Lese- und Hörbuch-Tipps des Monats April – Romane

Durch Zufall lagen auf meinem großen Bücher- und Hörbuch-Stapel, der auf meine Lektüre oder mein Hören wartete, gleich drei Titel von australischen Autoren, die sehr unterschiedlich, aber alle durchaus für entspannte Stunden empfehlenswert sind.

Graeme Simsion: Der Mann, der zu träumen wagte. Aus dem australischen Englisch von Annette Hahn.

„Der Mann, der zu träumen wagte“ von Graeme Simsion

Als Buch: Fischer Krüger, Frankfurt am Main 2017.

Als Hörbuch gelesen von Johannes Steck im Argon-Verlag (http://www.argon-verlag.de/), Berlin 2017.

Am bekanntesten ist wohl seit dem „Rosie-Projekt“ und dem (etwas schwächeren) Folgeband „Der Rosie-Effekt“ der Australier Graeme Simsion. Wer allerdings eine ähnlich humorvolle und außergewöhnliche Geschichte erwartet, wird enttäuscht sein. Ohne diese Erwartung kann sich der Leser aber auf eine romantische Midlife-Liebesgeschichte einrichten. Der Protagonist Adam Sharp führt seit 20 Jahren ein angenehmes, eher unaufgeregtes Leben an der Seite von Claire. Beide arbeiten in der IT-Branche, sind kinderlos geblieben und entfernen sich allmählich in scheinbarer Gleichgültigkeit voneinander.

Ein einziges Wort, eine E-Mail von seiner großen Liebe Angelina, an die Adam trotz der lange vergangenen Zeit immer wieder denken musste, lässt ihn sein Leben und seine Entscheidungen damals und heute hinterfragen. Angelinas Kontaktversuch nach so vielen Jahren weckt in dem talentierten Klavierspieler Adam auch wieder seine Leidenschaft für Musik. Und da liegt auch eine der Stärken des sonst eher „klassisch“ umgesetzten Themas des Wiederauflebens der EINEN großen Liebe: Erinnerungen und Gefühle sind eng verknüpft mit Songs und Liedtexten, die am Ende des Buches erfreulicherweise auch aufgelistet sind.

Dass Angelina Adam in ihr Ferienhaus nach Frankreich einlädt, um mit ihr und ihrem Ehemann eine gemeinsame Woche zu verbringen, stellt die Beziehungen aller erwartungsgemäß auf die Probe.

In der Hörbuchfassung liest Johannes Steck mit unverwechselbarer, großartiger Stimme und fängt die Stimmung wunderbar ein!

 

Jane Harper: The Dry. Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.

„The dry“ von Jane Harper

Als Hörbuch gelesen von Götz Otto im Argon-Verlag (http://www.argon-verlag.de/), Berlin 2016.

Vermutet wird von den Behörden ein erweiterter Suizid aus wirtschaftlicher Not heraus. Denn als Luke Harding, seine Frau und deren 6-jähriger Sohn Billy erschossen aufgefunden werden, herrscht ein der schlimmsten Dürren der letzten Jahre in dem kleinen Städtchen Kiewarra in Australien. Die Existenznöte der Farmer sind groß, die Stimmung ist hochgradig gereizt.

Zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luke kehrt der Polizist Aaron Falk nach über zwanzig Jahren erstmals zurück in seine alte Heimat. Damals wurde eine gute Freundin von Luke und Aaron tot aufgefunden und das Alibi das die damaligen Jugendlichen sich gegenseitig gaben, war falsch. Aufgeklärt wurde das Geschehen damals nicht. Trotz der großen Anfeindungen zweifelt Aaron daran, dass sein alter Freund Luke, sich und seine Familie umgebracht hat. Auch der örtliche Sergeant Raco sucht nach Beweisen, die die Tat erklären. Misstrauen, alter Hass und die Ängste um die eigene Sicherheit brodeln in dem kleinen Ort – und der Druck auf Aaron wächst!

