Lesetipp des Monats Mai – Sachbuch

Wolfgang Büscher: Ein Frühling in Jerusalem.

Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2014.

"Ein Frühling in Jerusalem" von Wolfgang Büscher

„Ein Frühling in Jerusalem“ von Wolfgang Büscher

Wolfgang Büscher, Journalist und Autor zahlreicher Bücher, wurde bekannt mit seinen Büchern über Fernwanderungen in Osteuropa und Nordamerika („Berlin-Moskau“ und „Hartland“). Viele Jahre schrieb er für große Tageszeitungen und die Zeitschrift Geo.

Um Jerusalem zu erkunden hat er zwei Monate in der geschichtsträchtigen Mitte gelebt. Er bewegte sich auf zweitausend Jahre alten Spuren und versuchte die Moderne damit in Einklang zu bringen. Für drei große Weltreligionen ist Jerusalem die heilige Stadt; der Ort ist aufgeladen mit Religion und Politik. Die historische Altstadt besteht aus dem jüdischen, armenischen, christlichen und muslimischen Viertel. Zahlreiche Synagogen, Kirchen und Moscheen unterschiedlichster Glaubensrichtungen sind hier auf engstem Raum vertreten. Die Sehnsucht nach Jerusalem hat die Menschen zu allen Zeiten ergriffen. Schon in den Jahrhunderten nach Christus zog das Heilige Grab Pilger aus aller Welt nach Jerusalem. Im Mittelalter waren es die Kreuzritter, die sich für ihren Glauben auf den Weg machten. Auch die Rabbiner verließen ihre Städte in Russland, Spanien oder Nordafrika, um sich an diesem heiligen Ort niederzulassen.

Der erfahrene Reiseschriftsteller hat historische Fakten recherchiert und trifft sich mit diversen Gesprächspartnern, um das heutige Jerusalem zu verstehen. Sein erster Stadtführer ist ein Armenier, der ihn wissen lässt, dass er auch nach sechzig Jahren vieles in Jerusalem nicht verstehe. Seine Familiengeschichte ist wie die der meisten Bewohner Jerusalems untrennbar mit der Stadt verbunden. Wolfgang Büscher hört seinen Gesprächspartnern zu. Er beobachtet das Treiben auf der Via Dolorosa, an der Klagemauer und auf dem Tempelberg. Auf belebten Plätzen horcht er in das Stimmengewirr hinein und lässt es auf sich wirken. Zur besseren Übersicht begibt er sich auf Dächer. Eine Nacht verbringt er in der Grabeskirche, die er danach mit all ihren Kuriositäten wunderbar charakterisiert.

Hautnah lässt der Autor an seinem Reiseabenteuer teilhaben und diese einmalige und faszinierende Stadt miterleben.

Auguste Carstensen-Lenz

Advertisements

Einfach Lesen!

Neu in der Stadtbibliothek: Das Buchpaket „Einfach Lesen! Lesen öffnet Türen“, mit dem das Goethe-Institut das Angebot an Kinderliteratur in arabischer Sprache bei uns und in vielen anderen Bibliotheken in Deutschland unterstützt.

EinfachLesenDieses Buchpaket, bestehend aus arabischen Übersetzungen von deutschsprachigen Kinderbüchern, konnte dank der freundlichen Unterstützung der Japan Art Association und weiterer finanzieller Zuwendungen ermöglicht werden. Es enthält Bilderbücher und erzählende Kinder- und Jugendliteratur sowie Kinder- und Jugendsachbücher: zum Beispiel mehrere Abenteuer von „Lena und Paul“ von Anja Rieger, „Die Weltreise einer Fleeceweste“ von Wolfgang Korn und Cornelia Funkes „Herr der Diebe“ auf Arabisch. Wer sie alle finden möchte, gibt in unserem Medienkatalog im „Schlagwort“-Suchfeld Buchpaket „Einfach Lesen!“ ein.

Dank dieser Spende hat sich unser Bestand an Literatur in arabischer Sprache um 21 Titel erhöht, die ab sofort einzeln oder im Paket ausleihbar sind. Ein herzliches Dankeschön an das Goethe-Institut und an alle Unterstützer der Aktion!

Arbeiten auf Papier auf Leinwand

Bis zum 29. Juli 2016 zeigt die Stadtbibliothek Husum neue Arbeiten des Seether Künstlers Jan Franzen.

