Literaturgruppe

Am Montag, 15. September 2014, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Miss Fozzard findet ihre Füße“ von Alan Bennett.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Miss Fozzard findet ihre Füße" von Alan Bennett

„Miss Fozzard findet ihre Füße“ von Alan Bennett

Alan Bennett: Miss Fozzard findet ihre Füße. Aus dem Englischen übersetzt von Ingo Herzke.

Wagenbach, Berlin 2011.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Der alltägliche Kampf um den besten Platz in der Kantine, Tragödien hinter Ligusterhecken und Intrigen in der Auslegewaren- Abteilung: Bennetts britische Helden sind uns näher, als wir denken.
Sie sind wieder da, die skurrilen britischen Gestalten des Alan Bennett! Diesmal weiß der Meister der bitterbösen Satire zu berichten von einer geldgierigen Antiquitätenhändlerin, die sich einen echten Michelangelo durch die Lappen gehen lässt, einem Parkwächter mit dunkler Vergangenheit, einer Dame mittleren Alters, die in der Fußmassage ihre Erfüllung findet und dabei einen Fetischisten glücklich macht, einem zwielichtigen Schlachter, der nur zum Schein mit dem Wachhund Gassi geht, von Nächten in spanischen Gärten, von denen Mrs. Horrocks nicht träumen mag, und einer alten Dame, die auf das Glückwunschtelegramm der Queen zu ihrem Hundertsten wartet – und sich dabei an die Feldpost aus dem Krieg erinnert.
Einmal mehr demonstriert Bennett seine Klasse: In wenigen Strichen entwirft er auf engstem Raum ganze Lebensläufe – wie etwa das Leben und Sterben der Peggy Schofield, einer unbedeutenden Bürokraft, Bennetts allererstem „talking head“, deren Geschichte die Form seiner Prosamonologe begründet hat.“

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Landschaft und Akt

Vom 28. August bis zum 29. November 2014 ist in der Stadtbibliothek die Ausstellung „Landschaft und Akt“ zu sehen. Sie zeigt Aquarelle der Maler Franz Kottmeier und Matthias Leßmann; dieselbe Technik, aber farblich und formal ganz unterschiedlich.

KottmeierLessmannFlyerWährend Matthias Leßmann mit Verdichtung und Überlagerung von Farbflächen arbeitet, wobei er seine Landschaften- und Städtebilder phantasievoll ergänzt, ist Franz Kottmeier ein Meister der Aussparung; sowohl in seiner Landschaftsmalerei als auch in den Aktbildern.
Beide Künstler arbeiten viel mit Lichteffekten, wobei in M. Leßmanns Bildern die südlichen Farben dominieren, in F. Kottmeiers die kräftigeren Nordtöne.
Gezeichnet und gemalt wurde auf zahlreichen Reisen vor Ort: in Griechenland, Italien, der Türkei und der Provence (M.L.) und in Norwegen, wo F.K. das Aquarellieren für sich entdeckte.

Die Aktzeichnungen F. Kottmeiers (1944 – 2012) entstanden in Berlin, wo er 45 Jahre lang lebte und an einem Gymnasium unterrichtete.
Als „Neubürger“ Husums faszinierten ihn vor allem die Hafen- und Speicheranlagen. Tagebuchnotiz: „Husum – das Erholsame an der Stadt: dass es trotz des z.T. niedlichen Stadtbildes und des erheblichen Tourismus‘ auch graue Stellen gibt, wo man beobachten kann, wie Leben wirklich funktioniert (Stoffwechsel eine Ortes).“ Auch einige dieser Husum-Ansichten sind zu sehen.

M. Leßmann (1967 in Detmold geb.) lebt seit 1999 in Husum und unterrichtet Kunst und Englisch an der Hermann-Tast-Schule.
Ebenso wie F. Kottmeier malt M. Leßmann auch in Acryl und Mischtechniken. Sein Blog (www.schwebeanker.tumblr.com) gibt darüber Auskunft. Zitat M. Leßmann: „Ich möchte probieren, was ich nicht kann, dann erst wird es spannend; denn dort ist eine nie gesehene Welt, die sich in Bildern erzählen will. In Acrylbildern und Mischtechniken kann ich dort weiter malen, wo das Aquarell endet.“

Die Ausstellung beginnt am 28. August um 19.00 Uhr mit einer Vernissage. Es sprechen Andrea Claussen und Peter Warmke, für die musikalische Untermalung sorgt „Hühnergott“ aus Bremen.

