Lesetipp des Monats November – Roman

Hanne-Vibeke Holst: Das Mädchen aus Stockholm. Roman.

Pendo, München 2014.

"Das Mädchen aus Stockholm" von Hanne-Vibeke Holst

„Das Mädchen aus Stockholm“ von Hanne-Vibeke Holst

In Berlin wird der dänischen Opernregisseurin Helena Tholstrup ein wichtiger Medienpreis feierlich übergeben. Zu diesem Anlass erhofft die beruflich sehr erfolgreiche Helena auf eine Versöhnung mit ihrer Tochter Sophie, die gemeinsam mit ihrem Verlobten Khalil zur Preisverleihung anreist. Khalil, der ein radikaler Muslim zu sein scheint, droht im Hotelzimmer von Helena, eine Bombe zu zünden, sollte Helena sich nicht für die vermeintliche Beleidigung der Moslems in ihrer prämierten Operninszenierung entschuldigen

Auf der zweiten Erzählebene wird die Geschichte von dem Pfarrer Thorvald Tholstrup, Helenas Großvater, erzählt, der in den 1940er Jahren dem Widerstand gegen die deutsche Besatzung in Dänemark angehört und sich und seine Familie mit den Zwillingen Leif und Leo großen Gefahren aussetzt, aber auch zum Volkshelden wird.

Leo und Leif, mittlerweile erwachsen, reisen gemeinsam mit dem Rad durch Dänemark, um sich vor dem bevorstehenden Eintritt in das Berufsleben noch unbeschwert zu amüsieren. Sie lernen in Kopenhagen Ninni kennen und verlieben sich beide in sie. Während auf Leif zu Hause eine Verlobte wartet, beginnt Leo seine berufliche Laufbahn im diplomatischen Dienst. So ist es schließlich Leo, der die schwangere Ninni, ambitionierte Sängerin und aus reichem Hause, heiratet und zum Vater der Tochter Helena wird.

Die Verknüpfung der Familiengeschichten und –geheimnisse gelingt der dänischen Autorin mit viel Einfühlungsvermögen und Spannung. Sie weckt große Sympathien für ihre Figuren und rückt die Themen Liebe und Verzeihen in den Mittelpunkt, ohne je rührselig zu werden. Eine bewegende Familiengeschichte sowohl im geschichtlichen Kontext als auch im aktuellen Bezug, die den Leser schnell in den Bann zieht. Sehr gerne empfohlen!

Susanne Luther-Feddersen

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Lesetipp des Monats November – Bestseller

Volker Weidermann: Ostende. 1936, Sommer der Freundschaft.

Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014.

"Ostende" von Volker Weidermann

„Ostende“ von Volker Weidermann

Prominente Schriftsteller treffen sich im Sommer 1936 im belgischen Badeort Ostende: Stefan Zweig, Josef Roth, Egon Erwin Kisch, Ernst Toller, Irmgard Keun, Arthur Koestler und andere weniger bekannte. Sie befinden sich in einer Urlaubswelt mit bunten Badehäusern, Sonnenschirmen und einem Spielcasino. Sie sind Hitler-Gegner und haben gemeinsame Sorgen und Hoffnungen. Ihre Heimat haben sie verloren, sie werden verfolgt und ihre Bücher sind verboten. Im Mittelpunkt dieser illustren Gesellschaft steht die Freundschaft zwischen Stefan Zweig und dem ihn bewundernden jüngeren Josef Roth. Die lebenslustige Irmgard Keun ist wegen Josef Roth dabei, eine leidenschaftliche Liebe verbindet das ungleiche Paar. Es ist das letzte Zusammentreffen der Literaten in diesen dreißig Tagen. Wenig später werden sie sich in alle Himmelsrichtungen zerstreuen oder  ihrem Leben selbst ein Ende setzen.

Volker Weidermann erzählt von der Begegnung dieser Vertreter einer „verlorenen Generation“. In Briefen und anderem Quellenmaterial hat der Literaturkritiker treffende Zitate gefunden und mit den überlieferten Ereignissen montiert. So ist eine informative, feinsinnige und bewegende Erzählung entstanden, die zum Weiterlesen der – inzwischen – Klassiker aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts animiert.

Ebenfalls empfehlenswert ist das Hörbuch. Der Schauspieler Ulrich Noethen liest pointiert, so dass die besondere Atmosphäre des Exilortes spürbar wird.

 Auguste Carstensen-Lenz

Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?

Beste Freunde kann nichts trennen – oder?

Nulli und Priesemut heißen die kleinen Bilderbuchhelden von Autor Matthias Sodtke. Am Sonnabend, d. 15. November, spielen die beiden in der Stadtbibliothek Husum eine große Rolle:

 

"Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?" von Matthias Sodtke

„Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?“ von Matthias Sodtke

Hase Nulli und Frosch Priesemut sind allerbeste Freunde und machen fast alles gemeinsam. Aber sie haben sehr unterschiedliche Essgewohnheiten – lässt sich daran vielleicht etwas ändern?

BuehneBumm: "Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?"

BuehneBumm: „Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?“

Die Antwort darauf können Kinder ab 3 Jahren um 15.30 Uhr erfahren, wenn BuehneBumm im Dachgeschoss der Stadtbibliothek mit dem fröhlichen Bewegungstheaterstück „Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?“ zum Mitmachen einlädt.

