Lesetipp des Monats Januar – Sachbuch

Christian Nürnberger: Die verkaufte Demokratie – wie unser Land dem Geld geopfert wird.

Ludwig, München 2015.

"Die verkaufte Demokratie" von Christian Nürnberger

„Die verkaufte Demokratie“ von Christian Nürnberger

Christian Nürnberger zeichnet ein Bild unseres Staates, der immer mehr zum Einflussgebiet eines aggressiven Kapitalismus geworden ist. Weltweit agierende Konzerne beuten ihre Arbeitnehmer aus, Demokratie und Menschenrechte werden mit Füßen getreten, Ressourcen verschwendet und die Meinungsbildung manipuliert. Das Ungleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit hat einen Niedergang der demokratischen Kultur verursacht. Als Grundlage dafür sieht er eine verkrustete Parteiendemokratie. Eigentlich sollten die Parteien nur an der Willensbildung mitwirken, tatsächlich jedoch bestimmt ein kleiner Personenkreis aus Berufspolitikern. Diese sind häufig den Lobbyorganisationen verpflichtet, die ihre Kariere begleitet haben. Der Autor selbst schaffte aufgrund parteiinterner Regelungen nicht den Sprung in den Bundestag. Diese Erfahrung mag zu seiner These beitragen, dass die meisten Berufspolitiker am eigenen Machterhalt interessiert sind und weniger an der Gestaltung gesellschaftlicher Zukunft. Im Idealfall gibt es „mündige Bürger“, die durch seriöse Medien in die Lage versetzt werden, sich qualifizierte Urteile zu bilden. Da die Nachfrage nach fundierter politischer Information aber gering ist, liefert die Mehrheit der Medien Unterhaltsames und Seichtes. Privatwirtschaftlich organisierte Medien leben von Werbeeinnahmen und bevorzugen ein unkritisches und unpolitisches Umfeld. Sind die Medien öffentlich-rechtlich organisiert, nehmen Politiker Einfluss auf Journalistenkarrieren. Der Kampf um Werbung, Auflagen und Quoten ist mittlerweile beiden gemein und hat zu einer Neudefinition von Qualität geführt: gut ist, was erfolgreich ist.

Der Theologe und Publizist (u.a. schrieb er für „Die Zeit“ und die „Süddeutsche“) berichtet engagiert aus seinem persönlichen Erleben. In sehr verständlicher Sprache erläutert er, wie es so weit kommen konnte. Und er nennt sinnvolle Alternativen, die die Macht der Konzerne wie z.B. Google, Amazon u. Co. brechen könnten. Die Einflussnahme der Bürger auf die Wirtschaft durch private Kaufentscheidungen sieht er als eine Möglichkeit der Teilhabe. Ebenso plädiert er für Bürgerinitiativen, die sich für eine lebenswerte Zukunft einsetzen.

Ein wichtiges Buch für politisch Interessierte!

Auguste Carstensen-Lenz

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