Lesetipp des Monats Juni – Sachbuch

Sabine Bode: Nachkriegskinder. Die 1950er Jahrgänge und ihre Soldatenväter.

Klett-Cotta, Stuttgart 2011.

"Nachkriegskinder" von Sabine Bode

„Nachkriegskinder“ von Sabine Bode

Die Journalistin Sabine Bode befasst sich seit einigen Jahren mit den psychischen Spätwirkungen des zweiten Weltkrieges auf die Gesellschaft. Ihren ersten Band „Die vergessene Generation“ veröffentlichte sie 2004 und brachte damit das Leid der Kriegskinder zur Sprache, das bis dahin in der öffentlichen Diskussion nur wenig thematisiert worden war. In ihrem zweiten Buch „Kriegsenkel“ widmete sie sich den zwischen 1960 und 1975 geborenen Nachkommen.

Auch in der Generation dazwischen blieb der Krieg nicht ohne Auswirkungen, wie die Verfasserin in ihren Seminaren und Lesungen von Betroffenen erfuhr.
Denn wie konnten ehemalige Soldaten, Mitläufer oder Mitmacher des nationalsozialistischen Regimes ihren Söhnen und Töchtern eine unbeschwerte Kindheit bieten? Die alten Erziehungsnormen existierten weiterhin, sie verbanden sich mit den Verdrängungen und dem schlechten Gewissen der Eltern. Seelische Wunden hatten in der Zeit des Wiederaufbaues und des steigenden Wohlstandes keinen Platz.
Das pädagogische Verhalten der Erwachsenen führt Sabine Bode exemplarisch auf Kriegstraumatisierungen zurück. Für Angehörige dieser Generation eine spannende Analyse der Nachkriegszeit!

Im letzten Teil des Buches verdeutlichen Interviews mit Experten den Zusammenhang zwischen persönlicher Lebensgeschichte und deutscher Geschichte. So hat der Historiker Sönke Neitzel die Mentalität deutscher Wehrmachtsangehöriger anhand Abhörprotokolle, entstanden in englischer Kriegsgefangenschaft, untersucht („Soldaten: Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“).

Auguste Carstensen-Lenz

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FerienLeseClub 2014

Am 7. Juli startet der FerienLeseClub (FLC) 2014 in der Stadtbibliothek Husum!

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Der FerienLeseClub ist landesweit bereits eine feste und gefragte Institution während der Sommerferien. In der Stadtbibliothek Husum findet er diesen Sommer vom 7.7. bis zum 30.8. statt.

"Jonathan Harkan und das Herz des Lazarus" von Dirk Ahner, Baumhaus-Verlag

„Jonathan Harkan und das Herz des Lazarus“ von Dirk Ahner, Baumhaus-Verlag

Wie gewohnt wartet auf alle Teilnehmer eine attraktive, für den FLC reservierte Buchauswahl, in der von A wie Dirk Ahner („Jonathan Harkan und das Herz des Lazarus“) bis Y wie Yrsa Sigurdardottir („Die IQ-Kids und die geklaute Intelligenz“) für jeden Geschmack der passende Lesestoff dabei ist.

Brandneue Fortsetzungsbände beliebter Reihen wie „Beast Quest“, „Die drei !!!“, „Gregs Tagebuch“ und „Top Secret“ stehen ebenso in den Startlöchern wie echte Geheimtipps: z.B. „Der Quantenzauberer“ von Eoin Colfer, „Paladin Project – Renn um dein Leben“ von Mark Frost, „Zu Hause im Zoo“ von Tatjana Geßler, „Die Schule der Herzenswünsche“ von Shannon Hale, „Die Schattenbande“ von Gina Mayer und „Spackos in Space“ von Jochen Till.

Und wer trotz Ferien statt Unterhaltungsliteratur lieber klare Fakten liest, findet im FLC-Regal auch interessante Sachbücher.

"Die IQ-Kids und die geklaute Intelligenz" von Yrsa Sigurdardottir, Fischer Schatzinsel

„Die IQ-Kids und die geklaute Intelligenz“ von Yrsa Sigurdardottir, Fischer Schatzinsel

Alle FLC-Mitglieder erhalten ein Leselogbuch, in dem sie bis zum 30. August für ihre gelesenen Bücher Stempel sammeln und über ihre Lieblingsbücher abstimmen können.

