Lesetipp des Monats Dezember – Jugendroman

Kasie West: PS: Ich mag dich. Aus dem Englischen von Ann Lecker.

Carlsen (https://www.carlsen.de/), Hamburg 2017.

„PS: Ich mag dich“ von Kasie West
(c) Carlsen

Chemie ist an allem schuld: Weil Lily sich im Unterricht furchtbar langweilt, kritzelt sie eine Zeile aus ihrem Lieblingslied auf den Tisch. Bei der nächsten Chemie-Stunde stellt sie überrascht fest, dass jemand die nächste Zeile daruntergeschrieben hat – mag tatsächlich irgendjemand an der Schule dieselbe Musik? Sie antwortet dem unbekannten Schreiber und schnell entspinnt sich zwischen ihnen eine Brieffreundschaft, die sich nicht mehr auf einzelne Zeilen beschränkt. Bei ihm hat Lily, die Außenseiterin, die seit 2 Jahren aus der Ferne den unerreichbar coolen Zwölftklässler Lucas anhimmelt, das Gefühl, so gemocht zu werden, wie sie wirklich ist. Ihren Namen verrät sie aber trotzdem nicht, und sie weiß auch nicht, ob sie überhaupt wissen möchte, um wen es sich bei ihrem anonymen Brieffreund handelt.

Als sie durch Zufall herausfindet, dass es ausgerechnet ihr Lieblingsfeind Cade Jennings ist, der Ex ihrer besten und einzigen Freundin Isabel, ist sie zunächst total geschockt – doch ihm nicht mehr zu schreiben, bringt sie nicht übers Herz. Allerdings soll Cade nun erst recht auf gar keinen Fall ihren Namen erfahren. Zu dumm, dass sie einander auch im richtigen Leben irgendwie immer näher kommen…

Hinreißende Liebesgeschichte zum Mitfiebern, so richtig was fürs Herz – und natürlich mit Happy End!

Andrea Sondermann

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Lesetipp des Monats März – Jugendroman

Marci Lyn Curtis: Alles, was ich sehe. Aus dem Englischen übersetzt von Nadine Püschel.

Königskinder-Verlag (https://www.carlsen.de/koenigskinder), Hamburg 2016.

"Alles, was ich sehe" von Marci Lyn Curtis

„Alles, was ich sehe“ von Marci Lyn Curtis

Seit einer Hirnhautentzündung ist Maggie blind und kann sich nur sehr schwer in ihr neues Leben einfinden. All ihre Zukunftsvorstellungen vom Fußballstipendium fürs College und der Berufung in die Nationalmannschaft sind geplatzt, und noch viel schlimmer: nun scheint ihr jegliche Gesprächsgrundlage mit ihrer Mutter zu fehlen, die früher selbst eine hochklassige Fußballspielerin war und inzwischen als Trainerin arbeitet. Maggie fühlt sich hilflos und um ihre Träume betrogen. Als sie sich eines Tages den Kopf stößt und danach plötzlich den zehnjährigen Ben und alles in seiner unmittelbaren Umgebung sehen kann, mag sie ihren Augen kaum trauen: Wunder passieren doch nicht einfach so, oder? Zudem ist Bens älterer Bruder Mason auch noch Sänger in Maggies Lieblingsband – und hält die Siebzehnjährige prompt für eine Simulantin. Aber Bens positive Lebenseinstellung wirkt so ansteckend, dass sich in seiner Nähe nicht nur Maggies Sichtfeld, sondern ihr ganzes Leben aufhellt. Kann sie durch die Freundschaft mit ihm vielleicht sogar ein besserer Mensch werden?

„Alles, was ich sehe“ ist der erste Roman der Autorin Marci Lyn Curtis – und gleich ein Volltreffer! Sarkastisch und schnodderig lässt sie Maggie in der Ich-Form erzählen und die Leserinnen mitlachen und -leiden. Der begeisterte Lexikonleser Ben trifft nicht nur die Hauptfigur mitten ins Herz.

Und mehr wird jetzt nicht verraten.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Januar – Roman

Anne-Laure Bondoux, Jean-Claude Mourlevat: Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben. Roman. Aus dem Französischen von Ina Kronenberger.

