Lesetipp des Monats Mai – Roman

Karen Duve: Macht. Roman.

Galiani Berlin, Köln 2016.

"Macht" von Karen Duve

„Macht“ von Karen Duve

Hamburg im Jahr 2031: Der Weltuntergang scheint unaufhaltsam, dauerhaft schwerste Stürme, Überflutungen und Hitze bestimmen den Alltag. Der Staat hat den Feminismus durchgesetzt, Fleischkonsum und Benzin sind rationiert und teuer, die Menschen aber handeln nach wie vor egoistisch und konsumorientiert.

In einem Hamburger Vorort findet ein 50.-jähriges Klassentreffen statt, zu dem die ehemaligen Schulkameraden dank des neuen, hochgradig krebserregenden Medikaments „Ephebo“ deutlich verjüngt auftreten.  Auch Sebastian Bürger, eigentlich im Rentenalter, aber dank der Verjüngungspille jung und attraktiv aussehend, besucht das Klassentreffen und trifft dort seine heimliche Jugendliebe Elli wieder, in die er sich erneut verliebt.

Seine als verschollen geltende Frau, die Umweltministerin war, hält Sebastian seit zwei Jahren in seinem Keller angekettet gefangen. Er fühlte sich von seiner Frau dauerhaft herablassend behandelt und kann nun seine Machtfantasien ihr gegenüber grausam ausspielen: Sie muss ihm seine Lieblingskekse backen, ihm auch sonst zu Diensten sein und lebt (überlebt) nur dank seiner „Gnade“. Der neuen Liebe mit Elli steht nun seine eingekerkerte Frau im Weg – Sebastian träumt von einem unbeschwerten, neuen Leben …und manövriert sich und die Frauen in neue Katastrophen.

Die Autorin beschreibt in ihrer Gesellschaftssatire überwiegend dekadente, unbelehrbare, dem Untergang geweihte Menschen, bleibt in ihrer visionären Beschreibung dabei erschreckend realitätsnah und ist dabei sehr polemisch und sarkastisch. Leider bleibt der anfänglich starke und fesselnde Text nicht bis zum Ende überzeugend: der Text hat auch sehr unterschiedliche Kritiken erhalten. Bisweilen lässt sich die perfide Geschichte gar nicht mehr aushalten, aber das macht wohl auch den Reiz des Romans aus.

Nichts für Zartbesaitete, aber lesen Sie selbst!

Susanne Luther-Feddersen

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Lesetipp des Monats April – Roman

Bov Bjerg: Auerhaus. Roman.

Aufbau-Verlag, Berlin 2016.

"Auerhaus" von Bov Bjerg

„Auerhaus“ von Bov Bjerg

Nach dem Selbstmordversuch ihres Freundes Frieder finden sich eine Handvoll Schüler zusammen und gründen eine WG im leer stehenden, alten Haus von Frieders Großvater auf dem Land. Sie wollen sich gemeinsam um den labilen Freund kümmern, sich aber auch deutlich abgrenzen von der angepassten Lebenswelt ihrer Eltern. Ihre Lebensläufe sollen nicht in profane Ordner „Geburt, Schule, Arbeit, Tod“ passen. Die im wunderbar eingefangenen Zeitgeist  der 80er-Jahre spielende Geschichte  wird aus der Perspektive von Frieders bestem Freund in Rückblenden erzählt.

Zusammen mit der flippigen Vera, der aus gutem Hause stammenden Cäcilia und Harry, dem Elektrikerlehrling, beziehen sie das „Auerhaus“,  benannt nach dem Song „Our house“, nur das niemand im Dorf das so richtig aussprechen kann. Frieder, der nach seinem Suizidversuch einen langen Aufenthalt in der Psychiatrie hinter sich hat, bringt in die Wohngemeinschaft noch Pauline mit, die wegen gefährlicher Brandstiftung ebenfalls in psychiatrischer Behandlung war.

