Hörbuchtipp des Monats Dezember

Julia Fischer: Sehnsucht auf blauem Papier. Gekürzte Autorenlesung.

Audio-Media-Verlag, München 2014.

"Sehnsucht auf blauem Papier" von Julia Fischer

„Sehnsucht auf blauem Papier“ von Julia Fischer

Die Heilpraktikerin Millicent Gruber lebt schon seit vielen Jahren allein in ihrer alten, wie verwunschen wirkenden Villa. Sie ist zufrieden, hat ihre Patienten, denen sie helfen kann, und kümmert sich regelmäßig um das Nachbarskind Marie. Seit 20 Jahren ist sie heimlich in den Arzt Paul verliebt – zwischen den beiden ist eine vertraute, platonische Freundschaft entstanden.

Als Pauls Frau bei einem Unfall stirbt und Paul in seiner Trauer depressiv zu werden droht, schreibt Milli ihm jeden Tag sehr besondere und berührende Briefe und begleitet ihn so still durch die schwere Zeit.

Dass sich für sie durch die Begegnung mit dem jüngeren, attraktiven Architekten Markus eine neue Liebe anbahnt, verwirrt Millicent. Ihr Leben, in das sie sich – ohne Paul und doch mit ihrer Liebe zu ihm – eingerichtet hat, könnte sich drastisch verändern. Aber erst als Paul seine Zelte abbrechen will, um dauerhaft nach Italien zu gehen, findet Millicent Klarheit.

Die Handlung der leisen Liebesgeschichte, die sich empathisch mit den Themen Verlust und Trauerarbeit verbindet, bleibt unaufgeregt und doch, auch getragen durch die sympathische Stimme der Autorin, fesselt die Geschichte voller Lebensweisheit, Poesie und Warmherzigkeit.

Gerne empfohlen – entweder als Hörbuch (in leicht gekürzter Version) in hoher Qualität vorgelesen von der Autorin,  die auch als Sprecherin und Schauspielerin arbeitet, oder als Buch für den Lesegenuss an langen Winterabenden.

Susanne Luther-Feddersen

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Lesetipp des Monats Dezember – Mythos Academy

Ein Garant für viele spannende Lesestunden im Dezember ist die All-Age-Reihe „Mythos Academy“ von Jennifer Estep. Der erste Band erschien Anfang 2012; Ende 2014 wurde die Serie mit dem sechsten Band abgeschlossen.

Stellvertretend für die ganze „Mythos Academy“ empfehle ich Band 1:

"Frostkuss" von Jennifer Estep

„Frostkuss“ von Jennifer Estep

Jennifer Estep: Frostkuss. Aus dem Englischen übersetzt von Vanessa Lamatsch.

Ivi, München 2012.

Gwen Frost liebt Superheldencomics und das leckere Gebäck ihrer Oma. Eigentlich hält sie sich für einen relativ normalen Teenager – bis auf ihre Berührungsmagie, durch die sie z.B. verlorene Gegenstände wiederfinden kann und damit ihr Taschengeld aufbessert. Aber ist das ein ausreichender Grund, um sie nach dem Tod ihrer Mutter auf die „Mythos Academy“ zu versetzen, ein elitäres Internat für die Reichen und Schönen? Dort stehen teils sehr seltsame Fächer auf dem Stundenplan: Ständig geht es um Götter und Artefakte und im Sportunterricht gibt es Kampftraining. Zwischen all den reichen und kampferprobten Schülern, die von sagenhaften Kriegern abstammen und besondere Fähigkeiten wie z.B. übernatürliche Stärke besitzen, fühlt sich Gwen als Außenseiterin und total fehl am Platz. Und nein, sie hat absolut nicht vor, sich in den gutaussehenden und sehr netten Spartaner Logan zu verlieben, obwohl er ihr ständig über den Weg läuft. Selbst ihr Job in der schuleigenen „Bibliothek der Altertümer“ wird ihr durch ihren pingeligen und meistens schlechtgelaunten Chef, den strengen Bibliothekar Nickamedes, vermiest. Aber dass das Kampftraining nicht nur Spinnerei und die Göttergeschichten mehr als nur Geschichten sind, wird Gwen drastisch vor Augen geführt, als sie in der Bibliothek über die Leiche einer Mitschülerin stolpert. Gibt es die fiesen „Schnitter“, vor denen sie im Unterricht immer gewarnt wurde, also tatsächlich – und war die ermordete Jasmine nur zufällig beim Diebstahl eines Artefakts im Weg? Empört darüber, dass die übrigen Schüler kurz darauf wieder normal zur Tagesordnung übergehen, will Gwen diesen Todesfall nicht einfach auf sich beruhen lassen und stellt eigene Nachforschungen an. Dabei braucht sie ausgerechnet die Hilfe von Daphne, und ihr erstes Zusammentreffen mit dieser Walküre stand nicht gerade unter dem besten Stern…