Filmtipp des Monats August

Wer Filme ohne Nachdenken mag, sollte um „Wicked Blood“ einen großen Bogen machen, denn hier gibt es keine einfachen Antworten:

Teenager Hannah liebt Schach, ihre ältere Schwester Amber und ihren drogensüchtigen Onkel Donny. Nach dem Tod ihrer Eltern möchte sie endlich wieder eine richtige Familie haben, aber Amber will nur noch raus, die Verwandtschaft mütterlicherseits ist kriminell und hat den besagten Onkel väterlicherseits damit beauftragt, Drogen fürs „Familiengeschäft“ zu kochen. Außerdem lungert das FBI auf der gegenüberliegenden Straßenseite herum. Lässt sich die Lösung für diese Probleme vielleicht auf dem Schachbrett finden?

Ist es Kalkül, dass Hannah ihren Onkel Frank, das kriminelle Familienoberhaupt, um einen Job als Kurier bittet – hat sie das, was darauf folgt, wie ein Schachspiel im Voraus geplant (und wird dann teilweise von den Zügen ihrer „Gegner“ überrumpelt)? Oder rutscht sie völlig unschuldig in eine unaufhaltsame Katastrophe und vergleicht das Geschehen nur im Rückblick mit Schach? Hauptdarstellerin Abigail Breslin lässt den Zuschauer rätseln, auch nachdem der Film zu Ende ist. Sie spielt die Hannah so verletzlich und gleichzeitig entschlossen, dass man nicht sicher ist, ob man ihr eine solche Kaltblütigkeit zutrauen soll.

Für Onkel Frank liefert Hannah Pakete an den Biker Bill und seine Gang, zweigt dabei jedoch einen Teil der Drogen ab, die sie durch Vitamine ersetzt. Dadurch steht sie kurz davor, einen Krieg auszulösen – besonders weil ihr unberechenbarer Onkel Bobby, der als rechte Hand seines Bruders Frank fungiert, Probleme lieber mit Gewalt als durch Reden löst. Aber Hannah weiß noch nicht, dass ihre Schwester Amber sich gerade verliebt hat: ausgerechnet in Bill…

Wicked Blood“ ist ein Film, der trotz seines Titels relativ unblutig und unspektakulär daherkommt, mit seinen Figuren aber umso nachhaltigeren Eindruck hinterlässt. Fast wie ein Kammerspiel beschränkt sich die Geschichte auf nur wenige handelnde Personen, deren Schicksale im Lauf des Films immer engmaschiger und auf teils unverhergesehene Weise miteinander verknüpft werden. Hannah und ihre verkorkste Familie, der sympathische aber undurchsichtige Bill und Hannahs Schachspiel bleiben dem Zuschauer noch lange im Sinn.

Wicked Blood. USA, 2014. Regie und Drehbuch: Mark Young. Darsteller: Abigail Breslin (Hannah), Alexa Vega (Amber), Sean Bean (Onkel Frank), James Purefoy (Bill), Lew Temple (Onkel Donny), Jake Busey (Bobby) … 1 DVD (88 Min.). Ab 16 Jahren freigegeben.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats August – Thriller

Kathrin Lange: 40 Stunden. Thriller.

Blanvalet, München 2014.

"40 Stunden" von Kathrin Lange

„40 Stunden“ von Kathrin Lange

Sommerzeit – Krimizeit!

In dem fesselnden Thriller von Kathrin Lange steht der vom Dienst suspendierte Ermittler Faris Iskander, traumatisiert von einem Bombenattentat, das er nicht verhindern konnte und bei dem viele Menschen ums Leben kamen, ungewollt im Mittelpunkt des Geschehens:

Er erhält einen anonymen Anruf, der ihn zu einer U-Bahn-Station in Berlin beordert und wird hilflos wiederum Zeuge eines Anschlags, diesmal auf eine U-Bahn.

