stefan Wolf: Das Biest aus den Alpen.

cbj avanti, München 2011.

TKKG machen Ferien in einem idyllischen Berggasthof in den Alpen und freuen sich auf geruhsame Ferientage. Doch dann lernen sie den Kryptozoologen Dr. Forschmann kennen, der dem legendären Tatzelwurm auf der Spur ist. Und da ist er offenbar nicht der Einzige! Denn laut einer Sage ist der Tatzelwurm der Hüter eines uralten Schatzes. Sofort wittern TKKG ein aufregendes Abenteuer und machen sich auf eigene Faust daran, das Geheimnis des Tatzelwurms zu lösen…