Lesetipp des Monats Oktober – Bilderbuch

Doro Göbel, Peter Knorr: Die Flussfahrt. Eine Wimmelbilder-Geschichte.

Beltz & Gelberg (http://www.beltz.de), Weinheim 2017.

„Die Flussfahrt“ von Doro Göbel und Peter Knorr
(c) Beltz & Gelberg

Käpt’n Kate und ihre Mannschaft machen mit einer bunten Mischung von Passagieren einen Tagesausflug auf der MS Luise. Ganz ohne Text, nur in herrlich detailreichen wimmeligen Zeichnungen, in denen sich neben der aufregenden Fahrt mitsamt einem Waschbären als blindem Passagier noch unzählige weitere kleine und große Geschichten verbergen: zum Beispiel die Reinigungsfirma, die ihrem ausgebüchsten Maskottchen nachjagt, ein übermütiger Motorbootfahrer, eine clevere Geschäftsidee nach einem Tomaten-Unfall und eine Flaschenpost, die schließlich ans Ziel kommt, entwickeln sich über mehrere Seiten hinweg. Für andere kleine Geschichten reicht schon ein einziges Bild (mein Favorit: die beiden Kinder, die beim Urlaub auf dem Bauernhof ein Schlammbad in der Schweinesuhle nehmen).

Auch nach mehrmaligem Anschauen lässt sich noch immer Neues und Überraschendes im Buch entdecken, so dass beim Betrachten richtige Schatzsucher-Stimmung aufkommt. Eigentlich schade, dass die Flussfahrt am Abend schon zu Ende ist …

Doro Göbel und Peter Knorr haben sich mit ihrem preisverdächtigen neuen Wimmelbuch wieder einmal selbst übertroffen: Bei dieser genialen Schiffsreise gehen Jung und Alt gern mit an Bord!

Andrea Sondermann

 

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Lesetipp des Monats April – Bilderbuch

Oliver Jeffers, Sam Winston: Wo die Geschichten wohnen. Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit.

Mixtvision (https://mixtvision.de/), München 2016.

„Wo die Geschichten wohnen“ von Oliver Jeffers und Sam Winston

Der neueste Streich von Oliver Jeffers, dem wir unter anderem auch die hinreißende Freundschafts-Geschichte „Pinguin gefunden“ verdanken, macht mit dem verschlossenen Buch auf dem Cover schon auf den ersten Blick alle Leseratten neugierig. Gemeinsam mit Sam Winston entführt Jeffers sein Publikum in ein Reich aus Wörtermeeren, Märchenbergen, Zauberwäldern und verwunschenen Schlössern, die allesamt aus Büchern und Geschichten bestehen. Ein fantasiebegabtes Mädchen sucht darin einen Reisegefährten und findet einen Jungen, der nach anfänglicher Skepsis mit ihr im Kaninchenloch aus „Alice im Wunderland“ verschwindet. Gemeinsam erleben sie nun die wunderbarsten Abenteuer und bauen sich eine Welt aus Geschichten, in der jeder willkommen ist. Und die allerletzte Seite verrät dann auch, mit welchem Schlüssel sich die (Buch-)Tür dorthin öffnen lässt.

Eine zauberhafte Liebeserklärung an das Lesen – und an alle Bücher, die kleine Skeptiker das Lesen lieben gelehrt haben.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Oktober – Bilderbücher

Zwei ebenso unterschiedliche wie außergewöhnliche Bilderbücher sind meine Lesetipps für diesen Monat:

Francesca Sanna: Die Flucht. Aus dem Englischen von Thomas Bodmer.

NordSüd, Zürich 2016.

"Die Flucht" von Francesca Sanna

„Die Flucht“ von Francesca Sanna

Das Bilderbuchdebüt von Francesca Sanna ist poetisch und zeitlos, aber zugleich trotz aller Zeitlosigkeit von trauriger Aktualität. Es erzählt aus der Sicht eines namenlosen Kindes (auch ob Junge oder Mädchen bleibt unerwähnt) von der Flucht einer Familie aus Kriegsgebiet und der stetigen Hoffnung auf ein neues Zuhause – doch ob dieses Ziel erreicht wird, bleibt ungewiss. Die eindrucksvollen Bilder verraten dabei oft mehr als die kurzen Sätze der Geschichte. So wird die Familie an der Grenze von einem übellaunigen Giganten mit scharfen Zähnen zurückgewiesen und im Schutz der Dunkelheit von einem unheimlichen Schleuser mit katzenhaften Augen und riesigen Händen doch noch über die Mauer gehoben. Bedrückend und beeindruckend. Bildgewaltiger Augenschmaus zum Nachdenken.

 

Sigrid Eyb-Green: Die Sonnenschaukel.