Der Anrufer sendet Iskander zudem ein Video von einer Kreuzigung und droht, eine weit größere Bombe explodieren zu lassen, sollte Iskander den am Kreuz hängenden Mann vor Ablauf von 40 Stunden nicht finden und befreien. Iskander versucht mit Hilfe seiner Kollegen der erst vor kurzem eingerichteten Abteilung zur Bekämpfung und Aufklärung von religiös motivierten Verbrechen, die Identität des Gekreuzigten und seinen Aufenthaltsort herauszufinden. Lässt sich die Bombe, die vermutlich während des Abschlussgottesdienstes des ökumenischen Kirchentages in Berlin im Olympiastadion gezündet werden soll, noch stoppen? Ist der Anschlag eine Abrechnung mit dem Christentum? Wer steckt dahinter? Iskander ist am Ende seiner Kräfte, doch da der Attentäter ihn als Kontaktperson gewählt hat, muss der Kriminalpolizist in diesem perfiden Plan „mitspielen“.

Überraschende Wendungen, hektische Ermittlungstätigkeit und der persönlich involvierte Ermittler bieten eine überaus spannende und kurzweilige Thriller-Lektüre. Empfohlen!

Susanne Luther-Feddersen

Lesetipp des Monats August – Fantasyroman

Nina Blazon: Der dunkle Kuss der Sterne.

Cbt, München 2014.

"Der dunkle Kuss der Sterne" von Nina Blazon

„Der dunkle Kuss der Sterne“ von Nina Blazon

Tief in der Wüste liegt die geheimnisvolle Stadt Ghan. Canda gehört dort zur herrschenden Kaste und ist sogar Anwärterin auf den Thron, doch in der Nacht vor ihrer Hochzeit ändert sich alles: Plötzlich hat sie eine ihrer vier „Gaben“, den „Glanz“, verloren – und ihr Verlobter Tian ist spurlos verschwunden. Hat er sie verlassen und ihren „Glanz“ gestohlen? Canda mag das nicht glauben; sie ist fest überzeugt davon, dass Tian entführt wurde. Verzweifelt trifft sie eine geheime Abmachung mit der Herrscherin: entweder mit Beweisen für Tians Unschuld zurückzukehren oder ihn zu töten. Dafür darf sie Ghan verlassen, um ihren Verlobten zu suchen, und der rätselhafte Amad soll sie zur Unterstützung begleiten.

Dass Canda und Amad einander auf den ersten Blick äußerst unsympathisch sind, erweist sich aber auf der gefährlichen Reise bald als ihr kleinstes Problem: Die Welt ist ganz anders, als Canda sie sich immer vorgestellt hatte, zudem wird die stolze junge Frau seit dem Verlust ihres „Glanzes“ von Träumen heimgesucht (die in Ghan als Vorstufe zum Irrsinn gelten) und die rachsüchtigen Seelen zweier hingerichteter Wächter haben sich an ihre Fersen geheftet. Schnell wird Canda klar, dass kaum etwas so ist, wie es zunächst scheint, und dass der „Jäger“ Amad viel mehr weiß, als er sagt. Wie wurde er zum Sklaven der Herrscherin, welches Druckmittel hält sie gegen ihn in der Hand? Will auch er jemanden retten, den er liebt, und wird er Canda dafür verraten? Als sie das Ausmaß seiner Geheimnisse zu ahnen beginnt, steht längst nicht mehr nur ihr eigenes Schicksal auf dem Spiel.

Von der weltfremden Stadtprinzessin, die sich allein über ihre Familienzugehörigkeit und ihre „Gaben“ definiert, bis hin zu einer starken jungen Frau, die auf ihr Herz hört, legt Canda einen weiten, glaubwürdigen und mitreißenden Weg zurück. Was sich wirklich hinter ihren „Gaben“ verbirgt, ist ein ebenso verblüffender wie genialer Einfall der Autorin Nina Blazon – und mehr wird an dieser Stelle natürlich nicht darüber verraten! „Der dunkle Kuss der Sterne“ ist ein außergewöhnliches, wunderschön erzähltes Buch, das den Leser von Anfang an fesselt, mit neuen Ideen überrascht und bis zum Ende nicht mehr loslässt. Also lautet die klare Empfehlung (nicht nur für Fantasy-Fans oder Freunde abenteuerlicher Liebesgeschichten): Lesen!

Andrea Sondermann