Literaturgruppe

Am Montag, 12. März 2018, bespricht die Literaturgruppe ab 16.30 Uhr in der Bibliothek das Buch „Was vom Tage übrig blieb“ von Kazuo Ishiguro.

Interessierte sind herzlich willkommen.

„Was vom Tage übrig blieb“ von Kazuo Ishiguro
(c) Heyne

Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb. Roman. Aus dem Englischen von Hermann Stiehl.

Heyne (Programm siehe unter https://www.randomhouse.de/), München 2016.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Stevens dient als Butler in Darlington Hall. Er sorgt für einen tadellosen Haushalt und ist die Verschwiegenheit in Person: Niemals würde er auch nur ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. Er stellt sein Leben voll und ganz in den Dienst seines Herrn. Auch die vorsichtigen Annäherungsversuche von Miss Kenton, der Haushälterin, weist er brüsk zurück. Viele Jahre lang lebt ergeben in seiner Welt, bis ihn eines Tages die Vergangenheit einholt. Das kritische Portrait einer von Klasse und Hierarchien geprägten Gesellschaft und eine bittersüße Liebesgeschichte, erzählt von einem, der seinen Stand nie hinterfragt und der nie auch nur geahnt hat, dass er liebte.“

Kazuo Ishiguro erhielt den Nobelpreis für Literatur 2017.

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Lesetipp des Monats November – Roman

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann. Roman.

DuMont (http://www.dumont-buchverlag.de/), Köln 2017.

Hauptfigur Luise, die Enkelin von Selma, erzählt, zunächst als Kind, später dann als junge Erwachsene, ihre persönliche Geschichte und die der Menschen in ihrem kleinen Dorf im Westerwald.

Ihre Großmutter Selma hat eine besondere und von allen gefürchtete Gabe: immer wenn sie von einem Okapi (= giraffenartiger Paarhufer aus dem zentralafrikanischen Regenwald) träumt, stirbt binnen 24 Stunden ein Mensch aus der Gegend. Da niemand weiß, wen es treffen wird, sind alle Bewohner des Dorfes, sobald bekannt wird, dass Selma diesen Traum hatte, besonders vorsichtig, ängstlich und besorgt.

Die Menschen, die Luise umgeben, sind ihr gleichaltriger Freund Martin, ihre Oma und ihre Eltern: die Mutter, die so mit sich selbst und dem Wunsch, sich von ihrem Mann zu trennen beschäftigt ist und der Vater, der ständig in der Welt herumreist, so dass beide ihre Tochter gar nicht wahrnehmen. Dann gibt es noch den Optiker, der nicht nur heimlich in Luises Oma verliebt ist, sondern Luise und ihrem Freund alles Wissenswerte der Welt beizubringen versucht.

Der Schicksalsschlag, den Luise noch als Kind erfahren muss, als nach einer der Todesvisionen ihrer Oma ihr bester Freund aus dem Zug fällt und stirbt, prägt Luise in ihrem Erwachsenwerden. Sie macht eine Buchhändlerlehre im nächstgelegenen Ort und verbringt ihre Zeit noch immer am liebsten bei ihrer Oma und im Dorf.

Als Luise dem buddhistischen Mönch Frederick begegnet, entdeckt sie deutlich mehr Facetten für ihr weiteres Leben.
Die beschriebenen Bewohner des Dorfes sind eine skurrile, kleine und scheinbar beengte Gemeinschaft, deren Welt die Autorin liebevoll und scharfsinnig ersonnen hat.

Das Eintauchen als Leserin oder Leser in Luises kleine, eigenartige Welt lohnt sich unbedingt!

Susanne Luther-Feddersen

Lesetipp des Monats März – Jugendroman

Marci Lyn Curtis: Alles, was ich sehe. Aus dem Englischen übersetzt von Nadine Püschel.

Königskinder-Verlag (https://www.carlsen.de/koenigskinder), Hamburg 2016.

"Alles, was ich sehe" von Marci Lyn Curtis

„Alles, was ich sehe“ von Marci Lyn Curtis

Seit einer Hirnhautentzündung ist Maggie blind und kann sich nur sehr schwer in ihr neues Leben einfinden. All ihre Zukunftsvorstellungen vom Fußballstipendium fürs College und der Berufung in die Nationalmannschaft sind geplatzt, und noch viel schlimmer: nun scheint ihr jegliche Gesprächsgrundlage mit ihrer Mutter zu fehlen, die früher selbst eine hochklassige Fußballspielerin war und inzwischen als Trainerin arbeitet. Maggie fühlt sich hilflos und um ihre Träume betrogen. Als sie sich eines Tages den Kopf stößt und danach plötzlich den zehnjährigen Ben und alles in seiner unmittelbaren Umgebung sehen kann, mag sie ihren Augen kaum trauen: Wunder passieren doch nicht einfach so, oder? Zudem ist Bens älterer Bruder Mason auch noch Sänger in Maggies Lieblingsband – und hält die Siebzehnjährige prompt für eine Simulantin. Aber Bens positive Lebenseinstellung wirkt so ansteckend, dass sich in seiner Nähe nicht nur Maggies Sichtfeld, sondern ihr ganzes Leben aufhellt. Kann sie durch die Freundschaft mit ihm vielleicht sogar ein besserer Mensch werden?