Deuticke, Wien 2016. (Das Programm des Deuticke-Verlags ist unter https://www.hanser-literaturverlage.de/ zu finden.)

"Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben" von Anne-Laure Bondoux und Jean-Claude Mourlevat

„Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben“ von Anne-Laure Bondoux und Jean-Claude Mourlevat

Nach dem schon einige Jahre zurückliegenden Erfolg des E-Mail-Romans „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer, der viele begeisterte Leserinnen fand, staune ich doch sehr, dass mich noch einmal ein ähnlich konzipierter Roman so begeistern konnte.

Aber in „Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben“ entwickelt  sich eine französische Liebesgeschichte voller Sprachwitz, Eleganz und Emotionen mit einigen Verwicklungen.

Der 60-Jährige, berühmte Schriftsteller Pierre-Marie Sotto erhält per Post einen dicken Umschlag, in dem er ein unverlangt zugesandtes Manuskript vermutet, welches er ungeöffnet schnellstmöglich wieder an die Absenderin zurück schicken möchte.

Diese hat jedoch als Absender nur ihren Namen (Adeline) sowie ihre E-Mail-Adresse hinterlassen. So entwickelt sich zwischen Pierre-Marie und Adeline, die sich selbst als dick, groß und brünett beschreibt, ein lebhafter und intensiver Mail-Austausch, in dem die beiden sich rasch näherkommen. Pierre, dem als Schriftsteller schon seit einiger Zeit nichts mehr einfällt, ist fasziniert von der Direktheit Adelines und ihrer Sprache, wenn sie ihm von misslungenen Verabredungen und ihrem (Liebes-)Leben berichtet, während auch er sich ihr in seinen Antworten zunehmend öffnet. Diese Mails werden von Tag zu Tag für beide wichtiger, die Vertrautheit wächst  – und natürlich entsteht bald die Frage, ob die beiden sich persönlich begegnen sollten. Das dicke, ungeöffnete Kuvert enthält jedoch noch eine tiefere Geschichte und wirkliche Überraschungen, nicht zuletzt für den Leser.

Lassen Sie sich auf diese unterhaltsame und faszinierende Liebesgeschichte ein – es lohnt sich.

Susanne Luther-Feddersen

Lesetipp des Monats September – Jugendbuch

Tamara Ireland Stone: Mit anderen Worten: ich. Aus dem Englischen von Sandra Knuffinke und Jessika Komina.

Magellan, Bamberg 2016.

"Mit anderen Worten: ich" von Tamara Ireland Stone

„Mit anderen Worten: ich“ von Tamara Ireland Stone

Gedankenspiralen, die kreisen und kreisen und nicht mehr aufhören wollen. Besessenheit von der Zahl Drei. Das Leben der sechzehnjährigen Sam wird von Zwängen beherrscht, für die sie sich schämt. Um keinen Preis dürfen ihre Freundinnen, die Clique der „Verrückten Acht“, davon jemals erfahren. Aber es ist anstrengend, tagtäglich ein schützendes Lügengebilde aufrechtzuerhalten, und Sams Therapeutin hat ihr schon mehrfach dringend geraten, sich doch vielleicht einmal andere Freunde zu suchen – damit sie endlich nicht mehr nur im Schwimm-Camp während der Sommerferien sie selbst sein kann. Die große Chance zur Veränderung tut sich auf, als Sam einen geheimen Dichterclub in ihrer Schule entdeckt. Die Wirkung des Schreibens auf ihre Zwänge ist enorm: beruhigend und befreiend wie sonst nur das Schwimmen. Aber den Schlüssel zum geheimen Dichter-Treffpunkt hütet AJ Olsen, den Sam und ihre Freundinnen vor einigen Jahren so schlimm gemobbt hatten, dass er die Schule verlassen musste… ob er ihr verzeihen kann?

