Lesetipp des Monats September – Roman

Moritz Rinke: Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel. Roman.

Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010.

"Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel" von Moritz Rinke

„Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel“ von Moritz Rinke

Der zunächst als Dramatiker bekannt gewordene Autor siedelt seinen ersten Roman in Worpswede an, wo er selbst in einer Künstlerfamilie aufwuchs. Er konstruiert eine Familiengeschichte aus der Sicht des Nachkommen Paul Wendland, der von seiner Hippie-Mutter beauftragt wird, das geschichtsträchtige Elternhaus vor dem Einsinken ins Moor zu retten. Da dieser als erfolgloser Galerist in Berlin kaum ein Auskommen hat, kehrt er in das berühmt gewordene Dorf zurück, um die Aufgabe zu erledigen. Hier arbeitete sein Großvater Kück an lebensgroßen Bronzestatuen von Luther bis zu Max Schmeling und Ringo Starr. Der berühmte Bildhauer überstand die Nazizeit unbeschadet, so die Annahme des Enkels. Doch dann werden bei den Sanierungsarbeiten eine Leiche und die Skulptur des Reichsbauernführers gefunden. Für Paul beginnt die Vergangenheitsbewältigung. Dunkle Familiengeheimnisse und Generationenkonflikte, in die die Bewohner der Künstlerkolonie verstrickt waren, tauchen nun ins Licht. Die historischen Gestalten spielen dabei ihre eigene Rolle.

Ein vergnüglicher Roman mit tragikomischen Elementen und skurrilen Figuren. Eine originelle Idee, mit dem Worpswede-Klischee zu spielen, zudem spannend geschrieben.

Auguste Carstensen-Lenz

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