Filmtipp des Monats Mai

Der US-Geheimdienst hört deutsche Telefonate ab? Wer die Serie „Person of interest“ kennt, den überrascht das ganz und gar nicht:

Der geniale, superreiche Programmierer Harold hat nach dem 11. September 2001 für die US-Regierung eine Maschine entwickelt, die mittels totaler Überwachung Terroranschläge vorhersagen kann. Natürlich ist das höchst illegal und daher streng geheim.

Zweites Problem: Die Maschine sieht jedes geplante Verbrechen voraus, nicht nur Terroranschläge. Diese „irrelevanten“ Straftaten interessieren die Regierung aber nicht und werden stillschweigend gelöscht. Durch eine „Hintertür“ in der Maschine erhält jedoch Harold die Daten von Personen, die innerhalb der nächsten Tage in Verbrechen verwickelt sein werden (ob als Täter oder Opfer, erfährt er dabei nicht), und versucht gemeinsam mit dem desillusionierten Ex-Agenten John, diese Ereignisse zu verhindern. Die beiden nennen sich gegenseitig „Mr. Finch“ und „Mr. Reese“, wohlwissend, dass dies nicht ihre echten Namen sind.

Gleich in Folge 1 bekommt es John mit einer Gruppe von korrupten Polizeibeamten zu tun und gewinnt aus ihrer Mitte einen (wenn auch zwangsverpflichteten) Verbündeten: den grummeligen Detective Fusco. Die restliche New Yorker Polizei, insbesondere die absolut unbestechliche Detective Carter, bemerkt schnell, dass ein geheimnisvoller „Mann im Anzug“ neuerdings an zahlreichen Verbrechensschauplätzen auftaucht, und nimmt die Verfolgung auf.

In jeder Folge sieht und hört man in einigen Sequenzen mit den „Augen“ und „Ohren“ der Maschine und gewinnt so eine Ahnung davon, wie weit die Überwachung geht und wie die Maschine ihre Voraussagen treffen kann. Doch nicht nur diese Einblicke ziehen sich wie ein roter Faden durch  „Person of interest“ – es gibt weitere Handlungsstränge, die den Zuschauer während der ersten Staffel (und darüber hinaus) begleiten: die Macht der korrupten Gesetzes“hüter“ reicht weiter als gedacht, ein aufstrebender und zunächst im Verborgenen agierender Gangsterboss sucht nach Rache, die Hackerin „Root“ nimmt es mit Harold auf und John wird von seiner Vergangenheit eingeholt.

Immer wenn der Zuschauer glaubt, die Charaktere und ihre Beweggründe verstanden zu haben und ihr zukünftiges Verhalten vorhersehen zu können, macht die Serie eine elegante Kehrtwendung und stellt wieder alles auf den Kopf, denn die Hauptfiguren entwickeln sich laufend weiter und Rückblicke (ins „Archiv“ der Maschine?) verraten ungeahnte Details aus ihrer Vergangenheit. So versucht John im Lauf der Serie, mehr über seinen Arbeitgeber herauszufinden und lässt ihn dafür sogar heimlich von Fusco beschatten. Carter muss sich fragen, ob sie auf der richtigen Seite steht. Und der zunächst nur widerwillige Helfer Fusco findet zunehmend Gefallen daran, der „Gute“ zu sein. Das Finale der ersten Staffel setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf und steigert die Spannung auf Staffel 2 ins Unermessliche…

Person of interest“ bietet spannende, hochaktuelle Unterhaltung (und in den Extras verraten die Macher sogar, dass vieles an der gezeigten Überwachungstechnik gar nicht so sehr Science Fiction ist, wie man gern glauben würde). Die undurchsichtigen Hauptfiguren gewinnen mit all ihren Geheimnissen und Ecken und Kanten schnell die Herzen der Zuschauer, und der verbale Schlagabtausch zwischen Harold und John sorgt immer wieder für Vergnügen und erhellende Augenblicke – wenn Harold beispielsweise über die sozialen Netzwerke sagt, dass die Regierung jahrelang überlegt hat, wie um alles in der Welt sie an gewisse Privatinformationen der Bürger herankommen soll, und dort würden die Leute nun genau diese Infos freiwillig in die Welt hinausposaunen… so verursacht die Serie auch beim Betrachter etwas mehr Vorsicht und Paranoia im Hinblick auf die Nutzung der modernen Medien. Ein Hoch außerdem auf die deutschen Synchronsprecher, die allesamt passend besetzt sind und richtig gute Arbeit geleistet haben!