Die Stimme von Götz Otto nimmt sofort gefangen –  sowohl die Atmosphäre als auch die Spannung, die durch Rückblenden den Hörer auch in die Vergangenheit mitnimmt, sind in der Lesung perfekt eingefangen!

 

Antonia Hayes: Die relative Unberechenbarkeit des Glücks. Aus dem Australischen von Andrea Brandl.

„Die relative Unberechenbarkeit des Glücks“ von Antonia Hayes

Blanvalet-Verlag (siehe https://www.randomhouse.de/), München 2016.

Der zwölfjährige Ethan, der von Quantenphysik und Astronomie mehr weiß als so mancher Student aus dem Fach, ist ein ungewöhnliches Kind. Seine Mutter Claire ist seine wichtigste Bezugsperson, Freundschaften mit Gleichaltrigen sind für ihn eher schwierig. Seine Inselbegabung und eine Hirnschädigung, die er als Baby erlitten hat, machen ihn zum Außenseiter: er wird in der Schule gemobbt.

Je älter Ethan wird, desto mehr möchte er über seinen Vater Mark erfahren, den er nicht kennt.

Durch einen Brief erfährt Ethan zufällig, dass dieser sich gerade in der Stadt aufhält und er sucht den Kontakt zu ihm – ohne das Wissen seiner Mutter.

Ethans Schädigung ist die Folge eines Schütteltraumas, das Mark ausgelöst hat, als er – allein und überfeuert mit seinem Kind – das schreiende Baby nicht beruhigen konnte und heftig schüttelte. In der Folge wurde Mark angeklagt und zu einer Haftstrafe verurteilt, musste seine Familie verlassen und auch sein bisheriges Leben als Physiker aufgeben.

Die Auseinandersetzung aller Beteiligten mit den Geschehnissen und der Familiengeschichte ist durch die abwechselnde Schilderung aus Ethans, Claires und Marks Sicht mitfühlend und überzeugend geschrieben. In der Perspektive Ethans erinnert die Geschichte ein wenig auch an das „Rosie-Projekt“…

Lesen oder hören Sie selbst!

Susanne Luther-Feddersen

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Hörbuchtipp des Monats Juli

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit. Roman. Gelesen von Robert Stadlober.

Diogenes, Zürich 2016.

"Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells

„Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells

Ein besonderer Hörbuch-Tipp für den Sommer, gut geeignet für lange Autofahrten, vielleicht auf dem Weg in den Urlaub, ist die Hörbuch-Ausgabe des Spiegel-Bestsellers „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells.

Wunderbar empathisch vorgelesen vom Schauspieler Robert Stadlober wird aus Sicht des Ich-Erzählers Jules in Rückblenden seine Familiengeschichte erzählt. Jules wächst mit seinen älteren Geschwistern Marty und Liz in einem behüteten Elternhaus auf, als ihre Wege sich durch den plötzlichen Unfalltod der Eltern trennen. Zwar kommen sie alle in das gleiche Internat, aber durch den Altersunterschied in unterschiedliche Häuser verteilt, verlieren sie sich zunehmend aus den Augen. Jules, als verträumter, introvertierter Junge lernt das Mädchen Alva im Internat kennen, mit der er fortan das Interesse an Musik, Büchern und Lebensfragen von der Pubertät bis zum Erwachsenwerden in enger Freundschaft teilt. Aber nach der Schulzeit trennen sich auch ihre Wege wieder.

Schuldgefühle, das Auseinanderdriften der Geschwister und immer wieder die quälenden, sehnsüchtigen Erinnerungen an die Kindheit beschäftigen Jules. Sein Bruder wird erfolgreicher Unternehmer, die Schwester ist getrieben von Lebenshunger, nimmt Drogen und bleibt unstet, während Jules eher durchs Leben schwebt und sich nicht fest zu legen vermag.

Erst die späte Wiederbegegnung mit Alva verändert ihn und sein Leben. Dass die Familie sich wieder annähert, beginnt bereits in der glücklichen Phase, in der er und Alva zum Paar werden, die Zusammengehörigkeit der Geschwister manifestiert sich dann aber durch gemeinsam durchzustehende Schicksalsschläge.

