Lesetipp des Monats September – Jugendroman

Susan Kreller: Schneeriese.

Carlsen, Hamburg 2014.

"Schneeriese" von Susan Kreller

„Schneeriese“ von Susan Kreller

Der 14-jährige Adrian lebt seit frühen Kindheitstagen direkt neben Stella und ihrer Familie, die Wohnungen sind nur durch eine Terrasse getrennt. Das Nachbarsmädchen ist für den für sein Alter sehr groß gewachsenen Jungen Vertraute und beste Freundin und die beiden sind unzertrennlich. Adrian, von Stella liebevoll nur „Einsneunzig“ genannt, wird von seiner guten Freundin auch in der Schule vor Hänseleien geschützt. Das lässt Adrian auch die quälenden Versuche seiner Mutter ertragen, die ihn zu einer Hormontherapie, die das Wachstum stoppen soll, bewegen will.

Als im Nachbarhaus, dem bislang leerstehenden, mysteriösen „Dreitotenhaus“, das seit jeher die Fantasie der beiden angeregt hat, eine georgische Familie einzieht, ändert sich plötzlich alles. Stella verliebt sich in Dato, den Sohn der Familie, und verbringt ihre Zeit jetzt mit ihm. Adrian durchlebt eine von Sprachlosigkeit, Wut und Eifersucht geprägte Zeit und begreift allmählich seine Verliebtheit in Stella. Der Liebeskummer  treibt ihn zu unrühmlichen Taten und beinahe richtet er auch in der Familie Datos großen Schaden an. Doch mehr noch schadet er sich selbst: Als Adrian eines Nachts vor der verschlossenen Küchentür von Stellas Familie auf die Hollywoodschaukel flieht und dort Stunden apathisch in der Kälte sitzt, rettet sein Vater ihn gerade noch rechtzeitig vor dem Erfrieren. Durch diese Kältenacht wird Adrian schwer krank, er hatte ohnehin schon vorher stark an Gewicht verloren und wird nun liebevoll von seinen besorgten Eltern gepflegt. Langsam kehrt er wieder ins Leben zurück, überlebt seinen furchtbaren Liebeskummer und … schafft es vielleicht trotzdem, Stellas Freund zu bleiben.

Eine außerordentliche Liebesgeschichte, für Jugendliche ab etwa 14 Jahren, legt die preisgekrönte Autorin hier vor, die besonders durch die Sprachgewalt und die Innensicht eines unglücklich verliebten Jungen besticht. Ein Buch, dem ich viele Leser (und auch Leserinnen) wünsche!

Susanne Luther-Feddersen

„Schneeriese“ wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2015 in der Sparte „Jugendbuch“ ausgezeichnet.

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Lesetipp des Monats November – Kinderbuch

Der beste Tag aller Zeiten – Weitgereiste Gedichte. Herausgegeben von Susan Kreller. Mit Illustrationen von Sabine Wilharm. Aus dem Englischen übersetzt von Henning Ahrens und Claas Kazzer.

Carlsen, Hamburg 2013.

"Der beste Tag aller Zeiten - Weitgereiste Gedichte"

„Der beste Tag aller Zeiten – Weitgereiste Gedichte“

Von den unterschiedlichsten Enden der Welt kommen die Gedichte, die Susan Kreller für diese außergewöhnliche Sammlung zusammengetragen hat, und wer des Englischen mächtig ist, kann sie im Anhang alle in der Originalfassung entdecken. Da gibt es Witziges und Nachdenkliches, Schönes und Trauriges – und vieles davon gereimt, was die Übersetzer vor besondere Herausforderungen stellt. Nicht ohne Grund wurde „Der beste Tag aller Zeiten“ für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2014 in der Sparte „Kinderbuch“ nominiert!

Es ist keine schnelle Lektüre für Zwischendurch, es ist ein Sicheinlassen und Genießen Stück für Stück, und wer hier tief eintaucht wird mehr als nur ein neues Lieblingsgedicht finden. Der Band punktet aber nicht nur mit Texten, die es weitgehend noch nie auf Deutsch zu lesen gab, sondern vor allem mit der Sortierung der Gedichte unter Oberbegriffen, die für sich allein schon die Lust am Fabulieren wecken: „Abenteuer in allen Größen“, „Wunder und andere sehr stille Angelegenheiten“, „Gedichte in Farbe“ und „Das Glück, das Unglück und die sieben Meter dazwischen“ – um nur einige Beispiele zu nennen. Die teils skurrilen und versponnenen Illustrationen von Sabine Wilharm rahmen das Gesamtwerk gekonnt ein.

Und auch wenn das Gedicht „Bibliothek“ von Valerie Worth aus den USA (im Kapitel „Geflügelte Orte“) es der Belegschaft der Stadtbibliothek naturgemäß besonders angetan hat – und auf dem hinteren Buchdeckel abgedruckt ist, so dass man die Sammlung gar nicht aufschlagen müsste, um es zu lesen – lohnt sich die Entdeckungsreise ins Innere für alle großen und kleinen Wortakrobaten ab 6 Jahren.

Andrea Sondermann