Filmtipp des Monats November

Joe, Willie und Al sind beste Freunde und Nachbarn und haben jahrzehntelang für die selbe Firma gearbeitet. Doch ihren Ruhestand können sie nicht wirklich genießen: Joe hat nur noch dreißig Tage Zeit, um die nächste Rate völlig überteuerter Zinsen zu bezahlen, weil sonst die Bank sein Haus pfändet. Willie braucht dringend eine neue Niere und vermisst seine weit weg wohnende Tochter und Enkelin. Der notorisch schlechtgelaunte Al ist insgesamt unzufrieden mit seinem Leben und wartet eigentlich nur noch auf das Ende.

Als plötzlich die Rentenzahlungen ihrer Firma ausbleiben und ausgerechnet die Bank, bei der alle drei Kunden sind, den Pensionsfond abwickelt, keimt kriminelle Energie auf. Anstatt zukünftig am Hungertuch zu nagen, möchten sie endlich ihr wohlverdientes Stück vom Kuchen abhaben – einen „Abgang mit Stil“ , inspiriert durch einen perfekt geplanten, unblutigen Überfall, bei dem Joe Zeuge wurde und von der Effizienz der Gangster schwer beeindruckt war.

Nach einer katastrophalen „Übung“ im Supermarkt steht für Joe und Willie allerdings fest, dass sie in Sachen Bankraub dringend Nachhilfe brauchen. Vielleicht hat Joes zwielichtiger Ex-Schwiegersohn ja die richtigen Kontakte? Für Grummler Al tut sich derweil überraschenderweise noch ein ganz anderes Schlachtfeld auf: die lebenslustige Annie hat eindeutig ein Auge auf ihn geworfen – wie soll er damit bloß umgehen?

Schon von Beginn an punktet „Abgang mit Stil“ mit lässiger Musik, Charme und Humor und teils grandiosen Szenenübergängen. Die Top-Besetzung (Michael Caine, Morgan Freeman und Alan Arkin in den Hauptrollen) spielt zum Niederknien und das pfiffige Drehbuch macht einfach rundum gute Laune.

Da geht beim Zuschauen im Herzen richtig die Sonne auf! Lassen wir doch passenderweise Al die Schlussworte übernehmen (sinngemäßes Zitat): „Irgendwas stimmt nicht mit meinem Gesicht. Ich hab‘ noch nie so viel gelächelt.“

Abgang mit Stil. USA, 2016. Regie: Zach Braff. Darsteller: Michael Caine (Joe), Morgan Freeman (Willie), Alan Arkin (Al) … 1 DVD (92 Min.) Ab 6 Jahren freigegeben.

Andrea Sondermann

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Lesetipp des Monats Februar – Roman

Meg Wolitzer: Die Ehefrau. Roman. Aus dem Englischen von Stephan Kleiner.

DuMont (http://www.dumont-buchverlag.de/), Köln 2016

"Die Ehefrau" von Meg Wolitzer

„Die Ehefrau“ von Meg Wolitzer

Vor zwei Jahren habe ich voller Begeisterung den Roman „Die Interessanten“ der amerikanischen Autorin Meg Wolitzer gelesen.

Dem Erfolg dieses Romans, es war Wolitzers Debüt auf dem deutschen Buchmarkt, haben wir das große Vergnügen zu verdanken, jetzt weitere Romane dieser klugen, und zugleich ungeheuer unterhaltsamen Autorin lesen zu können.

Zum Inhalt: Jedes Jahr im Dezember wird der Nobelpreis für Literatur verliehen, manchmal auch an höchst umstrittene Persönlichkeiten. In Meg Wolitzers Roman spielt eine ähnliche Auszeichnung eine wichtige Rolle, nämlich der Helsinki-Preis, sozusagen der, allerdings fiktive, „kleine Bruder“ des Nobelpreises.

Um diesen renommierten Preis mit allen Ehren und großem Rahmenprogramm entgegen zu nehmen, machen sich die Castlemans auf den Weg von New York in die finnische Hauptstadt. Joe Castleman hat den ersehnten Preis zugesprochen bekommen, der sein schriftstellerisches Lebenswerk krönen wird.

Mit dem langen Flug nach Helsinki beginnt das Buch. Joan Castleman sitzt neben ihrem Mann, der mit der Stewardess flirtet, und sie zieht bei dieser Gelegenheit eine gnadenlose Lebensbilanz, an der sie uns teilhaben lässt. Joan hat endgültig genug von ihrem Mann. Seit vierzig Jahren ist sie „die Frau an seiner Seite“, ihre Aufgaben sind zahlreich: Sie hat ihn aus seiner ersten Ehe „befreit“, erträgt seine Affären, erzieht seine Kinder, streichelt bei Bedarf sein eigentlich ausreichend großes Ego und hat ihre eigenen Ambitionen anscheinend längst geopfert. Joan seziert ihre Ehe in großer Gründlichkeit, das wird höchst unterhaltsam erzählt, sprachlich perfekt, mit lauter exakt gesetzten Nadelstichen.

Joe Castleman hat sich seit seinen mühsamen frühen Schreibversuchen zu einem jener erfolgreichen Männer entwickelt, die ZITAT„auf ihrem Lebensweg unbekümmert andere Männer, Frauen, Möbelstücke, Dörfer aus dem Weg räumen“.

Es ist eine unvergessliche Reise mit den Castlemans in die wunderschöne finnische Hauptstadt, besonders der geradezu spannende „Showdown“ in der noblen Suite mit Sauna im edelsten Hotel Helsinkis hat es mir angetan!

„Die Ehefrau“ ist zwar gespickt mit Lebenslügen und unguten Kompromissen, von denen uns einige unangenehm bekannt vorkommen werden, aber der Roman ist völlig frei von Schwere und Bitterkeit, ein grundheiterer Ton, der eines von Wolitzers Markenzeichen ist, macht ihren neuesten Roman zu einem reinen Lesevergnügen!

Hedda Jensen