Filmtipp des Monats April

Magie zum Mitdenken versprüht der Film „Die Unfassbaren – Now you see me„. Die Zauberkünstler Daniel, Merritt, Jack und Henley erhalten unabhängig voneinander Einladungen zu einem geheimnisvollen Treffen. Ein Jahr später stehen sie gemeinsam als die „vier Reiter“ in Las Vegas mit einer spektakulären Show auf der Bühne, als deren Höhepunkt sie Geld aus einem Banktresor in Paris verschwinden und in Vegas wieder auftauchen lassen. Das ruft natürlich das FBI auf den Plan. Aber ob Agent Dylan mit diesem Fall das große Los gezogen hat? Die Magier rauben ihm im Verhör den letzten Nerv, die hübsche Interpol-Agentin Alma mischt sich in seine Ermittlungen ein und er muss sich von Thaddeus Bradley belehren lassen, der in einer eigenen Fernsehsendung die Tricks anderer Zauberer enthüllt. Derweil steht der nächste Auftritt der „vier Reiter“ bereits vor der Tür …

Doch sind die Shows vielleicht nur Illusion und verbergen in Wahrheit ein viel größeres Geheimnis? Und hat das alles etwas mit einem Zauberer namens Lionel Shrike zu tun, der vor 30 Jahren bei einem misslungenen Trick ums Leben kam, oder ist es Zufall, dass sein Name immer wieder bei den Ermittlungen auftaucht? Wie jeder gute Magierfilm hat auch „Die Unfassbaren – Now you see me“ mehr als nur einen doppelten Boden.

Bis in die Nebenrollen glänzend besetzt (Michael Caine ist wie immer ein Erlebnis, und Morgan Freeman gibt den Thaddeus mit wahrhaft königlicher Herablassung) überzeugt der Film durch sein spielfreudiges Ensemble und lädt zum Miträtseln ein.

Die Unfassbaren – Now you see me. USA, 2013. Regie: Louis Leterrier. Darsteller: Jesse Eisenberg (Daniel), Mark Ruffalo (Dylan), Woody Harrelson (Merritt), Isla Fisher (Henley), Dave Franco (Jack) … 1 DVD (121 Min.). Ab 12 Jahren freigegeben.

Andrea Sondermann

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Lesetipp des Monats April – Sachbuch

Arnon Grünberg: Couchsurfen und andere Schlachten. Reportagen. Herausgegeben und mit einem Vorwort von Ilija Trojanow. Aus dem Niederländischen übersetzt von Rainer Kersten.

Diogenes, Zürich 2013.

"Couchsurfen und andere Schlachten" von Arnon Grünberg

„Couchsurfen und andere Schlachten“ von Arnon Grünberg

Neunzehn Reportagen des niederländischen Autors, der bisher als Romancier bekannt wurde. Sie berichten von Orten, die normalerweise nicht zu den Urlaubsträumen eines Mitteleuropäers gehören. Arnon Grünberg ist als „embedded journalist“ in niederländischen und deutschen Soldatencamps in Afghanistan, ebenfalls besucht er Angehörige der israelischen Armee. Mit dem Auto ist er unterwegs von Istanbul nach Bagdad und lernt Kurden in der Türkei und im Irak kennen. Er nimmt sich „Mülltonnen der Geschichte“ vor und findet sie im Kosovo, in Montenegro und in Transnistrien. Es sind Beobachtungen vor dem Hintergrund der Weltgeschichte. Durch die Kombination mit Ereignissen aus dem heutigen Alltag ergeben sich faszinierende Geschichten, die nachdenklich stimmen.
Er lernt auch Menschen kennen, die ihm einfach von sich erzählen, z.B. die Bewohner einer Neubausiedlung, die Fahrgäste in Schweizer Zügen oder beim Couchsurfen in fremden Wohnungen. Für den Autor erscheint deren Lebensweise offenbar befremdlich und exotisch. Als Erzähler bleibt er in der Distanz, registriert aber auch Banales und Absurdes, so dass die Alltags-Situationen nicht der Komik entbehren und vergnüglich zu lesen sind.
Der Herausgeber Ilija Trojanow hat Arnon Grünberg zu dessen Reisen aus den Jahren 2008 bis 2012 befragt. Im Interview erläutert Arnon Grünberg, weshalb er für seine Reportagen fremde Identitäten annahm und sich dem Unbekannten aussetzte. Ebenfalls lesenswert!

Auguste Carstensen-Lenz

Lesetipp des Monats April – Krimi

Arne Dahl: Neid. Thriller. Aus dem Schwedischen übersetzt.

Piper, München 2014.