Ein berührender Roman, mit vielen poetischen und philosophischen Gedanken, der ganz ohne Pathos auskommt. Sehr gerne empfohlen!

Susanne Luther-Feddersen

Lese- und Hörbuchtipp des Monats Februar

Jodi Picoult: Bis ans Ende der Geschichte.

Bertelsmann/Verlagsgruppe Random House, München 2015.

Als gekürzte Lesung im Hörbuch erschienen im Hörverlag, München 2015.

"Bis ans Ende der Geschichte" von Jodi Picoult

„Bis ans Ende der Geschichte“ von Jodi Picoult

Sage Singer ist eine junge Bäckerin, die – durch eine Narbe gezeichnet – sehr zurück gezogen lebt und niemanden an sich heran lässt.

Seit dem Unfalltod ihrer Mutter besucht sie eine Trauergruppe, in der sie den 90-jährigen Josef Weber kennenlernt. Zwischen den Beiden entsteht trotz des großen Altersunterschieds eine ungewöhnliche Freundschaft – bis der alte Mann ihr sein schreckliches Geheimnis offenbart und von Sage Vergebung erhofft: Ursprünglich aus Deutschland stammend entpuppt sich der höfliche, empathische Weber als ehemaliger SS-Mann, der als junger Mann in Polen unter anderem im Konzentrationslager Auschwitz eingesetzt war.

Sage hat jüdische Wurzeln und ihre Großmutter Minka stammt aus Polen. Als einzige aus ihrer Familie hat Minka den Holocaust und das Konzentrationslager Auschwitz überlebt, aber schwieg ihr ganzes Leben über ihre Vergangenheit. Erst von Sage und dem „Nazijäger“ Leo Stein lässt sie sich ihre Geschichte entlocken.

Die US-amerikanische Autorin entwickelt den Roman in drei Erzählsträngen: in der Gegenwart wird Sage und ihre Konfrontation mit der eigenen Familiengeschichte fesselnd und einfühlsam aufgebaut. In Rückblenden kommt Minka zu Wort, die über ihre Vergangenheit und schrecklichen Erlebnisse in Polen erzählt. Als junges Mädchen schrieb sie an einem Roman, der auf einer dritten Erzählebene ebenfalls Einzug in den Roman hält, denn er half Minka, das Grauen der Nazizeit zu überleben.

Sensibel werden Themen wie Trauer, Schuld und Gewissenskonflikte aufgegriffen, keine leichte Kost, aber fesselnd geschrieben und mit lebendigen Charakteren versehen.

Als Hörbuch mit fünf verschiedenen, hervorragend lesenden Sprechern kommen die verschiedenen Erzählstränge besonders gut zur Geltung  – diese gelungene Umsetzung als Lesung verdient unbedingt eine Empfehlung: Hören!

Susanne Luther-Feddersen

Hörbuchtipp des Monats Dezember

Julia Fischer: Sehnsucht auf blauem Papier. Gekürzte Autorenlesung.

Audio-Media-Verlag, München 2014.

"Sehnsucht auf blauem Papier" von Julia Fischer

„Sehnsucht auf blauem Papier“ von Julia Fischer

Die Heilpraktikerin Millicent Gruber lebt schon seit vielen Jahren allein in ihrer alten, wie verwunschen wirkenden Villa. Sie ist zufrieden, hat ihre Patienten, denen sie helfen kann, und kümmert sich regelmäßig um das Nachbarskind Marie. Seit 20 Jahren ist sie heimlich in den Arzt Paul verliebt – zwischen den beiden ist eine vertraute, platonische Freundschaft entstanden.

Als Pauls Frau bei einem Unfall stirbt und Paul in seiner Trauer depressiv zu werden droht, schreibt Milli ihm jeden Tag sehr besondere und berührende Briefe und begleitet ihn so still durch die schwere Zeit.