Eintrittskarten sind zum Preis von einem Euro für Kinder und zwei Euro für Erwachsene in der Bibliothek erhältlich.

Diese Veranstaltung findet im Rahmen der 31. landesweiten Kinder- und Jugendbuchwochen statt und wird in Husum von der Nord-Ostsee-Sparkasse unterstützt.

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Kinder- und Jugendbuchwochen 2014

Auch in diesem Jahr ist im November wieder Lesezeit: vom 10. bis zum 22.11. finden in Schleswig-Holstein die 31. Kinder- und Jugendbuchwochen statt.

kjbw2014_webbildWie gewohnt beteiligt sich die Stadtbibliothek Husum und bietet viele Lesungen für Schulklassen, die sich in diesem Jahr auf eine bunte Mischung aus bekannten Namen und solchen, die es noch zu entdecken lohnt, freuen können:

Simak Büchel bringt dem Publikum mit seinen Abenteuer-Lesungen „Im Auftrag von Bogumil“ die Faszination für Geschichten näher. Medienexperte Thomas Feibel stellt einige seiner Sachbücher und den Roman „Like me. Jeder Klick zählt“ vor. Alice Pantermüller hat gleich mehrere heiße Eisen im Feuer und neben ihren „Superhelden“ auch noch die Comic-Tagebücher „Mein Lotta-Leben“ im Gepäck. Kirsten Reinhardt erzählt „Die haarige Geschichte von Olga, Henrike und dem Austauschfranzosen“, deren Leser sich auf überraschende Wendungen gefasst machen können. Gudrun Sulzenbacher beantwortet unermüdlich alle Fragen zu ihren Sachbüchern über Ötzi und das „Büchermachen“. Nina Weger taucht mit ihren Zuhörer ab – mit Paul und seinem Krokodil in die Kanalisation („Ein Krokodil taucht ab“) und mit Nick in die (Un-)Tiefen seiner chaotischen Familie („Helden wie Opa und ich“).

Am Sonnabend, 15. November, steht um 15.30 Uhr „Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?“ nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Matthias Sodtke auf dem Programm. Die BuehneBumm führt das fröhliche Bewegungstheaterstück für Kinder ab 3 Jahren im Dachgeschoss der Stadtbibliothek auf. Eintrittskarten sind zum Preis von 1 Euro für Kinder und 2 Euro für Erwachsene in der Bibliothek erhältlich.

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Auch während der Kinder- und Jugendbuchwochen findet dienstags von 15.30 bis 16.15 Uhr wie gewohnt der Husumer Lesespaß für Drei- bis Sechsjährige statt. Das Monatsrätsel in der Kinderbibliothek bietet für alle Kinder bis zu 13 Jahren eine neue Gewinnchance.

In einer Buchausstellung laden die für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2014 nominierten Titel zum Stöbern und Entdecken ein.

Die Kinder- und Jugendbuchwochen werden in Husum von der Nospa Jugend- und Sportstiftung unterstützt.

Lesetipp des Monats November – Kinderbuch

Der beste Tag aller Zeiten – Weitgereiste Gedichte. Herausgegeben von Susan Kreller. Mit Illustrationen von Sabine Wilharm. Aus dem Englischen übersetzt von Henning Ahrens und Claas Kazzer.

Carlsen, Hamburg 2013.

"Der beste Tag aller Zeiten - Weitgereiste Gedichte"

„Der beste Tag aller Zeiten – Weitgereiste Gedichte“

Von den unterschiedlichsten Enden der Welt kommen die Gedichte, die Susan Kreller für diese außergewöhnliche Sammlung zusammengetragen hat, und wer des Englischen mächtig ist, kann sie im Anhang alle in der Originalfassung entdecken. Da gibt es Witziges und Nachdenkliches, Schönes und Trauriges – und vieles davon gereimt, was die Übersetzer vor besondere Herausforderungen stellt. Nicht ohne Grund wurde „Der beste Tag aller Zeiten“ für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2014 in der Sparte „Kinderbuch“ nominiert!

Es ist keine schnelle Lektüre für Zwischendurch, es ist ein Sicheinlassen und Genießen Stück für Stück, und wer hier tief eintaucht wird mehr als nur ein neues Lieblingsgedicht finden. Der Band punktet aber nicht nur mit Texten, die es weitgehend noch nie auf Deutsch zu lesen gab, sondern vor allem mit der Sortierung der Gedichte unter Oberbegriffen, die für sich allein schon die Lust am Fabulieren wecken: „Abenteuer in allen Größen“, „Wunder und andere sehr stille Angelegenheiten“, „Gedichte in Farbe“ und „Das Glück, das Unglück und die sieben Meter dazwischen“ – um nur einige Beispiele zu nennen. Die teils skurrilen und versponnenen Illustrationen von Sabine Wilharm rahmen das Gesamtwerk gekonnt ein.

Und auch wenn das Gedicht „Bibliothek“ von Valerie Worth aus den USA (im Kapitel „Geflügelte Orte“) es der Belegschaft der Stadtbibliothek naturgemäß besonders angetan hat – und auf dem hinteren Buchdeckel abgedruckt ist, so dass man die Sammlung gar nicht aufschlagen müsste, um es zu lesen – lohnt sich die Entdeckungsreise ins Innere für alle großen und kleinen Wortakrobaten ab 6 Jahren.

Andrea Sondermann