Lesetipp des Monats Dezember – Jugendroman

Kasie West: PS: Ich mag dich. Aus dem Englischen von Ann Lecker.

Carlsen (https://www.carlsen.de/), Hamburg 2017.

„PS: Ich mag dich“ von Kasie West
(c) Carlsen

Chemie ist an allem schuld: Weil Lily sich im Unterricht furchtbar langweilt, kritzelt sie eine Zeile aus ihrem Lieblingslied auf den Tisch. Bei der nächsten Chemie-Stunde stellt sie überrascht fest, dass jemand die nächste Zeile daruntergeschrieben hat – mag tatsächlich irgendjemand an der Schule dieselbe Musik? Sie antwortet dem unbekannten Schreiber und schnell entspinnt sich zwischen ihnen eine Brieffreundschaft, die sich nicht mehr auf einzelne Zeilen beschränkt. Bei ihm hat Lily, die Außenseiterin, die seit 2 Jahren aus der Ferne den unerreichbar coolen Zwölftklässler Lucas anhimmelt, das Gefühl, so gemocht zu werden, wie sie wirklich ist. Ihren Namen verrät sie aber trotzdem nicht, und sie weiß auch nicht, ob sie überhaupt wissen möchte, um wen es sich bei ihrem anonymen Brieffreund handelt.

Als sie durch Zufall herausfindet, dass es ausgerechnet ihr Lieblingsfeind Cade Jennings ist, der Ex ihrer besten und einzigen Freundin Isabel, ist sie zunächst total geschockt – doch ihm nicht mehr zu schreiben, bringt sie nicht übers Herz. Allerdings soll Cade nun erst recht auf gar keinen Fall ihren Namen erfahren. Zu dumm, dass sie einander auch im richtigen Leben irgendwie immer näher kommen…

Hinreißende Liebesgeschichte zum Mitfiebern, so richtig was fürs Herz – und natürlich mit Happy End!

Andrea Sondermann

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Lesetipp des Monats Oktober – Jugendroman

Ursula Poznanski: Aquila.

Loewe (https://www.loewe-verlag.de/), Bindlach 2017.

Mit ihrem Jugendbuch-Debüt „Erebos“ landete die Wiener Autorin Ursula Poznanski gleich einen Volltreffer: Das Buch erhielt zahlreiche Auszeichnungen (wie u.a. den Deutschen Jugendliteraturpreis) und hat die Autorin sehr bekannt werden lassen.

Sie schreibt mittlerweile ebenfalls Thriller für Erwachsene, doch ihr neuester Spannungsroman richtet sich wieder an Jugendliche und spielt im italienischen Siena.

Nika lebt seit kurzem als deutsche Austauschstudentin im schönen Siena und genießt Stadt, Studentenleben und Freiheit. Doch eines Morgens wacht Nika in ihrem Zimmer in ihrer Wohngemeinschaft auf und muss feststellen, dass sie die Erinnerung an die vergangenen zwei Tage verloren hat. Und neben ihrem Gedächtnis, was diesen Zeitraum betrifft, sind ebenfalls ihr Handy, ihr Haustürschlüssel und ihr Pass verschwunden. Völlig unerklärlich bleibt für sie nicht nur, was in den letzten Tagen und Nächten geschehen ist, sondern auch, wo ihre Mitbewohnerin Jenny steckt.

Ein mysteriöser Zettel mit scheinbar zusammenhanglosen Sätzen in ihrer eigenen Handschrift und ein Schriftzug mit dem Text „Letzte Chance“ auf dem Badezimmerspiegel jagen Nika Angst ein.

Auf der Suche nach ihrer Mitbewohnerin und der Klärung der rätselhaften Ereignisse gerät Nika, die sich verfolgt glaubt, immer tiefer in ein gefährliches Geheimnis, das nach dem Fund eines toten Mädchens in einem unterirdischen Tunnelsystem der Stadt schließlich auch die Polizei auf den Plan ruft. Mit Hilfe von Stefano, den Nika scheinbar zufällig kennenlernt, sucht sie nach Antworten…

Lange bleiben die Geschehnisse im Dunkeln – erst allmählich bilden sich Zusammenhänge, was den Spannungsbogen stets hoch hält.

