Lesetipp des Monats Oktober – Jugendroman

Ursula Poznanski: Aquila.

Loewe (https://www.loewe-verlag.de/), Bindlach 2017.

Mit ihrem Jugendbuch-Debüt „Erebos“ landete die Wiener Autorin Ursula Poznanski gleich einen Volltreffer: Das Buch erhielt zahlreiche Auszeichnungen (wie u.a. den Deutschen Jugendliteraturpreis) und hat die Autorin sehr bekannt werden lassen.

Sie schreibt mittlerweile ebenfalls Thriller für Erwachsene, doch ihr neuester Spannungsroman richtet sich wieder an Jugendliche und spielt im italienischen Siena.

Nika lebt seit kurzem als deutsche Austauschstudentin im schönen Siena und genießt Stadt, Studentenleben und Freiheit. Doch eines Morgens wacht Nika in ihrem Zimmer in ihrer Wohngemeinschaft auf und muss feststellen, dass sie die Erinnerung an die vergangenen zwei Tage verloren hat. Und neben ihrem Gedächtnis, was diesen Zeitraum betrifft, sind ebenfalls ihr Handy, ihr Haustürschlüssel und ihr Pass verschwunden. Völlig unerklärlich bleibt für sie nicht nur, was in den letzten Tagen und Nächten geschehen ist, sondern auch, wo ihre Mitbewohnerin Jenny steckt.

Ein mysteriöser Zettel mit scheinbar zusammenhanglosen Sätzen in ihrer eigenen Handschrift und ein Schriftzug mit dem Text „Letzte Chance“ auf dem Badezimmerspiegel jagen Nika Angst ein.

Auf der Suche nach ihrer Mitbewohnerin und der Klärung der rätselhaften Ereignisse gerät Nika, die sich verfolgt glaubt, immer tiefer in ein gefährliches Geheimnis, das nach dem Fund eines toten Mädchens in einem unterirdischen Tunnelsystem der Stadt schließlich auch die Polizei auf den Plan ruft. Mit Hilfe von Stefano, den Nika scheinbar zufällig kennenlernt, sucht sie nach Antworten…

Lange bleiben die Geschehnisse im Dunkeln – erst allmählich bilden sich Zusammenhänge, was den Spannungsbogen stets hoch hält.

Ein echter „Pageturner“ für jugendliche Leser, nicht nur für verregnete Herbstferien…

Susanne Luther-Feddersen

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Lesetipp des Monats Juni – Science-Fiction-Jugendroman

S.J. Kincaid: Diabolic – vom Zorn geküsst. Aus dem Amerikanischen von Ulrich Thiele.

Arena (http://www.arena-verlag.de/), Würzburg 2017.

„Diabolic“ von S.J. Kincaid
(c) Arena-Verlag

Autorin S.J. Kincaid entführt ihr Lesepublikum in eine Zukunft, in der die herrschende Elite auf gewaltigen Raumschiffen im Weltall lebt und mit Verachtung auf ihre planetenbewohnenden Untertanen herabsieht. Die Beschäftigung mit Naturwissenschaften, Forschung und Technik ist als Ketzerei verschrien, obwohl die teils maroden Maschinen des Imperiums nach und nach den Geist aufgeben. Dementsprechend umstritten ist die Erschaffung von „Diabolics“, die zwar wie Menschen aussehen, aber genetisch „optimiert“ und darauf geprägt wurden, eine einzige Person mit allen Mitteln zu beschützen. Ich-Erzählerin Nemesis ist eine solche „Diabolic“ und ihr Lebensinhalt ist Sidonia, die Tochter des Senators von Impyrean. Sidonia aber betrachtet Nemesis nicht als ihre Leibwächterin, sondern als ihre Freundin, und ist fest davon überzeugt, dass auch die tödlichen Diabolics eine Seele und Gefühle haben.

