Lesetipp des Monats Mai – Jugendbuch

Jonathan Stroud: Lockwood & Co. – Die seufzende Wendeltreppe. Aus dem Englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung.

Cbj, München 2013.

"Die seufzende Wendeltreppe" von Jonathan Stroud

„Die seufzende Wendeltreppe“ von Jonathan Stroud

Ein kleines bisschen gespukt hat es in Großbritannien wohl schon immer, doch seit etwa fünfzig Jahren ist das vereinigte Königreich von einer wahren Geisterplage befallen. Gewöhnliche Bürger trauen sich nachts nicht mehr auf die Straße. Zur Bekämpfung des Spuks (ganz klassisch mit Silber, Eisen und Feuer) haben sich im ganzen Land etliche „Agenturen“ gebildet, bei deren aktiven Agenten es sich um Kinder und Jugendliche handelt, da diese die übernatürlichen Phänomene am besten wahrnehmen können. Die größten Agenturen sind „Fittes“ und „Rotwell“ mit wahren Heerscharen an Personal. Mit Degen, Bannkreisketten und Leuchtbomben ausgestattet riskieren ihre jugendlichen Agenten bei nächtlichen Geisteraustreibungen ihr Leben. Die erwachsenen Einsatzleiter der Teams halten sich derweil im Hintergrund. Nicht so bei „Lockwood & Co.“ (mit nur drei Agenten die kleinste Agentur Londons): hier geht es ganz ohne Erwachsene auf die Geisterjagd! Der charismatische Anthony Lockwood legt großen Wert auf diese Unabhängigkeit, schweigt sich aber über die Gründe dafür und ebenso über den Rest seiner Vergangenheit beharrlich aus. Die hochbegabte Lucy Carlyle kann Geister nicht nur hören, sondern auch noch fühlen, und für die Recherche sorgt der allzeit grummelige George Cubbins, ebenfalls eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Ein Spitzenteam, findet Lockwood, leider hat der Rest der Welt das noch nicht wirklich mitbekommen, weshalb die kleine Agentur mit Sitz in Lockwoods Elternhaus in der Portland Row keine besonders lukrativen Aufträge erhält und stets am Rande der Pleite steht. Als bei einem Einsatz ein Wohnhaus ungeplant in Flammen aufgeht, droht durch die Schadenersatzforderung der endgültige Ruin… es sei denn, Lockwood & Co. versuchen sich an der Geisteraustreibung im berüchtigten Spukhaus Combe Carey Hall in Berkshire (das besonders für das „Rote Zimmer“ und die „Seufzende Treppe“ berühmt und gefürchtet ist) – eine Aufgabe, die andere Agenten bereits mit dem Leben bezahlt haben.

Die komplexe Welt der Geister-Jäger und -Erscheinungen, die Jonathan Stroud hier entwirft und im Anhang in einem Glossar gipfeln lässt, packt den Leser sofort. Der Autor erzählt – aus der Sicht von Lucy – nicht chronologisch, sondern startet mit einem zunächst alltäglich scheinenden Auftrag, der für Lucy und Lockwood komplett aus dem Ruder läuft und für ihre finanzielle Zwangslage sorgt. Erst im Anschluss folgt ein Rückblick darauf, wie Lucy überhaupt bei Lockwood & Co. gelandet ist. Unerbittlich dreht Jonathan Stroud an der Spannungschraube und bringt die rasch liebgewonnenen Charaktere in tödliche Gefahr. Das Buch liest sich in einem Rutsch und lässt den Leser nachhaltig gefesselt zurück. Mehr davon!!!

Andrea Sondermann

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