Kulturnacht

Das Programm zur Husumer Kulturnacht am 1. Juli 2017 in der Stadtbibliothek Husum:

 

19.00 Uhr bis 23.00 Uhr:

Kalligraphie – die Kunst des schönen Schreibens: Die Kalligraphin Karina Reck präsentiert historische Handschriften aus den letzten Jahrhunderten. Eigenes Ausprobieren ist möglich!

 

20.00 Uhr/21.30 Uhr: Lesung

(c) Constanze Wilken

„Das Erbe von Carreg Cottage“ – Constanze Wilken lädt zu einer literarischen Reise nach Wales ein: Die Autorin liest aus ihrem neuen Roman, erzählt von Land und Leuten und zeigt Bilder der Schauplätze.

(Dauer: jeweils etwa 35 Minuten)

 

 

 

19.15 Uhr/20.45 Uhr/22.30 Uhr: Musik

(c) Susanne Mohr

Amariszi – Das Ensemble der Theodor-Storm-Schule spielt südosteuropäische Folklore und singt dazu in den Originalsprachen, z.B. bulgarisch, mazedonisch und jiddisch.

(Dauer: jeweils 30 Minuten)

 

 

 

Laufende Ausstellung:Atem des Meeres“ von Karl-Heinz Morscheck

Bewirtung: Kaffee, Saft und Selters, Laugengebäck

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Lesetipp des Monats Mai – Fantasy-Roman

Naomi Novik: Das dunkle Herz des Waldes. Aus dem Amerikanischen von Marianne Schmidt.

cbj (Programm unter https://www.randomhouse.de/), München 2016.

„Das dunkle Herz des Waldes“ von Naomi Novik

Zusammen mit mehreren anderen kleinen Dörfern liegt der Heimatort der siebzehnjährigen Agnieszka in einem eigentlich sehr beschaulichen Tal – doch jenseits des Flusses befindet sich der Dunkle Wald, dessen böse Magie stetig versucht, sich weiter auszubreiten. Zum Glück wird das Tal vom Zauberer „Drache“ beschützt, der in einem einsamen Turm lebt. Alle zehn Jahre holt er eine Siebzehnjährige aus den Dörfern, die für ihn arbeiten soll. Diesmal wird die Wahl auf Agnieszkas beste Freundin Kasia fallen, da sind sich alle ganz sicher, denn Kasia ist schön, anmutig und tapfer. Was für ein Schock, als der „Drache“ sich widerwillig für die tollpatschige Agnieszka entscheidet! Warum bloß? Agnieszka ist fassungslos und fühlt sich im Turm des Zauberers völlig fehl am Platz – umso mehr, weil er behauptet, dass sie selbst magische Kräfte besitzt und er deshalb verpflichtet ist, sie auszubilden. Sie aber will seine Magie gar nicht lernen! Doch dann ruft ihr Dorf um Hilfe, während der „Drache“ gerade anderswo ein Ungeheuer bekämpfen muss. Todesmutig packt Agnieszka einige Elixiere des Zauberers zusammen und seilt sich aus dem Turmfenster ab, um ihre Familie, Nachbarn und Freunde zu retten…

… und dies ist nur der Anfang einer wendungsreichen, unvorhersehbaren Geschichte, die Agnieszka bis tief ins dunkle Herz des Waldes führen wird.

Autorin Naomi Novik webt ihr Buch aus einem nahezu magischen Garn, in dem die Atmosphäre osteuropäischer, undurchdringlicher Märchenwälder eingefangen ist und sich mit Intrigen und blutigen Schlachten epischer Fantasy-Romane verbindet. Sehr fesselnder Lese(sucht)stoff für Fantasy-Freunde und furchtlose Märchenfans.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Oktober – Roman

Peter Stamm: Weit über das Land. Roman.

