Lesetipp des Monats Mai – Fantasy-Roman

Naomi Novik: Das dunkle Herz des Waldes. Aus dem Amerikanischen von Marianne Schmidt.

cbj (Programm unter https://www.randomhouse.de/), München 2016.

„Das dunkle Herz des Waldes“ von Naomi Novik

Zusammen mit mehreren anderen kleinen Dörfern liegt der Heimatort der siebzehnjährigen Agnieszka in einem eigentlich sehr beschaulichen Tal – doch jenseits des Flusses befindet sich der Dunkle Wald, dessen böse Magie stetig versucht, sich weiter auszubreiten. Zum Glück wird das Tal vom Zauberer „Drache“ beschützt, der in einem einsamen Turm lebt. Alle zehn Jahre holt er eine Siebzehnjährige aus den Dörfern, die für ihn arbeiten soll. Diesmal wird die Wahl auf Agnieszkas beste Freundin Kasia fallen, da sind sich alle ganz sicher, denn Kasia ist schön, anmutig und tapfer. Was für ein Schock, als der „Drache“ sich widerwillig für die tollpatschige Agnieszka entscheidet! Warum bloß? Agnieszka ist fassungslos und fühlt sich im Turm des Zauberers völlig fehl am Platz – umso mehr, weil er behauptet, dass sie selbst magische Kräfte besitzt und er deshalb verpflichtet ist, sie auszubilden. Sie aber will seine Magie gar nicht lernen! Doch dann ruft ihr Dorf um Hilfe, während der „Drache“ gerade anderswo ein Ungeheuer bekämpfen muss. Todesmutig packt Agnieszka einige Elixiere des Zauberers zusammen und seilt sich aus dem Turmfenster ab, um ihre Familie, Nachbarn und Freunde zu retten…

… und dies ist nur der Anfang einer wendungsreichen, unvorhersehbaren Geschichte, die Agnieszka bis tief ins dunkle Herz des Waldes führen wird.

Autorin Naomi Novik webt ihr Buch aus einem nahezu magischen Garn, in dem die Atmosphäre osteuropäischer, undurchdringlicher Märchenwälder eingefangen ist und sich mit Intrigen und blutigen Schlachten epischer Fantasy-Romane verbindet. Sehr fesselnder Lese(sucht)stoff für Fantasy-Freunde und furchtlose Märchenfans.

Andrea Sondermann

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Ankommen in Schleswig-Holstein – Medien für die Integrationsarbeit

Die Nord-Ostsee Sparkasse stellt der Stadtbibliothek Husum und der Fahrbücherei Nordfriesland im Rahmen des Projekts „Ankommen in Schleswig-Holstein“ Medien für die Integrationsarbeit zur Verfügung. Initiiert wurde das Vorhaben von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein und dem Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. Die schleswig-holsteinischen Sparkassen sichern nachhaltig die Finanzierung. Die Schirmherrschaft hatte Innenminister Stefan Studt übernommen.

Jan Otzen von der Nospa bei der Übergabe der „Ankommen in Schleswig-Holstein“-Medientaschen an Susanne Luther-Feddersen

Nach der Erstaufnahme und Unterbringung zehntausender Geflüchteter in den letzten zwei Jahren heißt es nun vielerorts in Schleswig-Holstein, die Integration zu fördern und den Zusammenhalt zu stärken. Büchereien tragen bereits jetzt als offene Treffpunkte und durch die Bereitstellung geeigneter Medien zu einem guten Miteinander bei.

Mit dem Projekt „Ankommen in Schleswig-Holstein“ hat die Büchereizentrale Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein ein Medienangebot entwickelt, um Menschen zu unterstützen, die sich in der Integrationsarbeit engagieren. Die Medien sollen der Sprachförderung und der praktischen Alltagsunterstützung dienen. Die Förderung der schleswig-holsteinischen Sparkassen in Höhe von insgesamt 60.000 Euro ermöglicht die Ausstattung von 77 Büchereistandorten mit 206 Medientaschen.

Um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen, gibt es sowohl Taschen für die Arbeit mit Familien als auch mit jungen Erwachsenen. Jede Tasche umfasst 6-7 Titel. Die vom Lektorat der Büchereizentrale zusammengestellte Auswahl enthält u.a. Bildkartensets und Spiele zur Erweiterung des Wortschatzes, Basissprachkurse und Lernmaterialien zur Förderung des Spracherwerbs und leichte Sachtexte, die z.B. der beruflichen Orientierung dienen.