Eigentlich sollten sich vier der Bewohner auf das bevorstehende Abitur vorbereiten, aber ihre Suche nach Freundschaft, Liebe und Glück ist viel wichtiger. Sie toben sich mit mehr oder weniger harmlosen Streichen aus, klauen Lebensmittel, Frieder sägt den dörflichen Weihnachtsbaum ab und der Ich-Erzähler schwänzt seinen Musterungstermin bei der Bundeswehr – mit entsprechenden Konsequenzen. Und über all den Ereignissen in dieser besonderen Gemeinschaft schwebt die Sorge um Frieder.

Die Geschichte ist mitreißend, empathisch und frisch erzählt. Passend gibt es keine Erklärungsversuche zu den Suizidabsichten Frieders – und das ist auch gut so. Nicht alles lässt sich erklären.

Unbedingt lesen! Vergnügen, Mitfühlen und Berührt sein liegen beim Lesen hier dicht beieinander – zu Recht ein Bestseller!

Susanne Luther-Feddersen

Lesetipp des Monats Oktober – aus der Romanabteilung

Christiane Neudecker: Sommernovelle.

Luchterhand Literaturverlag, München 2015.

Der Sommer geht zu Ende und um noch ein bisschen den Wind der Dünen und das Meeresrauschen zu fühlen, sollte man unbedingt die „Sommernovelle“ lesen:

"Sommernovelle" von Christiane Neudecker

„Sommernovelle“ von Christiane Neudecker

Nicht nur das schöne Cover mit Dünengras, Meer und Himmel lädt ein, sich gedanklich auf eine Nordseeinsel einzulassen und noch einmal in das Jahr 1989 einzutauchen.

Die beiden 15-jährigen Mädchen Panda und Lotte sind in Aufbruchstimmung, wollen sich von ihren Eltern und der Gesellschaft unterscheiden, sind voller Träume und wollen die Welt retten. Die Katastrophe von Tschernobyl bewegt sie und sie möchten unbedingt für die Umwelt aktiv sein. Durch Zufall ergattern die beiden einen Freiwilligenjob auf einer Vogelstation einer Nordseeinsel, um Vögel zu zählen und Touristen durch das Schutzgebiet zu führen. Aus der Sicht der kritischen Beobachterin Panda erzählt, die auch hartnäckig nachfragt, wozu ihre Arbeit in der Station eigentlich dient, entfaltet sich ein atmosphärisch dichtes Panorama der Gefühle: Aufbruch, Selbstzweifel, erstes Verliebtsein  (Lotte verliebt sich in den attraktiven Zivi) und Erwachsenwerden. Sehr gelungen ist die Beschreibung der langsam entstehenden Freundschaft zwischen Panda und einem alten Vogelkundler, die beide die Begeisterung für Bücher teilen.  Panda lernt von ihm das „Himmelslesen“, um eine Vorstellung von der Zahl der Vögel zu haben, die sie zählen soll. Die Sprache der kleinen Novelle ist bezaubernd und voller Leichtigkeit. Der Sprung in die Gegenwart, in der die Erzählerin die Insel als Erwachsene noch einmal besucht – es ist Sylt! – aber doch kaum etwas wieder erkennt, lässt dennoch das Bauchkribbeln von damals nachempfinden.

Wie eine kleine Zeitreise in die eigene Jugend – eine kleine, aber feine Geschichte, von der man gerne me(e)hr hätte! Unbedingt lesen!

Susanne Luther-Feddersen

Literaturgruppe

Am Montag, 27. Oktober 2014, bespricht die Literaturgruppe ab 18.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Burgers Tochter“ von Nadine Gordimer.

Interessierte sind herzlich willkommen.

"Burgers Tochter" von Nadine Gordimer

„Burgers Tochter“ von Nadine Gordimer

Nadine Gordimer: Burgers Tochter. Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Margaret Carroux.

