Lesetipp des Monats Februar – Tahereh Mafi

Sprachlich außergewöhnlich und süchtigmachend war bereits Tahereh Mafis erstes Buch „Ich fürchte mich nicht“. Als Auftaktband einer Reihe fand es bislang aber noch keinen Weg in die Lesetipps. Nun hat die Autorin ihre spannende Trilogie nach zwei Jahren Wartezeit mit dem Abschlussband gekrönt und dabei das Kunststück vollbracht, ein völlig unerwartetes und trotzdem befriedigendes Ende zu finden, das noch genug Fragen offen lässt, um die Phantasie der Leser anzukurbeln (oder auf einen vierten Band zu hoffen). Also kann es jetzt losgehen:

"Ich fürchte mich nicht" von Tahereh Mafi

„Ich fürchte mich nicht“ von Tahereh Mafi

Tahereh Mafi: Ich fürchte mich nicht. Roman. Aus dem Amerikanischen von Mara Henke.

Goldmann, München 2012.

Nein, es ist keine sehr schöne neue Welt, in der uns die siebzehnjährige Ich-Erzählerin Juliette begegnet. Das „Reestablishment“ regiert und unterdrückt die Bevölkerung. Die noch bewohnbaren Teile der Welt sind in Sektoren unterteilt, jeder mit einem anderen Machthaber. Juliette wurde weggesperrt, weil ihre Fähigkeiten überaus gefährlich sind: ihre Berührung ist schmerzhaft, schlimmstenfalls sogar tödlich – ungewollt hat sie den Tod eines Kindes verursacht. In ihrer Isolation zählt sie alles, was ihr in den Sinn kommt, um bei Verstand zu bleiben; sie schreibt Tagebuch und streicht dabei viele Gedanken wieder aus. Im Grunde ist sie der Meinung, dass sie dieses Schicksal verdient. Dann bekommt sie einen Zellengenossen: Adam. Juliette kennt ihn von früher, doch erinnert er sich auch an sie? Und wenn ja – ist er gekommen, um sie zu retten, oder nur weil der undurchschaubare Warner, Kommandeur und Regent von Sektor 45, ihn beauftragt hat? Warner zeigt großes Interesse an Juliette und ihren Fähigkeiten, er verwöhnt sie mit gutem Essen und schönen Kleidern und sie fürchtet den Preis, den er dafür verlangen wird. Aber kann eine Flucht aus Warners goldenem Käfig gelingen?

"Rette mich vor dir" von Tahereh Mafi

„Rette mich vor dir“ von Tahereh Mafi

Tahereh Mafi: Rette mich vor dir. Roman. Aus dem Amerikanischen von Mara Henke.

Goldmann, München 2013.

Bei den Rebellen von Omega Point hat Juliette Zuflucht gefunden und soll lernen, ihre Kräfte zu kontrollieren, denn dort gibt es viele Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Aber sie ist verunsichert, fühlt sich als Außenseiterin und glaubt, dass die anderen sich vor ihr fürchten. Dann der Schock: ist Adam vielleicht gar nicht immun gegen ihre Berührung? Umso mehr will Juliette um jeden Preis das Geheimnis bewahren, dass auch Warner sie berühren kann – was für ein Pech, dass er ausgerechnet jetzt als Gefangener nach Omega Point gebracht wird! Er hat Juliettes Tagebuch gelesen und glaubt nun der einzige Mensch zu sein, der sie wirklich versteht. Anstatt ihr im Verhör wichtige Infos zu geben, wirft Warner die fassungslose Juliette mit seinem erneuten Liebesgeständnis emotional komplett aus der Bahn. Derweil stattet Warners verhasster Vater, der Oberste Befehlshaber des Reestablishments, Sektor 45 einen unangekündigten Besuch ab und verbreitet dabei Angst und Schrecken, die Rebellen rüsten zum Angriff und Adam macht eine verheerende Entdeckung über seine Familie…

"Ich brenne für dich" von Tahereh Mafi

„Ich brenne für dich“ von Tahereh Mafi

Tahereh Mafi: Ich brenne für dich. Roman. Aus dem Amerikanischen von Mara Henke.

Goldmann, München 2014.

Warner hat Juliette das Leben gerettet, aber alle ihre Freunde sind tot, verschollen oder in Gefangenschaft. Sie brennt darauf, die Verbliebenen zu suchen und zu retten – und sich am Obersten Befehlshaber zu rächen. Warner bietet ihr seine Hilfe an. Doch kann sie ihm vertrauen?

