Lesetipp des Monats Juni – Sachbuch

Dieter-J. Mehlhorn: Architektur in Schleswig-Holstein. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Wachholtz, Kiel 2016.

"Architektur in Schleswig-Holstein" von Dieter-J. Mehlhorn

„Architektur in Schleswig-Holstein“ von Dieter-J. Mehlhorn

Ob Kirchen, Schlösser, Gutshöfe, Bauern- oder Bürgerhäuser – Schleswig-Holstein hat mit seinen Bauwerken eine eigene und besondere Architekturlandschaft hervor gebracht. Als Brücke zwischen Deutschland und Skandinavien war dieses Gebiet vielfältigen Einflüssen ausgesetzt. Siedler aus dem Westen und der Mitte Deutschlands brachten neben ihren Lebensformen auch eigene architektonische Vorstellungen ins Land zwischen Nord- und Ostsee, später kamen dänische und preußische Tendenzen zum Tragen.

Der Autor Prof. Dieter-J. Mehlhorn, der bereits zahlreiche Bücher verfasste, präsentiert jetzt die nahezu 1.000 Jahre umfassende Baugeschichte des Landes in den heutigen Grenzen. Als Fachmann lehrte er in Bremen, Kiel und Lübeck und war als Stadtplaner mit den Schwerpunkten Stadterneuerung tätig.

In den ersten vier Kapiteln führt der Autor in die verschiedenen Aspekte der Baukultur ein. So beschreibt er die bestimmenden Faktoren des Bauens wie die Klimaverhältnisse, die Landschaft und die Baumaterialien. In der „Stilgeschichte“ der Architektur geht er auf die typischen Bauweisen der geschichtlichen Epochen ein und macht den Zusammenhang zur politischen Entwicklung deutlich. Im Kapitel „Bautypen“ geht es um die spezifische Architektur von gesellschaftlichen Gruppen wie Kirchen, Adel, Herrschaft und einfache Wohnbevölkerung. Auch diese sieht er im Kontext zu den großen Umwälzungen, wie z.B. die Christianisierung oder die Industrialisierung. Der vierte Teil ist der technischen Infrastruktur gewidmet. Straßen, Wasserwege, Brücken, Bahnhöfe, Befestigungsanlagen, touristische Bauwerke und Schiffe werden in den Blick genommen.

Den Hauptteil des umfangreichen Werkes machen aber die „Bauten in Schleswig-Holstein“ aus. Lexikalisch geordnet erläutert der Architekturführer die bestimmenden Bauobjekte der jeweiligen Stadt oder des Ortes. Umstrittene Bauwerke wie das Designer Outlet Center in Neumünster oder der Wikingerturm in Schleswig bleiben nicht unerwähnt.

Der reich bebilderte Prachtband wird alle begeistern, die einen Blick für besondere Bauwerke und Architektur haben. Auch für unterwegs ist er als kenntnisreicher Reisebegleiter nutzbar.

Auguste Carstensen-Lenz

Advertisements

Lesetipp des Monats Juni – Roman

Jenny Erpenbeck: Gehen, Ging, Gegangen. Roman.

Knaus, München 2015.

"Gehen, ging, gegangen" von Jenny Erpenbeck

„Gehen, ging, gegangen“ von Jenny Erpenbeck

Richard, emeritierter Professor und Witwer mit viel Zeit zum Nachdenken und Grübeln, sieht zufällig eine Gruppe von Flüchtlingen, die auf dem Oranienplatz in Berlin kampieren. Der Anblick dieser jungen Männer, die vor Krieg und Verfolgung aus ihrer Heimat geflohen sind, schon seit Jahren hin und her geschoben werden und auf ein besseres, sicheres Leben und Arbeit hoffen, bringt Richard auf die Idee, sie nach ihren Geschichten zu befragen.

Die Männer werden zwischenzeitlich in einem ungenutzten Altenheim untergebracht, erhalten ersten Deutschunterricht und warten weiter. Sie alle haben früh den Tod von ihnen nahe stehenden Menschen  und auch selbst große Gefahren und Ängste erleben müssen – ob noch in der Heimat oder auf der Flucht. Richards Gespräche mit den Männern, die zuerst zögernd von ihren Schicksalen erzählen, lassen den alten Professor allmählich eine starke Verbundenheit zu diesen Menschen spüren, auch wenn ihre Lebensbedingungen unterschiedlicher nicht sein könnten.