Ein echter „Pageturner“ für jugendliche Leser, nicht nur für verregnete Herbstferien…

Susanne Luther-Feddersen

Lesetipp des Monats Juni – Science-Fiction-Jugendroman

S.J. Kincaid: Diabolic – vom Zorn geküsst. Aus dem Amerikanischen von Ulrich Thiele.

Arena (http://www.arena-verlag.de/), Würzburg 2017.

„Diabolic“ von S.J. Kincaid
(c) Arena-Verlag

Autorin S.J. Kincaid entführt ihr Lesepublikum in eine Zukunft, in der die herrschende Elite auf gewaltigen Raumschiffen im Weltall lebt und mit Verachtung auf ihre planetenbewohnenden Untertanen herabsieht. Die Beschäftigung mit Naturwissenschaften, Forschung und Technik ist als Ketzerei verschrien, obwohl die teils maroden Maschinen des Imperiums nach und nach den Geist aufgeben. Dementsprechend umstritten ist die Erschaffung von „Diabolics“, die zwar wie Menschen aussehen, aber genetisch „optimiert“ und darauf geprägt wurden, eine einzige Person mit allen Mitteln zu beschützen. Ich-Erzählerin Nemesis ist eine solche „Diabolic“ und ihr Lebensinhalt ist Sidonia, die Tochter des Senators von Impyrean. Sidonia aber betrachtet Nemesis nicht als ihre Leibwächterin, sondern als ihre Freundin, und ist fest davon überzeugt, dass auch die tödlichen Diabolics eine Seele und Gefühle haben.

Als der Kaiser den Befehl erteilt, alle Diabolics zu töten, überlistet Sidonias Familie den Kontrolleur und lässt Nemesis am Leben, damit sie weiterhin ihre Aufgabe als Beschützerin erfüllen kann. Da der Senator durch sein Interesse an naturwissenschaftlichen Forschungen Unmut erregt hat, soll Sidonia als „Gast“ an den kaiserlichen Hof kommen. Doch an ihrer Stelle und unter ihrem Namen reist die getarnte Nemesis, der es allerdings sehr schwer fällt, einen „echten“ Menschen zu mimen und dabei allen Hofintrigen gewachsen zu sein. Unabsichtlich gewinnt sie sogar die Aufmerksamkeit des Thronfolgers: Tyrus, der angeblich wahnsinnige Neffe des Kaisers, zeigt verwirrendes Interesse an ihr. Dabei ist Liebe weder in ihren noch in seinen Plänen vorgesehen…

„Diabolic“ zieht uns in eine gar nicht so schöne neue und in ethischen Fragen teilweise erschreckend nahe Welt, aus der die Hauptfigur Nemesis von Anfang an mit faszinierender Stimme spricht. Ein wahrer Leserausch, der noch lange nachwirkt.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Mai – Fantasy-Roman

Naomi Novik: Das dunkle Herz des Waldes. Aus dem Amerikanischen von Marianne Schmidt.

cbj (Programm unter https://www.randomhouse.de/), München 2016.