Dass sich für sie durch die Begegnung mit dem jüngeren, attraktiven Architekten Markus eine neue Liebe anbahnt, verwirrt Millicent. Ihr Leben, in das sie sich – ohne Paul und doch mit ihrer Liebe zu ihm – eingerichtet hat, könnte sich drastisch verändern. Aber erst als Paul seine Zelte abbrechen will, um dauerhaft nach Italien zu gehen, findet Millicent Klarheit.

Die Handlung der leisen Liebesgeschichte, die sich empathisch mit den Themen Verlust und Trauerarbeit verbindet, bleibt unaufgeregt und doch, auch getragen durch die sympathische Stimme der Autorin, fesselt die Geschichte voller Lebensweisheit, Poesie und Warmherzigkeit.

Gerne empfohlen – entweder als Hörbuch (in leicht gekürzter Version) in hoher Qualität vorgelesen von der Autorin,  die auch als Sprecherin und Schauspielerin arbeitet, oder als Buch für den Lesegenuss an langen Winterabenden.

Susanne Luther-Feddersen

Lese- und Hörbuchtipp des Monats November

Ursula Poznanski: Layers. Gelesen von Jens Wawrczeck.

Der Hörverlag, München 2015.

"Layers" von Ursula Poznanski

„Layers“ von Ursula Poznanski

Der neue Jugend-Thriller von Ursula Poznanski, die 2011 mit ihrem Cyberthriller „Erebos“ von der Jugendjury mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, erschien jetzt zeitgleich als Buch und als Hörbuch.

Jens Wawrczecks Stimme nimmt den Hörer mit auf die scheinbar ausweglose und zunächst sehr mysteriöse Flucht des Jugendlichen Dorian.

Dorian lebt schon seit längerer Zeit auf der Straße, als er eines Morgens neben einem erstochenem Obdachlosen aufwacht, mit dem er tags zuvor einen Streit hatte. Schlimme Kopfschmerzen und keine Erinnerung daran, ob er den Mann getötet haben könnte, lassen ihn in Panik geraten. Aus dieser Situation wird er von Unbekannten „gerettet“ und in die Villa eines Mannes namens Bornheim gebracht. Dort erhält Dorian Essen, Unterkunft und sogar Unterricht, muss aber im Gegenzug dafür mit weiteren Jugendlichen, die ebenfalls aus der Obdachlosigkeit in die Villa Bornheim gekommen sind, zunächst auf der Straße Flyer zu wohltätigen Organisationen verteilen, dann aber einen Spezialauftrag für Bornheim übernehmen: Es sollen ominöse „Werbegeschenke“ an Reiche und Mächtige der Stadt verteilt werden. Eine dieser geplanten Übergaben scheitert und Dorian entdeckt, was er da verteilt: Bornheim scheint mit Hilfe von Digitalen Brillen, die den Trägern virtuelle Botschaften vermitteln, eine geheime Organisation aufzubauen.

Nach dieser Entdeckung wird Dorian massiv bedroht – und so flieht er mitsamt der Brille zurück auf die Straße und versucht auf eigene Faust Bornheims Pläne zu vereiteln. Der Hörer/Leser weiß – wie Dorian – lange nicht, wem zu trauen ist und wer Freund oder Feind ist. Leider wird die Zeit der Flucht streckenweise etwas zu langatmig beschrieben, wenn Dorian durch die Straßen der Stadt streicht – das bremst in der Hörbuchversion etwas den Spannungsbogen.

Als Hörbuch ist der Thriller ungekürzt und erfordert vom Hörer Geduld und Zeit … oder lange Autofahrten, denn die Spieldauer beträgt über 12 Stunden, die sich aber lohnen. Der „Showdown“ bietet dann wieder Spannendes und auch Unerwartetes – das Ende überrascht… und wird hier natürlich nicht verraten.

Lesen- oder Hörenswert, nicht nur für Jugendliche!