"Neid" von Arne Dahl

„Neid“ von Arne Dahl

Mit der Auflösung der sogenannten A-Gruppe beendete Arne Dahl seine überaus spannende Krimiserie rund um Paul Hjelm.
Doch Abschied nehmen musste der Leser zumindest von einem Teil der bekannten Ermittler nicht, denn Dahl startet mit „Gier“ und „Zorn“ eine neue Krimireihe, die sich stärker auf internationalem Parkett bewegt.
Nun ist mit „Neid“ der dritte Band erschienen und wiederum beschäftigt sich das europäische Team um Paul Hjelm, die „Opcop“-Gruppe, mit kriminellen Abgründen, gegen die die Behörden in den einzelnen Ländern machtlos zu sein scheinen. Die Ermittler observieren einige Verbrecher, die einem Menschenhändlerring angehören und vor allem Roma in ganz Europa als Bettler auf die Straße schicken und sie wie Sklaven halten.
Nebenbei gerät Hjelm in politisch motivierte Verbrechen: Eine EU-Kommissarin bittet ihn in einem Mordfall inoffiziell um Hilfe. Anscheinend soll mit Hilfe einer skrupellosen Verbrecherorganisation im Auftrag der Öl-Lobby verhindert werden, dass bahnbrechende Forschungsergebnisse, die in der nahen Zukunft den Bedarf von Benzin minimieren und die Durchsetzung des Elektromobils ermöglichen, an die Öffentlichkeit gelangen.
Der umfangreiche Pageturner bietet neben den überaus spannenden Verwicklungen, den grenzenlos agierenden Verbrechern und dem immer mehr Raum einnehmenden Einsatz von hochtechnisierten Hilfsmitteln (auf beiden Seiten) auch Einblick in die persönlichen Aspekte der verschiedenen Teammitglieder, die im Laufe der Zeit immer besser zusammenwachsen.

Auch wenn der Krimi inhaltlich unabhängig lesbar ist, so lohnt es sich doch, zumindest die ersten beiden Bände mit der „Opcop“-Gruppe vorab zu lesen!
Anspruchsvolle, intelligente Krimilektüre!

Susanne Luther-Feddersen

Literaturgruppe

Am Montag, 28. April 2014, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek die ersten beiden Erzählungen aus dem Buch „Die Ausgewanderten“ von W. G. Sebald.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Die Ausgewanderten" von W. G. Sebald

„Die Ausgewanderten“ von W. G. Sebald

W. G. Sebald: Die Ausgewanderten. Vier lange Erzählungen.

Fischer Taschenbuch, Frankfurt 2013 (14. Auflage).

Der Verlag schreibt über das Buch: „Melancholische Erzählungen der Trauer und Erinnerung, über Entwurzelung, Verzweiflung und Tod – Sebald bewegt sich in seinem vielgerühmten Meisterwerk am »Rand der Finsternis«. Mit großem Feingefühl schildert er die Lebens- und Leidensgeschichten von vier aus der europäischen Heimat vertriebenen Juden, die im Alter an ihrer Untröstlichkeit zerbrechen. Indem er die Vergangenheit eines früheren Vermieters, eines ehemaligen Dorfschullehrers, eines Großonkels und eines befreundeten Malers zu rekonstruieren versucht, erzählt Sebald indirekt aber auch von sich selbst – von seinem Schmerz über das Schicksal dieser Menschen, von seiner Trauer über die deutsche Vergangenheit. Entstanden ist eine ganz einzigartige, poetische Prosa, geheimnisvoll verwoben und trotz aller Bezüge und raffinierten Verunsicherungsstrategien doch bedrückend klar.“

Lesetipp des Monats April – Kinderbuch

Lee Bacon: Joshua Schreck. Aus dem Amerikanischen von Uwe-Michael Gutzschhahn.

Fischer KJB, Frankfurt am Main 2013.

"Joshua Schreck" von Lee Bacon

„Joshua Schreck“ von Lee Bacon

Der Sechstklässler Joshua liebt seine Eltern, die zwar manchmal ein bisschen planlos erscheinen und in ihren Laboren tüfteln, aber trotzdem so ziemlich die besten Eltern der Welt sind. Na ja – wenn sie nicht gerade ein berüchtigtes Superschurken-Duo wären, das in regelmäßigen Abständen den Weltuntergang plant (ihr Erzfeind, der Superheld Captain Saubermann, konnte das bisher aber jedesmal verhindern). Schon blöd. Deshalb darf Joshua niemandem seine wahre Identität verraten, nicht einmal seinem besten (und einzigen) Freund Milton.

Als Joshua dann allerdings selbst Superkräfte entwickelt, muss er sich Gedanken über seine Zukunft machen: Soll er eines Tages in die Fußstapfen seiner Eltern treten und die Schurkenlaufbahn einschlagen? Doch ehe er die Sache in Ruhe durchdenken kann, gerät alles aus den Fugen: Die neue Mitschülerin Sophie hat ebenfalls Superkräfte und entpuppt sich als Tochter von … (na, wer kann das wohl sein?). Als wäre das nicht Schock genug, entführen geheimnisvolle Rauchgestalten reihenweise Superschurken, inklusive Joshuas Eltern! Und die Spur führt auch noch zum ach so sauberen Captain Saubermann! Gemeinsam mit Sophie und Milton eilt Joshua zur Rettung – macht das ihn und seine Freunde nun zu Helden oder zu Schurken, oder ist das mit Gut und Böse vielleicht manchmal gar nicht so einfach?

Lee Bacon würzt seine abgedrehte Geschichte mit urkomischen Seitenhieben auf die Superheldenbranche und „mit extra Zombies“. Toll, dass die Superschurken sogar eine eigene Messe in New York haben – woher die immer ihre ganzen technischen Spielzeuge bekommen, wollten wir Leser doch schon lange wissen.

Andrea Sondermann