Lesetipp des Monats Juli – Sachbuch

John F. Kennedy: Unter Deutschen. Reisetagebücher und Briefe 1937 – 1945. Hrsg. von Oliver Lubrich. Aus dem Englischen übersetzt von Carina Tessari.

Aufbau Verlag, Berlin 2013.

John F. Kennedy "Unter Deutschen"

John F. Kennedy „Unter Deutschen“

„Ich bin ein Berliner“ – dieser Satz des US-Präsidenten in seiner berühmten Rede hat sich in das kollektive Bewusstsein der Deutschen eingeprägt und ihn zur Kultfigur gemacht. Zum 50. Jahrestag des Besuchs von John F. Kennedy (1917-1963) in Berlin wurden bisher unveröffentlichte Briefe und Tagebucheintragungen herausgegeben. Lange vor 1963 hatte der Präsident mehrere Reisen nach Deutschland und Europa gemacht: 1937 als junger Havard-Student, 1939 im Auftrag seines Vaters, der zu dieser Zeit Botschafter in London war und 1945 während der Potsdamer Konferenz als Korrespondent im Gefolge des Marineministers James Forrestal. Die Bedeutung dieser früheren Eindrücke für sein späteres Deutschlandbild macht die vorliegende Sammlung deutlich.
Auf seiner ersten Reise erkundet der Zwanzigjährige aus großbürgerlichem Hause zusammen mit einem Freund das Vorkriegseuropa. Er ist beeindruckt von der Kirchenarchitektur, den malerischen Dörfern des Rheintals und der Modernität der Reichsautobahn. Besuche in Nachtclubs, Kinos und Bars schließen Flirts und sexuelle Eroberungen mit ein. Im Jahr 1939 recherchiert er für seine Abschlussarbeit über das Münchener Abkommen vom Jahr zuvor.
Am Krieg nimmt John F. Kennedy bei der US-Marine teil. Nach Ende seines Dienstes 1945 ergibt sich die Gelegenheit, den Marineminister auf einer Inspektionstour durch das besiegte Deutschland zu begleiten. Nach einer Besichtigung von Hitlers Haus am Obersalzberg schreibt er unter dem ersten Eindruck „…er war aus dem Stoff, aus dem die Legenden sind…“. Bezüglich eines vermeintlichen Nachruhmes hat er sich zum Glück geirrt. Seine weiteren Berichte sind eher nüchterne Bestandsaufnahmen, z.B. von der Potsdamer Konferenz der drei Siegermächte.
Mit aussagekräftigen Fotos ist der Band schön ediert. Zum umfangreichen Einleitungskapitel des Herausgebers kommt ein ausführliches Quellen-, Film- und Literaturverzeichnis. Das Geleitwort ist von Egon Bahr.

Auguste Carstensen-Lenz

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Lesetipp des Monats Juli – Jugendbuch

Passend zum Filmtipp für diesen Monat folgt hier eine weitere Variante des Märchens „Die Schöne und das Tier“ – diesmal in Buchform:

Alex Flinn: Beastly. Aus dem Englischen übersetzt von Sonja Häußler.

Baumhaus-Verlag, Köln 2010.

