Literaturgruppe

Am Montag, 4. September 2017, bespricht die Literaturgruppe ab 16.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Ruhm“ von Daniel Kehlmann.

Interessierte sind herzlich willkommen.

„Ruhm“ von Daniel Kehlmann
(c) Rowohlt-Taschenbuch-Verlag

Daniel Kehlmann: Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten.

Rowohlt-Taschenbuch-Verlag (https://www.rowohlt.de/), Reinbek bei Hamburg 2010.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Ein Schriftsteller mit der unheilvollen Neigung, Menschen, die ihm nahestehen, zu Literatur zu machen, ein verwirrter Internetblogger, ein Abteilungsleiter mit Doppelleben, ein berühmter Schauspieler, der lieber unbekannt wäre, eine alte Dame auf der Reise in den Tod: Ihre Wege kreuzen sich in einem Geflecht von Episoden zwischen Wirklichkeit und Schein. Ein Spiegelkabinett voll unvorhersehbarer Wendungen– komisch, tiefgründig und elegant erzählt vom Autor der «Vermessung der Welt».“

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Literarische Geburtstagskinder – Toni Morrison

Ihren 85. Geburtstag kann heute die us-amerikanische Autorin Toni Morrison feiern, die am 18. Februar 1931 in Lorain (Ohio) geboren wurde. Ihr Romandebüt „Sehr blaue Augen“ erschien 1970 (in deutscher Übersetzung 1979). Für ihre Werke erhielt Toni Morrison zahlreiche Auszeichnungen und 1993 den Nobelpreis für Literatur. Mit ihrem jüngsten auf Deutsch erschienenen Roman „Heimkehr“ hat sie auch bereits Spuren hier in unserem Blog hinterlassen.

Wir gratulieren! Und wer jetzt neugierig geworden ist, könnte ja mal zu ihrem ersten großen Publikumserfolg greifen: Solomons Lied.

"Solomons Lied" von Toni Morrison

„Solomons Lied“ von Toni Morrison

Der Rowohlt-Verlag schreibt über das Buch: „«Solomons Lied», in den USA 1977 erschienen, war – nach «Sehr blaue Augen» und «Sula» – Toni Morrisons dritter Roman, in dem sie mit magischer Klugheit und souveräner Phantasie die Familie der Deads heraufbeschwört: die in trister Ehe welkende Ruth, ihren Sohn Milchmann, der sich danach sehnt, fliegen zu lernen, und die Suche nach dem mythischen Familienschatz aufnimmt, begleitet von der zauberkräftigen Heilerin Pilate, verfolgt von ihrer liebeskranken Enkelin Hagar. Eine große Erzählerin zeigt uns hier, daß noch zu dem unbegreiflichsten Geschehen ein verborgener Schlüssel existiert.
Wer Toni Morrisons Gestalten einmal begegnet ist, dem bleiben sie für immer Gefährten.“

Lesetipp des Monats Juni – Sachbuch

Bastian Obermayer: Gott ist gelb – wie der ADAC Deutschland belügt.

Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2014.

"Gott ist gelb" von Bastian Obermayer

„Gott ist gelb“ von Bastian Obermayer

Es begann mit den Enthüllungen über Manipulationen bei der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“. In der „Süddeutschen Zeitung“ machte der Investigativ-Journalist die Machenschaften der ADAC-Funktionäre bekannt. Wochenlang wurden seine Recherchen als Lügen abgetan und lächerlich gemacht, doch dann mussten einige Spitzenleute zurücktreten. In seinem anschließend veröffentlichten Buch bewies Bastian Obermayer, dass dieser Skandal nur die Spitze eines Eisberges war. Aus dem Pannenhilfeverein von einst ist ein Milliardenkonzern mit 44 Tochterfirmen und 18 weitgehend selbständigen Regionalclubs geworden. Geführt wird er von Managern, die aufgrund der Vereinsstruktur eine große Machtfülle besitzen und ihre Macht gegenüber Politikern einsetzen und missbrauchen. Der Leitspruch des Vereins lautet zwar „Im Mittelpunkt das Mitglied“, doch die 19 Millionen Mitglieder werden getäuscht und abgezockt. Auf ihre Kosten konnte der Gewinn für die Funktionäre Jahr für Jahr gesteigert werden. Mit welchen Mitteln die Manager arbeiten – das macht der Autor in vielen Beispielen deutlich. Für seine Recherchen erhielt er anonyme Hinweise und traf sich heimlich mit den Informanten. Nachfragen beim Konzern blieben jedoch unbeantwortet, als Verein sei man nicht zur Auskunft verpflichtet.