„Mit anderen Worten: ich“ ist ein faszinierendes und sehr bewegendes Buch, ein tiefer Blick ins Herz einer Jugendlichen, die zu gern aus ihrer Haut möchte, aber ihren Zwängen nie vollständig entkommen kann. Die Autorin Tamara Ireland Stone wurde durch eine ähnliche Diagnose im engsten Freundeskreis zu Sams Geschichte inspiriert. Sie hat ein Werk geschaffen, das Mut macht – und ganz nebenbei auch wunderbare Einblicke in die schöpferische Kraft des kreativen Schreibens vermittelt. Da möchte man nach, aber auch schon während der Lektüre am liebsten gleich selbst zu Stift und Papier greifen (oder notfalls zur Fast-Food-Verpackung als Papierersatz, so wie es Sydney aus dem Dichterclub perfektioniert hat). Also: lesen und loslegen!

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats März – Jugendroman

Meg Rosoff: Was ich weiß von dir. Roman. Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit.

Fischer KJB, Frankfurt am Main 2014.

"Was ich weiß von dir" von Meg Rosoff

„Was ich weiß von dir“ von Meg Rosoff

In den Osterferien tritt Mila, ein sehr kluges und feinsinniges zwölfjähriges Mädchen, gemeinsam mit ihrem Vater eine Reise in die USA an. Ursprünglich wollten die beiden den Freund des Vaters aus Kindheitstagen besuchen. Doch dieser ist kurz vor dem verabredeten Besuch spurlos verschwunden und hat Frau, Baby und Hund zurück gelassen. Da die Polizei das unerklärliche Verschwinden nicht als mögliches Verbrechen einstuft, beschließen Mila und ihr Vater, sich in Begleitung des Hundes auf die Suche nach Matt zu begeben. So beginnt – erzählt aus der Perspektive der sehr reflektierten, ihrem Alter weit voraus denkenden Mila – ein fast poetischer Roadmovie, der durch den Osten der USA führt. Natürlich steht die Frage nach dem Warum des Verschwindens als Rätsel im Vordergrund, doch eigentlich ist der Schwerpunkt des Jugendromans die besondere Vater-Tochter-Beziehung und Milas Einblick in die Welt der Erwachsenen.

Mila findet Matt nach vielen Umwegen und erfährt so einiges über den Hintergrund seiner Flucht. Sie schafft es zwar, ihn zur Rückkehr zu seiner Familie zu bewegen, aber was dann wird, lässt sich durch Außenstehende nicht beeinflussen. Mila stellt bei all ihrer Reife fest, dass sie doch eigentlich noch ein Kind ist.

Die Autorin von „How I live now“ (übrigens als Verfilmung sehr gelungen!), schreibt hier eine sensible, warmherzige Geschichte, ohne „Action“ und unaufgeregt, aber berührend.

Gerne empfohlen ab 14 Jahren.

Susanne Luther-Feddersen

Lesetipp des Monats Februar – Tahereh Mafi

Sprachlich außergewöhnlich und süchtigmachend war bereits Tahereh Mafis erstes Buch „Ich fürchte mich nicht“. Als Auftaktband einer Reihe fand es bislang aber noch keinen Weg in die Lesetipps. Nun hat die Autorin ihre spannende Trilogie nach zwei Jahren Wartezeit mit dem Abschlussband gekrönt und dabei das Kunststück vollbracht, ein völlig unerwartetes und trotzdem befriedigendes Ende zu finden, das noch genug Fragen offen lässt, um die Phantasie der Leser anzukurbeln (oder auf einen vierten Band zu hoffen). Also kann es jetzt losgehen:

"Ich fürchte mich nicht" von Tahereh Mafi

„Ich fürchte mich nicht“ von Tahereh Mafi

Tahereh Mafi: Ich fürchte mich nicht. Roman. Aus dem Amerikanischen von Mara Henke.

Goldmann, München 2012.

