Lesetipp des Monats Februar – Bilderbuch

Poppy Bishop ; Alison Edgson: Gemeinsam Lesen macht Spaß. Aus dem Englischen von Christina Pfeiffer.

Tigerstern (mehr Infos gibt es auf der Facebook-Seite des 360 Grad Verlags: https://de-de.facebook.com/360GradVerlag/), Schriesheim 2017.

Die Freunde Maus, Igel, Fuchs und Hase wohnen zusammen, lieben Geschichten über alles und lesen jeden Abend in ihrem Lieblingsbuch (das dementsprechend mitgenommen aussieht). Leider ist ihr Lieblingsbuch aber gleichzeitig ihr einziges Buch. Mal eine neue Geschichte wäre wirklich toll, doch dafür müsste ein neues Buch her – wie um alles in der Welt sollen sie das denn bekommen? Und woher kommen Bücher überhaupt? „Bücher“, glaubt der Hase, „fallen vom Himmel wie Sternschnuppen.“ Prima, dann sollte ja irgendwo in der Welt etwas zum Lesen herumliegen und nur darauf warten, gefunden zu werden. Also machen sich die Freunde eines Morgens auf die Suche, und tatsächlich: mitten im Gebüsch finden sie ein Drachenbuch. Doch nachdem sie es begeistert durchgelesen haben und sich einig sind, dass dies auf jeden Fall ihre neue Lieblingsgeschichte ist, entdecken sie einen Eintrag ganz vorne im Buch, der ihnen zuvor entgangen war: „Finger weg!“ – das Buch gehört schon jemand anderem, nämlich dem Bären. Enttäuscht bringen sie das Buch zu seiner Adresse, aber der Bär ist nicht zu Hause, und einen Briefkasten, in den das Buch hineinpassen könnte, finden sie auch nicht. Allerdings passt das Buch durchs offene Fenster und die Freunde gleich mit. Im Haus des Bären gehen ihnen die Augen über – so viele Bücher! Prompt können sie ihre Lesebegeisterung nicht länger im Zaum halten und mampfen gleichzeitig ihren Proviant. Das gibt natürlich gewaltigen Ärger, als der Bär zurückkommt – einzubrechen und fremde Bücher mit Marmeladenfingern anzutatschen geht ja wohl gar nicht!!! Doch dass die Freunde nur ein einziges Buch haben findet der Bär dann auch nicht in Ordnung… also dürfen sie weiterlesen – vorausgesetzt, sie waschen sich vorher die Pfoten. Und der Bär stellt fest, dass gemeinsam Lesen viel mehr Spaß macht als alleine.

Freundlich gezeichnetes Bilderbuch mit vielen herzigen Details für Bücherliebhaber – unter anderem, dass eine der wichtigsten Regeln, die der Bär für seine neu gegründete Bibliothek aufstellt, „Marmeladenbrote bleiben draußen!“ lautet. Damit auch alle noch ganz lange etwas von seinen vielen tollen Büchern haben.

Klare Empfehlung für dieses Bilderbuch: Lesen! Am besten natürlich gemeinsam.

Andrea Sondermann

 

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Lesetipp des Monats Mai – Roman

Karen Duve: Macht. Roman.

Galiani Berlin, Köln 2016.

"Macht" von Karen Duve

„Macht“ von Karen Duve

Hamburg im Jahr 2031: Der Weltuntergang scheint unaufhaltsam, dauerhaft schwerste Stürme, Überflutungen und Hitze bestimmen den Alltag. Der Staat hat den Feminismus durchgesetzt, Fleischkonsum und Benzin sind rationiert und teuer, die Menschen aber handeln nach wie vor egoistisch und konsumorientiert.

In einem Hamburger Vorort findet ein 50.-jähriges Klassentreffen statt, zu dem die ehemaligen Schulkameraden dank des neuen, hochgradig krebserregenden Medikaments „Ephebo“ deutlich verjüngt auftreten.  Auch Sebastian Bürger, eigentlich im Rentenalter, aber dank der Verjüngungspille jung und attraktiv aussehend, besucht das Klassentreffen und trifft dort seine heimliche Jugendliebe Elli wieder, in die er sich erneut verliebt.