Der Blickwinkel des Europäers, der gerne wegsieht, ist in seiner Verunsicherung wunderbar eingefangen. Auch die Reflexion über die eigene Vergangenheit, die Verluste, das bisherige Leben überzeugen. Die Geschichten der einzelnen Flüchtlinge sind zumeist nur angedeutet und wirken dadurch besonders erschütternd.

Der kritische Blick auf den Umgang der europäischen Politik und der deutschen Behörden mit der Flüchtlingskrise findet berechtigten Platz. Die Perspektive des Professors ist sehr gut gewählt, seine Gedankengänge und Beobachtungen ziehen den Leser stark in seinen Bann. Eine absolut empfehlenswerte, auch sprachlich sehr überzeugende literarische Auseinandersetzung mit dem aktuellen Thema der Flüchtlingswelle.

Die bereits vielfach ausgezeichnete Autorin wurde für „Gehen. Ging. Gegangen“ für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert.

Unbedingt lesen!

Susanne Luther-Feddersen

Kulturnacht

Husumer Kulturnacht 2016

Husumer Kulturnacht 2016

Das Programm zur Husumer Kulturnacht am 2. Juli 2016 in der Stadtbibliothek Husum:

 

 

19.00 Uhr bis 23.00 Uhr:

Papierarbeiten – Das Kreativhaus hobby-ton präsentiert Bastelkunst mit Origami und Quilling. Zugreifen und mitmachen!

 

19.00 Uhr/20.20 Uhr/21.50 Uhr: Lesung

(c) Andrea Paluch

(c) Andrea Paluch

„Wundervolles Dorfleben“ – Lesungen mit Andrea Paluch, Schriftstellerin und shz-Kolumnistin. Mit großer Sympathie und feiner Ironie zeigt sie, dass es in Schleswig-Holstein so manches Dorfwunder zu entdecken gibt.

(Dauer: jeweils 30 Minuten)

 

 

19.40 Uhr/21.00 Uhr/22.30 Uhr: Musik

(c) Susanne Mohr

(c) Susanne Mohr

Amariszi – Das Ensemble der Theodor-Storm-Schule spielt südosteuropäische Folklore und singt dazu in den Originalsprachen, z.B. bulgarisch, mazedonisch und jiddisch.

(Dauer: jeweils 30 Minuten)

Laufende Ausstellung:Arbeiten auf Papier auf Leinwand“ – (Bilder – Neue Arbeiten) von Jan Franzen

Bewirtung: Kaffee, Getränke, Laugengebäck

Lesetipp des Monats Juni – Jugendroman

Stephanie Tromly: Digby #01. Aus dem Englischen übersetzt von Sylke Hachmeister.

Oetinger, Hamburg 2016.

"Digby #01" von Stephanie Tromly

„Digby #01“ von Stephanie Tromly

Nach der Scheidung ihrer Eltern zieht Ich-Erzählerin Zoe mit ihrer Mutter in die Kleinstadt River Heights – furchtbar! – und träumt davon, der örtlichen Highschool-Hölle (mitsamt missgünstigen Mädchencliquen) zu entkommen und von der Prentiss Academy in New York aufgenommen zu werden. Nachsitzen mit dem Sonderling Digby scheint dafür kein besonders guter Anfang zu sein, aber das ist noch gar nichts: Ohne so richtig zu wissen, wie das passieren konnte, findet sich Zoe mitten in einem Einbruch wieder, unter Beschuss, verhaftet, gekidnappt … Der lässige und detektivisch begabte Digby, mit dem die Gefahr Hand in Hand zu gehen scheint, stellt ihr Leben völlig auf den Kopf.