Teilnehmen können alle Schülerinnen und Schüler, die nach den Ferien mindestens in die 5. Klasse kommen. Anmeldung und Teilnahme sind kostenlos und ab dem 7. Juli in der Stadtbibliothek Husum möglich.

Bei der FLC-Abschlussveranstaltung am 5. September im Kino Center Husum gibt es für alle Stempel-Jäger und –Sammler Urkunden (Bronze für 1-2 Stempel, Silber für 3-6 Stempel und Gold ab 7 gelesenen Büchern), Preise, die man nicht im Laden kaufen kann, und freien Eintritt für den noch streng geheimen Film. Ratefüchse dürfen aber gern schon spekulieren: Es wird wieder eine Buchverfilmung aus der aktuellen FLC-Auswahl sein! Kleiner Tipp: Die Buchvorlage des Abschlussfilms 2013, „Das Haus der Krokodile“, ist dieses Jahr jedenfalls nicht im FerienLeseClub. Vor dem Filmstart wird am 5. September außerdem das Geheimnis um die beliebtesten FLC-Bücher gelüftet.

Unterstützt wird dieses umfangreiche Ferien-Special vor Ort von der Stiftung Husumer Volksbank!

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Außerdem sorgt der Förderverein der Stadtbibliothek Husum dafür, dass mit Schülerjobs der Ansturm an der Stempel-Station auch in diesem Jahr bewältigt werden kann.

Der FerienLeseClub ist ein landesweites Leseförderungs-Projekt und wird von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein und der Nordmetall-Stiftung veranstaltet. Neuer Partner seit 2013 ist der Arena-Verlag, der unter anderem einen Lese-Wettbewerb für Schulklassen zum FLC beisteuert.

Mehr Infos gibt es auf der FLC-Internetseite.

Lesetipp des Monats Juni – Roman

Edgar Rai: Die Gottespartitur. Roman.

Berlin-Verlag, Berlin 2014.

"Die Gottespartitur" von Edgar Rai

„Die Gottespartitur“ von Edgar Rai

In seinem neuen Roman überrascht der Autor nach sonst eher leichter und sehr unterhaltsamer Kost wie „Nächsten Sommer“ mit einer spannenden, kirchenkritischen Geschichte, die von Glaube, Zweifel, Musiktheorie und Liebe handelt.
Der 17-Jährige Matthias, Schüler eines katholischen Internats in Bayern, sucht auf der Buchmesse den erfolgreichen, zynischen Literaturagenten Gabriel Pfeiffer auf, um ihm ein mysteriöses Manuskript eines britischen Musikgelehrten aus dem 18. Jahrhunderts anzubieten, das die Existenz Gottes anhand einer Orgel-Partitur belegen soll.
Gabriel Pfeiffer ist deprimiert, des Lebens müde und nur dank seiner hilfreichen Assistentin, die ihn liebevoll umsorgt, bislang nicht völlig im Desinteresse an der Welt und seinem Job versunken und auch dem Alkohol als Tröster verfallen.
Einige Tage nach dem Besuch des jungen Mannes wird die Neugier des Literaturagenten geweckt, denn Matthias wurde tot vor der Orgel seiner Dorfkirche aufgefunden.
So überlässt Gabriel alle seine Verpflichtungen mit Verlagen und Autoren seiner Mitarbeiterin und beginnt den Spuren des Manuskriptes in Bayern und in London in der British Library zu folgen. Gekoppelt ist diese Suche mit schmerzhaften Erinnerungen an die eigene Jugend in einem katholischen Internat und seiner Auseinandersetzung und seinem Verlust des Glaubens. Philosophisch, sarkastisch, kritisch und zugleich spannend schildert der Autor nach etwas langsamem Aufbau mit einer fesselnden Geschichte die Suche der Menschen nach Gott und der Kraft durch den Glauben.
Die Selbstreflexion des Protagonisten und ein leichter, humorvoller und sarkastischer Stil fesseln! Ich konnte das Buch, obwohl die Themen so sperrig klingen, nicht aus der Hand legen. …und der vermeintlich, musikalische Gottesbeweis? Lesen Sie selbst!