S. Fischer, Frankfurt am Main 2016.

"Weit über das Land" von Peter Stamm

„Weit über das Land“ von Peter Stamm

Gerade sind Thomas und Astrid mit ihren Kindern aus einem schönen Urlaub im Süden zurückgekehrt, der wohlgeordnete Alltag kann wieder beginnen. Aus dieser scheinbaren Harmonie bricht Thomas aus. Nur mit wenigen Dingen – Zigaretten, Schlüsselbund mit Taschenlampe, Messer, Zahnseide, Feuerzeug, Taschentuch – verlässt er wortlos das Haus. Unerkannt bewegt er sich zunächst auf Wanderwegen in der Schweizer Bergwelt, schlägt sich durch bis ins Hochgebirge und lebt von einfachen Jobs bei Gastwirten und Bauern. Seine Frau glaubt anfangs nicht an ein Verschwinden, beruhigt die Kinder und den Arbeitgeber. Sie verharrt im Haus, lebt ihr bisheriges Leben und will keine Veränderung. Die Bemühungen der Polizei sind ihr keine Hilfe („ein erwachsener Mensch hat das Recht, unterzutauchen, sagte der Polizist“). Doch auch sie begibt sich nur halbherzig auf seine Spur und gibt schnell auf. Die Polizei stellt ihre Suche ein, als sie von Thomas Spuren von einem Absturz in eine Felsspalte entdeckt. Dennoch ist sich Astrid sicher, dass Thomas noch lebt.

Warum wollte er das alte Leben ablegen, was war seine Motivation? Der Leser erfährt, dass ihm hin und wieder Erinnerungen an das frühere Leben kommen. Beruflich tätig in der Finanzberatung sah er für sich keinen Lebenssinn mehr. Seine Kunden, kleine Gewerbetreibende, stellten sich nicht die Frage „worum es wirklich ging“; dennoch wusste Thomas nicht, „ob er sie dafür bewundern oder verachten“ sollte.

Der Schweizer Autor, ein Meister der leisen Dramatik, erzählt abwechselnd von der Situation des Mannes und der Frau. In seinen feinen Beobachtungen wird deutlich, dass Astrid vor der Ehe durchaus ein Eigenleben pflegte, das kaum zu ihrer jetzigen Lage als hilflose Frau passt. Der Autor lässt lange in der Schwebe, ob Thomas wiederkehrt.

Ein wunderbares Buch, in einer ruhigen Sprache und mit Raffinesse geschrieben.

Auguste Carstensen-Lenz

Das Geschriebene ist die Verkörperung eines Gedanken

Ausstellungsplakat SmarslyVom 8. August bis zum 29. Oktober zeigt die Stadtbibliothek Husum Druckgrafiken in der neuen Ausstellung „Das Geschriebene ist die Verkörperung eines Gedanken“: Dichter-Porträts von Joachim Smarsly. Der Künstler setzt für seine Porträts Fotos, Texte und grafische Elemente zusammen.

Am 3. September, unserem Tag der offenen Tür, verbindet Joachim Smarsly ab 15.30 Uhr die Lesungen durch Hans-Peter Bögel mit seinen Werken. Interessierte sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

Lesetipp des Monats Juli – Roman

Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut. Roman.

Hanser, München 2016.

"Das Mädchen mit dem Fingerhut" von Michael Köhlmeier

„Das Mädchen mit dem Fingerhut“ von Michael Köhlmeier

Ein sechsjähriges Mädchen wird von seinem Onkel zum Betteln in die Stadt geschickt. In einem Laden gibt man ihm zu essen und zu trinken, es wärmt sich auf, bleibt aber stumm. Abends wird es abgeholt, so geht es tagelang. Als ein Ladenbesitzer die Polizei rufen will, brüllt es laut, denn man hat ihm beigebracht, beim Wort „Polizei“ laut zu schreien. Eines Tages ist der Onkel verschwunden und das Mädchen ist ganz auf sich gestellt. Es ernährt sich von Abfällen und schläft im Müllcontainer. Schließlich wird es aufgegriffen und kommt in ein Heim, bleibt auch dort stumm. Mit zwei Jungen flieht es, einer von ihnen spricht seine Sprache. Zu dritt schlagen sie sich durch und wärmen sich zeitweilig in einem Gewächshaus. Die mysteriöse Besitzerin des Grundstücks hat Mitleid mit dem erkrankten Mädchen, möchte es erziehen und sperrt es ein. Darauf kommt es zu einer schrecklichen Tat.