„Alles, was ich sehe“ ist der erste Roman der Autorin Marci Lyn Curtis – und gleich ein Volltreffer! Sarkastisch und schnodderig lässt sie Maggie in der Ich-Form erzählen und die Leserinnen mitlachen und -leiden. Der begeisterte Lexikonleser Ben trifft nicht nur die Hauptfigur mitten ins Herz.

Und mehr wird jetzt nicht verraten.

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats Februar – Jugendbuch

Sabine Schoder: Liebe ist was für Idioten. Wie mich. Roman.

Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 2015.

"Liebe ist was für Idioten. Wie mich." von Sabine Schoder

„Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ von Sabine Schoder

„Drogen, Viki, Drogen rauben dir den Verstand.“ Wie wahr – am Morgen nach ihrem siebzehnten Geburtstag erwacht Viki nach einigen Joints zu viel mit Filmriss im Bett von Jay, seines Zeichens Sänger der Schülerband „Major Malfunction“, an dem Viki bisher noch nie ein gutes Haar gelassen hat. Als hätte die Halbwaise mit ihrem Leben in Armut, alkoholsüchtigem Vater und mehreren Schulfächern auf der Kippe nicht schon genug Probleme! Diesen Fehltritt will sie so schnell wie möglich vergessen, aber irgendwie bekommt sie Jay nicht mehr aus dem Kopf: Warum etwa hat er sowohl seiner Band als auch der Schule den Rücken gekehrt und warum geht seine Mutter zu einem Therapeuten? Auf keinen Fall dürfen ihre Freunde erfahren, dass Viki sich schließlich tatsächlich mit Jay verabredet! Denn verliebt ist sie überhaupt nicht in ihn. Nein, ganz sicher nicht. Oder doch?

Und mehr wird zum Inhalt nicht verraten. Autorin Sabine Schoder erzählt ihr Erstlingswerk sprachlich absolut überragend in der Ich-Form aus der Sicht von Viki. Spannend und gefühlsecht, mit sehr gelungenen Dialogen. Ein Genuss von Anfang bis Ende!

Andrea Sondermann

Lesetipp des Monats März – Jugendroman

Meg Rosoff: Was ich weiß von dir. Roman. Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit.

Fischer KJB, Frankfurt am Main 2014.

"Was ich weiß von dir" von Meg Rosoff

„Was ich weiß von dir“ von Meg Rosoff

In den Osterferien tritt Mila, ein sehr kluges und feinsinniges zwölfjähriges Mädchen, gemeinsam mit ihrem Vater eine Reise in die USA an. Ursprünglich wollten die beiden den Freund des Vaters aus Kindheitstagen besuchen. Doch dieser ist kurz vor dem verabredeten Besuch spurlos verschwunden und hat Frau, Baby und Hund zurück gelassen. Da die Polizei das unerklärliche Verschwinden nicht als mögliches Verbrechen einstuft, beschließen Mila und ihr Vater, sich in Begleitung des Hundes auf die Suche nach Matt zu begeben. So beginnt – erzählt aus der Perspektive der sehr reflektierten, ihrem Alter weit voraus denkenden Mila – ein fast poetischer Roadmovie, der durch den Osten der USA führt. Natürlich steht die Frage nach dem Warum des Verschwindens als Rätsel im Vordergrund, doch eigentlich ist der Schwerpunkt des Jugendromans die besondere Vater-Tochter-Beziehung und Milas Einblick in die Welt der Erwachsenen.

Mila findet Matt nach vielen Umwegen und erfährt so einiges über den Hintergrund seiner Flucht. Sie schafft es zwar, ihn zur Rückkehr zu seiner Familie zu bewegen, aber was dann wird, lässt sich durch Außenstehende nicht beeinflussen. Mila stellt bei all ihrer Reife fest, dass sie doch eigentlich noch ein Kind ist.

Die Autorin von „How I live now“ (übrigens als Verfilmung sehr gelungen!), schreibt hier eine sensible, warmherzige Geschichte, ohne „Action“ und unaufgeregt, aber berührend.

Gerne empfohlen ab 14 Jahren.

Susanne Luther-Feddersen