Von Babyprojekten und Regenbogenfamilien

Im Rahmen der Kinder- und Jugendbuchwochen war die Autorin Kathrin Schrocke bei uns in der Stadtbibliothek zu Gast.

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Die Husumer Nachrichten schrieben darüber am 4.1.2016:

„Was genau ist eigentlich Familie? Dass jeder Mensch eine ganz eigene Antwort auf diese Frage hat, zeigte sich deutlich bei der Lesung von Kathrin Schrocke in der Stadtbibliothek Husum. Vor Husumer Sechstklässlern stellte die Autorin ihr Buch „Mein Leben und andere Katastrophen“ vor, dessen Titel und Erscheinungsbild sie persönlich sehr irreführend findet – gaukelt beides dem Betrachter doch eher ein heiteres Mädchenbuch vor, als den echten Inhalt widerzuspiegeln.

"Mein Leben und andere Katastrophen" von Kathrin Schrocke

„Mein Leben und andere Katastrophen“ von Kathrin Schrocke

In Wahrheit geht es in „Mein Leben und andere Katastrophen“ raffiniert verpackt um das Thema Familie in allen Facetten: Bei einem außergewöhnlichen Schulprojekt sollen sich Jugendliche in Zweiergruppen rund um die Uhr als „Eltern“ von computergesteuerten Babypuppen versuchen. Das sorgt schnell für Chaos im Klassengefüge. Und dass die echte Familie von Hauptfigur und Tagebuchschreiberin Barnie mit ihren zwei Vätern irgendwie anders ist als die Norm, spielt dabei keine entscheidende Rolle – oder doch?

Es sind solche spannenden, außergewöhnlichen Themen, die Kathrin Schrocke gern in ihren Büchern aufgreift. Für „Freak City“, eine Geschichte über einen Jungen, der sich in ein gehörloses Mädchen verliebt, lernte die Autorin zunächst zwei Jahre lang die Gebärdensprache und wurde 2011 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Überall können sich Ideen für neue Geschichten verbergen – vielleicht findet eines Tages auch die Zeit, in der Kathrin Schrocke in Thailand gelebt hat, den Weg in eines ihrer Bücher. Mittlerweile hat sie bereits ein ganz neues Zuhause gefunden: in einem Mehrgenerationen-Wohnprojekt. Das Husumer Publikum ist jedenfalls sehr gespannt, was für ein Werk sich wohl daraus entwickeln wird.“

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Literaturgruppe

Am Montag, 30. November 2015, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler

„Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben. Roman.

Hanser Berlin, München 2014.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Als Andreas Egger in das Tal kommt, in dem er sein Leben verbringen wird, ist er vier Jahre alt, ungefähr – so genau weiß das keiner. Er wächst zu einem gestandenen Hilfsknecht heran und schließt sich als junger Mann einem Arbeitstrupp an, der eine der ersten Bergbahnen baut und mit der Elektrizität auch das Licht und den Lärm in das Tal bringt. Dann kommt der Tag, an dem Egger zum ersten Mal vor Marie steht, der Liebe seines Lebens, die er jedoch wieder verlieren wird. Erst viele Jahre später, als Egger seinen letzten Weg antritt, ist sie noch einmal bei ihm. Und er, über den die Zeit längst hinweggegangen ist, blickt mit Staunen auf die Jahre, die hinter ihm liegen. Eine einfache und tief bewegende Geschichte.“

Filmtipp des Monats August

Da stimmt etwas nicht, denkt sich der ermittelnde Beamte, als Einbruchsopfer Alan Turing keinerlei Interesse an einer Ermittlung zeigt. Dieser Mann muss doch wohl etwas zu verbergen haben? Die Akte über seinen Kriegsdienst ist jedenfalls streng geheim. War er vielleicht ein Spion? Die Nachforschungen des hartnäckigen Detective Nock bringen mehr als nur ein einziges Geheimnis ans Licht – haben für Turing aber tragische Folgen.

Auf mehreren kunstvoll ineinander verschachtelten Zeitebenen beleuchtet der an wahre Begebenheiten angelehnte Film „The imitation game – ein streng geheimes Leben“ verschiedene Stationen im Leben des Mathematikers Alan Turing. Den größten Raum nimmt dabei die Arbeit für den britischen Geheimdienst ein, wo er während des Zweiten Weltkriegs versucht, den Verschlüsselungscode der „Enigma“-Maschine der Nazis zu knacken. Doch Turing ist nicht nur ein Genie, sondern auch ein Sonderling, dem menschliche Zwischentöne ein ewiges Rätsel bleiben. Das zeigt sich sowohl in Rückblenden auf seine traumatische Schulzeit als auch im Umgang mit seinen Kollegen beim Geheimdienst. Sein größtes Geheimnis hat allerdings mit der „Enigma“ überhaupt nichts zu tun. Aber ausgerechnet dafür wird er von der britischen Gerichtsbarkeit verurteilt; während die Frage, ob seine Taten im Krieg ihn zu einem Helden oder zu einem Monster machen, weder Detective Nock noch der Zuschauer beantworten kann.

Welche filmischen Details hundertprozentig der historischen Wahrheit entsprechen – wer weiß das schon? Doch ob „The imitation game“ nun biographisch korrekt oder sehr fiktiv ausgemalt ist: was bleibt, ist ein durchweg ausgezeichnet besetzter, emotional packender Film, der einen so schnell nicht mehr loslässt.

Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch brilliert ebenso arrogant wie verletzlich in der Rolle eines zutiefst einsamen Mannes, der letztlich an den starren Normen einer Gesellschaft zerbricht, in der er nie eine echte Chance auf Akzeptanz hatte. Und wenn Mark Strong in der Rolle seines vorgesetzten Geheimdienstoffiziers lächelnd verkündet: „Wir werden so einen schönen Krieg miteinander haben“, fröstelt es den Zuschauer bis ins Innerste.

The imitation game – ein streng geheimes Leben. USA/Großbritannien, 2014. Regie: Morten Tyldum. Darsteller: Benedict Cumberbatch (Alan Turing), Keira Knightley (Joan Clarke), Matthew Goode (Hugh Alexander), Mark Strong (Stewart Menzies) … 1 DVD (110 Min.). Ab 12 Jahren freigegeben.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Juni – Roman

Nino Haratischwili: Das achte Leben (für Brilka). Roman.

Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2014.

"Das achte Leben (für Brilka)" von Nino Haratischwili

„Das achte Leben (für Brilka)“ von Nino Haratischwili

Die junge Autorin, 1983 in Tiflis geboren, lebt als Theaterregisseurin, Dramatikerin und Romanautorin in Hamburg. Mit dieser fulminanten Familiensaga legt sie ihren dritten Roman vor.

Und was für ein Roman!

Sehr schnell vergisst man als Leser, dass der Roman beinahe 1300 Seiten umfasst, denn diese ungewöhnliche Familiengeschichte bietet wunderbar fesselnde, poetische und mit viel Zeitgeschehen begleitete Geschichten einer georgisch-russischen Familie, die vom Jahr 1900 bis in die Gegenwart reicht.

Die 1973 geborene Ich-Erzählerin Niza erzählt ihrer jungen Nichte Brilka, die nach einer Reise in den Westen nicht mehr nach Tbilissi in Georgien zurückkehren möchte und von Niza aufgespürt wird, die Geschichte ihrer Familie, die mit dem Ururgroßvater, einem Schokoladenfabrikanten, ihren Anfang nimmt.

Die Autorin lässt Niza zwar chronologisch von den miteinander verknüpften Schicksalen zunächst im zaristischen, dann sozialistischen Umfeld Russlands und Georgiens inmitten von Kriegs- und Revolutionswirren berichten, doch hin und wieder wird andeutungsweise der Bogen in die Gegenwart gespannt. Welchen Einfluss haben lange zurückliegende Ereignisse, Dramen, Schicksalsschläge auf die Gegenwart, auf das Leben Nizas, die nach der Auflösung der UDSSR ihre Familie verlässt und nach Berlin auswandert und auch auf das der zwölfjährigen Brilka?

Acht Leben werden – miteinander verwoben – erzählt: Der Ururgroßvater mit seiner geheimnisvollen Schokoladenrezeptur, die liebevolle, gespenstersehende Urgroßmutter Stasia, die geheimnisvolle, schöne Urgroßtante Christine, der linientreue, strenge Großvater Kostja, die abtrünnige Tante Kitty, erfolgreiche Sängerin im dekadenten Westen, die so häufig abwesende Mutter Elene, die bevorzugte Schwester Daria. Und natürlich auch Nizas Weg sowie Brilkas Geschichte, die erst ihren Anfang nimmt, müssen erzählt werden.

Unbedingt lesen! Für mich gehört  „Das achte Leben“ zu den besten Büchern, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

Susanne Luther-Feddersen

 

Lesen macht Leben leichter

Alpha_KeyVisual_rgb_300dpiDer Flyer zur landesweiten Alphabetisierungskampagne „Lesen macht Leben leichter“ macht es deutlich: „In Deutschland leben 7,5 Millionen deutschsprachige Frauen und Männer, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben. Das heißt: Ungefähr jeder zehnte Erwachsene hat nicht richtig lesen und schreiben gelernt oder es wieder verlernt. In Schleswig-Holstein sind es rund 250.000 Menschen. (…) Glücklicherweise kann man dieses Problem auch noch im Erwachsenenalter lösen. Es ist nie zu spät, lesen und schreiben zu lernen.“

Es gibt eine Reihe von Hilfsangeboten für Betroffene, zum Beispiel Kurse in kleinen Gruppen an den Volkshochschulen und eine Auswahl an Büchern in leichter Sprache in den Bibliotheken. Unterstützt von den Sparkassen im Land und unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Torsten Albig, ist die Kampagne „Lesen macht Leben leichter“ der Volkshochschulen und der Bibliotheken Schleswig-Holsteins im Februar 2015 gestartet. Auch in Husum nehmen die Stadtbibliothek und die Volkshochschule an diesem Projekt teil.

Die Husumer Nachrichten schrieben dazu am 09.03.2015: „Ziel des Projektes ist es, die Lesefähigkeit von Erwachsenen zu fördern und gleichzeitig das Bewusstsein und Verständnis für die Situation funktionaler Analphabeten zu wecken.“

In diesem Rahmen wurde der bisherige Bestand der Stadtbibliothek an Büchern in einfacher Sprache durch eine Alphabetisierungs-Medienbox ergänzt. Diese Medienbox enthält Bücher und Materialien in leichter Sprache, die ab sofort ausleihbar sind.

Mehr zur Alphabetisierungskampagne unter www.lesen-macht-leben-leichter.de; dort gibt es übrigens auch Filme zu den Themen „Volkshochschulkurse“, „Online-Lernportal“ und „Büchereiangebote“. Das „Bücherei“-Video wurde bei uns in der Stadtbibliothek gedreht – klicken Sie gerne mal rein!