Person of interest – die komplette erste Staffel. USA 2011/2012. Darsteller: James Caviezel (John), Michael Emerson (Harold), Taraji P. Henson (Carter), Kevin Chapman (Fusco) … 6 DVD (967 Min.). Ab 12 Jahren freigegeben.

Andrea Sondermann

Advertisements

Lesetipp des Monats Mai – Jugendroman

Aaron Karo: Chucks Welt. Aus dem Englischen übersetzt von Beate Schäfer.

Boje, Köln 2013.

"Chucks Welt" von Aaron Karo

„Chucks Welt“ von Aaron Karo

Dass sich ein 17-Jähriger Junge in die Neue, die in die Klasse kommt, verliebt, klingt nach einem ganz „normalen“ Jugendroman über die Liebe.
Wären da nicht die zahlreichen Zwänge, die Chuck Taylors Leben prägen: Der Waschzwang, das Listenführen oder das andauernde Überprüfen des (Elektro-)Herdes, ob Gas ausströmt, um einige seiner Störungen zu benennen. Um sich der Neuen, Amy, annähern zu können, will sich Chuck seinen Zwangsstörungen stellen. Dazu versucht er sogar, die Besuche bei der verhassten Psychotherapeutin durchzuhalten und akzeptiert widerwillig eine medikamentöse Behandlung. Dass Chuck trotz Waschzwang unbedingt auf die Camping-Klassenfahrt mitfahren will, ist natürlich eine große Herausforderung. Die Geschichte, erzählt aus der Sicht Chucks, ist ironisch, manchmal derbe und oft sehr komisch. Herrlich, dass Chuck unzählige verschiedenfarbige Schuhe desselben Namens besitzt und die jeweilige Farbe, die er für den Tag wählt, seine Stimmung wiederspiegelt. Aber der gelungene Jugendroman ist stellenweise auch sehr bedrückend und gibt berührende Einblicke in die Lebenswirklichkeit dieser psychischen Erkrankung.
Ein tolles, sehr empfehlenswertes Jugendbuch!

Susanne Luther-Feddersen

Buchausstellung

schattentiere_webSchattentiere und Sonnengucker – Kinderbuchillustration aus Schleswig-Holstein“ heißt eine Ausstellung, die bis zum 22. Juni im NordseeMuseum Husum zu sehen ist.

Dort werden nicht nur ausgewählte Illustrationen der drei in Schleswig-Holstein ansässigen Künstler Eva Muggenthaler, Jens Rassmus und Einar Turkowski gezeigt, sondern auch Einblicke in den jeweiligen Schaffensprozess gewährt – zum Beispiel durch Fotos und Zeichenutensilien, Skizzen und Storyboards. Die Künstler illustrieren sowohl eigene Bücher als auch die Werke anderer Autoren.

In der Stadtbibliothek Husum gibt es begleitend zu „Schattentiere und Sonnengucker“ eine Buchausstellung mit Werken von Eva Muggenthaler, Jens Rassmus und Einar Turkowski. Alle drei Künstler waren übrigens bereits in der Kategorie „Bilderbuch“ für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert: Eva Muggenthaler 1998 für „Der Schäfer Raul“ und 2008 gemeinsam mit Jörg Schubiger für „Der weiße und der schwarze Bär“, Jens Rassmus 2005 gemeinsam mit Georg Bydlinski für „Der Zapperdockel und der Wock“ und Einar Turkowski 2013 für „Der Rauhe Berg“.

Lesetipp des Monats Mai – Sachbuch

80 Weltkarten zum Staunen. Aus dem Englischen übersetzt von Brigitte Rüßmann und Wolfgang Beuchelt.

Dorling Kindersley, München 2013.

"80 Weltkarten zum Staunen"

„80 Weltkarten zum Staunen“

Zugegeben: Wer ein Buch aus dem Hause Dorling Kindersley aufschlägt, darf natürlich immer mit spektakulärem Bildmaterial rechnen. Aber ob der Verlag das Versprechen „So hast du die Welt noch nie gesehen!“ wirklich halten kann? Landkarten hatten wir schließlich alle schon mal in der Hand. Mit einer politischen Weltkarte und einer kurzen Einführung in den Aufbau der Erde fängt das Buch dann auch sehr klassisch an.

Doch je weiter man blättert, desto prachtvoller und außergewöhnlicher präsentieren sich die Weltkarten, vom Design immer passend zum jeweiligen Thema. So sieht beispielsweise die Weltkarte unter dem Motto „Heiß und kalt“ aus wie die Aufnahme einer Wärmebildkamera, die „Bildung“ ist mit Kreide auf eine Schultafel gezeichnet und zum Thema „Festungen“ zeigen sich alle Kontinente von Mauern umschlossen. Internetverbindungen, sauberes Trinkwasser und Revolutionen finden ebenso ihren Platz wie Meeresströmungen, Wolkenkratzer und Zugvögel. Und wo leben eigentlich die meisten Milliardäre? Ja, auch das verrät dieses unterhaltsame Buch, das den Leser tatsächlich nicht mehr aus dem Staunen herauskommen lässt.