Als der Kaiser den Befehl erteilt, alle Diabolics zu töten, überlistet Sidonias Familie den Kontrolleur und lässt Nemesis am Leben, damit sie weiterhin ihre Aufgabe als Beschützerin erfüllen kann. Da der Senator durch sein Interesse an naturwissenschaftlichen Forschungen Unmut erregt hat, soll Sidonia als „Gast“ an den kaiserlichen Hof kommen. Doch an ihrer Stelle und unter ihrem Namen reist die getarnte Nemesis, der es allerdings sehr schwer fällt, einen „echten“ Menschen zu mimen und dabei allen Hofintrigen gewachsen zu sein. Unabsichtlich gewinnt sie sogar die Aufmerksamkeit des Thronfolgers: Tyrus, der angeblich wahnsinnige Neffe des Kaisers, zeigt verwirrendes Interesse an ihr. Dabei ist Liebe weder in ihren noch in seinen Plänen vorgesehen…

„Diabolic“ zieht uns in eine gar nicht so schöne neue und in ethischen Fragen teilweise erschreckend nahe Welt, aus der die Hauptfigur Nemesis von Anfang an mit faszinierender Stimme spricht. Ein wahrer Leserausch, der noch lange nachwirkt.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats März – Jugendroman

Marci Lyn Curtis: Alles, was ich sehe. Aus dem Englischen übersetzt von Nadine Püschel.

Königskinder-Verlag (https://www.carlsen.de/koenigskinder), Hamburg 2016.

"Alles, was ich sehe" von Marci Lyn Curtis

„Alles, was ich sehe“ von Marci Lyn Curtis

Seit einer Hirnhautentzündung ist Maggie blind und kann sich nur sehr schwer in ihr neues Leben einfinden. All ihre Zukunftsvorstellungen vom Fußballstipendium fürs College und der Berufung in die Nationalmannschaft sind geplatzt, und noch viel schlimmer: nun scheint ihr jegliche Gesprächsgrundlage mit ihrer Mutter zu fehlen, die früher selbst eine hochklassige Fußballspielerin war und inzwischen als Trainerin arbeitet. Maggie fühlt sich hilflos und um ihre Träume betrogen. Als sie sich eines Tages den Kopf stößt und danach plötzlich den zehnjährigen Ben und alles in seiner unmittelbaren Umgebung sehen kann, mag sie ihren Augen kaum trauen: Wunder passieren doch nicht einfach so, oder? Zudem ist Bens älterer Bruder Mason auch noch Sänger in Maggies Lieblingsband – und hält die Siebzehnjährige prompt für eine Simulantin. Aber Bens positive Lebenseinstellung wirkt so ansteckend, dass sich in seiner Nähe nicht nur Maggies Sichtfeld, sondern ihr ganzes Leben aufhellt. Kann sie durch die Freundschaft mit ihm vielleicht sogar ein besserer Mensch werden?

„Alles, was ich sehe“ ist der erste Roman der Autorin Marci Lyn Curtis – und gleich ein Volltreffer! Sarkastisch und schnodderig lässt sie Maggie in der Ich-Form erzählen und die Leserinnen mitlachen und -leiden. Der begeisterte Lexikonleser Ben trifft nicht nur die Hauptfigur mitten ins Herz.

Und mehr wird jetzt nicht verraten.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Januar – Jugendbuch

Alwyn Hamilton: Amani – Rebellin des Sandes. Aus dem Amerikanischen von Ursula Höfker.

cbt, München 2016. (Der cbt-Verlag gehört übrigens zur Verlagsgruppe Random House und sein Programm ist dementsprechend unter https://www.randomhouse.de/ zu finden.)