Bis zum Ende bleibt die Autorin bei ihrer bildhaften, betörenden Sprache. Die Durchstreichungen im Text, die Gedanken, die Juliette sich selbst verbietet, werden in dem Maße, in dem das Selbstbewusstsein der Ich-Erzählerin zunimmt, immer weniger – als Juliette mit ihren Kräften im Einklang ist, ihren Platz in der Welt erkämpft und den Mann ihres Herzens gefunden hat, sind sie schließlich ganz verschwunden.

Geschickt nutzt Tahereh Mafi die Ich-Perspektive, um die Geschichte konsequent nur aus Juliettes Sicht zu erzählen (die Bücher könnten sogar als Lehrbeispiele für angehende Autoren dienen – so klar werden einem die Grenzen und Möglichkeiten dieser Erzählperspektive selten vor Augen geführt). Kann sich denn der Leser auf Juliettes Urteilsvermögen und ihre Sicht der Dinge verlassen? Tatsächlich irrt die Heldin in einigen Punkten ganz gewaltig, aber eben dies macht den Reiz der Bücher aus: gerade dadurch führt die Geschichte zu einem Ende, mit dem man nach der Lektüre des ersten Bandes nie und nimmer gerechnet hätte. Und mit diesem Wissen im Kopf möchte man die Reihe sofort noch einmal von Anfang an lesen, um Juliettes Welt mit ganz neuen Augen zu entdecken.

Absolut fesselnd, auch beim zweiten Durchgang!

Andrea Sondermann

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Lesetipp des Monats Februar – Sachbuch

Maria von Welser: Wo Frauen nichts wert sind: vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen.

Ludwig, München 2014.

"Wo Frauen nichts wert sind" von Maria von Welser

„Wo Frauen nichts wert sind“ von Maria von Welser

Afghanistan, Indien und der Ost-Kongo stehen auf der UN-Liste als die gefährlichsten Länder für Frauen und Mädchen. Sie sind entrechtet, werden misshandelt und vergewaltigt, geschlagen und getötet.

Die engagierte Journalistin Maria von Welser hat vor Ort recherchiert und dokumentiert. Damit wollte sie den Frauen eine Stimme geben.

In Afghanistan werden drei von vier Frauen zwangsverheiratet, meistens sind sie unter 16 Jahre alt. Wie eine Ware sind sie der Besitz ihres Vaters, des Ehemannes und später des erwachsenen Sohnes. Flieht sie aus einer Zwangsehe, erhält sie keine Unterstützung durch die Polizei. In den Zeiten der Taliban durfte sie das Haus nicht verlassen, als Mädchen keine Schule besuchen.

In Indien muss die Braut der neuen Familie Geschenke als Mitgift einbringen. Mädchen verursachen also nur Kosten und werden als Menschen zweiter Klasse angesehen. Ein Grund, sie gleich nach der Geschlechtsbestimmung durch Ultraschall abzutreiben. Durch Zwangsverheiratung und familiäre Belastungen ist die Selbstmordrate bei den Frauen hoch. Vor kurzem schockierte eine brutale Gruppenvergewaltigung die Weltöffentlichkeit.

Im Kongo hat ein langer Bürgerkrieg die Soldaten verrohen lassen. Marodierende Rebellengruppen missbrauchen Frauen und Mädchen und halten sie als Sexsklavinnen. Einen Rechtsstaat gibt es nicht.

Maria von Welser ist eine vielseitige und gestandene Journalistin, bekannt durch ihre Fernsehsendung „Mona Lisa“. Als UNICEF- Aktivistin hat sie sich das Thema „Terror gegen Mädchen und Frauen“ vorgenommen. Sie nennt die Fakten, kennt die politischen und kulturellen Hintergründe in den Ländern. Anhand von Einzelschicksalen zeichnet sie die Situation der weiblichen Opfer nach, berichtet aber auch von den Hilfsorganisationen vor Ort.

Ein notwendiges Buch!

Auguste Carstensen-Lenz

Lesetipp des Monats Februar – aus der Romanabteilung

Michele Serra: Die Liegenden. Aus dem Italienischen von Julika Brandestini.

Diogenes, Zürich 2014.

"Die Liegenden" von Michele Serra

„Die Liegenden“ von Michele Serra

Wie bekommt ein Vater Kontakt zu seinem 18- jährigen Sohn, den er zumeist in liegender Position auf dem Sofa mitsamt Kopfhörer, Laptop, Handy und laufendem Fernseher sieht und der ihm wie ein fremdes Wesen vorkommt?