Das Vorhaben knüpft an das 2015 initiierte Angebot der Büchereizentrale „Willkommen in Schleswig-Holstein. Medien und Spiele speziell für Flüchtlinge“ an, das der ersten Orientierung diente und sich primär an Menschen richtete, die erst kürzlich nach Schleswig-Holstein gekommen waren. Die Sparkassen im Land standen auch bei diesem Projekt als Kooperationspartner zur Seite. (Mehr dazu steht hier im Blog unter Deutsch als Fremdsprache und die Medienbox „Willkommen in Schleswig-Holstein“)

In der Stadtbibliothek Husum überreichte Jan Otzen, Regionaldirektor der Nospa in Husum, vier Medientaschen und einen 27 Titel umfassenden Ergänzungsbestand an Büchereileiterin Susanne Luther-Feddersen. Anja Heil und Lea Gordon von der Beruflichen Schule Husum waren mit ihren DaZ-Klassen in die Stadtbibliothek gekommen, um als Erste die neuen Medientaschen für ihren Unterricht auszuleihen. „Die Medien aus dem Projekt ergänzen unseren Bestand für junge Flüchtlinge in der Berufsorientierung – da ist der Bedarf besonders groß“, erläuterte die Büchereileiterin. „Mit der Finanzierung der Medientaschen wollen die Sparkassen den Flüchtlingen helfen, in Schleswig-Holstein anzukommen und zum anderen die vielen Ehrenamtlichen unterstützen, die sich für ihre Integration einsetzen“, begründete Jan Otzen das Engagement der schleswig-holsteinischen Sparkassen.

Sowohl die Medientaschen als auch der Ergänzungsbestand sind ausleihbar und in unserem Medienkatalog über das „Schlagwort“-Suchfeld zu finden: Tragen Sie dort als Suchbegriff Ankommen in Schleswig-Holstein ein.

Literaturgruppe

Am Montag, 3. Juli 2017, bespricht die Literaturgruppe ab 16.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Altes Land“ von Dörte Hansen.

Interessierte sind herzlich willkommen.

„Altes Land“ von Dörte Hansen

Dörte Hansen: Altes Land. Roman.

Penguin (siehe https://www.randomhouse.de), München 2017 (als Taschenbuch).

Der Verlag schreibt über das Buch: „Das »Polackenkind« ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine andere liebt.

Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.“

Lesetipp des Monats Mai – Roman

Ursula Fricker: Lügen von gestern und heute. Roman.

dtv (https://www.dtv.de/), München 2016.

„Lügen von gestern und heute“ von Ursula Fricker

Gesellschaftskritik im Roman ist ein schwieriges Unterfangen. Mit „Lügen von gestern und heute“ gelingt es der Autorin aber sehr bewegend und reflektiert den aktuellen Zeitgeist und die Stimmungen in Deutschland einzufangen.

Innensenator Otten lässt ein illegales Flüchtlingscamp räumen und gerät in Presse und Öffentlichkeit mit seiner vermeintlich harten Politik in die Kritik. Der Leser bekommt aber auch nach und nach Einblick in den Menschen Otten: die vielen Jahre in der Politik und der Blick auf sein Privatleben mit  den erwachsenen, ihm fremd gewordenen Kindern und seiner Frau, die schwer erkrankt, verändern ihn.

Studentin Isa will die Welt verbessern, wendet sich komplett von Elternhaus, Studium und „Normalität“ ab, zieht schließlich selbst ins Flüchtlingscamp, dessen Bewohner nach der Räumung eine alte Fabrik besetzen, und radikalisiert sich zunehmend – isoliert von ihren bisherigen Mitstreitern, deren Aktivitäten ihr zu lasch erscheinen. Isa, aufgewachsen in einem sehr liberalen Elternhaus, steigert sich zunehmend in die Idee hinein, einen  aufsehenerregenden Akt des Widerstands durchzuführen. Als sie in den Besitz einer Pistole kommt, will sie Otten töten, der für sie der Inbegriff der unsozialen, kaltherzigen Machtpolitik  ist.

