Filmtipp des Monats März

Nein, „Englisch für Anfänger“ ist keine DVD zum selbständigen Sprachenlernen für zu Hause, sondern ein feiner kleiner Film über Respekt und Anerkennung innerhalb der Familie und über die Hürden, die man in einem fremden Land nehmen muss, wenn man die Landessprache nicht beherrscht.

Shashi ist Hausfrau und Mutter in Indien und hat sich mit selbstgemachten Leckereien einen treuen Kundenstamm aufgebaut. Dieser kleine Nebenverdienst wird von ihrem Ehemann allerdings nur belächelt. Überhaupt kommt es Shashi so vor, als ob sie in letzter Zeit in ihrer Familie nicht mehr ernst genommen wird: Ihr Ehemann und ihre Tochter spotten ständig über ihre sehr geringen Englischkenntnisse – aber immerhin hat sie die Sprache nie gelernt, und wozu soll sie die in ihrem normalen Alltag auch brauchen? Dann kündigt sich allerdings in der Verwandtschaft ein großes Ereignis an: Vor Jahren ist Shashis Schwester mit Familie in die USA ausgewandert, nun steht die Hochzeit der ältesten Tochter vor der Tür! Klar, dass Shashi ihrer Schwester bei den Vorbereitungen der großen Feier helfen soll und deshalb ganz allein nach New York reist. Doch tagsüber sind Schwester und Nichten im Büro bzw. in der Uni – was soll Shashi die ganze Zeit anstellen? Tapfer wagt sie sich in die Stadt, doch ohne Englischkenntnisse wird der Ausflug zum Fiasko. Ein Sprachkurs muss her! Den will Shashi allerdings unbedingt vor ihrer Familie geheimhalten. Das führt unweigerlich zu Verwicklungen, aber zum Glück findet Nichte Radha schnell die Wahrheit heraus und unterstützt ihre Tante mit Begeisterung. Wird der Kurs „Englisch in vier Wochen“ halten, was er verspricht? Shashis Leben jedenfalls erfährt durch ihre buntgemischten Mitstudenten große Bereicherung, ganz neue Impulse und viel neuen Schwung.

Hinreißender Gute-Laune-Film mit Tiefgang und flotter Musik.

Englisch für Anfänger. Indien, 2012. Regie und Drehbuch: Gauri Shinde. 1 DVD (129 Min.). Freigegeben ohne Altersbeschränkung.

Andrea Sondermann

Advertisements

Lesetipp des Monats März – Sachbuch

Jutta Gay und Inga Menkhoff: Das große Buch der Landwirtschaft.

Fackelträger, Köln 2013.

"Das große Buch der Landwirtschaft" von Jutta Gay und Inga Menkhoff

„Das große Buch der Landwirtschaft“ von Jutta Gay und Inga Menkhoff

Farbenprächtige Bauerngärten vor idyllischen Fachwerkfassaden, im Sand pickende Hühner, weidende Kühe unter Obstbäumen und Weizenfelder im Abendlicht – das sind Bilder von Landwirtschaft aus zahlreichen Hochglanzzeitschriften, die sich derzeit im Zeitschriftenhandel befinden. Sie zeigen eine Sehnsucht nach ländlicher Idylle, Abgeschiedenheit und Naturnähe. Mit der Realität von moderner landwirtschaftlicher Produktion haben diese Bilder wenig zu tun. Stattdessen Monokulturen, Bodenbearbeitung mit High-Tech-Maschinen und Tierhaltung in Riesenställen – zu mindestens in den Industrienationen sieht die Landwirtschaft in vielen Landstrichen so aus.

Da die meisten Konsumenten in den industrialisierten Ländern erschreckend wenig über die Erzeugung von Nahrungsmitteln wissen, besteht mit diesem Sachbuch die Gelegenheit zur fundierten Information.

Der umfangreiche Bildband bietet einen Überblick zu allen wichtigen Themen der Landwirtschaft. Dieser reicht von den historischen Bedingungen bis zum heutigen industriellen Anbau, umfasst Gentechnik, Biokraftstoffe und die globale Ernährungswirtschaft. Auch Reizthemen wie der Saatgutmarkt oder der Pestizideinsatz sind einfach erklärt und gut verständlich für Laien.

Die Autorinnen beschreiben auch, wie schwierig es für selbständige Landwirte ist, sich dem Strukturwandel anzupassen. Vor allem für die konventionell wirtschaftenden Kleinbetriebe scheint es keine Zukunft zu geben.

Ein völlig anderes Bild ergibt sich in den Entwicklungsländern. Überwiegt z.Zt. noch die Versorgung in kleinbäuerlichen Strukturen, kaufen zunehmend Nahrungsmittelkonzerne fruchtbare Agrarflächen in unterentwickelten Ländern. Das Nachsehen haben die Einheimischen, die sich um ihr Land betrogen fühlen.

Das letzte Kapitel ist der ökologischen Landwirtschaft gewidmet. Es ist gleichzeitig ein Appell an unsere Verantwortung für eine Erzeugung unserer Lebensmittel, die auch die Nachhaltigkeit, die Artenvielfalt und das Tierwohl im Blick hat.

Auguste Carstensen-Lenz

Hörbuchtipp des Monats März

Sebastian Fitzek: Noah. Gekürzte Hörbuchfassung, gelesen von Simon Jäger.

Lübbe, Köln 2013.

