Lesetipp des Monats April – Roman

Edward Rutherfurd: Paris. Roman einer Stadt. Aus dem Englischen von Dietlind Falk, Lisa Kögeböhn.

Blessing, München 2014.

"Paris" von Edward Rutherfurd

„Paris“ von Edward Rutherfurd

New York, Irland, London – und jetzt folgt, sehr umfangreich mit fast 1000 Seiten, vom Autor ein an historischen Ereignissen angelegter Roman über Paris.

Rutherfurd schreibt diesen Paris-Roman nicht in chronologischer Reihenfolge, aber er fügt die stadtgeschichtlichen Details spannend in die Geschichte von fünf Pariser Familien ein, deren Lebensläufe sich über Generationen schicksalhaft miteinander verbinden.

Dabei spannt Rutherfurd zeitlich den Bogen vom Mittelalter über die Französische Revolution, Industrialisierung, Weltausstellung, Erster und Zweiter Weltkrieg bis ins Jahr 1968.

Die adligen Le Cygnes treffen seit den Aufständen der Pariser Kommune immer wieder auf den Wunsch nach Rache der in ärmlichen Verhältnissen lebenden Familie Le Sourds. Die Brüder Gascon begleitet der Leser durch die Errichtung des Eiffelturms, an dem der ältere Bruder mit baut, während der Jüngere ein Netzwerk an nützlichen Kontakten in der Pariser Gesellschaft pflegt. Im Fokus stehen weiterhin die Blanchards, Kunsthändler und Kaufhausbesitzer, die ebenso wie die jüdische Kunsthändlerfamilie Jacob seit den Zeiten Napoleons bis hin zur deutschen Besatzung Höhen und Tiefen erleben.

Gut lesbare Unterhaltung mit geschickt und unterhaltsam eingeflochtenem Hintergrundwissen und fesselnden Familienschicksalen, so bietet sich der dicke Schmöker für eine gelungene Urlaubslektüre an: nicht nur für Leser des Genres gerne empfohlen!

Susanne Luther-Feddersen

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Lesetipp des Monats April – Roman

Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts. Roman einer Familie.

Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2011.

"In Zeiten des abnehmenden Lichts" von Eugen Ruge

„In Zeiten des abnehmenden Lichts“ von Eugen Ruge

Die wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie, die beispielhaft die Geschichte der DDR von 1952 bis 1989 repräsentiert. Sie führt von Mexiko über Sibirien bis in den neu gegründeten Staat. Der Autor erzählt von vier Generationen, wobei der 90jährige Geburtstag des Familienpatriarchen Wilhelm Powileit im Mittelpunkt steht. Sie beginnt mit der Rückkehr von Charlotte und Wilhelm aus dem mexikanischen Exil. Als überzeugte Kommunisten wollen sie am Aufbau des jungen Staates dabei sein und gehören bald zum Establishment der DDR. Charlottes Sohn Kurt kämpfte in der Sowjetunion für dieselbe große Idee, musste aber zehn Jahre lang in sibirischen Gefangenenlagern leben. Mit seiner russischen Frau Irina kehrt er zurück und dient dem ostdeutschen Staat als prominenter Historiker. Ihr Sohn Alexander wächst im real existierenden Sozialismus mit seinen Zwängen und Widersprüchen auf. Enttäuscht geht er 1989 in den Westen und hinterlässt eine ratlose Familie.

Der Buchtitel bezieht sich auf den ursprünglichen Glanz der kommunistischen Idee, die sich in der Realität Generation für Generation eintrübt: die Großeltern sind fanatische Ideologen, der Vater arrangiert sich mit den Gegebenheiten, der Sohn wird zum Republikflüchtling, dessen Sohn wiederum interessiert sich hauptsächlich für Dinosaurier. In wechselnden Erzähl- und Zeitperspektiven hat Eugen Ruge den Aufstieg und Verfall einer berühmten Intellektuellenfamilie geschrieben, autobiografische Ähnlichkeiten sind nicht zufällig. Er erzählt packend und durchaus mit feiner Ironie für seine widersprüchlichen Figuren und Situationen. Ein erstklassiges literarisches Zeitdokument, ausgezeichnet mit mehreren Literaturpreisen.

Auguste Carstensen-Lenz

Literaturgruppe

Am Montag, 18. Mai 2015, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Die Brücke von San Luis Rey“ von Thornton Wilder.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Die Brücke von San Luis Rey" von Thornton Wilder

„Die Brücke von San Luis Rey“ von Thornton Wilder

Thornton Wilder: Die Brücke von San Luis Rey. Roman. Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit.

Arche, Hamburg 2014.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Peru, im Jahr 1714: eine Hängebrücke in der Nähe von Lima stürzt ein und reißt fünf Menschen in den Abgrund. Ein Franziskanermönch wird Zeuge dieser Katastrophe und beginnt, dem Leben der Opfer nachzuforschen.