Berlin-Verlag, Berlin 2008.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Rosa wächst als Tochter eines angesehenen Arztes und Helden der Anti-Apartheid-Bewegung in Johannesburg auf. Nachdem ihre Eltern verhaftet werden, muss sie sich allein zurechtfinden, verlobt sich zum Schein mit einem politischen Gefangenen und gelangt nach Europa. Das poetische Porträt einer jungen Frau – und ein großer politischer Roman, der in Südafrika erst erscheinen durfte, nachdem sich Autoren wie Heinrich Böll vehement für ihn einsetzten.“

„Burgers Tochter“ (1979) bezeichnete Autorin Nadine Gordimer als eines ihrer Lieblingswerke. Der Verlag schreibt über sie: „Nadine Gordimer, geboren 1923 in dem Minenstädtchen Springs, Transvaal, gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit. Jahrzehntelang schrieb sie gegen das Apartheidregime an und setzt sich bis heute mit dessen zerstörerischen Folgen für die schwarze und weiße Bevölkerung auseinander. 1991 wurde ihr der Nobelpreis für Literatur verliehen. Sie starb am 13. Juli 2014 in Johannesburg, Südafrika.“

Lesetipp des Monats Juni – Sachbuch

Sabine Bode: Nachkriegskinder. Die 1950er Jahrgänge und ihre Soldatenväter.

Klett-Cotta, Stuttgart 2011.

"Nachkriegskinder" von Sabine Bode

„Nachkriegskinder“ von Sabine Bode

Die Journalistin Sabine Bode befasst sich seit einigen Jahren mit den psychischen Spätwirkungen des zweiten Weltkrieges auf die Gesellschaft. Ihren ersten Band „Die vergessene Generation“ veröffentlichte sie 2004 und brachte damit das Leid der Kriegskinder zur Sprache, das bis dahin in der öffentlichen Diskussion nur wenig thematisiert worden war. In ihrem zweiten Buch „Kriegsenkel“ widmete sie sich den zwischen 1960 und 1975 geborenen Nachkommen.

Auch in der Generation dazwischen blieb der Krieg nicht ohne Auswirkungen, wie die Verfasserin in ihren Seminaren und Lesungen von Betroffenen erfuhr.
Denn wie konnten ehemalige Soldaten, Mitläufer oder Mitmacher des nationalsozialistischen Regimes ihren Söhnen und Töchtern eine unbeschwerte Kindheit bieten? Die alten Erziehungsnormen existierten weiterhin, sie verbanden sich mit den Verdrängungen und dem schlechten Gewissen der Eltern. Seelische Wunden hatten in der Zeit des Wiederaufbaues und des steigenden Wohlstandes keinen Platz.
Das pädagogische Verhalten der Erwachsenen führt Sabine Bode exemplarisch auf Kriegstraumatisierungen zurück. Für Angehörige dieser Generation eine spannende Analyse der Nachkriegszeit!

Im letzten Teil des Buches verdeutlichen Interviews mit Experten den Zusammenhang zwischen persönlicher Lebensgeschichte und deutscher Geschichte. So hat der Historiker Sönke Neitzel die Mentalität deutscher Wehrmachtsangehöriger anhand Abhörprotokolle, entstanden in englischer Kriegsgefangenschaft, untersucht („Soldaten: Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“).

Auguste Carstensen-Lenz

Kindertheater von und mit Achim Sonntag

Lesezauber in der Stadtbibliothek

im Rahmen der

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Das Kindertheater von und mit Achim Sonntag

präsentiert am Sonnabend, 09. November 2013, um 15.30 Uhr „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ nach dem Bilderbuch von Axel Scheffler und Julia Donaldson (besser bekannt als die Macher des legendären „Grüffelo“) für Kinder ab 3 Jahren.

Eigentlich will Achim Sonntag an diesem Nachmittag gar kein Theater spielen, sondern nur aus seinem Lieblingsbilderbuch vorlesen:

"Für Hund und Katz ist auch noch Platz" von Axel Scheffler und Julia Donaldson

„Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ von Axel Scheffler und Julia Donaldson

Aber was tun, wenn auf Seite 1 plötzlich die Hexe aus dem Buch verschwunden ist?

Ganz klar: die Geschichte erzählen – in einer Mischung aus Schauspiel, Figurenspiel und natürlich dem Bilderbuchtext. Mit Witz und Mitmachelementen beginnt eine Reise auf dem fliegenden Besen.

Für alle, die mitreisen möchten, sind die Eintrittskarten zum Preis von 1 Euro für Kinder und 2 Euro für Erwachsene in der Bibliothek erhältlich.