Beba, selbst aus Armut nach Deutschland geflüchtet, träumt von einer Zukunft als Pianistin und schlägt sich als Prostituierte durch. Sie verliebt sich in einen Musiker, mit dessen Hilfe sie aus dem Bordell aussteigen kann und einen Job als Verkäuferin findet. Sie wird schwanger und die beiden ziehen zusammen, aber ihr Freund leidet zunehmend unter Eifersucht und kann Bebas Vergangenheit nicht ertragen.

Durch Zufall lernen Senator Otten und Beba sich in einem Café kennen – und der Politiker ist beeindruckt von der jungen Frau, die unverhohlen darüber spricht, dass sie als Prostituierte gearbeitet hat. Er lädt die talentierte Pianistin zu sich und seiner Frau ein, um bei ihnen im Haus bei einer kleinen Feier zu musizieren.

Die überraschende Verknüpfung dieser drei Leben stellt Fricker mit Leichtigkeit her – auch das dazu gehörige Umfeld tritt, oft nur in Andeutungen, in Erscheinung und zeigt eine ambivalente, zerrissene Gesellschaft:  Es gibt kein Schwarz-Weiß, die Suche nach Eindeutigkeit, nach Gut und Böse kann nicht gelingen – immer ist alles viel differenzierter zu betrachten.

Ein starkes Buch!

Susanne Luther-Feddersen

Filmtipp des Monats Mai

Seit seiner Kindheit hat der theaterbegeisterte Koala Buster Moon von seinem eigenen Theater geträumt, doch mittlerweile steht sein „Moon“-Theater kurz vor der Pleite, denn bisher sind Busters aufwendige Inszenierungen alle gnadenlos gefloppt. Grenzenlos optimistisch will er dennoch eine letzte große Show auf die Beine stellen, um den Ruin abzuwenden. Da diese möglichst wenig kosten soll, kommt er auf die Idee, einen Gesangswettbewerb zu veranstalten, und kratzt als Preisgeld dafür seine letzten Wertsachen zusammen. Allerdings unterläuft seiner annähernd 200jährigen Sekretärin beim Werbeflyer ein folgenschwerer Tippfehler, der zunächst weder ihr noch Buster auffällt… deshalb stehen plötzlich die Talente Schlange und sogar das Fernsehen berichtet über das Casting. Buster hat nun die Qual der Wahl zwischen Unmengen von teils mehr, teils weniger begabten singenden Tieren (mein persönliches Highlight: die singende Schnecke! Was für ein Hingucker!), wobei der Film „Sing“ seinem Namen alle Ehre macht und die Teilnehmer etwa im Zehn-Sekunden-Takt größtenteils bekannte Hits anstimmen.

Busters Kandidaten bringen alle ihre eigenen Sorgen und Nöte mit und hoffen durch die Show entweder auf Reichtum (ja, der böse Tippfehler beim Preisgeld), ein ganz neues Leben oder auch bloß ein bisschen Anerkennung. Da ist zum Beispiel Gorilla Johnny, der viel lieber singen als ins kriminelle Familiengeschäft einsteigen möchte, das superschüchterne Elefantenmädchen Meena, das beim Casting keinen Ton herausbringt, und Schweinedame Rosita, die sich im Alltag für ihren Ehemann und ihre 25 kleinen Ferkel zerreißt und nun im Duo mit „Rampensau“ Gunter an ihrer Performance feilen soll…

Wer schafft es ins Finale? Und gelingt es Buster tatsächlich, auf diesem Weg sein Theater zu retten?

Trickfilme mit Tieren, die in einer Welt ohne Menschen leben und arbeiten – kennen wir doch alles schon, zum Beispiel aus „Zoomania“ (auch ein toller Film!!!). Aber „Sing“ macht seine Sache trotzdem ziemlich gut und hat seine stärksten Momente, wenn der Fokus klar auf dem Gesang und den Geschichten der Finalisten liegt. In der ersten Hälfte etwas zu wuselig, und nicht jeder Gag kann zünden. Doch die Musik ist klasse; das grandiose Finale ist eine Wucht und verführt mehrfach zu spontanem Applaus im heimischen Wohnzimmer. Danach muss man den Film einfach lieben. Also: anschauen, durchhalten und genießen! Und wünschen wir uns insgeheim nicht alle einen Supermarkt, in dem wir kurz vor Feierabend noch eine so flotte Sohle hinlegen dürfen wie Rosita, ohne dafür Hausverbot zu kriegen?