Susanne Luther-Feddersen

Literaturgruppe

Am Montag, 14. Juli 2014, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Vatertage – eine deutsche Geschichte“ von Katja Thimm.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Vatertage" von Katja Thimm

„Vatertage“ von Katja Thimm

Katja Thimm: Vatertage. Eine deutsche Geschichte.

Fischer Taschenbuch, Frankfurt 2012.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Eine scheinbar ganz normale Einfamilienhaus-mit-Garten-Kindheit in der Bonner Republik. Doch manchmal, unvermittelt, bekommt die Normalität Risse, und die Tochter merkt: Es gibt da noch etwas anderes. Dieses andere sind Kindheit und Jugend des Vaters, ist die traumatische Erfahrung von Flucht und Vertreibung, von Verlust und Massensterben, vom Leben in zwei totalitären Systemen.
Katja Thimm erzählt so eindringlich wie einfühlsam die Geschichte ihres Vaters, die zugleich die Geschichte Hunderttausender „Kriegskinder“ ist. Sie berichtet, wie die schrecklichen Erfahrungen der Vergangenheit fortwirken, in ihrem Vater, der mit zunehmendem Alter immer häufiger von traumatischen Erinnerungen heimgesucht wird, aber auch in ihr selbst und damit in der Generation der »Kriegsenkel«.“

Für „Vatertage“ erhielt Katja Thimm 2012 den Evangelischen Buchpreis.

Nicht nur Konfekt und Rosenstrauß

Am Sonnabend, d. 28. Juni, findet die diesjährige Lesung des Freien Deutschen Autorenverbandes Hamburg / Schleswig-Holstein in der Stadtbibliothek Husum statt.

FDAlesungAutorinnen und Autoren aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen lesen Geschichten und Gedichte über Liebe und Freundschaft aus der Anthologie „Nicht nur Konfekt und Rosenstrauß“.

Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung beginnt um 15.30 Uhr und dauert bis ca. 17.30 Uhr. Eingeplant ist eine ca. 20-minütige Pause.

Begleitend zur Lesung gibt es vom 24. Juni bis zum 1. Juli eine kleine „Buchausstellung für Autoren“ – rund um die Themen Sprache, Schreiben, Verlagssuche und Veröffentlichung.

Lesetipp des Monats Juni – Bilderbuch

David Melling: Der Gute-Nacht-Kuss, der danebenging. Aus dem Englischen von Mirjam Pressler.

Oetinger, Hamburg 2006.

"Der Gute-Nacht-Kuss, der danebenging" von David Melling

„Der Gute-Nacht-Kuss, der danebenging“ von David Melling

Es ist Dienstagabend und der König hat es wie immer sehr eilig. Anstatt seinem kleinen Sohn vor dem Schlafengehen eine Geschichte vorzulesen, wirft er ihm nur im Vorbeigehen einen Gute-Nacht-Kuss zu – doch dieser macht sich selbständig und hüpft zum Fenster hinaus! Soll der kleine Prinz nun etwa ungeküsst einschlafen? Nichts da! Der treue Ritter und sein wackeres Ross nehmen die Verfolgung des flüchtigen Kusses auf. Tapfer wagen sie sich in den verschneiten Wald, dessen wilde Bewohner mit „viel zu vielen Haaren und sehr schlechten Manieren“ nicht besonders erfreut über den nächtlichen Besuch sind. Ganz schön gefährlich, doch zum Glück kommt der königliche Kuss vorbeigesaust und sagt allen übellaunigen Bären, Eulen und Wölfen der Reihe nach Gute Nacht … und das ist noch nicht das Ende der Geschichte.

