Literaturgruppe

Am Montag, 6. Juni 2016, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Das Blutbuchenfest“ von Martin Mosebach.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Das Blutbuchenfest" von Martin Mosebach

„Das Blutbuchenfest“ von Martin Mosebach

Martin Mosebach: Das Blutbuchenfest. Roman.

dtv, München 2015.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Mitten in der Stadt, im Garten unter der blutroten Buche, organisiert ein Geschäftemacher ein teures Fest. Das ist der Auslöser für erotische Verwicklungen, Liebe, Betrug und Eifersucht. Der Erzähler, ein Kunsthistoriker, verliebt sich in die zerbrechliche Winnie. Und Marusha dient gleich mehreren Herren als Geliebte. Hochstapler treffen auf Kreative und Verliebte auf Verlassene. Bei allen aber putzt Ivana aus Bosnien, die auch auf dem Fest für Ordnung sorgen soll. Doch während die Kunden feiern, beginnt auf dem Balkan der Krieg. Martin Mosebach überrascht mit einem neuartigen Ton, wechselnd zwischen Komik und Härte, Ironie und Trauer.“

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Lesetipp des Monats April – Kinderbuch

Ellen van Velzen: Der Turm der Drachenlenker. Aus dem Niederländischen übersetzt von Meike Blatnik.

Gerstenberg-Verlag, Hildesheim 2015.

"Der Turm der Drachenlenker" von Ellen van Velzen

„Der Turm der Drachenlenker“ von Ellen van Velzen

Genau 496 Stoffdrachen schweben hoch über dem kleinen, abgeschiedenen Dorf. Die Überlieferung erzählt, dass sie das Dorf und seine Bewohner vor Gefahr beschützen. Der Junge Jani glaubt daran, aber seine Altersgenossen und auch viele Erwachsene halten das mittlerweile nur noch für ein altes Märchen. Daher sind die Drachenlenker nicht mehr so angesehen wie einst, und der verträumte Jani erntet Hohn und Unverständnis, als er bei ihnen in die Lehre geht. Dabei ist er noch gar nicht sicher, ob er diesen Weg wirklich einschlagen will, denn der Jüngere der beiden Drachenlenker, der mürrische „Neue Drachen“, macht ihm das Leben zusätzlich schwer. Soll Janis Berufung denn zwangsläufig Einsamkeit bedeuten und wird auch die Freundschaft zwischen ihm und der gleichaltrigen Mond daran zerbrechen? Während Jani noch um eine Entscheidung ringt, scheint etwas Böses und Gefährliches dem Dorf immer näher zu kommen – helfende Drachenmagie wäre mittlerweile also durchaus angebracht. Aber was, wenn der Schutz gar nicht funktioniert? Hat Jani sich etwa die ganze Zeit geirrt, oder kann er am Ende doch mit Hilfe der Drachen alle Dorfbewohner retten?

Ellen van Velzen entführt mit ihrem Buch in eine seltsam zeitlose Welt, in der sich die Gefahr auf leisen Sohlen heranschleicht. Die über weite Strecken ruhige Selbstfindungsgeschichte ist aus Janis Sicht erzählt, sehr poetisch und sehr berührend. Fesselnde Unterhaltung!

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats April – Sachbuch

Iris Radisch: Die letzten Dinge. Lebensendgespräche.

Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2015.