"Beastly" von Alex Flinn

„Beastly“ von Alex Flinn

Alex Flinn verlegt das Märchen ins moderne New York und lässt das „Biest“ in der Ich-Form erzählen. Eigentlich ist das „Biest“ ein Teenager names Kyle Kingsbury, reich und schön und dementsprechend von sich eingenommen. Auch Kyles Vater, ein bekannter TV-Sprecher, legt größten Wert auf Äußerlichkeiten – auf Zwischenmenschliches dafür umso weniger. Als der ganz in diesem Sinne erzogene, oberflächliche Kyle seine Mitschülerin Kendra beleidigt, geht er allerdings einen Schritt zu weit, denn Kendra besitzt magische Kräfte und belegt ihn mit einem Fluch, der ihn in eine haarige Bestie mit Klauen und Reißzähnen verwandelt. Da hilft keine Schönheits-OP; erlösen kann ihn nur – richtig! – die wahre Liebe. Im Internetzeitalter stellt Kyle sich die Partnersuche zunächst auch gar nicht so schwierig vor und versucht allen Ernstes, die wahre Liebe online zu finden – natürlich mit seinem alten Profil. Die Ernüchterung folgt prompt und die Idee entpuppt sich als totaler Reinfall. Von seinem Vater mittlerweile aus der schicken gemeinsamen Wohnung abgeschoben in ein Haus mit hohen Mauern, einer einzigen Hausangestellten und einem blinden Hauslehrer, verfällt Kyle zunehmend in Verzweiflung, weil ihm nur zwei Jahre Zeit bleiben, um den Fluch zu brechen. Erst, als er den Vater seiner ehemaligen Mitschülerin Lindy bei einem Einbruch ertappt und dieser ihm im Austausch für seine Freiheit die eigene Tochter anbietet, scheint sich das Blatt zu wenden. Doch wird das „Biest“ Lindys Herz gewinnen können?

Wunderschön erzähltes modernes Märchen, in dem erstaunlich viele Elemente der klassischen Vorlage (auch aus dem bekannten Disney-Film!) mit eingewoben sind, z.B. der Zauberspiegel, der Kyles heimliches Fenster zur Außenwelt wird. Obwohl das Ende eigentlich absehbar sein sollte, fiebert man beim Lesen atemlos mit und schließt die Hauptfiguren schnell ins Herz (besonders Kyle, dessen rührende Wandlung sich glaubwürdig und in kleinen Schritten vollzieht).

Ein nettes Extra ist das Chat-Forum eines gewissen „Mr. Anderson“ zum Thema „Unerwünschte Verwandlungen“, das von Zeit zu Zeit im Buch auftaucht und in dem sich nicht nur das Biest aus New York, sondern auch der Froschkönig, die kleine Meerjungfrau und der Bär aus „Schneeweißchen und Rosenrot“ tummeln. Dort verstecken sich viele kleine witzige und stimmige Details, von den Chat-Namen bis hin zum Internet-Zugang (der dank W-Lan auch für den Bären im Wald möglich ist).

Ein Buch zum Schwelgen und Genießen, nicht nur für Märchen-Fans – einfach schön!

Andrea Sondermann

 

Literaturgruppe

Am Montag, 25. August 2014, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Mein Herz so weiß“ von Javier Marias.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Mein Herz so weiß" von Javier Marias

„Mein Herz so weiß“ von Javier Marias

Javier Marias: Mein Herz so weiß. Roman. Aus dem Spanischen übersetzt von Elke Wehr.

Fischer Taschenbuch, Frankfurt 2012.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Erbarmungslos und genau untersucht Javier Marías in seinem internationalen Bestseller ›Mein Herz so weiß‹ die Macht uneingestandener Vergangenheit. Für Juan, der als Dolmetscher ständig zwischen New York, Genf und Madrid pendelt, ist das Leben seines Vaters ein ungelöstes Rätsel. Als er selbst heiratet, stellt er sich dem, was er nicht wissen will: Direkt nach der Hochzeitsreise seines Vaters erhob sich seine erste Frau vom Tisch, nahm eine Pistole und erschoss sich im Badezimmer. Später heiratete der Witwer ihre Schwester, Juans Mutter.

Der Roman zeigt Javier Marías als Meisterdetektiv des menschlichen Herzens, seiner dunklen Seiten und verborgenen Winkel. Verschwiegenheit kann bequem sein, aber sie fordert ihren Preis. Die Schärfe seiner Beobachtungen und die Eleganz seines Stils machen den Roman zu einem Klassiker der Moderne.

»Dies ist ein Meisterwerk, ein ganz großes Meisterwerk.«
Marcel Reich-Ranicki.“

Für „Mein Herz so weiß“ erhielt Javier Marias mehrere Auszeichnungen. Für sein Gesamtwerk wurde er unter anderem mit dem Nelly-Sachs-Preis geehrt (1997). 2011 erhielt er den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur.