„Das dunkle Herz des Waldes“ von Naomi Novik

Zusammen mit mehreren anderen kleinen Dörfern liegt der Heimatort der siebzehnjährigen Agnieszka in einem eigentlich sehr beschaulichen Tal – doch jenseits des Flusses befindet sich der Dunkle Wald, dessen böse Magie stetig versucht, sich weiter auszubreiten. Zum Glück wird das Tal vom Zauberer „Drache“ beschützt, der in einem einsamen Turm lebt. Alle zehn Jahre holt er eine Siebzehnjährige aus den Dörfern, die für ihn arbeiten soll. Diesmal wird die Wahl auf Agnieszkas beste Freundin Kasia fallen, da sind sich alle ganz sicher, denn Kasia ist schön, anmutig und tapfer. Was für ein Schock, als der „Drache“ sich widerwillig für die tollpatschige Agnieszka entscheidet! Warum bloß? Agnieszka ist fassungslos und fühlt sich im Turm des Zauberers völlig fehl am Platz – umso mehr, weil er behauptet, dass sie selbst magische Kräfte besitzt und er deshalb verpflichtet ist, sie auszubilden. Sie aber will seine Magie gar nicht lernen! Doch dann ruft ihr Dorf um Hilfe, während der „Drache“ gerade anderswo ein Ungeheuer bekämpfen muss. Todesmutig packt Agnieszka einige Elixiere des Zauberers zusammen und seilt sich aus dem Turmfenster ab, um ihre Familie, Nachbarn und Freunde zu retten…

… und dies ist nur der Anfang einer wendungsreichen, unvorhersehbaren Geschichte, die Agnieszka bis tief ins dunkle Herz des Waldes führen wird.

Autorin Naomi Novik webt ihr Buch aus einem nahezu magischen Garn, in dem die Atmosphäre osteuropäischer, undurchdringlicher Märchenwälder eingefangen ist und sich mit Intrigen und blutigen Schlachten epischer Fantasy-Romane verbindet. Sehr fesselnder Lese(sucht)stoff für Fantasy-Freunde und furchtlose Märchenfans.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats März – Jugendroman

Marci Lyn Curtis: Alles, was ich sehe. Aus dem Englischen übersetzt von Nadine Püschel.

Königskinder-Verlag (https://www.carlsen.de/koenigskinder), Hamburg 2016.

"Alles, was ich sehe" von Marci Lyn Curtis

„Alles, was ich sehe“ von Marci Lyn Curtis

Seit einer Hirnhautentzündung ist Maggie blind und kann sich nur sehr schwer in ihr neues Leben einfinden. All ihre Zukunftsvorstellungen vom Fußballstipendium fürs College und der Berufung in die Nationalmannschaft sind geplatzt, und noch viel schlimmer: nun scheint ihr jegliche Gesprächsgrundlage mit ihrer Mutter zu fehlen, die früher selbst eine hochklassige Fußballspielerin war und inzwischen als Trainerin arbeitet. Maggie fühlt sich hilflos und um ihre Träume betrogen. Als sie sich eines Tages den Kopf stößt und danach plötzlich den zehnjährigen Ben und alles in seiner unmittelbaren Umgebung sehen kann, mag sie ihren Augen kaum trauen: Wunder passieren doch nicht einfach so, oder? Zudem ist Bens älterer Bruder Mason auch noch Sänger in Maggies Lieblingsband – und hält die Siebzehnjährige prompt für eine Simulantin. Aber Bens positive Lebenseinstellung wirkt so ansteckend, dass sich in seiner Nähe nicht nur Maggies Sichtfeld, sondern ihr ganzes Leben aufhellt. Kann sie durch die Freundschaft mit ihm vielleicht sogar ein besserer Mensch werden?

„Alles, was ich sehe“ ist der erste Roman der Autorin Marci Lyn Curtis – und gleich ein Volltreffer! Sarkastisch und schnodderig lässt sie Maggie in der Ich-Form erzählen und die Leserinnen mitlachen und -leiden. Der begeisterte Lexikonleser Ben trifft nicht nur die Hauptfigur mitten ins Herz.

Und mehr wird jetzt nicht verraten.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Januar – Jugendbuch

Alwyn Hamilton: Amani – Rebellin des Sandes. Aus dem Amerikanischen von Ursula Höfker.

cbt, München 2016. (Der cbt-Verlag gehört übrigens zur Verlagsgruppe Random House und sein Programm ist dementsprechend unter https://www.randomhouse.de/ zu finden.)