Mit bisweilen wütender Polemik beschreibt der Ich-Erzähler seine Kontaktsuche zu dem geliebten Sohn, dessen Verhalten, Lebens- und Denkweise er weder kennt noch versteht. Mehr als nur der übliche Generationskonflikt – auch die gesellschaftlichen Veränderungen des 21. Jahrhunderts scheinen diese Vater-Sohn-Beziehung zu prägen.

Der Sohn zieht in der gemeinsamen Wohnung eine Spur des Chaos und der Unordnung nach sich, eine Weinlese gemeinsam mit Freunden endet mit der Erkenntnis, dass die Jugend schläft, während die „Alten“ arbeiten und das tägliche Miteinander verläuft überwiegend schweigend. Die Schilderungen sind oftmals brillant und komisch – jeder, der so ein „liegendes Wesen“ bei sich zu Hause hat, erkennt viele Verhaltensmuster wieder.

Aber Serra versteht sich auch hervorragend in der kritischen Auseinandersetzung mit Erziehung, die nicht stattfindet, weil man selber jung sein will und die Kinder geradezu hofiert, statt loszulassen.

Der Vater wünscht sich, durch eine gemeinsame Bergwanderung, die er selbst als junger Mensch mit seinem eigenen Vater (und dieser wiederum mit seinem) unternommen hat, dem Sohn wieder näher zu kommen.

Ob in der Auseinandersetzung mit den eigenen heranwachsenden Kindern oder bei der Betrachtung der „heutigen“ Jugend : Serra gelingt ein humor- und liebevolles Porträt eines zweifelnden Vaters und lässt den Leser versöhnt zurück.

Susanne Luther-Feddersen

Online-Katalog als App

Den Medienkatalog der Stadtbibliothek gibt es ab sofort auch als kostenlose App für Android-Geräte!

So können Sie starten:

Im Playstore nach dem Begriff opac app suchen.

Als Ergebnis wird an erster Stelle die kostenlose App Web Opac: 1000+ Bibliotheken von Raphael Michel angeboten.

Wenn Ihre Systemvoraussetzungen stimmen, können Sie die App herunterladen und installieren.

Dann suchen Sie die Stadtbibliothek Husum über die Liste der Bibliotheken heraus und melden sich wie gewohnt mit Ihrer Lesernummer und Ihrem Passwort an. Los geht’s!

Neben der Katalogsuche und dem Vorbestellen von Medien bietet die App Ihnen unter anderem auch Leserkonto-Funktionen wie die Anzeige und Verlängerung Ihrer ausgeliehenen Medien – und sogar Benachrichtigung bei Medien, die abgegeben werden müssen.

 

Fotoausstellung „The Best of“ Mathias Bannick & Ingo Lau

Noch bis zum 25. April wird in der Stadtbibliothek die Fotoausstellung „The Best of“ Mathias Bannick & Ingo Lau gezeigt, die mehrere preisgekrönte Wettbewerbsbilder beinhaltet. Über die Ausstellung schrieben die Husumer Nachrichten am 31.01.2015:

Blick für die etwas anderen Motive: Anfangs war die Fotografie nur ein Ausgleich zur Arbeit, inzwischen haben Ingo Lau und Mathias Bannick mehrere Ausstellungen hinter sich. Jetzt sind die Fotos der beiden in Husum in der Stadtbibliothek zu sehen. Ingo Lau (47) ist gelernter Erzieher, die Fotografie zählt seit etwa 20 Jahren zu seinen Hobbys. Er war schon mehrfach Preisträger bei nationalen und internationalen Wettbewerben, hatte eigene Ausstellungen und Veröffentlichungen im Print-Bereich. In Husum zeigt er 32 seiner Bilder, überwiegend Landschaftsmotive, vereinzelt auch Makroaufnahmen. „Ich mache vom Foto bis zum Druck alles selber“, sagt Lau. Und das sieht man auch, denn seine Bilder zeichnen sich durch beeindruckende Farben und Detailschärfe aus. Etwas andere Motive zeigt Mathias Bannick (45). Beruflich in der fleischverarbeitenden Industrie aktiv, interessiert ihn privat die Gothic-Kultur. Das wird auch in seinen 26 ausdrucksstarken Porträtaufnahmen deutlich, die durchweg Personen der Gothic-Szene zeigen. „Es kommt nicht auf Schönheit an, es muss individuell sein“, so Bannick. (…) Martje Sältz

Einen ausführlichen Bericht über die Ausstellung und die Künstler gibt es auch auf Nordfriesen.Info.

Eine Führung durch die Ausstellung findet am 26. Februar ab 18.00 Uhr statt. Dort werden die beiden Fotografen sicherlich auch die am häufigsten gestellte Frage „Sind die Fotos digital bearbeitet?“ gern und ausführlich beantworten. Interessierte sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.