Filmtipp des Monats August

Da stimmt etwas nicht, denkt sich der ermittelnde Beamte, als Einbruchsopfer Alan Turing keinerlei Interesse an einer Ermittlung zeigt. Dieser Mann muss doch wohl etwas zu verbergen haben? Die Akte über seinen Kriegsdienst ist jedenfalls streng geheim. War er vielleicht ein Spion? Die Nachforschungen des hartnäckigen Detective Nock bringen mehr als nur ein einziges Geheimnis ans Licht – haben für Turing aber tragische Folgen.

Auf mehreren kunstvoll ineinander verschachtelten Zeitebenen beleuchtet der an wahre Begebenheiten angelehnte Film „The imitation game – ein streng geheimes Leben“ verschiedene Stationen im Leben des Mathematikers Alan Turing. Den größten Raum nimmt dabei die Arbeit für den britischen Geheimdienst ein, wo er während des Zweiten Weltkriegs versucht, den Verschlüsselungscode der „Enigma“-Maschine der Nazis zu knacken. Doch Turing ist nicht nur ein Genie, sondern auch ein Sonderling, dem menschliche Zwischentöne ein ewiges Rätsel bleiben. Das zeigt sich sowohl in Rückblenden auf seine traumatische Schulzeit als auch im Umgang mit seinen Kollegen beim Geheimdienst. Sein größtes Geheimnis hat allerdings mit der „Enigma“ überhaupt nichts zu tun. Aber ausgerechnet dafür wird er von der britischen Gerichtsbarkeit verurteilt; während die Frage, ob seine Taten im Krieg ihn zu einem Helden oder zu einem Monster machen, weder Detective Nock noch der Zuschauer beantworten kann.

Welche filmischen Details hundertprozentig der historischen Wahrheit entsprechen – wer weiß das schon? Doch ob „The imitation game“ nun biographisch korrekt oder sehr fiktiv ausgemalt ist: was bleibt, ist ein durchweg ausgezeichnet besetzter, emotional packender Film, der einen so schnell nicht mehr loslässt.

Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch brilliert ebenso arrogant wie verletzlich in der Rolle eines zutiefst einsamen Mannes, der letztlich an den starren Normen einer Gesellschaft zerbricht, in der er nie eine echte Chance auf Akzeptanz hatte. Und wenn Mark Strong in der Rolle seines vorgesetzten Geheimdienstoffiziers lächelnd verkündet: „Wir werden so einen schönen Krieg miteinander haben“, fröstelt es den Zuschauer bis ins Innerste.

The imitation game – ein streng geheimes Leben. USA/Großbritannien, 2014. Regie: Morten Tyldum. Darsteller: Benedict Cumberbatch (Alan Turing), Keira Knightley (Joan Clarke), Matthew Goode (Hugh Alexander), Mark Strong (Stewart Menzies) … 1 DVD (110 Min.). Ab 12 Jahren freigegeben.

Andrea Sondermann

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Film- und Lesetipp: „Sherlock“

Unfassbar, dass ich das nicht schon längst empfohlen habe: Die geniale Serie „Sherlock – eine Legende kehrt zurück„.

Über mittlerweile 3 Staffeln haben Benedict Cumberbatch als Sherlock Holmes und Martin Freeman als Dr. Watson inzwischen Kultstatus erreicht. Von den Machern der Serie (allesamt echte Holmes-Fans) in die heutige Zeit verlegt, löst der legendäre Detektiv seine Fälle im modernen London, wobei jede Staffel jeweils drei Folgen in Spielfilmlänge umfasst. Der hochintelligente, aber zwischenmenschlich schwierige Sherlock hilft, wann immer Scotland Yard nicht mehr weiter weiß – vorausgesetzt, der Fall interessiert ihn… Seine Kunst der „Deduktion“ kann der Zuschauer dank Kameraführung und schriftlich eingeblendeter Schlussfolgerungen hautnah miterleben.

Eines der bekanntesten Duos der Literatur (und Film)-Geschichte nimmt seinen Anfang, als der eigenwillige Detektiv zusammen mit dem Kriegsveteranen Dr. John Watson eine WG in der Baker Street 221b bezieht. Watson unterstützt Sherlock nicht nur fortan tatkräftig bei seiner Arbeit, sondern lässt durch die Aufzeichnung ihrer gemeinsamen Fälle in seinem Blog die ganze Welt daran teilhaben.

Bereits die erste Folge „Ein Fall von Pink“ spielt alle Stärken des Formats aus und gibt den Takt für die Serie vor: rasant, spannend, witzig und mit Anspruch. Liebe auf den ersten Blick!

Sherlock – eine Legende kehrt zurück!

Staffel 1 : Ein Fall von Pink, Der blinde Banker, Das große Spiel. Großbritannien, 2010. 2 DVDs (270 Minuten). Ab 12 Jahren freigegeben.

Staffel 2 : Ein Skandal in Belgravia, Die Hunde von Baskerville, Der Reichenbachfall. Großbritannien, 2011. 2 DVDs (270 Minuten). Ab 12 Jahren freigegeben.

Staffel 3 : Der leere Sarg, Im Zeichen der Drei, Sein letzter Schwur. Großbritannien, 2014. 2 DVDs (261 Minuten). Ab 12 Jahren freigegeben.

"Sherlock - die Fallsammlung" von Guy Adams

„Sherlock – die Fallsammlung“ von Guy Adams

Einen Rückblick auf die Fälle der ersten beiden Staffeln und Hintergründe über die Serie bietet Sherlock – die Fallsammlung (von Guy Adams, 2013 bei Riva erschienen) und enthält Dr. Watsons Fallakten, die nicht nur von Sherlock mit bissigen Kommentaren auf Post-it-Zetteln versehen sondern offensichtlich auch vom Geheimdienst überwacht werden (da sogar Sherlocks Bruder Mycroft Anmerkungen hinterlassen hat).

Empfehlenswerte Lektüre sind natürlich auch die Ursprünge des Kults: die Sherlock-Holmes-Romane und -Erzählungen von Sir Arthur Conan Doyle! Das erste gemeinsame Abenteuer von Holmes und Watson erzählt übrigens der Roman „Eine Studie in Scharlachrot“ (worauf auch der Titel der ersten „Sherlock„-Serienfolge „Ein Fall von Pink“ anspielt).

Sherlock

Schon gewusst? Sherlock Holmes kombiniert auch digital in der Onleihe zwischen den Meeren: Dort gibt es die Romane und Kurzgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle sowohl zum Lesen als auch zum Hören!

Andrea Sondermann