Lesetipp des Monats Juli – Jugendbuch

Kirsten Boie: Schwarze Lügen. Ein Kriminalroman.

Oetinger, Hamburg 2014.

"Schwarze Lügen" von Kirsten Boie

„Schwarze Lügen“ von Kirsten Boie

Die bekannte Kinder- und Jugendbuchautorin legt hier einen vielschichtigen und sehr spannenden Krimi für jugendliche Leser ab etwa 13 Jahren vor, der wärmstens zu empfehlen ist.
Zunächst einmal entwickelt sich die Geschichte langsam aus ganz unterschiedlichen Perspektiven: Die 15- Jährige Schülerin Melody und ihr älterer Bruder Amadeus geraten durch einen unglücklichen Zufall und einen perfiden Plan, von dem die beiden nichts ahnen, unter den Verdacht, eine Bank ausgeraubt zu haben.
Der Bruder wird – auch aufgrund seiner dunklen Hautfarbe – schnell von der Polizei für schuldig gehalten und in Gewahrsam genommen. Da aber die Beute bei ihm nicht zu finden ist, gerät seine Schwester in den Fokus der Ermittlungen. Die aus Afrika stammende Melody weiß noch nichts von der sich anbahnenden Katastrophe: Nachdem ihr alkoholisierter, brutaler Stiefvater ihre Klarinette zerstört hat, kann sie nicht an dem geplanten Konzert in der Schule teilnehmen. Frustriert, traurig und hilflos reißt Melody aus, nichtsahnend, dass sie nach einem Zusammenstoß mit dem wahren Bankräuber die Beute in ihrer vermeintlichen Notentasche mit sich führt und gesucht wird. Als auch noch ihre kleine, vierjährige Schwester entführt wird, ist nicht nur die Polizei auf der Suche nach Melody, die auf ihrer Flucht überraschend Unterstützung bekommt.
Viele Handlungsstränge, Polizei, Drogenhändler, ein verwöhnter Jugendlicher unter Druck, falsche Verdächtigungen, aber auch der Blick auf kulturelle Vorurteile und verschiedene soziale Milieus sind geschickt eingeflochten und fesseln in einem sehr gelungenen Krimi für Jugendliche.
Lesen!

Susanne Luther-Feddersen

FerienLeseClub 2014 – So geht’s

Endlich: Der FerienLeseClub (FLC) 2014 ist gestartet!

Wer 2013 bereits mitgemacht hat, kennt sich natürlich schon aus – aber für alle, die mit dem FLC 2014 Neuland betreten, kommen hier noch einmal in aller Ausführlichkeit die „Spielregeln“ (teilnehmen können übrigens Schülerinnen und Schüler, die nach den Ferien mindestens in die 5. Klasse kommen):

So machst du mit beim FerienLeseClub

in der Stadtbibliothek Husum

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Der FerienLeseClub 2014 startet am 7. Juli. Ab dann und während der Sommerferien kannst du dich anmelden und teilnehmen.

Für den FLC bekommst du eine Club-Lesenummer, die auf deinem Leselogbuch steht. Bringe deshalb dein Logbuch beim Ausleihen und Abgeben von FLC-Büchern immer mit!

Als FLC-Mitglied kannst du:

– bis zu 3 Bücher gleichzeitig aus dem Clubregal auswählen und an der „Verbuchung“ ausleihen

– deine FLC-Bücher 3 Wochen lang behalten (oder eher abgeben)

– deine gelesenen FLC-Bücher im Logbuch eintragen, -> ihnen in der Spalte „Kommentar“ Schulnoten von 1 bis 6 geben -> und so bei der Wahl der beliebtesten FLC-Bücher (FLC – Top 10) mitmachen

Achtung: Die Teilnahme am FLC ist kostenlos, aber wenn du Bücher verspätet abgibst, wird die übliche Versäumnisgebühr fällig.

