Lesen macht Leben leichter

Alpha_KeyVisual_rgb_300dpiDer Flyer zur landesweiten Alphabetisierungskampagne „Lesen macht Leben leichter“ macht es deutlich: „In Deutschland leben 7,5 Millionen deutschsprachige Frauen und Männer, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben. Das heißt: Ungefähr jeder zehnte Erwachsene hat nicht richtig lesen und schreiben gelernt oder es wieder verlernt. In Schleswig-Holstein sind es rund 250.000 Menschen. (…) Glücklicherweise kann man dieses Problem auch noch im Erwachsenenalter lösen. Es ist nie zu spät, lesen und schreiben zu lernen.“

Es gibt eine Reihe von Hilfsangeboten für Betroffene, zum Beispiel Kurse in kleinen Gruppen an den Volkshochschulen und eine Auswahl an Büchern in leichter Sprache in den Bibliotheken. Unterstützt von den Sparkassen im Land und unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Torsten Albig, ist die Kampagne „Lesen macht Leben leichter“ der Volkshochschulen und der Bibliotheken Schleswig-Holsteins im Februar 2015 gestartet. Auch in Husum nehmen die Stadtbibliothek und die Volkshochschule an diesem Projekt teil.

Die Husumer Nachrichten schrieben dazu am 09.03.2015: „Ziel des Projektes ist es, die Lesefähigkeit von Erwachsenen zu fördern und gleichzeitig das Bewusstsein und Verständnis für die Situation funktionaler Analphabeten zu wecken.“

In diesem Rahmen wurde der bisherige Bestand der Stadtbibliothek an Büchern in einfacher Sprache durch eine Alphabetisierungs-Medienbox ergänzt. Diese Medienbox enthält Bücher und Materialien in leichter Sprache, die ab sofort ausleihbar sind.

Mehr zur Alphabetisierungskampagne unter www.lesen-macht-leben-leichter.de; dort gibt es übrigens auch Filme zu den Themen „Volkshochschulkurse“, „Online-Lernportal“ und „Büchereiangebote“. Das „Bücherei“-Video wurde bei uns in der Stadtbibliothek gedreht – klicken Sie gerne mal rein!

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Lesetipp des Monats Mai – Jugendbuch

Jonathan Stroud: Lockwood & Co. – Die seufzende Wendeltreppe. Aus dem Englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung.

Cbj, München 2013.

"Die seufzende Wendeltreppe" von Jonathan Stroud

„Die seufzende Wendeltreppe“ von Jonathan Stroud

Ein kleines bisschen gespukt hat es in Großbritannien wohl schon immer, doch seit etwa fünfzig Jahren ist das vereinigte Königreich von einer wahren Geisterplage befallen. Gewöhnliche Bürger trauen sich nachts nicht mehr auf die Straße. Zur Bekämpfung des Spuks (ganz klassisch mit Silber, Eisen und Feuer) haben sich im ganzen Land etliche „Agenturen“ gebildet, bei deren aktiven Agenten es sich um Kinder und Jugendliche handelt, da diese die übernatürlichen Phänomene am besten wahrnehmen können. Die größten Agenturen sind „Fittes“ und „Rotwell“ mit wahren Heerscharen an Personal. Mit Degen, Bannkreisketten und Leuchtbomben ausgestattet riskieren ihre jugendlichen Agenten bei nächtlichen Geisteraustreibungen ihr Leben. Die erwachsenen Einsatzleiter der Teams halten sich derweil im Hintergrund. Nicht so bei „Lockwood & Co.“ (mit nur drei Agenten die kleinste Agentur Londons): hier geht es ganz ohne Erwachsene auf die Geisterjagd! Der charismatische Anthony Lockwood legt großen Wert auf diese Unabhängigkeit, schweigt sich aber über die Gründe dafür und ebenso über den Rest seiner Vergangenheit beharrlich aus. Die hochbegabte Lucy Carlyle kann Geister nicht nur hören, sondern auch noch fühlen, und für die Recherche sorgt der allzeit grummelige George Cubbins, ebenfalls eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Ein Spitzenteam, findet Lockwood, leider hat der Rest der Welt das noch nicht wirklich mitbekommen, weshalb die kleine Agentur mit Sitz in Lockwoods Elternhaus in der Portland Row keine besonders lukrativen Aufträge erhält und stets am Rande der Pleite steht. Als bei einem Einsatz ein Wohnhaus ungeplant in Flammen aufgeht, droht durch die Schadenersatzforderung der endgültige Ruin… es sei denn, Lockwood & Co. versuchen sich an der Geisteraustreibung im berüchtigten Spukhaus Combe Carey Hall in Berkshire (das besonders für das „Rote Zimmer“ und die „Seufzende Treppe“ berühmt und gefürchtet ist) – eine Aufgabe, die andere Agenten bereits mit dem Leben bezahlt haben.