Bastian Obermayer gibt auch praktische Tipps, z.B. wie man rechtzeitig zu günstigeren Tarifen kommt oder andere Anbieter findet. Denn um einen Pannendienst in Anspruch zu nehmen, muss man nicht Mitglied im ADAC sein.

Haben die Veröffentlichungen zu Konsequenzen geführt? Auf dem Höhepunkt der Vertrauenskrise 2014 kündigte der ADAC an, sich zukünftig von Rubbel- und Gewinnspielen zu verabschieden. Im Mai 2015 analysiert der Autor in der SZ die versprochene Erneuerung und bemerkt „der ADAC lässt noch immer rubbeln“.

Auguste Carstensen-Lenz

Lesetipp des Monats März – historischer Roman

Elizabeth Loupas: Die zweite Herzogin. Historischer Roman. Aus dem Englischen von Anja Schünemann.

Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2011.

"Die zweite Herzogin" von Elizabeth Loupas

„Die zweite Herzogin“ von Elizabeth Loupas

Was für ein Auftakt: „‚Seine erste Frau soll er mit eigenen Händen ermordet haben‘, flüsterte die Frisierdame, während sie mir eine Perlenschnur ins Haar flocht. ‚Sie war so jung, so schön.'“ Im Dezember 1565 trifft Barbara von Österreich in Ferrara ein, um dort Herzog Alfonso d’Este zu ehelichen und somit seine „zweite“ Herzogin zu werden. Es ist eine aus politischen Gründen arrangierte Heirat. Mit 26 Jahren ist Barbara nicht mehr die jüngste Braut, und besonders schön ist sie mit ihrer langen Nase und der berüchtigten „Habsburger Lippe“ auch nicht. Dass Alfonsos erste Frau, Lucrezia de Medici, unter verdächtigen Umständen gestorben und ihr Gatte gerüchteweise daran nicht ganz unschuldig ist, hat sie natürlich gehört. Trotzdem freut sich Barbara auf Ferrara, ist die Ehe doch ihre Chance, einer Zukunft im Kloster (die bereits ihren drei unverheirateten Schwestern droht) zu entkommen. Aber sich in ihrem neuen Leben einzurichten ist nicht ganz einfach: am Hof von Ferrara (den eine erbitterte Feindschaft mit den Medici aus Florenz verbindet) wimmelt es von Neid, Intrigen und Spionen, und Barbaras Gefühle gegenüber Alfonso sind zwiespältig – ist er wirklich ein Mörder? Das Rätsel um den Tod ihrer Vorgängerin lässt der intelligenten, neugierigen Barbara keine Ruhe, und so beginnt sie mit vorsichtigen Erkundigungen. Anscheinend stellt sie dabei die richtigen Fragen, denn bald gibt es erste Anschläge auf ihr Leben…

Elizabeth Loupas verknüpft in ihrem ersten Roman sprachlich elegant den immer spannender werdenden Kriminalfall mit farbenprächtig geschilderter Historie. Um den Lesern auch Lucrezias Geschichte und Gefühlswelt näherzubringen, greift die Autorin zu einem raffinierten Trick: Lucrezias Geist ist zwischen Diesseits und Jenseits gefangen, kann sich aber weder bemerkbar machen noch in die Handlung eingreifen sondern nur die Geschehnisse aus ihrer Sicht kommentieren. Diese kursiv gedruckten Passagen fügen sich so passend in die Geschichte ein, dass die Idee mit dem Geist kein bisschen befremdlich erscheint. Vielmehr bangt man bald nicht nur mit Barbara, sondern auch um die teils blauäugige, teils boshafte Lucrezia, die sich schon halb auf dem Weg in die Hölle wähnt.

Im Nachwort geht die Autorin kurz auf die tatsächlichen historischen Ereignisse und Gestalten ein, die sie zu ihrem Roman inspiriert haben. Wie es allerdings den Hauptakteuren Barbara und Alfonso später ergangen ist, erzählt sie dabei nicht – das ist auch gut so: denn aus den historischen Grundlagen hat sie ihre ganz eigenen Romanfiguren zum Leben erweckt. Und nun liegt es ganz in der Phantasie der Leser, ihnen eine gebührende Zukunft jenseits aller Aufzeichnungen auszumalen.

Andrea Sondermann