Ein schmales Buch, dessen Titel ein Märchen vermuten lässt. Der Inhalt ist sehr realistisch. Orte werden nicht genannt, aber die Großstadt und die Landschaft befinden sich irgendwo in Westeuropa. Man ahnt, dass es sich bei der Hauptfigur vermutlich um ein unbegleitetes Flüchtlingskind handelt. Die karge Sprache des Autors verstärkt noch die Intensität der Atmosphäre. Ein berührendes Buch, dem man viele Leser wünscht.

Auguste Carstensen-Lenz

Lesestart

Am 3. November ist es wieder so weit: Wie bereits im vergangenen Jahr geht die Stadtbibliothek auf Tour und besucht alle Husumer Kindergärten, um dort die gelben „Lesestart“-Taschen als Geschenke für alle dreijährigen Kinder vorbeizubringen.

(c) Stiftung Lesen / BMBF / Markus Lutz

(c) Stiftung Lesen / BMBF / Markus Lutz

„Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“ ist ein dreistufiges Programm zur Sprach- und Leseförderung, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und von der Stiftung Lesen durchgeführt wird. Es soll dazu beitragen, das Vorlesen und Erzählen im Familienalltag zu verankern und die Kinder auch zum Selberlesen zu motivieren. Die Taschen für die Dreijährigen enthalten das „Lesestart-Set II“: ein altersgerechtes Buch für jedes Kind und viele Informationen rund ums Thema „Vorlesen“ für die Eltern.

Als Zugabe für die Husumer darf die Einladung zum „Husumer Lesespaß“ natürlich nicht fehlen: Jeden Dienstag sind die ehrenamtlichen Vorleser/innen der Altenbegegnungsstätte Husum St. Marien im Einsatz und lesen im Dachgeschoss der Stadtbibliothek von 15.30 bis 16.15 Uhr für Kinder von 3 bis 6 Jahren vor.

Mehr zu den drei Meilensteinen für das Lesen steht unter www.lesestart.de.

Lesestart_Meilensteine

Lesetipp des Monats September – Roman

Moritz Rinke: Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel. Roman.

Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010.

"Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel" von Moritz Rinke

„Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel“ von Moritz Rinke

Der zunächst als Dramatiker bekannt gewordene Autor siedelt seinen ersten Roman in Worpswede an, wo er selbst in einer Künstlerfamilie aufwuchs. Er konstruiert eine Familiengeschichte aus der Sicht des Nachkommen Paul Wendland, der von seiner Hippie-Mutter beauftragt wird, das geschichtsträchtige Elternhaus vor dem Einsinken ins Moor zu retten. Da dieser als erfolgloser Galerist in Berlin kaum ein Auskommen hat, kehrt er in das berühmt gewordene Dorf zurück, um die Aufgabe zu erledigen. Hier arbeitete sein Großvater Kück an lebensgroßen Bronzestatuen von Luther bis zu Max Schmeling und Ringo Starr. Der berühmte Bildhauer überstand die Nazizeit unbeschadet, so die Annahme des Enkels. Doch dann werden bei den Sanierungsarbeiten eine Leiche und die Skulptur des Reichsbauernführers gefunden. Für Paul beginnt die Vergangenheitsbewältigung. Dunkle Familiengeheimnisse und Generationenkonflikte, in die die Bewohner der Künstlerkolonie verstrickt waren, tauchen nun ins Licht. Die historischen Gestalten spielen dabei ihre eigene Rolle.

Ein vergnüglicher Roman mit tragikomischen Elementen und skurrilen Figuren. Eine originelle Idee, mit dem Worpswede-Klischee zu spielen, zudem spannend geschrieben.

Auguste Carstensen-Lenz