(c) Dockhorn

(c) Dockhorn

Die Husumer Nachrichten schrieben am 09.05.2016 über den Künstler und seine Werke sowie über die kommende Ausstellungseröffnung am 12.05. um 19.00 Uhr unter dem Titel „Notate aus einer flüchtigen Welt“:

„(…) Seine Arbeiten sind Kürzel, schnell hingeworfene Notate, Gedanken-Zeichen, die er später im Atelier zu komplexen Bild-Collagen verarbeitet. Jan Franzen sammelt Augen-Blicke. Unmittelbarkeit ist sein künstlerisches Metier. Und so arbeitet er auch: auf Punkt und Strich, sehr gezielt, manchmal fast wie ein Getriebener. Ein Stück weit ist er das auch, denn Kunst ist zwar seine Leidenschaft, doch im Hauptberuf hat der Seether einen Betrieb zu führen, den Stapelholmer Heimatkrug – ein Familienunternehmen in fünfter Generation. Dem müssen sich Malerei und Grafik schon manchmal unterordnen. Oft bringt Jan Franzen seine Impressionen von Reisen mit, auf die er nicht ohne seine Skizzenbücher geht. Darin notiert er, was ihm unter die Augen und in den Sinn kommt. Aber auch die Welt vor der Haustür findet sich in seinen abstrakten Werken wieder. Am Donnerstag, 12. Mai, um 19 Uhr, eröffnet die Stadtbibliothek eine Ausstellung (…) von Jan Franzen. Zur Einführung spricht HN-Redakteur Rüdiger Otto von Brocken mit dem Künstler. hn

Interessierte sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

Einen ausführlichen Bericht über die Ausstellung und die Eröffnung gibt es auf Nordfriesen.info

Lesetipp des Monats Mai – Manga

Natsuki Takaya: Fruits Basket. 23 Bände. Aus dem Japanischen übersetzt von Nina Olligschläger.

Carlsen, Hamburg ab 2006.

"Fruits Basket" (Band 1) von Natsuki Takaya

„Fruits Basket“ (Band 1) von Natsuki Takaya

Die schön gezeichnete Manga-Reihe „Fruits Basket“ beginnt geheimnisvoll und turbulent: Als Waisenmädchen Toru Honda durch widrige Umstände vorübergehend obdachlos wird, findet sie Unterschlupf bei ihrem Mitschüler Yuki Soma (dem „Schulprinzen“) und dessen erwachsenem Cousin Shigure, der als Schriftsteller arbeitet. Dort stolpert sie allerdings über ein streng gehütetes Familiengeheimnis: Der Soma-Clan ist verflucht – manche Familienmitglieder verwandeln sich daher, sobald sie von einer Person anderen Geschlechts umarmt werden, in „Eto“ (Tiere aus dem chinesischen Horoskop)! So locker und witzig, wie das anfangs für den Leser klingt, ist es für die Fluchträger ganz und gar nicht, denn auf die eine oder andere Weise haben sie alle schwer an ihrem Schicksal zu tragen. Besonders Yukis Cousin Kyo, der als Träger des Katzenfluchs eigentlich überhaupt nicht zu den „Zwölf“ gehört, kämpft mit seiner doppelten Außenseiterrolle und der ihm vorbestimmten Zukunft in Gefangenschaft. Die warmherzige Toru fasst den Entschluss, alles in ihrer Macht stehende zu tun, damit die Somas endlich glücklich werden können. Schon bald wird klar: dazu müsste der Fluch gebrochen werden. Aber: kann Toru das überhaupt? Und auch das launische, rätselhafte und überaus tyrannische Familienoberhaupt der Somas, Akito, ist mit diesem Plan keineswegs einverstanden …

Autorin und Zeichnerin Natsuki Takaya erzählt die in 23 Bänden abgeschlossene Geschichte von Toru und den Somas über mehrere (Highschool-)Jahre hinweg, lässt ihre Charaktere dabei nach und nach an den Herausforderungen des Lebens wachsen und erwachsen werden und verliert nie den Überblick über das zahlreiche Handlungspersonal (allein die Fluchträger wären ja schon 13 …). Auch wenn der Humor nie zu kurz kommt, werden die Kapitel mit fortschreitender Geschichte doch zunehmend düsterer und dringen immer tiefer in das Gefühlsleben und auch in die seelischen Abgründe der Figuren ein. Kann es für Toru und den Soma-Clan trotz aller Widrigkeiten ein Happy-End geben?