Andrea Sondermann

Literaturgruppe

Am Montag, 16. Juni 2014, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel Garcia Marquez.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Die Liebe in den Zeiten der Cholera" von Gabriel Garcia Marquez

„Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel Garcia Marquez

Gabriel Garcia Marquez: Die Liebe in den Zeiten der Cholera. Roman.

Fischer Taschenbuch, Frankfurt 2004.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Die schönste Liebesgeschichte der Welt: 51 Jahre, 9 Monate und 4 Tage wartet Florentino Ariza auf Fermina Daza. Schon als Achtzehnjähriger hat er sich unsterblich in sie verliebt, in ihren stolzen Gang und den schweren Zopf auf ihrem Rücken. In poetischen Briefen hat er um sie geworben, für kurze Zeit ihre Aufmerksamkeit gewonnen, und sie dann doch an Doktor Juvenal Urbino verloren. Aber nie hat er aufgehört, sie zu lieben.“

Der Verlag schreibt über den Autor: „Gabriel García Márquez, geboren 1927 in Aracataca, Kolumbien, arbeitete nach dem Jurastudium zunächst als Journalist. 1982 erhielt er den Nobelpreis für Literatur für seine Werke, »in denen sich das Phantastische und das Realistische […] vereinen, die Leben und Konflikt eines Kontinents widerspiegeln«. Sein Hauptwerk ›Hundert Jahre Einsamkeit‹ veränderte wie kaum ein Roman die Literatur des 20. Jahrhunderts. Gabriel García Márquez hat ein umfangreiches erzählerisches und journalistisches Werk vorgelegt: Er gilt als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftsteller der Welt. Er starb am 17. April 2014 in Mexiko City. Tausende von Lesern, darunter die Präsidenten von Kolumbien und Mexiko, hielten Totenwache an seinem Sarg.“

Composite Painting

Vom 8. Mai bis zum 21. August 2014 sind in der Stadtbibliothek Husum in einer neuen Ausstellung eigenwillige Werke zu sehen:

„Composite Painting“ nennt die Künstlerin Martha Brendle aus Theilheim bei Würzburg ihre neuesten Arbeiten. Von der Malerei kommend entdeckte sie durch eine Textilkünstlerin in den frühen achtziger Jahren das Medium Stoff. Sie setzte sich dann intensiv mit den Techniken des herkömmlichen Patchworks auseinander. Zudem beschäftigte sie sich ausführlich mit der Kunstgeschichte. Nach einigen Jahren des Arbeitens mit der Technik des Patchwork begann sie zusehends sich von dieser traditionellen Technik zu lösen und widmete sich der freien textilen Arbeit.
So entwickelte sie ab 2007 eine ganz eigene Technik, der sie den Namen „Composite Painting“ gab.
Der Name drückt das Komponieren verschiedener Techniken mit diversen Materialien aus. Dazu verwendet sie vorwiegend Materialien, die sie im Alltag umgeben, auch solche, die bereits oft schon verwendet wurden oder auch überflüssig waren. Dies sind Textilien, Seiten aus Zeitschriften, verschiedene Papiersorten usw. Diese Alltagsreste enthebt sie ihrer ursprünglichen Bestimmung und fügt sie zu etwas Neuem zusammen. Dies wird dann noch weiter bearbeitet, mit Farbe, Stiften besonders aber durch freies Quilten. Dabei ist die Nähmaschine so eingestellt, dass die Nadel sich in jede Richtung frei bewegen kann. So zeichnet sie, wie man es auch aus der Patchwork-Arbeit her kennt.
Zusätzlich wendet sie auch noch das Abreißen an. Das Benähen, Reißen, Bemalen kann sich dabei öfter wiederholen. So entsteht prozesshaft, experimentell ein Bild.
Elementare Erfahrungen wie Liebe, Trauer, Hass, Eifersucht oder auch Einsamkeit liegen, so sagt sie, den entstandenen Werken zu Grunde.

Die Ausstellung wird am 8. Mai um 19 Uhr eröffnet.
Zur Eröffnung spricht Rolf Brendler, die Künstlerin ist anwesend. Musikalisch untermalt wird die Veranstaltung durch Gerd Beliaeff u.a.

Eine weitere Führung durch die Ausstellung findet am 21. August um 17 Uhr statt.