"Amani - Rebellin des Sandes" von Alwyn Hamilton

„Amani – Rebellin des Sandes“ von Alwyn Hamilton

„Winter“, sagt der Kalender – hier gibt es das Kontrastprogramm: Autorin Alwyn Hamilton entführt ihre Leserinnen und Leser in eine eigenwillige, zwischen Wildem Westen und orientalischen Märchen pendelnde Wüstenlandschaft, in der gefährliche unsterbliche Geschöpfe umgehen und Frauen keine Rechte haben. Um einer Zwangsheirat mit ihrem Onkel zu entgehen, will Amani unbedingt fort aus ihrem Heimatkaff Dustwalk, aber zu ihrer unbekannten Tante in der großen Stadt ist es ein weiter Weg. Bei einem Schießwettbewerb das erforderliche Geld für die Reise zu gewinnen, klappt leider nicht – stattdessen ist Amani plötzlich nicht nur auf der Flucht vor ihrem Onkel, sondern auch vor der Armee und kämpft sich zusammen mit dem geheimnisvollen Fremden Jin durch die Wüste. Rebellion liegt in der Luft: es heißt, dass Prinz Ahmed den ihm vorenthaltenen Platz als Thronfolger des Sultans zurückzuerobern plant und Getreue um sich schart. Inmitten eines Schmelztiegels aus Geheimnissen und Gefahren steht Amani bald vor der Wahl, ob sie ihr eigenes Leben retten oder es, um andere zu schützen, aufs Spiel setzen soll…

Abenteuerlich und romantisch – dieser wilde Mix aus Western und Tausendundeiner Nacht bietet beste Unterhaltung! Und der Winter ist spätestens nach den ersten paar Seiten auch vergessen.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats September – Jugendbuch

Tamara Ireland Stone: Mit anderen Worten: ich. Aus dem Englischen von Sandra Knuffinke und Jessika Komina.

Magellan, Bamberg 2016.

"Mit anderen Worten: ich" von Tamara Ireland Stone

„Mit anderen Worten: ich“ von Tamara Ireland Stone

Gedankenspiralen, die kreisen und kreisen und nicht mehr aufhören wollen. Besessenheit von der Zahl Drei. Das Leben der sechzehnjährigen Sam wird von Zwängen beherrscht, für die sie sich schämt. Um keinen Preis dürfen ihre Freundinnen, die Clique der „Verrückten Acht“, davon jemals erfahren. Aber es ist anstrengend, tagtäglich ein schützendes Lügengebilde aufrechtzuerhalten, und Sams Therapeutin hat ihr schon mehrfach dringend geraten, sich doch vielleicht einmal andere Freunde zu suchen – damit sie endlich nicht mehr nur im Schwimm-Camp während der Sommerferien sie selbst sein kann. Die große Chance zur Veränderung tut sich auf, als Sam einen geheimen Dichterclub in ihrer Schule entdeckt. Die Wirkung des Schreibens auf ihre Zwänge ist enorm: beruhigend und befreiend wie sonst nur das Schwimmen. Aber den Schlüssel zum geheimen Dichter-Treffpunkt hütet AJ Olsen, den Sam und ihre Freundinnen vor einigen Jahren so schlimm gemobbt hatten, dass er die Schule verlassen musste… ob er ihr verzeihen kann?

„Mit anderen Worten: ich“ ist ein faszinierendes und sehr bewegendes Buch, ein tiefer Blick ins Herz einer Jugendlichen, die zu gern aus ihrer Haut möchte, aber ihren Zwängen nie vollständig entkommen kann. Die Autorin Tamara Ireland Stone wurde durch eine ähnliche Diagnose im engsten Freundeskreis zu Sams Geschichte inspiriert. Sie hat ein Werk geschaffen, das Mut macht – und ganz nebenbei auch wunderbare Einblicke in die schöpferische Kraft des kreativen Schreibens vermittelt. Da möchte man nach, aber auch schon während der Lektüre am liebsten gleich selbst zu Stift und Papier greifen (oder notfalls zur Fast-Food-Verpackung als Papierersatz, so wie es Sydney aus dem Dichterclub perfektioniert hat). Also: lesen und loslegen!

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Juni – Jugendroman

Stephanie Tromly: Digby #01. Aus dem Englischen übersetzt von Sylke Hachmeister.

Oetinger, Hamburg 2016.

