Lesetipp des Monats Juni – Science-Fiction-Jugendroman

S.J. Kincaid: Diabolic – vom Zorn geküsst. Aus dem Amerikanischen von Ulrich Thiele.

Arena (http://www.arena-verlag.de/), Würzburg 2017.

„Diabolic“ von S.J. Kincaid
(c) Arena-Verlag

Autorin S.J. Kincaid entführt ihr Lesepublikum in eine Zukunft, in der die herrschende Elite auf gewaltigen Raumschiffen im Weltall lebt und mit Verachtung auf ihre planetenbewohnenden Untertanen herabsieht. Die Beschäftigung mit Naturwissenschaften, Forschung und Technik ist als Ketzerei verschrien, obwohl die teils maroden Maschinen des Imperiums nach und nach den Geist aufgeben. Dementsprechend umstritten ist die Erschaffung von „Diabolics“, die zwar wie Menschen aussehen, aber genetisch „optimiert“ und darauf geprägt wurden, eine einzige Person mit allen Mitteln zu beschützen. Ich-Erzählerin Nemesis ist eine solche „Diabolic“ und ihr Lebensinhalt ist Sidonia, die Tochter des Senators von Impyrean. Sidonia aber betrachtet Nemesis nicht als ihre Leibwächterin, sondern als ihre Freundin, und ist fest davon überzeugt, dass auch die tödlichen Diabolics eine Seele und Gefühle haben.

Als der Kaiser den Befehl erteilt, alle Diabolics zu töten, überlistet Sidonias Familie den Kontrolleur und lässt Nemesis am Leben, damit sie weiterhin ihre Aufgabe als Beschützerin erfüllen kann. Da der Senator durch sein Interesse an naturwissenschaftlichen Forschungen Unmut erregt hat, soll Sidonia als „Gast“ an den kaiserlichen Hof kommen. Doch an ihrer Stelle und unter ihrem Namen reist die getarnte Nemesis, der es allerdings sehr schwer fällt, einen „echten“ Menschen zu mimen und dabei allen Hofintrigen gewachsen zu sein. Unabsichtlich gewinnt sie sogar die Aufmerksamkeit des Thronfolgers: Tyrus, der angeblich wahnsinnige Neffe des Kaisers, zeigt verwirrendes Interesse an ihr. Dabei ist Liebe weder in ihren noch in seinen Plänen vorgesehen…

„Diabolic“ zieht uns in eine gar nicht so schöne neue und in ethischen Fragen teilweise erschreckend nahe Welt, aus der die Hauptfigur Nemesis von Anfang an mit faszinierender Stimme spricht. Ein wahrer Leserausch, der noch lange nachwirkt.

Andrea Sondermann

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Lesetipp des Monats Juni – Thriller

Luca D’Andrea: Der Tod so kalt. Thriller. Aus dem Italienischen von Verena v. Koskull.

DVA (Programm unter https://www.randomhouse.de/), München 2017.

„Der Tod so kalt“ von Luca D’Andrea

Mein Krimitipp ist mir zu allererst durch seinen Schauplatz aufgefallen: die imposante Gebirgs-Landschaft der Dolomiten in Südtirol. Der Autor, der 38-jährige Dokumentarfilmer Luca D‘Andrea, kennt diese Bergwelt wie seine Westentasche, denn er wurde dort geboren und lebt in Bozen. „Der Tod so kalt“ ist sein erster Roman.

Die Hauptfigur, Jeremiah Salinger, kommt allerdings als Fremder in die Heimat seiner Frau, das Dolomiten-Dorf Siebenhoch. Dort soll sich Salinger, der wie der Autor von Beruf Dokumentarfilmer ist, nach einem traumatischen Unfall erholen. Bei einem Filmprojekt über die Arbeit der Bergrettung war es zu einem Lawinenunglück gekommen. Salinger ist der einzige Überlebende der Crew. In den Dolomiten angekommen, wird er von Alpträumen und Panikattacken geplagt, doch seiner Frau und der kleinen Tochter zuliebe, versucht er, sich nichts anmerken zu lassen.

Bald erfährt Salinger vom s.g. „Bletterbach-Massaker“, einem Ereignis, das bereits über 30 Jahre zurückliegt, doch immer noch die Gemüter bewegt. Während eines gewaltigen Unwetters wurden in der Bletterbach-Schlucht drei junge Menschen, die aus Siebenhoch stammten, bestialisch ermordet. Die Tat blieb trotz intensiver Nachforschungen ungeklärt.

