Kleines Picknick im Labyrinth

Die Stadtbibliothek Husum bietet seit diesem März zwei Medientaschen zum Thema Demenz zur Ausleihe an, die Anregungen und Hintergrundwissen für die Betreuung und den Umgang mit Demenzkranken liefern.

Das Angebot richtet sich an Menschen, die demenzkranke Angehörige betreuen oder sich in ihrem privaten Umfeld mit dem Thema Demenz  auseinander setzen möchten.

Die Taschen mit dem Titel „Kleines Picknick im Labyrinth“ wurden von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Demenz entwickelt und für 74 Büchereistandorte durch das Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein finanziell gefördert. Ziel ist es, Betroffenen die kulturelle Teilhabe zu ermöglichen und das Bewusstsein und Verständnis für die Situation Demenzerkrankter zu wecken.

Die handlichen Jutetaschen enthalten Bildkarten für das visuelle Erkennen und sprachliche Benennen, Musik aus früheren Zeiten, Ratgeber sowie Bilderbücher und Texte zum Thema Demenz. Die Medientaschen bieten Ideen zur sinnvollen gemeinsamen Freizeitgestaltung und sollen der praktischen Alltagsunterstützung dienen.

Neben den beiden Taschen präsentiert die Stadtbibliothek Husum in einer Themenausstellung bis Ende März weitere Medienangebote wie Ratgeber, Erfahrungsberichte und Beschäftigungsbücher, die hilfreiche Unterstützung bieten können.

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Lesetipp des Monats März – Roman

Elena Ferrante: Meine geniale Freundin. Kindheit und frühe Jugend. Roman. Aus dem Italienischen von Karin Krieger.

Suhrkamp (http://www.suhrkamp.de/), Berlin 2016.

„Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante

Eines Morgens bekommt die Ich-Erzählerin einen Anruf vom längst erwachsenen Sohn ihrer besten Freundin. Er fragt, ob sie weiß, wo seine Mutter sein könne. Sie sei seit zwei Wochen spurlos verschwunden, und zwar gründlich: sämtliche Kleider, persönlichen Gegenstände und Papiere sind ebenfalls weg – seine Mutter hat sich sogar aus sämtlichen Fotos in der Wohnung herausgeschnitten!

Lenú (Elena), so heißt die Erzählerin, zeigt – hier habe ich beim Lesen schon zum ersten Mal gestaunt – am Telefon keinerlei Mitleid mit dem Anrufer, sie zankt sich nur ein wenig mit dem doch immerhin besorgten Sohn herum, legt schließlich auf und ihr ist klar, dass ihre lebenslange Freundin nun wahrgemacht hat, was sie schon lange angekündigt hatte. Zu verschwinden, ihr Leben auszulöschen. Mit sechsundsechzig. Und wie immer, wie bei allem, was sie tut, so findet Lenú, übertreibt ihre geniale Freundin Lila maßlos!!!

Wütend setzt sie sich an ihren Computer und beginnt, die Geschichte ihrer Freundschaft aufzuschreiben. Sie schreibt gegen Lilas Verschwinden an, und wir lesen atemlos, vergessen zu schlucken und trinken zu viel Kaffee, weil wir wach bleiben müssen, um alles von den beiden zu erfahren.

Von Kindheit und Jugend der beiden Mädchen erzählt dieser erste Roman. Lila und Lenú wachsen in einem von Kleinbürgertum und Kriminalität geprägten „Rione“ auf, einem staubigen, ärmlichen Viertel im Osten von Neapel in den 1950er Jahren. Hier befehden sich die Familien seit Generationen voller Energie.

Die Freundinnen lieben und vertrauen einander, doch ihre Beziehung, immer aus Lenús Sicht geschildert, ist auch voller Konkurrenz und Schmerz. Es ist auch der Kampf zweier begabter, außergewöhnlicher Mädchen um ihr Glück, und um einen sozialen Aufstieg aus ihrer ärmlichen, völlig bildungsfernen Umgebung.

Ferrante erzählt ungeheuer kraftvoll, präzise, aufwühlend und poetisch zugleich.

Leserinnen weltweit sind der neapolitanischen Saga geradezu verfallen. Der zweite Band „Die Geschichte eines neuen Namens“ ist auch schon erschienen und bei uns ausleihbar, der dritte erscheint im Juni und der abschließende vierte Band im Oktober.

Ich kann es kaum erwarten!

Hedda Jensen

Lesetipp des Monats März – Jugendroman

Marci Lyn Curtis: Alles, was ich sehe. Aus dem Englischen übersetzt von Nadine Püschel.

Königskinder-Verlag (https://www.carlsen.de/koenigskinder), Hamburg 2016.

"Alles, was ich sehe" von Marci Lyn Curtis

„Alles, was ich sehe“ von Marci Lyn Curtis

Seit einer Hirnhautentzündung ist Maggie blind und kann sich nur sehr schwer in ihr neues Leben einfinden. All ihre Zukunftsvorstellungen vom Fußballstipendium fürs College und der Berufung in die Nationalmannschaft sind geplatzt, und noch viel schlimmer: nun scheint ihr jegliche Gesprächsgrundlage mit ihrer Mutter zu fehlen, die früher selbst eine hochklassige Fußballspielerin war und inzwischen als Trainerin arbeitet. Maggie fühlt sich hilflos und um ihre Träume betrogen. Als sie sich eines Tages den Kopf stößt und danach plötzlich den zehnjährigen Ben und alles in seiner unmittelbaren Umgebung sehen kann, mag sie ihren Augen kaum trauen: Wunder passieren doch nicht einfach so, oder? Zudem ist Bens älterer Bruder Mason auch noch Sänger in Maggies Lieblingsband – und hält die Siebzehnjährige prompt für eine Simulantin. Aber Bens positive Lebenseinstellung wirkt so ansteckend, dass sich in seiner Nähe nicht nur Maggies Sichtfeld, sondern ihr ganzes Leben aufhellt. Kann sie durch die Freundschaft mit ihm vielleicht sogar ein besserer Mensch werden?

„Alles, was ich sehe“ ist der erste Roman der Autorin Marci Lyn Curtis – und gleich ein Volltreffer! Sarkastisch und schnodderig lässt sie Maggie in der Ich-Form erzählen und die Leserinnen mitlachen und -leiden. Der begeisterte Lexikonleser Ben trifft nicht nur die Hauptfigur mitten ins Herz.

Und mehr wird jetzt nicht verraten.

Andrea Sondermann