Seine als verschollen geltende Frau, die Umweltministerin war, hält Sebastian seit zwei Jahren in seinem Keller angekettet gefangen. Er fühlte sich von seiner Frau dauerhaft herablassend behandelt und kann nun seine Machtfantasien ihr gegenüber grausam ausspielen: Sie muss ihm seine Lieblingskekse backen, ihm auch sonst zu Diensten sein und lebt (überlebt) nur dank seiner „Gnade“. Der neuen Liebe mit Elli steht nun seine eingekerkerte Frau im Weg – Sebastian träumt von einem unbeschwerten, neuen Leben …und manövriert sich und die Frauen in neue Katastrophen.

Die Autorin beschreibt in ihrer Gesellschaftssatire überwiegend dekadente, unbelehrbare, dem Untergang geweihte Menschen, bleibt in ihrer visionären Beschreibung dabei erschreckend realitätsnah und ist dabei sehr polemisch und sarkastisch. Leider bleibt der anfänglich starke und fesselnde Text nicht bis zum Ende überzeugend: der Text hat auch sehr unterschiedliche Kritiken erhalten. Bisweilen lässt sich die perfide Geschichte gar nicht mehr aushalten, aber das macht wohl auch den Reiz des Romans aus.

Nichts für Zartbesaitete, aber lesen Sie selbst!

Susanne Luther-Feddersen

Lesetipp des Monats Februar – Sachbuch

Tim Marshall: Die Macht der Geographie. Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt. Aus dem Englischen von Birgit Brandau.

Dtv, München 2015.

"Die Macht der Geographie" von Tim Marshall

„Die Macht der Geographie“ von Tim Marshall

Wir leben in einer Zeit, in der wir glauben, dass sich durch neue Technologien die mentalen und räumlichen Entfernungen zwischen den Völkern verringert haben. Diese Vorstellung lasse uns leicht vergessen, so der Autor, dass der geographische Raum, in dem wir leben, weiterhin höchst bedeutsam ist. Denn dieser erlaubt es den Regierungen, Entscheidungen über Krieg und Frieden zu treffen. Das schreibt der britische Experte für Außenpolitik, Tim Marshall, der lange als Europa- und Nahost-Korrespondent aus vielen Ländern berichtet hat. Er erklärt, wie geographische Gegebenheiten, nämlich Gebirge, Meere, Flüsse und das Klima die Geschichte beeinflusst haben. Dazu erläutert er anhand von zehn Landkarten, wie sich Staaten und politische Regionen entwickelt haben und wie sich die gegenwärtige Politik erklären lässt. Ein Beispiel ist die fruchtbare nordeuropäische Tiefebene mit den Staaten Frankreich und Deutschland, in der genügend Nahrung produziert werden konnte. Die schiffbaren Flüsse begünstigten zudem den Handel und den Verkehr. Gleichzeitig ermöglichte dieser Landstrich den raschen Durchzug von Armeen. So wurde Russland in den letzten Jahrhunderten mehrfach vom Westen her überrannt. Den Zerfall der Sowjetunion und den Beitritt der ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten zur EU oder Nato sieht Putin als die „größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts“. Putins Annektierung der ukrainischen Krim wegen eines ganzjährig eisfreien Hafens und seine Verbindung zum syrischen Königshaus sind die jüngsten Konfliktpunkte mit dem Westen.

An weiteren neun Schauplätzen rund um den Globus macht der Autor die Weltpolitik unter dem geographischen Aspekt verständlich. Er beschreibt die Naturlandschaften in Fernost und erläutert, weshalb es trotz großer Rivalität nie einen Krieg zwischen Indien und China gab. In angenehmer Weise lenkt er die Aufmerksamkeit weg von der Tagespolitik hin zu langjährigen Umwälzungen.

Tim Marshall lässt auch seine eigenen Erlebnisse als Korrespondent mit einfließen. Das macht das Buch zusätzlich spannend und lebendig.

Auguste Carstensen-Lenz

Lesetipp des Monats Januar – Sachbuch

Christian Nürnberger: Die verkaufte Demokratie – wie unser Land dem Geld geopfert wird.

Ludwig, München 2015.