Nein, es ist keine sehr schöne neue Welt, in der uns die siebzehnjährige Ich-Erzählerin Juliette begegnet. Das „Reestablishment“ regiert und unterdrückt die Bevölkerung. Die noch bewohnbaren Teile der Welt sind in Sektoren unterteilt, jeder mit einem anderen Machthaber. Juliette wurde weggesperrt, weil ihre Fähigkeiten überaus gefährlich sind: ihre Berührung ist schmerzhaft, schlimmstenfalls sogar tödlich – ungewollt hat sie den Tod eines Kindes verursacht. In ihrer Isolation zählt sie alles, was ihr in den Sinn kommt, um bei Verstand zu bleiben; sie schreibt Tagebuch und streicht dabei viele Gedanken wieder aus. Im Grunde ist sie der Meinung, dass sie dieses Schicksal verdient. Dann bekommt sie einen Zellengenossen: Adam. Juliette kennt ihn von früher, doch erinnert er sich auch an sie? Und wenn ja – ist er gekommen, um sie zu retten, oder nur weil der undurchschaubare Warner, Kommandeur und Regent von Sektor 45, ihn beauftragt hat? Warner zeigt großes Interesse an Juliette und ihren Fähigkeiten, er verwöhnt sie mit gutem Essen und schönen Kleidern und sie fürchtet den Preis, den er dafür verlangen wird. Aber kann eine Flucht aus Warners goldenem Käfig gelingen?

"Rette mich vor dir" von Tahereh Mafi

„Rette mich vor dir“ von Tahereh Mafi

Tahereh Mafi: Rette mich vor dir. Roman. Aus dem Amerikanischen von Mara Henke.

Goldmann, München 2013.

Bei den Rebellen von Omega Point hat Juliette Zuflucht gefunden und soll lernen, ihre Kräfte zu kontrollieren, denn dort gibt es viele Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Aber sie ist verunsichert, fühlt sich als Außenseiterin und glaubt, dass die anderen sich vor ihr fürchten. Dann der Schock: ist Adam vielleicht gar nicht immun gegen ihre Berührung? Umso mehr will Juliette um jeden Preis das Geheimnis bewahren, dass auch Warner sie berühren kann – was für ein Pech, dass er ausgerechnet jetzt als Gefangener nach Omega Point gebracht wird! Er hat Juliettes Tagebuch gelesen und glaubt nun der einzige Mensch zu sein, der sie wirklich versteht. Anstatt ihr im Verhör wichtige Infos zu geben, wirft Warner die fassungslose Juliette mit seinem erneuten Liebesgeständnis emotional komplett aus der Bahn. Derweil stattet Warners verhasster Vater, der Oberste Befehlshaber des Reestablishments, Sektor 45 einen unangekündigten Besuch ab und verbreitet dabei Angst und Schrecken, die Rebellen rüsten zum Angriff und Adam macht eine verheerende Entdeckung über seine Familie…

"Ich brenne für dich" von Tahereh Mafi

„Ich brenne für dich“ von Tahereh Mafi

Tahereh Mafi: Ich brenne für dich. Roman. Aus dem Amerikanischen von Mara Henke.

Goldmann, München 2014.

Warner hat Juliette das Leben gerettet, aber alle ihre Freunde sind tot, verschollen oder in Gefangenschaft. Sie brennt darauf, die Verbliebenen zu suchen und zu retten – und sich am Obersten Befehlshaber zu rächen. Warner bietet ihr seine Hilfe an. Doch kann sie ihm vertrauen?

Bis zum Ende bleibt die Autorin bei ihrer bildhaften, betörenden Sprache. Die Durchstreichungen im Text, die Gedanken, die Juliette sich selbst verbietet, werden in dem Maße, in dem das Selbstbewusstsein der Ich-Erzählerin zunimmt, immer weniger – als Juliette mit ihren Kräften im Einklang ist, ihren Platz in der Welt erkämpft und den Mann ihres Herzens gefunden hat, sind sie schließlich ganz verschwunden.

Geschickt nutzt Tahereh Mafi die Ich-Perspektive, um die Geschichte konsequent nur aus Juliettes Sicht zu erzählen (die Bücher könnten sogar als Lehrbeispiele für angehende Autoren dienen – so klar werden einem die Grenzen und Möglichkeiten dieser Erzählperspektive selten vor Augen geführt). Kann sich denn der Leser auf Juliettes Urteilsvermögen und ihre Sicht der Dinge verlassen? Tatsächlich irrt die Heldin in einigen Punkten ganz gewaltig, aber eben dies macht den Reiz der Bücher aus: gerade dadurch führt die Geschichte zu einem Ende, mit dem man nach der Lektüre des ersten Bandes nie und nimmer gerechnet hätte. Und mit diesem Wissen im Kopf möchte man die Reihe sofort noch einmal von Anfang an lesen, um Juliettes Welt mit ganz neuen Augen zu entdecken.