Er will den Beweis erbringen, dass ihr Tod kein sinnloser Zufall war, sondern notwendig genau zu dieser Zeit und an diesem Ort eintreten musste. Und tatsächlich sind ihre Schicksale miteinander verbunden durch die Liebe in ihren verschiedenen Facetten, die leidenschaftliche Liebe, die unerwiderte, die Mutter- und die Bruderliebe. Und alle fünf standen kurz vor einem neuen Lebensabschnitt, als das Unglück sie ereilte.

Thornton Wilders zeitloser philosophischer Roman ist ein humanistisches Glaubensbekenntnis. Er behandelt urmenschliche Fragen nach der Bedeutung des Lebens, des Sterbens und der Existenz einer sinnstiftenden, höheren Macht.“

Thornton Wilder wurde 1897 geboren und starb 1975. Für sein umfangreiches literarisches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. dreimal den Pulitzerpreis und 1957 in Frankfurt am Main den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.

Lesetipp des Monats April – Kindersachbuch

Dieter Braun: Die Welt der wilden Tiere – im Süden.

Knesebeck, München 2014.

"Die Welt der wilden Tiere - im Süden" von Dieter Braun

„Die Welt der wilden Tiere – im Süden“ von Dieter Braun

Schon auf dem Vorsatzpapier dieses außergewöhnlichen Bildbandes wird der interessierte Leser von den Fußspuren unterschiedlichster Tiere begrüßt. In fünf Kapiteln führt Autor und Illustrator Dieter Braun nach Kontinenten geordnet in die Wildnis der südlichen Erdhalbkugel, wobei das erste Kapitel „Afrika“ mit Abstand den größten Raum einnimmt. Die wilden Bewohner Afrikas, Südamerikas, Asiens, Australiens und der Antarktis hat er in beeindruckenden, farbenfrohen Zeichnungen in Szene gesetzt, teilweise von kurzen, informativen Texten begleitet. In jeder der wunderschönen, stimmungsvollen Illustrationen sind die Tierdarstellungen auf das Wesentliche reduziert und gerade deshalb besonders klar (wieder-)zu erkennen. Spontanes Lieblingstier beim ersten Durchblättern: der tasmanische Teufel! Oder doch das Zweifinger-Faultier mit Baby? Der Seidenreiher? Der asiatische Elefant beim Schwimmen? Einfach toll!

Mit diesem Buch ist Dieter Braun ein Gesamtkunstwerk gelungen, das auf eindrucksvolle Weise den Respekt vor der Wildnis und die Liebe zu jedem ihrer einzigartigen Geschöpfe vermittelt.

Andrea Sondermann

Filmtipp des Monats April

Zuschauer, schnallt euch an: hier kommt das ungewöhnlichste Team aller Zeiten – die „Guardians of the Galaxy„. Wie aus einer zusammengewürfelten Gruppe von Außenseitern überhaupt ein Team werden konnte, erzählt der gleichnamige Film kurzweilig und mit der richtigen Mischung aus Action, Gefühl und Witz.

1988 wird der kleine Peter Quill, direkt nach dem Tod seiner Mutter, durch eine Bande von Weltraumgaunern von der Erde entführt. Als er 26 Jahre später ein mysteriöses Relikt von einem verlassenen Planeten klaut, ahnt er noch nicht, dass es sich dabei um eine Superwaffe handelt, hinter der nicht nur der oberfiese Weltraumschurke Ronan her ist. Mit der ebenso schönen wie tödlichen Gamora (Ziehtochter des noch fieseren Weltraumschurken Thanos), dem sprechenden und bewaffneten Waschbären Rocket (Ergebnis etlicher illegaler Experimente), dessen Kumpel Groot (humanoide Pflanze mit sehr eingeschränktem Vokabular) sowie dem rachsüchtigen Drax (genannt „der Zerstörer“), findet sich Peter (der es noch immer nicht übers Herz gebracht hat, das letzte Geschenk seiner Mutter auszupacken) in einer Schicksalsgemeinschaft wieder, die sich nach einem gemeinsamen Gefängnisausbruch bald als letzte Hoffnung für das Universum entpuppt…

Freches Weltraumspektakel, das mit seinen schrägen (Anti-)Helden Partystimmung verbreitet – in entscheidenden Szenen immer wieder untermalt durch die größten Hits von Peters Kassette „Awesome Mix Vol. 1“ (offensichtlich die Lieblingssongs von Peter und seiner Mutter). Am Ende möchten wir alle mitgrooven und unbedingt mehr von den „Guardians of the Galaxy“ sehen!

Allerdings wird wohl selbst die versprochene Fortsetzung nicht diese zwei größten Rätsel des Universums lösen können: Warum läuft Peters Walkman nach 26 Jahren im All noch 1A, und wie konnte der „Awesome Mix Vol. 1“ sämtliche Abenteuer ohne Bandsalat überstehen?

Guardians of the Galaxy. USA, 2014. Regie: James Gunn. Darsteller: Chris Pratt (Peter), Zoe Saldana (Gamora), Dave Bautista (Drax), Lee Pace (Ronan) … 1 DVD (116 Min.). Ab 12 Jahren freigegeben.

Andrea Sondermann