Vor 8 Jahren verschwand Digbys kleine Schwester spurlos aus dem heimischen Schlafzimmer; bei den folgenden polizeilichen Ermittlungen wurden sämtliche (!) Familienmitglieder zu Unrecht verdächtigt (woran der verbliebene Rest von Digbys Familie zerbrach). Seitdem ist er davon besessen, dieses Rätsel zu lösen. Und ganz nebenbei auch noch andere. Zum Beispiel einen Drogenring auffliegen zu lassen. Außerdem könnte der aktuelle Vermisstenfall einer Schülerin vielleicht im Zusammenhang mit der Entführung von damals stehen. Warum Zoe das alles mitmacht? Irgendwie scheint der ewig hungrige Digby wohl ihr Freund geworden zu sein …

Autorin Stephanie Tromly erzählt ihr erstes Jugendbuch spannend und sehr witzig, während Zoe, Digby (der nie einen Plan B hat) und ihre Freunde in eine völlig absurde Situation nach der anderen stolpern. Dialoge und Action sind filmreif – da zeigt sich, dass die Autorin auch im Drehbuchbereich tätig ist. Der deutsche Titel „Digby #01“ klingt verglichen mit dem äußerst passenden Originaltitel „Trouble is a friend of mine“ zwar nicht so einfallsreich, verspricht aber dafür schon, was alle LeserInnen nach der Lektüre sicherlich fordern: Eine Fortsetzung!! Bis dahin lesen wir Teil 1 einfach noch mal.

Andrea Sondermann

Literaturgruppe

Am Montag, 18. Juli 2016, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Vogelweide“ von Uwe Timm.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Vogelweide" von Uwe Timm

„Vogelweide“ von Uwe Timm

Uwe Timm: Vogelweide. Roman.

dtv, München 2015.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Ein Mann hat alles verloren, seine Freundin, seine Geliebte, seinen Beruf, seine Wohnung und ist hoch verschuldet. Nun lebt er allein auf einer Insel in der Elbmündung als Vogelwart. Doch Anna kündigt ihren Besuch an – eben jene Anna, die vor sechs Jahren vor ihm nach New York geflohen ist und zuvor sein Leben komplett aus den Angeln gehoben hat. Während Eschenbach sich auf das Wiedersehen mit ihr vorbereitet, besuchen ihn die Geister der Vergangenheit und es entfaltet sich die Geschichte von Eschenbach, Selma, Anna und Ewald. Die Geschichte von zwei Paaren, die glücklich miteinander waren und es nicht bleiben konnten. Uwe Timm erzählt präzise, schön, komisch und klug von den geheimnisvollen Spielregeln des Lebens und von der Kunst des Abschieds.“

Büchertisch zur Kinopremiere

KinoBüchertischAnlässlich der Deutschland-Premiere der Literaturverfilmung „Erlösung“ nach dem gleichnamigen Bestseller von Jussi Adler-Olsen haben wir in der Bibliothek den roten Teppich bzw. die rote Tischdecke für die Werke des Autors ausgerollt. Bei „Erlösung“ handelt es sich um den dritten Fall für den Ermittler Carl Mørck und seinen Kollegen Assad; die vorhergehenden Bände „Erbarmen“ und „Schändung“ wurden 2013 und 2014 verfilmt.

Offizieller deutscher Kinostart des Thrillers ist am 9. Juni – die Deutschland-Premiere findet aber bereits am Montag, 6. Juni, um 19.30 Uhr im Kino Center Husum in Anwesenheit des Regisseurs und einiger Darsteller statt! Husum ist übrigens einer der vielen Drehorte, an denen der Film entstand. Vielleicht erkennt das Premierenpublikum den einen oder anderen Schauplatz wieder?

Literaturcocktail – gerührt und geschüttelt

Am Sonnabend, 11. Juni 2016, findet die diesjährige Lesung des Freien Deutschen Autorenverbandes Hamburg / Schleswig-Holstein anlässlich des jährlichen Mitgliedertreffens in der Stadtbibliothek Husum statt.

FDAPlakat2016Von 11.00 bis 12.00 Uhr lesen FDA-Autorinnen und -Autoren aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen unter dem Motto „Literaturcocktail – gerührt und geschüttelt“ aus ihren veröffentlichten Geschichten und Gedichten die eigenen Lieblingstexte vor und präsentieren sie auf einem bunten Büchertisch zum Stöbern.

Der Eintritt ist frei; außerdem lädt der FDA zu Kaffee und einem kleinen Snack ein.

Aufmerksame Besucher finden in der Stadtbibliothek übrigens schon vorher kleine literarische Lesungs-„Appetithäppchen“ zum Mitnehmen.

Begleitend zur Lesung gibt es wie gewohnt eine Zusammenstellung von „Büchern für Autoren“ – rund um Sprache, Schreiben, Layout, Verlagssuche und Veröffentlichung.