Außerdem kannst du:

– an der „Information“ FLC-Bücher kostenlos vorbestellen

– deine ausgeliehenen FLC-Bücher 1mal verlängern, wenn sie nicht für ein anderes Clubmitglied vorbestellt sind

– mehr Bücher lesen, als ins Logbuch passen, denn an der „Information“ gibt’s Zettel zum Nachlegen

– mit deinen gelesenen FLC-Büchern Stempel im Logbuch sammeln -> und nach den Sommerferien eine Urkunde in Bronze (für 1 – 2 Stempel), Silber (3 – 6 Stempel) oder Gold (ab 7 gelesenen Büchern) bekommen

Stempel sammeln – so geht’s:

– FLC-Buch lesen

– bei der Rückgabe Fragen zum Inhalt beantworten

– oder erzählen, wovon das Buch handelt

-> und mit Stempel im Logbuch bestätigen lassen

Der FerienLeseClub endet am 30. August. Das heißt:

– bis spätestens zum 30.8. musst du dein Logbuch in der Bibliothek abgeben -> für die Urkunde und -> für die Wahl der FLC – Top 10 – Bücher

– ab dem 30.8. kannst du mit deiner FLC-Lesenummer nichts mehr ausleihen oder verlängern

– ab dem 30.8. wandern alle FLC-Bücher wieder in ihre gewohnten Bibliotheksregale zurück

nach dem 30.8. gibt es keine Stempel mehr!

Deine Urkunde bekommst du bei der FLC-Abschlussveranstaltung am 5.9. ab 15.00 Uhr im Kino Center Husum.

Kannst du mit der FLC-Urkunde auch in der Schule punkten?

Das entscheiden deine Schule und dein(e) Deutschlehrer(in). Trau dich und frage dort nach!

Filmtipp des Monats Juli

Das Märchen von der Schönen und dem Tier gibt es in den verschiedensten Varianten, und es wurde schon oft und mit wechselnden Titeln verfilmt. Der Kern bleibt dabei stets gleich: Um ihren Vater zu retten, begibt sich die Schöne ins Schloss des Ungeheuers, das in Wahrheit ein verwunschener Prinz ist und nur durch ihre Liebe erlöst werden kann. Doch die Schöne gesteht ihre Liebe erst ein, als bereits alles zu spät scheint.

Für die Reihe „Märchenperlen“ entstand 2012 die Verfilmung „Die Schöne und das Biest“ mit Cornelia Gröschel und Maximilian Simonischek in den Hauptrollen. Hier ist es Prinz Arbo, der schon lange vergeblich auf Erlösung wartet und laut Fluch sterben soll, sobald die letzte seiner Rosen verblüht ist. Entsprechend wütend wird er, als der verirrte Wirt Hugo eine davon pflückt. Dessen Tochter Elsa wollte eigentlich nur eine Rose aus dem heimischen Garten als Entschuldigung vorbeibringen und sieht sich plötzlich als Gefangene in einem geheimnisvollen Schloss. Die beiden seltsamen Diener des Ungeheuers sind zunächst auch keine große Hilfe, und Elsa plant nur eines: Flucht! Doch dann schlägt das Biest ihr einen Handel vor …

Der lose in mittelalterlichem Ambiente angesiedelte Film überrascht mit charmanten, stimmigen Details: Das Biest betreibt oft „nonverbale Kommunikation“ und ein Schnauben sagt bei ihm mehr als tausend Worte; mit seinem guten Geruchssinn erkennt das Biest beim Pfandleiher die Kette von Elsas Mutter; als einfache Wirtstochter kann Elsa natürlich nicht lesen, das Biest aber schon.

Die Schöne und das Biest“ bietet schöne neue Facetten und braucht sich hinter den zahlreichen gleichnamigen Verfilmungen nicht zu verstecken! Gelungene Unterhaltung mit Humor, gebührender Dramatik und Happy-End.

Die Schöne und das Biest. Deutschland, Österreich 2012. Darsteller: Cornelia Gröschel (Elsa), Maximilian Simonischek (Biest), Jürgen Tarrach (Hugo) … 1 DVD (90 Min.). Freigegeben ohne Altersbeschränkung.

Andrea Sondermann