Sing. USA, 2016. Regie: Garth Jennings. 1 DVD (104 Min.). Freigegeben ohne Altersbeschränkung.

Andrea Sondermann

Atem des Meeres

Bilder von Karl-Heinz Morscheck in der Stadtbibliothek Husum

„Atem des Meeres“, so heißt die Ausstellung in der Stadtbibliothek Husum mit Bildern von Karl-Heinz Morscheck, die am Donnerstag, 11.05.2017, um 19.00 Uhr eröffnet wird.

Susanne Luther-Feddersen und Karl-Heinz Morscheck vor dem Bild „Kielwasser“

Es sind Bilder der Küste und des offenen Meeres, die auf eine intensive Weise die unterschiedlichen Aspekte dieser großartigen Natur zum Ausdruck bringen. Die Bandbreite der künstlerischen Darstellung wird in einer teils realistischen, teils abstrahierenden Malweise vorgestellt.

Neben atmosphärisch ruhigen, fast romantischen Bildern offenbart die Gewalt des weiten Ozeans einen eindrucksvollen Kontrast. Hier ist eine Ausstellung zu sehen, die gleichermaßen die Charakteristik der nordfriesischen Küstenlandschaft sichtbar werden lässt.

Karl-Heinz Morscheck ist Maler, Zeichner und Buchautor und arbeitet in seinem Atelier am Langsee, nördlich von Schleswig. Er unterrichtet an verschiedenen Volkshochschulen Malerei und Zeichnung und bietet Interessierten eine Weiterbildung in Intensivkursen und Workshops in seinem Atelier.

Die Bilder von Karl-Heinz Morscheck sind vom 11.05. bis zum 29.07.2017 in der Stadtbibliothek Husum während der Öffnungszeiten zu sehen.

Lesetipp des Monats Mai – Roman

Cynthia D’Aprix Sweeney: Das Nest. Roman. Aus dem amerikanischen Englisch von Nicolai von Schweder-Schreiner.

Klett Cotta (https://www.klett-cotta.de), Stuttgart 2016.

„Das Nest“ von Cynthia D’Aprix Sweeney

“Verkaufe nie das Fell, bevor du den Bären erlegt hast”

Die vier erwachsenen Geschwister der Familie Plumb, Leo, Jack, Beatrice und Melody, verbindet eigentlich nicht viel mehr als ihre gemeinsame Herkunft aus einer  wohlhabenden New Yorker Familie – und ihre Sehnsucht nach dem „Nest“. So lautet der familieninterne Name für einen trotz der Finanzkrise wohltuend gut gefüllten Fond, den ihr vorausschauender Vater, ein Selfmade-Millionär, für seine Kinder eingerichtet hatte, und den der wendige Familienanwalt, Onkel George, über viele Jahre gehütet hat.

Nun gilt es eigentlich nur noch, die wenigen Monate bis zum 40. Geburtstag von Melody, der Jüngsten, abzuwarten, dann soll das angesparte Geld verteilt werden. Und dann will endlich jeder sein Lieblingsprojekt verwirklichen, …oder heimlich gemachte Schulden tilgen, die Schulgebühren für private Colleges und Luxuswaren bezahlen… Man hat sich schließlich seit Jahren auf den warmen Geldsegen gefreut und darauf verlassen.

Doch natürlich kommt alles anders: Der charismatische, leichtlebige Leo, der älteste der Geschwister, wird in einen folgenschweren Autounfall verwickelt, und das „Nest“ wird gründlich geplündert, um einen Skandal zu vermeiden! Die übrigen, der klamme Antiquitätenhändler Jack, das „ewige“ Talent Bea und Vollblutmutter Melody, sind empört. Wer wäre das nicht? Was sollen sie unternehmen?

Eine amerikanische Kritikerin schrieb über das Romandebüt von Cynthia d’Aprix Sweeney „Ein Roman wie gute dunkle, Schokolade: elegant und bittersüß.“ Ein Urteil, dem ich nur zustimmen kann.

Eine unterhaltsame, kluge Familiengeschichte voll liebevoll geschilderter Figuren, einer Prise Ironie und, zum Glück, einer großen Portion New York City!

Hedda Jensen