Salingers Schwiegervater hatte die Toten damals gefunden, gemeinsam mit drei weiteren Männern aus dem Dorf. Salinger, der nach Beschäftigung sucht, beginnt Fragen zu stellen, Staub aufzuwirbeln, die eingeschworene Gemeinschaft aufzumischen auf seiner eigenen Suche nach dem Täter von damals. Obwohl er bald sogar bedroht wird, gerät die Suche nach der Wahrheit für Salinger immer mehr zur Obsession, für die er sogar sein Familienglück aufs Spiel setzt…

Die unglaublich spannende Geschichte um menschliche Abgründe und die Schönheiten und Grausamkeiten der Gebirgskulisse ist sehr schnell und rasant erzählt.

Eine gute Einstimmung auf den nächsten, hoffentlich ganz friedlich verlaufenden, Bergurlaub ist dieser Thriller auf jeden Fall! Und einen Besuch in der Bletterbach-Schlucht sollte man einplanen.

Hedda Jensen

Kulturnacht

Das Programm zur Husumer Kulturnacht am 1. Juli 2017 in der Stadtbibliothek Husum:

 

19.00 Uhr bis 23.00 Uhr:

Kalligraphie – die Kunst des schönen Schreibens: Die Kalligraphin Karina Reck präsentiert historische Handschriften aus den letzten Jahrhunderten. Eigenes Ausprobieren ist möglich!

 

20.00 Uhr/21.30 Uhr: Lesung

(c) Constanze Wilken

„Das Erbe von Carreg Cottage“ – Constanze Wilken lädt zu einer literarischen Reise nach Wales ein: Die Autorin liest aus ihrem neuen Roman, erzählt von Land und Leuten und zeigt Bilder der Schauplätze.

(Dauer: jeweils etwa 35 Minuten)

 

 

 

19.15 Uhr/20.45 Uhr/22.30 Uhr: Musik

(c) Susanne Mohr

Amariszi – Das Ensemble der Theodor-Storm-Schule spielt südosteuropäische Folklore und singt dazu in den Originalsprachen, z.B. bulgarisch, mazedonisch und jiddisch.

(Dauer: jeweils 30 Minuten)

 

 

 

Laufende Ausstellung:Atem des Meeres“ von Karl-Heinz Morscheck

Bewirtung: Kaffee, Saft und Selters, Laugengebäck

Lesetipp des Monats Juni – Roman

Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen. Roman. Aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein.

btb (Programm unter https://www.randomhouse.de), München 2017.

„Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde

Das Titelbild zeigt eine verendende Biene am Boden, der Titel klingt für einen Roman zunächst nicht besonders aufregend – doch hinter diesen etwa 500 Seiten verbirgt sich ein erstklassiger, unterhaltsamer Roman, der nicht nur in Norwegen, sondern auch weltweit zum Bestseller avanciert.

Parallel werden drei Geschichten in drei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt:

Der Saatguthändler und verhinderte Wissenschaftler William lebt Mitte des 19. Jahrhunderts im ländlichen England und versucht, ein neuartiges Bienengehäuse, das den Ertrag bei der Honigernte erhöhen und für die Bienen zuträglicher sein soll, zu entwickeln.

Der amerikanische Imker George wünscht sich sehnlichst, dass sein Sohn die über Generationen im Familienbesitz befindliche Honig-Farm übernimmt. Dieser verfolgt jedoch andere Pläne, bis im Jahr 2007 ein mysteriöses Bienensterben auch seine Bienen – und somit die Existenz der Farm und die Zukunft seiner Familie bedroht.

Die dritte Erzählebene spielt in der Zukunft im Jahr 2098 an einem fiktiven Ort in China. Während in Europa und Amerika nur wenige Menschen die Auswirkungen einer weltweiten Klimakatastrophe, die mit dem Verschwinden der Bienen und Insekten einherging, überlebten, konnte Chinas Bevölkerung dem drohenden Untergang besser begegnen: Durch immensen Einsatz unzähliger Arbeitskräfte werden die Blüten an Bäumen und auf den Feldern mühselig per Hand bestäubt, damit die Menschen überhaupt Nahrung ernten können. Die körperliche Arbeit ist beschwerlich, die Lebensbedingungen sind karg. Arbeiterin Tao wünscht sich für ihren kleinen Sohn ein besseres Leben und flüchtet in ihre Gedankenwelt.

Anspruchsvoll, packend und mit geschickt verwobenen Handlungssträngen erwartet den Leser ein ungewöhnlicher Familienroman, dessen Entdeckung sich absolut lohnt!

Freuen Sie sich über viele Bienen in der Natur!

Susanne Luther-Feddersen