Die komplexe Welt der Geister-Jäger und -Erscheinungen, die Jonathan Stroud hier entwirft und im Anhang in einem Glossar gipfeln lässt, packt den Leser sofort. Der Autor erzählt – aus der Sicht von Lucy – nicht chronologisch, sondern startet mit einem zunächst alltäglich scheinenden Auftrag, der für Lucy und Lockwood komplett aus dem Ruder läuft und für ihre finanzielle Zwangslage sorgt. Erst im Anschluss folgt ein Rückblick darauf, wie Lucy überhaupt bei Lockwood & Co. gelandet ist. Unerbittlich dreht Jonathan Stroud an der Spannungschraube und bringt die rasch liebgewonnenen Charaktere in tödliche Gefahr. Das Buch liest sich in einem Rutsch und lässt den Leser nachhaltig gefesselt zurück. Mehr davon!!!

Andrea Sondermann

Literaturgruppe

Am Montag, 29. Juni 2015, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Im Café der verlorenen Jugend“ von Patrick Modiano.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Im Café der verlorenen Jugend" von Patrick Modiano

„Im Café der verlorenen Jugend“ von Patrick Modiano

Patrick Modiano: Im Café der verlorenen Jugend. Roman. Aus dem Französischen übersetzt von Elisabeth Edl.

dtv, München 2013.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Schon als junges Mädchen ist Louki aus der Wohnung der Mutter, einer Platzanweiserin im Moulin Rouge, immer wieder weggelaufen. Den Vater hat sie nie gesehen. Ihren Mann, einen wohlsituierten Immobilienmakler, verließ sie ein Jahr nach der Heirat wieder. Sie verkehrt in einem esoterischen Zirkel, schnupft mit einer Freundin ab und zu ein bisschen »Schnee« und verliebt sich schließlich in den angehenden Schriftsteller Roland. Gemeinsam streifen sie tagelang durch die große Stadt. Im Café Le Condé, dem »Café der verlorenen Jugend« in Saint-Germain-des-Prés, glaubt Louki Zuflucht zu finden, während der Detektiv ihres Mannes schon ihre Spur aufgenommen hat.

Mit wunderbarer Leichtigkeit erschafft Patrick Modiano, der große zeitgenössische Literat Frankreichs, eine unvergleichliche Atmosphäre, in der das Paris der frühen Sechzigerjahre wiederaufersteht.“

Patrick Modiano erhielt zahlreiche Auszeichnungen und 2014 den Nobelpreis für Literatur.

Lesetipp des Monats Mai – Sachbuch

Pascale Hugues: Ruhige Straße in guter Wohnlage. Die Geschichte meiner Nachbarn.

Rowohlt, Reinbek 2013.

"Ruhige Straße in guter Wohnlage" von Pascale Hugues

„Ruhige Straße in guter Wohnlage“ von Pascale Hugues

Für ihr Buchprojekt „Ruhige Straße in guter Wohnlage“ hat die Autorin die Geschichte und das Leben ihrer Nachbarn erforscht. Die französische Journalistin Pascale Hugues, die seit mehr als zwanzig Jahren als Korrespondentin in Berlin lebt, bezieht eine große Altbauwohnung in einem Prachtbau wilhelminischer Baukunst in Berlin-Schöneberg. „Ihre“ Straße ist Teil des Bayerischen Viertels, das 1904 als Vorort von Berlin „für höhere Einkommensklassen“ zwischen dem Berliner Schloss und Potsdam entstand. Doch Kriege und Abriss haben die Straße verändert; die schmucklosen Zweckbauten der Nachkriegszeit haben sie fast gesichtslos gemacht. Für die gebürtige Elsässerin ist die Straße ein Spiegelbild deutscher Vergangenheit. Sie sucht in Archiven, gibt Anzeigen auf und lässt sich von ehemaligen und heutigen Nachbarn deren Schicksale erzählen. Dadurch wird ein ganzes Jahrhundert lebendig: die Spekulanten und Bauherren zur Kaiserzeit, das reiche Bürgertum in den zwanziger Jahren, die konkurrierenden Parteigrößen, die Kriegswitwen und die Paradiesvögel in der Nachkriegszeit. Besonders berührend sind die Geschichten der jüdischen Bewohner, die emigrieren mussten. Aufwändig recherchiert die Autorin nach ihrem Verbleib in Haifa oder Kalifornien.

