Lesetipp des Monats Januar – Roman

Anne-Laure Bondoux, Jean-Claude Mourlevat: Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben. Roman. Aus dem Französischen von Ina Kronenberger.

Deuticke, Wien 2016. (Das Programm des Deuticke-Verlags ist unter https://www.hanser-literaturverlage.de/ zu finden.)

"Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben" von Anne-Laure Bondoux und Jean-Claude Mourlevat

„Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben“ von Anne-Laure Bondoux und Jean-Claude Mourlevat

Nach dem schon einige Jahre zurückliegenden Erfolg des E-Mail-Romans „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer, der viele begeisterte Leserinnen fand, staune ich doch sehr, dass mich noch einmal ein ähnlich konzipierter Roman so begeistern konnte.

Aber in „Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben“ entwickelt  sich eine französische Liebesgeschichte voller Sprachwitz, Eleganz und Emotionen mit einigen Verwicklungen.

Der 60-Jährige, berühmte Schriftsteller Pierre-Marie Sotto erhält per Post einen dicken Umschlag, in dem er ein unverlangt zugesandtes Manuskript vermutet, welches er ungeöffnet schnellstmöglich wieder an die Absenderin zurück schicken möchte.

Diese hat jedoch als Absender nur ihren Namen (Adeline) sowie ihre E-Mail-Adresse hinterlassen. So entwickelt sich zwischen Pierre-Marie und Adeline, die sich selbst als dick, groß und brünett beschreibt, ein lebhafter und intensiver Mail-Austausch, in dem die beiden sich rasch näherkommen. Pierre, dem als Schriftsteller schon seit einiger Zeit nichts mehr einfällt, ist fasziniert von der Direktheit Adelines und ihrer Sprache, wenn sie ihm von misslungenen Verabredungen und ihrem (Liebes-)Leben berichtet, während auch er sich ihr in seinen Antworten zunehmend öffnet. Diese Mails werden von Tag zu Tag für beide wichtiger, die Vertrautheit wächst  – und natürlich entsteht bald die Frage, ob die beiden sich persönlich begegnen sollten. Das dicke, ungeöffnete Kuvert enthält jedoch noch eine tiefere Geschichte und wirkliche Überraschungen, nicht zuletzt für den Leser.

Lassen Sie sich auf diese unterhaltsame und faszinierende Liebesgeschichte ein – es lohnt sich.

Susanne Luther-Feddersen

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Lesetipp des Monats Januar – Thriller

Yrsa Sigurdardottir: DNA. Aus dem Isländischen von Anika Wolff.

btb, München 2016. (Der btb-Verlag gehört zur Verlagsgruppe Random House, daher ist sein Programm unter https://www.randomhouse.de/ zu finden.)

"DNA" von Yrsa Sigurdardottir

„DNA“ von Yrsa Sigurdardottir

Zwei kleine Jungen laufen an einem Wintermorgen in Schlafanzügen durch die Nachbarschaft, sie sind aus dem Fenster ihres Kinderzimmers geklettert, weil ihre Zimmertür verschlossen war und ihre Mutter und ihre Schwester nicht auf Rufe geantwortet haben.

Kommissar Huldar entdeckt, dass die junge Mutter unsagbar grausam ermordet wurde und findet die völlig verstörte siebenjährige Margret, die sich seit Stunden in Todesangst unter dem Bett versteckt hält.

Die Suche nach einem Motiv für die Tat bleibt absolut ergebnislos. Das Opfer war allseits beliebt und geachtet, keinerlei Schatten.

Um die traumatisierte kleine Tochter vernehmen zu können, bekommt Huldar Unterstützung von einer kinderpsychologischen Einrichtung, allerdings ausgerechnet durch die Psychologin Freya, mit der Huldar, wie sich peinlicherweise herausstellt, kürzlich ein Date hatte, bei dem der Kommissar allerdings seinen Beruf verschwiegen und sich „der Einfachheit halber“ als Tischler ausgegeben hatte.

Bald wird ein zweites Opfer des offensichtlich gestörten Mörders gefunden, diesmal eine pensionierte Lehrerin. Die Polizei gerät zunehmend unter Druck, und wir Leser lernen einen einsam lebenden, leidenschaftlichen Amateurfunker kennen….

„DNA“ bildet den Auftakt zu einer neuen, wie ich finde, sehr vielversprechenden Krimireihe um Kommissar Huldar und die Psychologin Freya aus Reykjavik, zwischen denen es ordentlich knistert, was uns Lesern immer wieder ein wenig „Erholung“ bietet im Verlauf der spannenden Ermittlungen.

Die Autorin gehört zu den bekanntesten Krimiautoren Islands, dieser faszinierenden Insel, auf die wir spätestens seit dem Auftreten der isländischen Fußball-Nationalmannschaft – und ihrer Fans (!) – bei der Fußball-EM im vergangenen Sommer nachdrücklich aufmerksam geworden sind!

Ein Krimi mit echtem Suchtpotential, geschickt gemacht, toll geschrieben, mit einer glaubwürdigen und doch überraschenden Auflösung. Was will man mehr?

Hedda Jensen

 

Lesetipp des Monats Januar – Jugendbuch

Alwyn Hamilton: Amani – Rebellin des Sandes. Aus dem Amerikanischen von Ursula Höfker.

cbt, München 2016. (Der cbt-Verlag gehört übrigens zur Verlagsgruppe Random House und sein Programm ist dementsprechend unter https://www.randomhouse.de/ zu finden.)

"Amani - Rebellin des Sandes" von Alwyn Hamilton

„Amani – Rebellin des Sandes“ von Alwyn Hamilton

„Winter“, sagt der Kalender – hier gibt es das Kontrastprogramm: Autorin Alwyn Hamilton entführt ihre Leserinnen und Leser in eine eigenwillige, zwischen Wildem Westen und orientalischen Märchen pendelnde Wüstenlandschaft, in der gefährliche unsterbliche Geschöpfe umgehen und Frauen keine Rechte haben. Um einer Zwangsheirat mit ihrem Onkel zu entgehen, will Amani unbedingt fort aus ihrem Heimatkaff Dustwalk, aber zu ihrer unbekannten Tante in der großen Stadt ist es ein weiter Weg. Bei einem Schießwettbewerb das erforderliche Geld für die Reise zu gewinnen, klappt leider nicht – stattdessen ist Amani plötzlich nicht nur auf der Flucht vor ihrem Onkel, sondern auch vor der Armee und kämpft sich zusammen mit dem geheimnisvollen Fremden Jin durch die Wüste. Rebellion liegt in der Luft: es heißt, dass Prinz Ahmed den ihm vorenthaltenen Platz als Thronfolger des Sultans zurückzuerobern plant und Getreue um sich schart. Inmitten eines Schmelztiegels aus Geheimnissen und Gefahren steht Amani bald vor der Wahl, ob sie ihr eigenes Leben retten oder es, um andere zu schützen, aufs Spiel setzen soll…

Abenteuerlich und romantisch – dieser wilde Mix aus Western und Tausendundeiner Nacht bietet beste Unterhaltung! Und der Winter ist spätestens nach den ersten paar Seiten auch vergessen.

Andrea Sondermann