"Digby #01" von Stephanie Tromly

„Digby #01“ von Stephanie Tromly

Nach der Scheidung ihrer Eltern zieht Ich-Erzählerin Zoe mit ihrer Mutter in die Kleinstadt River Heights – furchtbar! – und träumt davon, der örtlichen Highschool-Hölle (mitsamt missgünstigen Mädchencliquen) zu entkommen und von der Prentiss Academy in New York aufgenommen zu werden. Nachsitzen mit dem Sonderling Digby scheint dafür kein besonders guter Anfang zu sein, aber das ist noch gar nichts: Ohne so richtig zu wissen, wie das passieren konnte, findet sich Zoe mitten in einem Einbruch wieder, unter Beschuss, verhaftet, gekidnappt … Der lässige und detektivisch begabte Digby, mit dem die Gefahr Hand in Hand zu gehen scheint, stellt ihr Leben völlig auf den Kopf.

Vor 8 Jahren verschwand Digbys kleine Schwester spurlos aus dem heimischen Schlafzimmer; bei den folgenden polizeilichen Ermittlungen wurden sämtliche (!) Familienmitglieder zu Unrecht verdächtigt (woran der verbliebene Rest von Digbys Familie zerbrach). Seitdem ist er davon besessen, dieses Rätsel zu lösen. Und ganz nebenbei auch noch andere. Zum Beispiel einen Drogenring auffliegen zu lassen. Außerdem könnte der aktuelle Vermisstenfall einer Schülerin vielleicht im Zusammenhang mit der Entführung von damals stehen. Warum Zoe das alles mitmacht? Irgendwie scheint der ewig hungrige Digby wohl ihr Freund geworden zu sein …

Autorin Stephanie Tromly erzählt ihr erstes Jugendbuch spannend und sehr witzig, während Zoe, Digby (der nie einen Plan B hat) und ihre Freunde in eine völlig absurde Situation nach der anderen stolpern. Dialoge und Action sind filmreif – da zeigt sich, dass die Autorin auch im Drehbuchbereich tätig ist. Der deutsche Titel „Digby #01“ klingt verglichen mit dem äußerst passenden Originaltitel „Trouble is a friend of mine“ zwar nicht so einfallsreich, verspricht aber dafür schon, was alle LeserInnen nach der Lektüre sicherlich fordern: Eine Fortsetzung!! Bis dahin lesen wir Teil 1 einfach noch mal.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Februar – Jugendbuch

Sabine Schoder: Liebe ist was für Idioten. Wie mich. Roman.

Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 2015.

"Liebe ist was für Idioten. Wie mich." von Sabine Schoder

„Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ von Sabine Schoder

„Drogen, Viki, Drogen rauben dir den Verstand.“ Wie wahr – am Morgen nach ihrem siebzehnten Geburtstag erwacht Viki nach einigen Joints zu viel mit Filmriss im Bett von Jay, seines Zeichens Sänger der Schülerband „Major Malfunction“, an dem Viki bisher noch nie ein gutes Haar gelassen hat. Als hätte die Halbwaise mit ihrem Leben in Armut, alkoholsüchtigem Vater und mehreren Schulfächern auf der Kippe nicht schon genug Probleme! Diesen Fehltritt will sie so schnell wie möglich vergessen, aber irgendwie bekommt sie Jay nicht mehr aus dem Kopf: Warum etwa hat er sowohl seiner Band als auch der Schule den Rücken gekehrt und warum geht seine Mutter zu einem Therapeuten? Auf keinen Fall dürfen ihre Freunde erfahren, dass Viki sich schließlich tatsächlich mit Jay verabredet! Denn verliebt ist sie überhaupt nicht in ihn. Nein, ganz sicher nicht. Oder doch?

Und mehr wird zum Inhalt nicht verraten. Autorin Sabine Schoder erzählt ihr Erstlingswerk sprachlich absolut überragend in der Ich-Form aus der Sicht von Viki. Spannend und gefühlsecht, mit sehr gelungenen Dialogen. Ein Genuss von Anfang bis Ende!

Andrea Sondermann