"Die verkaufte Demokratie" von Christian Nürnberger

„Die verkaufte Demokratie“ von Christian Nürnberger

Christian Nürnberger zeichnet ein Bild unseres Staates, der immer mehr zum Einflussgebiet eines aggressiven Kapitalismus geworden ist. Weltweit agierende Konzerne beuten ihre Arbeitnehmer aus, Demokratie und Menschenrechte werden mit Füßen getreten, Ressourcen verschwendet und die Meinungsbildung manipuliert. Das Ungleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit hat einen Niedergang der demokratischen Kultur verursacht. Als Grundlage dafür sieht er eine verkrustete Parteiendemokratie. Eigentlich sollten die Parteien nur an der Willensbildung mitwirken, tatsächlich jedoch bestimmt ein kleiner Personenkreis aus Berufspolitikern. Diese sind häufig den Lobbyorganisationen verpflichtet, die ihre Kariere begleitet haben. Der Autor selbst schaffte aufgrund parteiinterner Regelungen nicht den Sprung in den Bundestag. Diese Erfahrung mag zu seiner These beitragen, dass die meisten Berufspolitiker am eigenen Machterhalt interessiert sind und weniger an der Gestaltung gesellschaftlicher Zukunft. Im Idealfall gibt es „mündige Bürger“, die durch seriöse Medien in die Lage versetzt werden, sich qualifizierte Urteile zu bilden. Da die Nachfrage nach fundierter politischer Information aber gering ist, liefert die Mehrheit der Medien Unterhaltsames und Seichtes. Privatwirtschaftlich organisierte Medien leben von Werbeeinnahmen und bevorzugen ein unkritisches und unpolitisches Umfeld. Sind die Medien öffentlich-rechtlich organisiert, nehmen Politiker Einfluss auf Journalistenkarrieren. Der Kampf um Werbung, Auflagen und Quoten ist mittlerweile beiden gemein und hat zu einer Neudefinition von Qualität geführt: gut ist, was erfolgreich ist.

Der Theologe und Publizist (u.a. schrieb er für „Die Zeit“ und die „Süddeutsche“) berichtet engagiert aus seinem persönlichen Erleben. In sehr verständlicher Sprache erläutert er, wie es so weit kommen konnte. Und er nennt sinnvolle Alternativen, die die Macht der Konzerne wie z.B. Google, Amazon u. Co. brechen könnten. Die Einflussnahme der Bürger auf die Wirtschaft durch private Kaufentscheidungen sieht er als eine Möglichkeit der Teilhabe. Ebenso plädiert er für Bürgerinitiativen, die sich für eine lebenswerte Zukunft einsetzen.

Ein wichtiges Buch für politisch Interessierte!

Auguste Carstensen-Lenz

Lesen macht Leben leichter

Alpha_KeyVisual_rgb_300dpiDer Flyer zur landesweiten Alphabetisierungskampagne „Lesen macht Leben leichter“ macht es deutlich: „In Deutschland leben 7,5 Millionen deutschsprachige Frauen und Männer, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben. Das heißt: Ungefähr jeder zehnte Erwachsene hat nicht richtig lesen und schreiben gelernt oder es wieder verlernt. In Schleswig-Holstein sind es rund 250.000 Menschen. (…) Glücklicherweise kann man dieses Problem auch noch im Erwachsenenalter lösen. Es ist nie zu spät, lesen und schreiben zu lernen.“

Es gibt eine Reihe von Hilfsangeboten für Betroffene, zum Beispiel Kurse in kleinen Gruppen an den Volkshochschulen und eine Auswahl an Büchern in leichter Sprache in den Bibliotheken. Unterstützt von den Sparkassen im Land und unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Torsten Albig, ist die Kampagne „Lesen macht Leben leichter“ der Volkshochschulen und der Bibliotheken Schleswig-Holsteins im Februar 2015 gestartet. Auch in Husum nehmen die Stadtbibliothek und die Volkshochschule an diesem Projekt teil.

Die Husumer Nachrichten schrieben dazu am 09.03.2015: „Ziel des Projektes ist es, die Lesefähigkeit von Erwachsenen zu fördern und gleichzeitig das Bewusstsein und Verständnis für die Situation funktionaler Analphabeten zu wecken.“

In diesem Rahmen wurde der bisherige Bestand der Stadtbibliothek an Büchern in einfacher Sprache durch eine Alphabetisierungs-Medienbox ergänzt. Diese Medienbox enthält Bücher und Materialien in leichter Sprache, die ab sofort ausleihbar sind.

Mehr zur Alphabetisierungskampagne unter www.lesen-macht-leben-leichter.de; dort gibt es übrigens auch Filme zu den Themen „Volkshochschulkurse“, „Online-Lernportal“ und „Büchereiangebote“. Das „Bücherei“-Video wurde bei uns in der Stadtbibliothek gedreht – klicken Sie gerne mal rein!