Was es übrigens mit der zu Grunde liegenden Eto-Legende und der besonders ausgeprägten Rivalität zwischen der „Katze“ (wie erwähnt: Kyo) und der „Ratte“ (verkörpert durch Yuki Soma) auf sich hat, ist einigen Lesern vielleicht schon vorher bekannt – hier die Kurzfassung für Einsteiger: Als Gott alle Tiere zu einer Feier einlud, kamen nur 12. In der Reihenfolge ihres Erscheinens (die Ratte zuerst) wurden sie zum Dank als die zwölf Tierkreiszeichen verewigt. Der Haken an der Sache: die Katze wollte eigentlich auch zur Feier kommen, wurde aber von der Ratte überlistet, die ihr erzählte, der Termin sei verschoben worden … Mehr dazu lässt sich dann in „Fruits Basket“ nachlesen.

Und warum heißt die Reihe eigentlich „Fruits Basket“? Das basiert auf einem Kinderspiel, in dem jedem Kind eine Frucht zugeordnet wird (z.B. „Du bist die Kirsche“ oder „Du bist die Erdbeere“), ehe dann die „Früchte“ für den Korb aufgerufen werden. Dass Toru als „Reisbällchen“ nie eine Chance auf einen Platz im Früchtekorb hatte, ist ein echtes Trauma aus ihrer Kindheit, das die Somas aber heilen können, als sie Toru voller Zuneigung bei sich aufnehmen.

Herzerwärmend. Zum Lachen, zum Weinen. Ein echter Evergreen. Lesen!

Andrea Sondermann

 

Lesetipp des Monats Mai – Roman

Karen Duve: Macht. Roman.

Galiani Berlin, Köln 2016.

"Macht" von Karen Duve

„Macht“ von Karen Duve

Hamburg im Jahr 2031: Der Weltuntergang scheint unaufhaltsam, dauerhaft schwerste Stürme, Überflutungen und Hitze bestimmen den Alltag. Der Staat hat den Feminismus durchgesetzt, Fleischkonsum und Benzin sind rationiert und teuer, die Menschen aber handeln nach wie vor egoistisch und konsumorientiert.

In einem Hamburger Vorort findet ein 50.-jähriges Klassentreffen statt, zu dem die ehemaligen Schulkameraden dank des neuen, hochgradig krebserregenden Medikaments „Ephebo“ deutlich verjüngt auftreten.  Auch Sebastian Bürger, eigentlich im Rentenalter, aber dank der Verjüngungspille jung und attraktiv aussehend, besucht das Klassentreffen und trifft dort seine heimliche Jugendliebe Elli wieder, in die er sich erneut verliebt.

Seine als verschollen geltende Frau, die Umweltministerin war, hält Sebastian seit zwei Jahren in seinem Keller angekettet gefangen. Er fühlte sich von seiner Frau dauerhaft herablassend behandelt und kann nun seine Machtfantasien ihr gegenüber grausam ausspielen: Sie muss ihm seine Lieblingskekse backen, ihm auch sonst zu Diensten sein und lebt (überlebt) nur dank seiner „Gnade“. Der neuen Liebe mit Elli steht nun seine eingekerkerte Frau im Weg – Sebastian träumt von einem unbeschwerten, neuen Leben …und manövriert sich und die Frauen in neue Katastrophen.

Die Autorin beschreibt in ihrer Gesellschaftssatire überwiegend dekadente, unbelehrbare, dem Untergang geweihte Menschen, bleibt in ihrer visionären Beschreibung dabei erschreckend realitätsnah und ist dabei sehr polemisch und sarkastisch. Leider bleibt der anfänglich starke und fesselnde Text nicht bis zum Ende überzeugend: der Text hat auch sehr unterschiedliche Kritiken erhalten. Bisweilen lässt sich die perfide Geschichte gar nicht mehr aushalten, aber das macht wohl auch den Reiz des Romans aus.

Nichts für Zartbesaitete, aber lesen Sie selbst!

Susanne Luther-Feddersen