"Amani - Rebellin des Sandes" von Alwyn Hamilton

„Amani – Rebellin des Sandes“ von Alwyn Hamilton

„Winter“, sagt der Kalender – hier gibt es das Kontrastprogramm: Autorin Alwyn Hamilton entführt ihre Leserinnen und Leser in eine eigenwillige, zwischen Wildem Westen und orientalischen Märchen pendelnde Wüstenlandschaft, in der gefährliche unsterbliche Geschöpfe umgehen und Frauen keine Rechte haben. Um einer Zwangsheirat mit ihrem Onkel zu entgehen, will Amani unbedingt fort aus ihrem Heimatkaff Dustwalk, aber zu ihrer unbekannten Tante in der großen Stadt ist es ein weiter Weg. Bei einem Schießwettbewerb das erforderliche Geld für die Reise zu gewinnen, klappt leider nicht – stattdessen ist Amani plötzlich nicht nur auf der Flucht vor ihrem Onkel, sondern auch vor der Armee und kämpft sich zusammen mit dem geheimnisvollen Fremden Jin durch die Wüste. Rebellion liegt in der Luft: es heißt, dass Prinz Ahmed den ihm vorenthaltenen Platz als Thronfolger des Sultans zurückzuerobern plant und Getreue um sich schart. Inmitten eines Schmelztiegels aus Geheimnissen und Gefahren steht Amani bald vor der Wahl, ob sie ihr eigenes Leben retten oder es, um andere zu schützen, aufs Spiel setzen soll…

Abenteuerlich und romantisch – dieser wilde Mix aus Western und Tausendundeiner Nacht bietet beste Unterhaltung! Und der Winter ist spätestens nach den ersten paar Seiten auch vergessen.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats September – Jugendbuch

Tamara Ireland Stone: Mit anderen Worten: ich. Aus dem Englischen von Sandra Knuffinke und Jessika Komina.

Magellan, Bamberg 2016.

"Mit anderen Worten: ich" von Tamara Ireland Stone

„Mit anderen Worten: ich“ von Tamara Ireland Stone

Gedankenspiralen, die kreisen und kreisen und nicht mehr aufhören wollen. Besessenheit von der Zahl Drei. Das Leben der sechzehnjährigen Sam wird von Zwängen beherrscht, für die sie sich schämt. Um keinen Preis dürfen ihre Freundinnen, die Clique der „Verrückten Acht“, davon jemals erfahren. Aber es ist anstrengend, tagtäglich ein schützendes Lügengebilde aufrechtzuerhalten, und Sams Therapeutin hat ihr schon mehrfach dringend geraten, sich doch vielleicht einmal andere Freunde zu suchen – damit sie endlich nicht mehr nur im Schwimm-Camp während der Sommerferien sie selbst sein kann. Die große Chance zur Veränderung tut sich auf, als Sam einen geheimen Dichterclub in ihrer Schule entdeckt. Die Wirkung des Schreibens auf ihre Zwänge ist enorm: beruhigend und befreiend wie sonst nur das Schwimmen. Aber den Schlüssel zum geheimen Dichter-Treffpunkt hütet AJ Olsen, den Sam und ihre Freundinnen vor einigen Jahren so schlimm gemobbt hatten, dass er die Schule verlassen musste… ob er ihr verzeihen kann?

„Mit anderen Worten: ich“ ist ein faszinierendes und sehr bewegendes Buch, ein tiefer Blick ins Herz einer Jugendlichen, die zu gern aus ihrer Haut möchte, aber ihren Zwängen nie vollständig entkommen kann. Die Autorin Tamara Ireland Stone wurde durch eine ähnliche Diagnose im engsten Freundeskreis zu Sams Geschichte inspiriert. Sie hat ein Werk geschaffen, das Mut macht – und ganz nebenbei auch wunderbare Einblicke in die schöpferische Kraft des kreativen Schreibens vermittelt. Da möchte man nach, aber auch schon während der Lektüre am liebsten gleich selbst zu Stift und Papier greifen (oder notfalls zur Fast-Food-Verpackung als Papierersatz, so wie es Sydney aus dem Dichterclub perfektioniert hat). Also: lesen und loslegen!

Andrea Sondermann