"Die letzten Dinge" von Iris Radisch

„Die letzten Dinge“ von Iris Radisch

Die Autorin Iris Radisch hat sich mit Schriftstellern und Intellektuellen über den Herbst des Lebens unterhalten. Es interessierte sie, ob der nahe Tod den Blick auf die Welt verändert, wenn kostbare Zeit nicht mehr für Überflüssiges verwendet und keine Kompromisse mehr gemacht werden müssen. Können neue Freiheiten gewonnen werden oder überwiegen Bitterkeit und Verzweiflung? In der Zeit von 1990 bis 2015 fanden die achtzehn Gespräche mit der Literaturredakteurin und Fernsehmoderatorin statt, meistens am Wohnort des Interviewpartners. Europäische Geschichte und Kultur des 20. Jahrhunderts werden durch diese bedeutenden Zeitzeugen lebendig. In ihrer Rückschau vertreten sie unterschiedliche Themen und Zeiträume. Zu Wort kommen Julien Green, Ilse Aichinger, Claude Simon, Peter Rühmkorf, Peter Nadas, Andrej Bitow, George Tabori, Friederike Mayröcker, Sarah Kirsch, Martin Walser, Günther Grass, Marcel Reich-Ranicki, Antonio Tabuchi, Michel Butor, Imre Kertész, George Steiner, Patrick Modiano, Amos Oz und Ruth Klüger. Mit großer Offenheit und Ehrlichkeit reflektieren sie die Vergangenheit. Die Bilanz zieht jeder auf seine Weise.

Die Autorin resümiert, sie habe sich besonders gern mit „sympathisch ungefestigten Gesprächspartnern“ unterhalten. Sie selbst pflegte nach ihren Begegnungen einen respektvollen Umgang mit den ihr anvertrauten Lebenserinnerungen, ihre Berichte sind von Sympathie getragen.

Ein außergewöhnliches Buch mit tiefen Einsichten.

Auguste Carstensen-Lenz

Lesetipp des Monats April – Roman

Bov Bjerg: Auerhaus. Roman.

Aufbau-Verlag, Berlin 2016.

"Auerhaus" von Bov Bjerg

„Auerhaus“ von Bov Bjerg

Nach dem Selbstmordversuch ihres Freundes Frieder finden sich eine Handvoll Schüler zusammen und gründen eine WG im leer stehenden, alten Haus von Frieders Großvater auf dem Land. Sie wollen sich gemeinsam um den labilen Freund kümmern, sich aber auch deutlich abgrenzen von der angepassten Lebenswelt ihrer Eltern. Ihre Lebensläufe sollen nicht in profane Ordner „Geburt, Schule, Arbeit, Tod“ passen. Die im wunderbar eingefangenen Zeitgeist  der 80er-Jahre spielende Geschichte  wird aus der Perspektive von Frieders bestem Freund in Rückblenden erzählt.

Zusammen mit der flippigen Vera, der aus gutem Hause stammenden Cäcilia und Harry, dem Elektrikerlehrling, beziehen sie das „Auerhaus“,  benannt nach dem Song „Our house“, nur das niemand im Dorf das so richtig aussprechen kann. Frieder, der nach seinem Suizidversuch einen langen Aufenthalt in der Psychiatrie hinter sich hat, bringt in die Wohngemeinschaft noch Pauline mit, die wegen gefährlicher Brandstiftung ebenfalls in psychiatrischer Behandlung war.

Eigentlich sollten sich vier der Bewohner auf das bevorstehende Abitur vorbereiten, aber ihre Suche nach Freundschaft, Liebe und Glück ist viel wichtiger. Sie toben sich mit mehr oder weniger harmlosen Streichen aus, klauen Lebensmittel, Frieder sägt den dörflichen Weihnachtsbaum ab und der Ich-Erzähler schwänzt seinen Musterungstermin bei der Bundeswehr – mit entsprechenden Konsequenzen. Und über all den Ereignissen in dieser besonderen Gemeinschaft schwebt die Sorge um Frieder.

Die Geschichte ist mitreißend, empathisch und frisch erzählt. Passend gibt es keine Erklärungsversuche zu den Suizidabsichten Frieders – und das ist auch gut so. Nicht alles lässt sich erklären.

Unbedingt lesen! Vergnügen, Mitfühlen und Berührt sein liegen beim Lesen hier dicht beieinander – zu Recht ein Bestseller!

Susanne Luther-Feddersen