David Mellings geniale Gutenachtgeschichte überzeugt auf ganzer Linie: mit der pfiffigen Grundidee und dem augenzwinkernden Witz in Text und Bild – aber vor allem mit den wunderbaren Zeichnungen, in denen der Künstler eine ganz eigene, märchenhafte Welt erschafft, die von knuffigen Tieren und liebenswert tolpatschigen Menschen bevölkert wird. Es lohnt sich, inmitten der überbordenden Bilder, die teilweise ihre eigenen Rahmen sprengen, auf Details zu achten: so tauchen zum Beispiel aus dem Dunkel des Waldes bereits die Umrisse der Tiere auf, ehe sie im Text benannt werden, der König geht mit Gummiente ins Bad und der Löwe auf dem ritterlichen Schutzschild führt ein Eigenleben.

Ein zeitloses, zauberhaftes Bilderbuch zum Liebhaben.

Andrea Sondermann

Filmtipp des Monats Juni

Die Schülerband „Systemfehler“ steht ganz kurz vor dem großen Durchbruch und ein wichtiger Auftritt direkt vor der Tür. Gleich zu Beginn des Films verlangt Bandleader Max daher von seiner Truppe „keine Starallüren, keine Selbstzweifel und keine bewusstseinserweiternden Substanzen“ (und der Zuschauer ahnt bereits: Das ist alles schon vorgekommen!). Mitschülerin Inge verlangt etwas ganz anderes: Systemfehlers bislang größter Hit „Wenn Inge tanzt“ soll aus dem Band-Repertoire verbannt werden, denn sie fühlt sich durch den Song verunglimpft (und hat damit völlig recht). Den Jungs ist das natürlich egal. Aber dann verletzt sich Gitarrist Joscha und muss eine mehrwöchige Zwangspause einlegen. Was soll nun aus dem großen Auftritt werden? Ersatz muss her – und Inge bleibt als einzige Kandidatin übrig! Ihre Bedingung: „Wenn Inge tanzt“ wird nicht gespielt! Nur blöd, dass der Song fest für den Auftritt gebucht ist – dieses Detail haben die Jungs wohlweislich verschwiegen…

In „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ treffen Welten aufeinander: Auf der einen Seite Max, der sich mit seiner oft rotzigen Art nicht gerade Freunde macht, und seine Chaostruppe, die konsequent von einer Katastrophe in die nächste stolpert – ihnen gegenüber die total korrekte Inge, die auf ihrer Gitarre z.B. Barockmusik spielt und sich ehrenamtlich engagiert. Dass es kommt, wie es kommen muss, und Max sich früher oder später in Inge verguckt, ist nicht unbedingt überraschend. Was der Zuschauer aber mit einer gewissen Fassungslosigkeit zur Kenntnis nimmt, ist die Unausweichlichkeit, mit der die Band in jedem sich bietenden Fettnäpfchen landet – garniert mit tiefschwarzem Humor und vielen running gags, die immer wieder auf die Spitze getrieben werden. Dabei wird übrigens weder in den Dialogen noch in den Songs ein Blatt vor den Mund genommen, man muss also auch Songtitel wie „Alles ist scheiße“ aushalten können, wobei die musikalische Seite durchaus Ohrwurmqualitäten bietet.

Wer bereit ist, sich auf die schräge Band und ihr Umfeld einzulassen, wird mit einem überraschend netten und witzigen Film belohnt, der (nicht nur am Ende) rundum gute Laune verbreitet. Ein Kinderfilm ist „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ allerdings auf gar keinen Fall, trotz der Altersfreigabe ab 6 Jahren!

Die Darsteller hatten alle sichtlichen Spaß beim Dreh, besonders auch Peter Kraus mit einem herrlich selbstironischen Auftritt als Max‘ Onkel Herb – ein alternder Schlagerstar, der sich gedanklich bereits aufs Sterben vorbereitet und zum Entsetzen seines Neffen schon mal vorsorglich Särge besichtigt, um deren Akustik mit seinem Hit „Rosen aus Hawaii“ zu testen.

Systemfehler – Wenn Inge tanzt. Deutschland, 2013. Regie: Wolfgang Groos. Darsteller: Paula Kalenberg (Inge), Tim Oliver Schultz (Max), Peter Kraus (Onkel Herb), Constantin Jascheroff (Joscha), Tino Mewes (Fabio) … 1 DVD (99 Min.). Ab 6 Jahren freigegeben.

Andrea Sondermann