Wider Erwarten findet Gwen aber im Zuge der Ereignisse echte Freunde, die ihr auch unter Lebensgefahr zur Seite stehen, und löst zudem das Rätsel um Jasmine und das verschwundene Artefakt – der Auftakt zu einer Reihe von gefährlichen Abenteuern, die im Verlauf der „Mythos Academy“-Serie für Gwen auch die Aufdeckung einiger Familiengeheimnisse beinhalten.

Ich-Erzählerin Gwen nimmt die Leserin bei der Hand und führt sie Schritt für Schritt immer tiefer in die sagenhaften Gefilde der Mythos Academy. Der Suchtfaktor ist gewaltig – genau richtig für alle, die in den Ferien gern in magischen Welten versinken und nicht nach einem Buch schon wieder daraus auftauchen möchten.

Andrea Sondermann

 

Lesetipp des Monats Dezember – Roman

Christoph Poschenrieder: Mauersegler. Roman.

Diogenes, Zürich 2015.

"Mauersegler" von Christoph Poschenrieder

„Mauersegler“ von Christoph Poschenrieder

Fünf alte Herren, seit früher Jugend miteinander befreundet, gründen eine Alten-WG, um in den verbleibenden Jahren das Leben nochmals zu genießen. Im Beruf und in  der Gesellschaft waren sie sehr erfolgreich. Wilhelm war Chefjustiziar bei Deutschlands größtem Versicherungskonzern, Heinrich wurde als Lebensmitteltechnologe und Saucenerfinder reich, Siegfried gefällt sich immer noch als Theaterregisseur und Intendant, der Ich-Erzähler Carl war Chefredakteur eines schöngeistigen Magazins. Der reichste von ihnen ist der Software-Unternehmer Ernst, der eine Villa am See kauft, in der sie ohne gängelnde Familienangehörige oder Pflegekräfte ihren Ruhestand genießen wollen. Natürlich hat das Leben sie unterschiedlich geprägt und es bedarf einiger Hausregeln für ein harmonisches Zusammenleben.

Da sie im jüngeren Alter gewohnt waren, mit Geld und Macht zu jonglieren, wollen sie auch beim eigenen Ableben nichts dem Zufall überlassen. Dazu entwickelt der Computerspezialist ein „Todesengelprogramm“,  wonach sie sich selbstbestimmt und gegenseitig aus dem Leben befördern wollen. Davon soll die kirgisische Pflegerin nichts erfahren, wohl aber der Dorfarzt.

So geht es in diesem Buch auch um Sterbehilfe und die Auseinandersetzung mit der Schuld am Tod eines weiteren Freundes, den sie in der Schulzeit verloren haben.

Dennoch ist der Roman keineswegs deprimierend, was an der entspannten und leichtfüßigen  Erzählweise des Ich-Erzählers liegt. Die Beschreibung der Suche nach einem sechsten WG-Bewohner ist köstlich: ehemalige Wirtschaftsbosse werden zum Vorstellungsgespräch gebeten.

Gesellschaftssatire und philosophische Fragen – ein sehr unterhaltsames Buch.

Auguste Carstensen-Lenz

Literaturgruppe

Am Montag, 11. Januar 2016, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Der Sommer der Wildschweine“ von Birgit Vanderbeke.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Der Sommer der Wildschweine" von Birgit Vanderbeke

„Der Sommer der Wildschweine“ von Birgit Vanderbeke

Birgit Vanderbeke: Der Sommer der Wildschweine. Roman.

Piper, München 2014.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Milan und Leo machen Ferien. Zum ersten Mal seit ewig. Durch die Wirtschaftskrise sind sie mit einem blauen Auge gekommen, und allmählich haben sie sich wieder daran gewöhnt, »am Leben zu sein«. Sie mieten in dem südfranzösischen Örtchen Fontarèche ein Haus – doch auch dort holt sie die Welt ein, die sie für ein paar Wochen hinter sich lassen wollten. Ein Roman voller Leidenschaft, Furor und klugen Beobachtungen.“