Absolut fesselnd, auch beim zweiten Durchgang!

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Oktober – Lilli L’Arronge

Außergewöhnliche Bilderbücher sind von Lilli L’Arronge im Verlagshaus Jacoby & Stuart erschienen, liebevoll ersonnen und illustriert, jedes ein kleines Kunstwerk für sich, das sich zu entdecken lohnt:

"Chaos in Bad Berleburg" von Lilli L'Arronge

„Chaos in Bad Berleburg“ von Lilli L’Arronge

Chaos in Bad Berleburg (2010) erzählt von einer Bananenschale, die der kleine Hubert achtlos auf den Bürgersteig fallen lässt. Was da alles passieren kann! Seine ältere Schwester Lotta malt ihm die folgenden Kettenreaktionen in den leuchtendsten Farben aus: jemand rutscht auf der Bananenschale aus und versucht sich an einer Leiter festzuhalten, der darauf abgestellte Eimer stülpt sich über den Kopf eines Radfahrers, der nun blind weiterfährt, während die Bananenschale bereits mitten im Gesicht des nächsten Passanten landet… am Ende steht die ganze Stadt Kopf, es herrscht pure Anarchie, und sogar Supermann muss helfend eingreifen! Doch es ist ein fröhliches Chaos, das sich hier entspinnt, und viele kleine Geschichten lassen sich in den immer „wimmeligeren“ Bildern entdecken. Fast schade, dass Lotta sich das alles nur ausgedacht hat – aber die Bananenschale liegt noch immer auf dem Bürgersteig…

"Wunschkind" von Lilli L'Arronge

„Wunschkind“ von Lilli L’Arronge

Nach dieser lustigen Wimmelgeschichte schlägt die Autorin in Wunschkind  (2012) eine ganz andere Seite auf: das Eichhörnchen und das Rotkehlchen möchten gemeinsam eine Familie gründen. Also bauen sie ein Nest, denn dann werden doch irgendwann Eier drinliegen, oder? So einfach geht das wohl nicht, ahnen vorlesende Erwachsene, aber denkste: eines Tages liegt tatsächlich ein Ei im Nest. Begeistert fangen Eichhörnchen und Rotkehlchen an zu brüten, auch wenn das Ei größer ist als sie beide zusammen. Woher das Ei eigentlich gekommen ist und wem der Nachwuchs dann ähnlich sehen wird, interessiert dabei überhaupt nicht (oder wieder nur die Vorlesenden, deren Verdacht am Ende des Buches bestätigt wird). So wird ein im Grunde lieblos abgelegtes Ei überglücklich umhegt und ein echtes „Wunschkind“ für seine neue Familie!

"Ich groß du klein" von Lilli L'Arronge

„Ich groß du klein“ von Lilli L’Arronge

Das dritte Bilderbuch ich groß – du klein (2014) unterscheidet sich wieder erheblich von seinen Vorgängern: hier dreht sich alles um ein großes Wiesel und sein kleines Wieselkind. In Bildpaaren und Reimen gestaltet sich ihr ganz normaler Eltern-Kind-Alltag zwischen Küche, Garten und Urlaub, vom Essen, Einkaufen, Spielen, Streiten und Träumen immer wieder überraschend und dabei doch sicherlich allen Eltern und Kindern bestens vertraut. Und wenn die Geschichte in fröhlichem Gegensatz zum Buchtitel mit „Du groß – ich klein, du mein – ich dein“ endet, so können alle begeisterten Leser auf der letzten Seite nur zustimmen „so soll das sein“!

Was kommt von Lilli L’Arronge als nächstes? Wir dürfen gespannt sein!

Andrea Sondermann