Filmtipp des Monats September

Einen schönen Mix aus Romanze, Science Fiction und Familiengeschichte bietet der Film „Den Sternen so nah“ :

Schon als Kind hat Nathaniel Shepherd davon geträumt, dass die Menschheit auf dem Mars ein neues Zuhause finden könnte. Seine Firma Genesis organisiert zusammen mit der Nasa die erste Marsmission, bei der Astronauten als Kolonisten auf dem roten Planeten leben sollen. Kommandantin ist die charismatische Sarah Elliott, die allerdings während des siebenmonatigen Fluges feststellt, dass sie schwanger ist – überaus peinlich für die Organisatoren der Mission, die dieses Detail denn auch vor der Öffentlichkeit verschweigen. Sarahs Sohn Gardner wird auf dem Mars geboren und Sarah stirbt, ohne den Namen seines Vaters verraten zu haben.

16 Jahre später wohnt Gardner noch immer in der Marskolonie, da die Ärzte befürchten, sein Körper könnte der Schwerkraft auf der Erde nicht gewachsen sein. Gardner will jedoch unbedingt zur Erde: um endlich seine Chatfreundin Tulsa (vor der er im Chat immer geheim halten muss, dass er auf dem Mars wohnt) persönlich treffen zu können – und um mit ihrer Hilfe, da er auf der Erde sonst niemanden kennt, seinen Vater zu finden, denn in den Habseligkeiten seiner Mutter hat er einige vielversprechende Hinweise entdeckt. Astronautin Kendra, die eine Art Ersatzmutter für Gardner ist, setzt sich sehr für ihn ein und die Nasa bekommt nach all den Jahren Gewissensbisse: also darf Gardner tatsächlich zur Erde, soll dort aber in Quarantäne bleiben, bis alle Untersuchungen abgeschlossen sind. Der clevere Junge büxt jedoch aus und macht sich auf den Weg zu Tulsa; verfolgt von Kendra und Nathaniel, die um seine Gesundheit fürchten…

Abenteuerlich und was fürs Herz – „Den Sternen so nah“ lässt uns staunen und mitfiebern. Lässt uns manche Handlungsentwicklungen im Voraus richtig erraten (z.B. wer Gardners Vater ist, ahnen aufmerksame Zuschauer lange, bevor der Junge es herausfindet) und vollbringt das Kunststück, dass wir uns darüber nicht ärgern, sondern uns im Gegenteil darüber freuen, dass wir das alles im Herzen schon ganz genau wussten.

Ein bisschen schade ist es nur um den so wunderbar mehrdeutigen Originaltitel „The space between us“, der so viel mehr zu erzählen hat als sein deutsches Pendant.

Den Sternen so nah. USA, 2016. Regie: Peter Chelsom. Darsteller: Asa Butterfield (Gardner), Gary Oldman (Nathaniel Shepherd), Britt Robertson (Tulsa) … 1 DVD (116 Min.) Ab 6 Jahren freigegeben.

Andrea Sondermann

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Lesetipp des Monats Juni – Thriller

Luca D’Andrea: Der Tod so kalt. Thriller. Aus dem Italienischen von Verena v. Koskull.

DVA (Programm unter https://www.randomhouse.de/), München 2017.

„Der Tod so kalt“ von Luca D’Andrea

Mein Krimitipp ist mir zu allererst durch seinen Schauplatz aufgefallen: die imposante Gebirgs-Landschaft der Dolomiten in Südtirol. Der Autor, der 38-jährige Dokumentarfilmer Luca D‘Andrea, kennt diese Bergwelt wie seine Westentasche, denn er wurde dort geboren und lebt in Bozen. „Der Tod so kalt“ ist sein erster Roman.

Die Hauptfigur, Jeremiah Salinger, kommt allerdings als Fremder in die Heimat seiner Frau, das Dolomiten-Dorf Siebenhoch. Dort soll sich Salinger, der wie der Autor von Beruf Dokumentarfilmer ist, nach einem traumatischen Unfall erholen. Bei einem Filmprojekt über die Arbeit der Bergrettung war es zu einem Lawinenunglück gekommen. Salinger ist der einzige Überlebende der Crew. In den Dolomiten angekommen, wird er von Alpträumen und Panikattacken geplagt, doch seiner Frau und der kleinen Tochter zuliebe, versucht er, sich nichts anmerken zu lassen.

Bald erfährt Salinger vom s.g. „Bletterbach-Massaker“, einem Ereignis, das bereits über 30 Jahre zurückliegt, doch immer noch die Gemüter bewegt. Während eines gewaltigen Unwetters wurden in der Bletterbach-Schlucht drei junge Menschen, die aus Siebenhoch stammten, bestialisch ermordet. Die Tat blieb trotz intensiver Nachforschungen ungeklärt.

Salingers Schwiegervater hatte die Toten damals gefunden, gemeinsam mit drei weiteren Männern aus dem Dorf. Salinger, der nach Beschäftigung sucht, beginnt Fragen zu stellen, Staub aufzuwirbeln, die eingeschworene Gemeinschaft aufzumischen auf seiner eigenen Suche nach dem Täter von damals. Obwohl er bald sogar bedroht wird, gerät die Suche nach der Wahrheit für Salinger immer mehr zur Obsession, für die er sogar sein Familienglück aufs Spiel setzt…

Die unglaublich spannende Geschichte um menschliche Abgründe und die Schönheiten und Grausamkeiten der Gebirgskulisse ist sehr schnell und rasant erzählt.

Eine gute Einstimmung auf den nächsten, hoffentlich ganz friedlich verlaufenden, Bergurlaub ist dieser Thriller auf jeden Fall! Und einen Besuch in der Bletterbach-Schlucht sollte man einplanen.

Hedda Jensen