Literaturgruppe

Am Montag, 12. März 2018, bespricht die Literaturgruppe ab 16.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Was vom Tage übrig blieb“ von Kazuo Ishiguro.

Interessierte sind herzlich willkommen.

„Was vom Tage übrig blieb“ von Kazuo Ishiguro
(c) Heyne

Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb. Roman. Aus dem Englischen von Hermann Stiehl.

Heyne (Programm siehe unter https://www.randomhouse.de/), München 2016.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Stevens dient als Butler in Darlington Hall. Er sorgt für einen tadellosen Haushalt und ist die Verschwiegenheit in Person: Niemals würde er auch nur ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. Er stellt sein Leben voll und ganz in den Dienst seines Herrn. Auch die vorsichtigen Annäherungsversuche von Miss Kenton, der Haushälterin, weist er brüsk zurück. Viele Jahre lang lebt ergeben in seiner Welt, bis ihn eines Tages die Vergangenheit einholt. Das kritische Portrait einer von Klasse und Hierarchien geprägten Gesellschaft und eine bittersüße Liebesgeschichte, erzählt von einem, der seinen Stand nie hinterfragt und der nie auch nur geahnt hat, dass er liebte.“

Kazuo Ishiguro erhielt den Nobelpreis für Literatur 2017.

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Lesetipp des Monats Juni – Science-Fiction-Jugendroman

S.J. Kincaid: Diabolic – vom Zorn geküsst. Aus dem Amerikanischen von Ulrich Thiele.

Arena (http://www.arena-verlag.de/), Würzburg 2017.

„Diabolic“ von S.J. Kincaid
(c) Arena-Verlag

Autorin S.J. Kincaid entführt ihr Lesepublikum in eine Zukunft, in der die herrschende Elite auf gewaltigen Raumschiffen im Weltall lebt und mit Verachtung auf ihre planetenbewohnenden Untertanen herabsieht. Die Beschäftigung mit Naturwissenschaften, Forschung und Technik ist als Ketzerei verschrien, obwohl die teils maroden Maschinen des Imperiums nach und nach den Geist aufgeben. Dementsprechend umstritten ist die Erschaffung von „Diabolics“, die zwar wie Menschen aussehen, aber genetisch „optimiert“ und darauf geprägt wurden, eine einzige Person mit allen Mitteln zu beschützen. Ich-Erzählerin Nemesis ist eine solche „Diabolic“ und ihr Lebensinhalt ist Sidonia, die Tochter des Senators von Impyrean. Sidonia aber betrachtet Nemesis nicht als ihre Leibwächterin, sondern als ihre Freundin, und ist fest davon überzeugt, dass auch die tödlichen Diabolics eine Seele und Gefühle haben.

Als der Kaiser den Befehl erteilt, alle Diabolics zu töten, überlistet Sidonias Familie den Kontrolleur und lässt Nemesis am Leben, damit sie weiterhin ihre Aufgabe als Beschützerin erfüllen kann. Da der Senator durch sein Interesse an naturwissenschaftlichen Forschungen Unmut erregt hat, soll Sidonia als „Gast“ an den kaiserlichen Hof kommen. Doch an ihrer Stelle und unter ihrem Namen reist die getarnte Nemesis, der es allerdings sehr schwer fällt, einen „echten“ Menschen zu mimen und dabei allen Hofintrigen gewachsen zu sein. Unabsichtlich gewinnt sie sogar die Aufmerksamkeit des Thronfolgers: Tyrus, der angeblich wahnsinnige Neffe des Kaisers, zeigt verwirrendes Interesse an ihr. Dabei ist Liebe weder in ihren noch in seinen Plänen vorgesehen…

„Diabolic“ zieht uns in eine gar nicht so schöne neue und in ethischen Fragen teilweise erschreckend nahe Welt, aus der die Hauptfigur Nemesis von Anfang an mit faszinierender Stimme spricht. Ein wahrer Leserausch, der noch lange nachwirkt.

Andrea Sondermann

Hörbuchtipp des Monats Juli

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit. Roman. Gelesen von Robert Stadlober.

Diogenes, Zürich 2016.

"Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells

„Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells

Ein besonderer Hörbuch-Tipp für den Sommer, gut geeignet für lange Autofahrten, vielleicht auf dem Weg in den Urlaub, ist die Hörbuch-Ausgabe des Spiegel-Bestsellers „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells.

Wunderbar empathisch vorgelesen vom Schauspieler Robert Stadlober wird aus Sicht des Ich-Erzählers Jules in Rückblenden seine Familiengeschichte erzählt. Jules wächst mit seinen älteren Geschwistern Marty und Liz in einem behüteten Elternhaus auf, als ihre Wege sich durch den plötzlichen Unfalltod der Eltern trennen. Zwar kommen sie alle in das gleiche Internat, aber durch den Altersunterschied in unterschiedliche Häuser verteilt, verlieren sie sich zunehmend aus den Augen. Jules, als verträumter, introvertierter Junge lernt das Mädchen Alva im Internat kennen, mit der er fortan das Interesse an Musik, Büchern und Lebensfragen von der Pubertät bis zum Erwachsenwerden in enger Freundschaft teilt. Aber nach der Schulzeit trennen sich auch ihre Wege wieder.

Schuldgefühle, das Auseinanderdriften der Geschwister und immer wieder die quälenden, sehnsüchtigen Erinnerungen an die Kindheit beschäftigen Jules. Sein Bruder wird erfolgreicher Unternehmer, die Schwester ist getrieben von Lebenshunger, nimmt Drogen und bleibt unstet, während Jules eher durchs Leben schwebt und sich nicht fest zu legen vermag.

Erst die späte Wiederbegegnung mit Alva verändert ihn und sein Leben. Dass die Familie sich wieder annähert, beginnt bereits in der glücklichen Phase, in der er und Alva zum Paar werden, die Zusammengehörigkeit der Geschwister manifestiert sich dann aber durch gemeinsam durchzustehende Schicksalsschläge.

Ein berührender Roman, mit vielen poetischen und philosophischen Gedanken, der ganz ohne Pathos auskommt. Sehr gerne empfohlen!

Susanne Luther-Feddersen