Jungbrunnen, Wien 2016.

Ebenfalls poetisch, aber weitaus fröhlicher kommt „Die Sonnenschaukel“ von Sigrid Eyb-Green daher. In Gestalt von vier Zwerginnen wandern Frühling, Sommer, Herbst und Winter in teils überraschenden, teils rätselhaften Wortbildern durchs (Garten-)Jahr. Heitere Reime und tiefgründiger Inhalt halten sich die Waage und lassen ihre (Vor-)Leser nachhaltig verzaubert zurück. Ein echter Gedichtschatz, nach dem sich die Suche im Bilderbuchtrog auf jeden Fall lohnt!

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Juli – Bilderbuch

Rachel Bright, Jim Field: Der Löwe in dir. Aus dem Englischen übersetzt von Pia Jüngert.

Magellan, Bamberg 2016.

"Der Löwe in dir" von Rachel Bright und Jim Field

„Der Löwe in dir“ von Rachel Bright und Jim Field

Nein, es ist nicht schön, so klein und ängstlich zu sein wie die Maus und immer von allen übersehen zu werden. Viel lieber wäre sie ein bisschen mehr wie der Löwe. Vielleicht hilft es, wenn sie das Brüllen lernt – aber von wem? Das muss ihr doch wohl der Meister persönlich beibringen! Also nimmt sie all ihren Mut zusammen und macht sich auf den Weg, um ihn zu fragen.

Tapfer, tapfer! Wer hätte geahnt, welche Überraschung auf sie wartet … und dass die Erkenntnis am Ende natürlich nur lauten kann: „Jeder von uns ist mal Löwe, mal Maus.“

Frech gedichtet von Rachel Bright (und auch in Reimen übersetzt!) entspinnt sich eine kleine feine Geschichte über Angst und Mut, über Freundschaft und darüber, dass in den Kleinsten oft mehr steckt als man denkt und dass auch der Stärkste sich mal fürchten darf. Eine wohltuende Botschaft, rundum gelungen verpackt: die herrlichen Zeichnungen von Jim Field (siehe Buchcover) bringen die Gefühlslage der Protagonisten gekonnt auf den Punkt.

Andrea Sondermann

 

Lesetipp des Monats November – Bilderbuch

David Wiesner: Herr Schnuffels. Aus dem Englischen übersetzt von Paula Hagemeier.

Aladin, Hamburg 2014.

"Herr Schnuffels" von David Wiesner

„Herr Schnuffels“ von David Wiesner

Der diesjährige Deutsche Jugendliteraturpreis in der Sparte „Bilderbuch“ geht an eine Geschichte, die fast ohne Worte auskommt: Der gelangweilte Kater „Herr Schnuffels“ wird aus seinem Alltag aufgeschreckt, als plötzlich ein klitzekleines Ufo in seinem Wohnzimmer bruchlandet. Die winzigen Außerirdischen wecken den Jagdinstinkt des schwarz-weißen Stubentigers und müssen um ihr Leben rennen, verzweifelt auf der Suche nach Ersatzteilen, um ihr Raumschiff zu reparieren. In freundlichen Einheimischen (z.B. den Ameisen hinter der Wand) finden sie zum Glück tapfere Helfer und Verbündete. Gegen den gemeinsamen Gegner klappt die Völkerverständigung, obwohl die Außerirdischen in einer völlig unbekannten Sprache parlieren. Sogar ein Ersatzteil für das defekte Ufo lässt sich auftreiben! Und wenn am Ende die kleinen Weltraumbummler erleichtert davondüsen, kann der Leser den genervten Blick von Herrn Schnuffels angesichts seines neuen Spielzeugs (ja, was mag das wohl sein?) nur allzu gut verstehen.

David Wiesner erzählt die humorvolle Mischung aus Science Fiction und Tagtraum aus wechselnden Perspektiven und in Bildfolgen wie einen Comic. Liebevoll gespickt mit witzigen Details (die Wandmalereien, die spätere Verehrung des außerirdischen „Artefakts“ etc.) und trotz der schrägen Handlung rundum überzeugend!

Andrea Sondermann

Gegen welche Konkurrenz sich „Herr Schnuffels“ in der „Bilderbuch“-Sparte durchsetzen konnte und welche Bücher dieses Jahr sonst noch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert waren, lässt sich bis Ende November bei unserer Buchausstellung im Erdgeschoss herausfinden. Direkt nebenan lädt eine Buchauswahl der Autorinnen und Autoren, die während der diesjährigen Kinder- und Jugendbuchwochen in Husum zu Gast sind, zum Stöbern und Entdecken ein.

Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?

Beste Freunde kann nichts trennen – oder?