"Noah" von Sebastian Fitzek

„Noah“ von Sebastian Fitzek

Als der Berliner Obdachlose Oscar sich um den verletzten „Noah“ kümmert, der unter Amnesie leidet und seinen Namen nach der Tätowierung auf seiner Handfläche erhält, ahnt er nicht, dass sie beide schon bald in eine weltweite Verschwörung verstrickt sein würden.

Ein Zeitungsartikel um einen verschollenen Maler weckt in Noahs Gedächtnis diffuse Erinnerungen. Nach einem Anruf bei jener Zeitung in New York geraten Noah und Oscar in einen gefährlichen Hinterhalt. Aufgespürt und gehetzt von Killern flüchten die beiden durch Berlin und versuchen herauszufinden, wer hinter ihnen her ist.

Eine künstlich herbeigeführte Grippe-Epidemie soll nach dem Willen der Geheimorganisation „Room 17“ die Weltbevölkerung um die Hälfte reduzieren, um die Welt zu retten, da Umweltzerstörung und Verschwendung lebensnotwendiger Rohstoffe durch den Menschen ansonsten unaufhaltsam erscheinen. Welche Rolle spielt Noah, der scheinbar instinktiv Gefahren erkennt und rücksichtslos kämpfen und töten kann, in diesem Plan? Lässt sich das ins Rollen gebrachte Attentat auf die Menschheit noch stoppen?

Auch wenn das Hörbuch um einige Szenen der Buchfassung gekürzt wurde, bleibt die Geschichte schlüssig und hochgradig spannend, was auch der guten Sprecherstimme Simon Jägers zu verdanken ist.

Hören oder Lesen – gleichermaßen spannend, erschreckend realistisch und unbedingt Thriller-Lesern empfohlen.

Susanne Luther-Feddersen

Literaturgruppe

Am Montag, 31. März 2014, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Der Traum meiner Mutter“ von Alice Munro.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Der Traum meiner Mutter" von Alice Munro

„Der Traum meiner Mutter“ von Alice Munro

Alice Munro: Der Traum meiner Mutter. Erzählungen. Aus dem Amerikanischen von Heidi Zerning. Mit einem Nachwort von Judith Hermann.

Fischer Taschenbuch, Frankfurt 2005.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Alice Munro ist die Meisterin der Ambivalenz. Komik und Tragik, scheinbar Alltägliches und Schicksalhaftes oszilliert in ihren Geschichten in immer neuer Intensität, die den Leser nie unberührt lässt. Ein ›literarisches Wunder‹ nannte die New York Times die Erzählungen der kanadischen Autorin – Geschichten, so komplex wie Romane, Kammerspiele des Gefühls, Geschichten, die wie Idyllen beginnen und sich auf den Abgrund zu bewegen.

»Bei Alice Munro gelangt man lesend wie Hand in Hand mit ihr zu der Erkenntnis eines Augenblicks; das ist eine merkwürdige und eher seltene Form von Gemeinsamkeit mit einem Autor. Ich lese – das bedeutet, ich lebe mich in das Leben eines anderen Menschen ein.« Judith Hermann.“

Alice Munro erhielt für ihr erzählerisches Werk bereits zahlreiche Preise und 2013 den Nobelpreis für Literatur.

Lesetipp des Monats März – Jugendroman

Swati Avasthi: Kein Zurück mehr. Aus dem Amerikanischen von Mareike Weber.

Cbt, München 2012.

"Kein Zurück mehr" von Swati Avasthi

„Kein Zurück mehr“ von Swati Avasthi

Nach einer neunzehnstündigen Autofahrt von Chicago nach Albuquerque hält der 16-jährige Jace vor einem fremden Gebäude. Sein gewalttätiger Vater – ein angesehener Richter – hat ihn rausgeworfen, weil er es gewagt hat, sich zu wehren. Nun sucht Jace Zuflucht bei seinem älteren Bruder Christian, der vor 5 Jahren abgehauen ist. Aber Christian stellt Regeln für ihr Zusammenleben auf, und die wichtigste lautet: Keine Fragen. Nicht über das sprechen, was ihnen im Elternhaus widerfahren ist. Doch so kann Jace auch nicht über seine größte Angst sprechen – dass er dem Vater vielleicht nicht nur äußerlich ähnelt. Wie soll er den gewaltigen Zorn im Zaum halten, der ihn immer wieder zu überwältigen droht? Was, wenn er bereits einen dunklen Weg eingeschlagen hat – gibt es von dort ein Zurück?

Autorin Swati Avasthi hat in einer Rechtsberatung für Opfer häuslicher Gewalt gearbeitet und sicherlich viele Erfahrungen in ihren ersten Roman mit einfließen lassen. Sie erzählt die Geschichte in der Ich-Form aus der Sicht von Jace, arbeitet mit Rückblenden und Andeutungen. Warum will Jace seinen Bruder belügen, was darf Christian auf keinen Fall herausfinden? Was zwischen Jace und seiner Ex-Freundin Lauren vorgefallen ist, kann der Leser zunächst nur erahnen. Man hofft und bangt mit dem intelligenten, sportlichen Jungen, der einen Platz im Fußballteam seiner neuen Schule und einen Job in einer Buchhandlung ergattert. Hat Jace eine zweite Chance verdient? Und wird er es schaffen, sie zu nutzen?

Swati Avasthi ist ein sehr bewegendes Buch gelungen, das den Leser auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnimmt. Die Hauptfiguren mit ihren Ängsten, Schwächen und Hoffnungen bleiben im Gedächtnis und das Entsetzen über die Grausamkeit, die hinter der Fassade einer scheinbar intakten Familie lauern kann, wirkt lange nach.

Andrea Sondermann