Susanne Luther-Feddersen

Hörbuchtipp des Monats Januar

Lisa-Marie Dickreiter & Winfried Oelsner: Max und die wilde 7 – Das schwarze Ass. Gelesen von Simon Jäger.

Oetinger Media, Hamburg 2014.

"Max und die wilde 7 - Das schwarze Ass" von Lisa-Marie Dickreiter und Winfried Oelsner

„Max und die wilde 7 – Das schwarze Ass“ von Lisa-Marie Dickreiter und Winfried Oelsner

Der neunjährige Max hat ein neues Zuhause: das Seniorenheim Burg Geroldseck. Denn seine Mama ist Altenpflegerin und dort angestellt. Dass sich die Seniorenresidenz und die Dienstwohnung in einer echten Ritterburg befinden, ist eigentlich ziemlich cool und Max würde gerne damit bei seinen neuen Klassenkameraden punkten – aber leider lachen ihn alle aus. Die Hoffnung auf neue Freunde hat er daraufhin schon fast aufgegeben, doch als in der Burg ein Einbrecher umgeht und bei jedem Diebstahl eine Spielkarte hinterlässt, findet Max in den aufsässigen Senioren von Tisch 7 unerwartete Mit-Detektive: die Schauspielerin Vera, den ehemaligen Professor Kilian und den sportlichen Horst, der für wirklich jede Gelegenheit die passende Fußball-Metapher auf Lager hat. Gemeinsam wollen sie „das schwarze Ass“ überführen! Aus Spiel wird Ernst, als ausgerechnet Max‘ Mama unter Verdacht gerät – werden seine neuen Freunde ihm weiterhin beistehen?

Jung und Alt gemeinsam auf Spurensuche – mit dieser Idee haben Lisa-Marie Dickreiter und Winfried Oelsner in Buch- und Hörbuchform (beide bei Oetinger erschienen) einen echten Volltreffer gelandet. Simon Jäger liest den Kinderkrimi stimmgewaltig und voller Mitgefühl für Max. Da gibt es nur eins: Hinhören!

Andrea Sondermann

 

Lesetipp des Monats November – Bestseller

Volker Weidermann: Ostende. 1936, Sommer der Freundschaft.

Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014.

"Ostende" von Volker Weidermann

„Ostende“ von Volker Weidermann

Prominente Schriftsteller treffen sich im Sommer 1936 im belgischen Badeort Ostende: Stefan Zweig, Josef Roth, Egon Erwin Kisch, Ernst Toller, Irmgard Keun, Arthur Koestler und andere weniger bekannte. Sie befinden sich in einer Urlaubswelt mit bunten Badehäusern, Sonnenschirmen und einem Spielcasino. Sie sind Hitler-Gegner und haben gemeinsame Sorgen und Hoffnungen. Ihre Heimat haben sie verloren, sie werden verfolgt und ihre Bücher sind verboten. Im Mittelpunkt dieser illustren Gesellschaft steht die Freundschaft zwischen Stefan Zweig und dem ihn bewundernden jüngeren Josef Roth. Die lebenslustige Irmgard Keun ist wegen Josef Roth dabei, eine leidenschaftliche Liebe verbindet das ungleiche Paar. Es ist das letzte Zusammentreffen der Literaten in diesen dreißig Tagen. Wenig später werden sie sich in alle Himmelsrichtungen zerstreuen oder  ihrem Leben selbst ein Ende setzen.

Volker Weidermann erzählt von der Begegnung dieser Vertreter einer „verlorenen Generation“. In Briefen und anderem Quellenmaterial hat der Literaturkritiker treffende Zitate gefunden und mit den überlieferten Ereignissen montiert. So ist eine informative, feinsinnige und bewegende Erzählung entstanden, die zum Weiterlesen der – inzwischen – Klassiker aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts animiert.

Ebenfalls empfehlenswert ist das Hörbuch. Der Schauspieler Ulrich Noethen liest pointiert, so dass die besondere Atmosphäre des Exilortes spürbar wird.

 Auguste Carstensen-Lenz