Nulli und Priesemut heißen die kleinen Bilderbuchhelden von Autor Matthias Sodtke. Am Sonnabend, d. 15. November, spielen die beiden in der Stadtbibliothek Husum eine große Rolle:

 

"Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?" von Matthias Sodtke

„Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?“ von Matthias Sodtke

Hase Nulli und Frosch Priesemut sind allerbeste Freunde und machen fast alles gemeinsam. Aber sie haben sehr unterschiedliche Essgewohnheiten – lässt sich daran vielleicht etwas ändern?

BuehneBumm: "Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?"

BuehneBumm: „Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?“

Die Antwort darauf können Kinder ab 3 Jahren um 15.30 Uhr erfahren, wenn BuehneBumm im Dachgeschoss der Stadtbibliothek mit dem fröhlichen Bewegungstheaterstück „Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?“ zum Mitmachen einlädt.

Eintrittskarten sind zum Preis von einem Euro für Kinder und zwei Euro für Erwachsene in der Bibliothek erhältlich.

Diese Veranstaltung findet im Rahmen der 31. landesweiten Kinder- und Jugendbuchwochen statt und wird in Husum von der Nord-Ostsee-Sparkasse unterstützt.

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Lesetipp des Monats Oktober – Lilli L’Arronge

Außergewöhnliche Bilderbücher sind von Lilli L’Arronge im Verlagshaus Jacoby & Stuart erschienen, liebevoll ersonnen und illustriert, jedes ein kleines Kunstwerk für sich, das sich zu entdecken lohnt:

"Chaos in Bad Berleburg" von Lilli L'Arronge

„Chaos in Bad Berleburg“ von Lilli L’Arronge

Chaos in Bad Berleburg (2010) erzählt von einer Bananenschale, die der kleine Hubert achtlos auf den Bürgersteig fallen lässt. Was da alles passieren kann! Seine ältere Schwester Lotta malt ihm die folgenden Kettenreaktionen in den leuchtendsten Farben aus: jemand rutscht auf der Bananenschale aus und versucht sich an einer Leiter festzuhalten, der darauf abgestellte Eimer stülpt sich über den Kopf eines Radfahrers, der nun blind weiterfährt, während die Bananenschale bereits mitten im Gesicht des nächsten Passanten landet… am Ende steht die ganze Stadt Kopf, es herrscht pure Anarchie, und sogar Supermann muss helfend eingreifen! Doch es ist ein fröhliches Chaos, das sich hier entspinnt, und viele kleine Geschichten lassen sich in den immer „wimmeligeren“ Bildern entdecken. Fast schade, dass Lotta sich das alles nur ausgedacht hat – aber die Bananenschale liegt noch immer auf dem Bürgersteig…

"Wunschkind" von Lilli L'Arronge

„Wunschkind“ von Lilli L’Arronge

Nach dieser lustigen Wimmelgeschichte schlägt die Autorin in Wunschkind  (2012) eine ganz andere Seite auf: das Eichhörnchen und das Rotkehlchen möchten gemeinsam eine Familie gründen. Also bauen sie ein Nest, denn dann werden doch irgendwann Eier drinliegen, oder? So einfach geht das wohl nicht, ahnen vorlesende Erwachsene, aber denkste: eines Tages liegt tatsächlich ein Ei im Nest. Begeistert fangen Eichhörnchen und Rotkehlchen an zu brüten, auch wenn das Ei größer ist als sie beide zusammen. Woher das Ei eigentlich gekommen ist und wem der Nachwuchs dann ähnlich sehen wird, interessiert dabei überhaupt nicht (oder wieder nur die Vorlesenden, deren Verdacht am Ende des Buches bestätigt wird). So wird ein im Grunde lieblos abgelegtes Ei überglücklich umhegt und ein echtes „Wunschkind“ für seine neue Familie!

"Ich groß du klein" von Lilli L'Arronge

„Ich groß du klein“ von Lilli L’Arronge

Das dritte Bilderbuch ich groß – du klein (2014) unterscheidet sich wieder erheblich von seinen Vorgängern: hier dreht sich alles um ein großes Wiesel und sein kleines Wieselkind. In Bildpaaren und Reimen gestaltet sich ihr ganz normaler Eltern-Kind-Alltag zwischen Küche, Garten und Urlaub, vom Essen, Einkaufen, Spielen, Streiten und Träumen immer wieder überraschend und dabei doch sicherlich allen Eltern und Kindern bestens vertraut. Und wenn die Geschichte in fröhlichem Gegensatz zum Buchtitel mit „Du groß – ich klein, du mein – ich dein“ endet, so können alle begeisterten Leser auf der letzten Seite nur zustimmen „so soll das sein“!

Was kommt von Lilli L’Arronge als nächstes? Wir dürfen gespannt sein!

Andrea Sondermann