Pascale Hugues erzählt lebendig und voller Empathie für ihre Gesprächspartner. Als Französin hat sie die nötige Distanz zur deutschen Vergangenheit. Ihre Beschreibungen sind pointiert und dort zurückhaltend, wo von dramatischen Momenten berichtet wird. Sie lässt die Bewohner sprechen und kommentiert nicht. Wohltuend und sympathisch ist ihr humoriger Grundton, der das gesamte Buch durchzieht.

Auguste Carstensen-Lenz

Experiment mit Figur und Landschaft

Bis zum 31. Juli ziert die Ausstellung „Experiment mit Figur und Landschaft“ von Heike Dittrich, Harry Drewes und Ursel Wiesen-Klomp die Wände der Stadtbibliothek. Über die Ausstellung schrieben die Husumer Nachrichten am 08.05.2015:

„(…) Unter dem Titel „Experiment mit Figur und Landschaft“ zeigen drei Künstler in der Stadtbibliothek Husum einen Ausschnitt ihres Schaffens. Ursel Wiesen-Klomp, Heike Dittrich und Harry Drewes arbeiten viel mit Lasur-, Acryl- und Mischtechniken – in Formaten bis zu 60 mal 80 Zentimetern. Das Hauptmotiv der Wahlstedterin Wiesen-Klomp sind abstrahierte weibliche Figuren, während sich Heike Dittrich aus Husum der Landschaft und dem Stillleben verschrieben hat. Die Vorlieben des Hamburgers Harry Drewes sind vielfältig, sie reichen von Landschaften mit einem Blick in die Ferne bis zu Figuren. (…) vb

Einen ausführlichen Bericht über die Ausstellung und die Künstler gibt es auch auf Nordfriesen.Info.

Eine Führung durch die Ausstellung findet am 18. Juni ab 17.00 Uhr statt. Interessierte sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

Lesetipp des Monats Mai – Roman

Anita Shreve: Das Echo der verlorenen Dinge. Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Mechtild Sandberg.

Piper, München 2015.

"Das Echo der verlorenen Dinge" von Anita Shreve

„Das Echo der verlorenen Dinge“ von Anita Shreve

In einem Lazarettzelt an der französischen Front im Jahr 1916 wacht die verletzte Stella Bain in englischer Schwesternkleidung auf, ohne sich an ihren Namen, ihre Herkunft oder ihre Familie zu erinnern. Selbst der Name Stella Bain fällt ihr nur mühselig ein. Nach ihrer Genesung arbeitet sie wieder als Lazarettschwester und als Fahrerin von lebensgefährlichen Krankentransporten im Kriegsgebiet. Voller Unruhe gräbt sie in ihrem Gedächtnis nach Hinweisen ihrer eigenen Geschichte, nur ihr amerikanischer Akzent weist auf ihre wahre Herkunft hin. Sie schlägt sich nach London durch und findet Hilfe bei dem Arzt August Bridge, der sich mit den seelischen Folgen von Kriegsverletzungen mit Hilfe der neuen Methode der Psychoanalyse beschäftigt. In vielen Gesprächen mit Bridge, der gemeinsam mit seiner Frau Stella bei sich aufgenommen hat, gelingt es Stella, schmerzhafte Bilder und Erinnerungsfetzen allmählich zuzulassen. So erfährt der Leser nach und nach die Hintergründe, die Stella nach Frankreich geführt haben.

Schließlich kehrt sie, nachdem sie ihren wahren Namen – Etna – erfahren hat und weiß, dass sie in der Heimat ihre zwei Kinder zurückgelassen hat, in die USA zurück. Gegen Widerstände und Ablehnung bemüht sie sich mit aller Kraft, ihre Kinder und das Sorgerecht für diese zurückzugewinnen.

Das Schicksal von Stella/Etna, einer starken und unabhängigen Frau  – verwoben mit den Wirren und Schrecken des Ersten Weltkrieges – ist bewegend und auch sprachlich ansprechend und abwechslungsreich erzählt. So wird neben Briefen und Rückblenden auch ausführlich die Gerichtsverhandlung in den USA um das Sorgerecht beschrieben.

Insgesamt leicht lesbare und fesselnde Lektüre über ein berührendes Frauenschicksal.

Susanne Luther-Feddersen